Jan 16 2013

new.myspace.com – schon wieder ne Gated Community? Lame.

2013-01-16 facebook

…postete Kollege Markus “@videopunk“ gerade aus der gated community Facebook über das wiederauferstandene Myspace. Das jetzt “New Myspace” heißt. Erwartungsfroh klickte ich auf den Link und sah: Nichts.

Das Myspace, was ich noch in meinen Erinnerungshirnwindungen abgelegt hatte, war eine Plattform, auf der man sich ein Profil einrichten und damit allerlei Schabernack treiben konnte. Zum Beispiel mit animated Hintergrund-Gifs für Augenkrebs sorgen.

Sehen konnte das jeder, der es sich antun wollte. Ein Login war nur nötig, wollte man sich verbinden, “Freunde werden”, sich in den Kommentaren für das Ani-Gif bedanken oder seinen eigenen Myspace-Hintergrund häßlich machen.

Timberlake statt Videopunk

Und jetzt? Seh ich Herrn Timberlake im Anzug, der ernst guckt und die Haare schön hat, wenn ich die Myspace-Seite von Markus sehen will.

Das ist alles nicht neu, eigentlich nicht der Rede wert, müssten wir nicht mal darüber reden, was gerade mit “unserem” Netz passiert. Angestoßen hat die Diskussion Ende 2012 Johnny “Spreeblick” Häusler, der meinte, wir müssten 2013 das Web zurückerobern. Und seitdem in gut zwei Wochen drei Artikel produziert hat. Naja.

Wellen hat er mit seinem Aufruf trotzdem gemacht und die Kollegen von Breitband haben sich dann auch dankenswerterweise damit ausgiebig beschäftigt.

Abhängig von Facebook & Co

Mit Johnnys These bin ich auch mehr als d’accord: Mittlerweile wird lieber getumblert, getwittert, gefacebookt, gepinterested und geinstergramt als gebloggt.

Das macht uns abhängig von diesen Firmen, weil die Daten nicht mehr in unserer Hand liegen und wir keine Ahnung haben, was damit so passiert. Was, wenn eine der Firmen auf einmal dicht macht? Geht nicht? Das hat Kim Dotcom auch geglaubt. Bis sie ihm Megaupload schlossen.

Und: Das macht uns durchleuchtbar. Jaja, Datenschutzparanoia my ass. Aber wer einmal kurz nachdenkt, was er über diese Firmen so von sich preisgibt, vor allem in Chats und Direktnachrichten, kommt vielleicht ins Grübeln. Soll das wirklich jeder Mitarbeiter der Firma, der potentiell Zugriff auf diese Daten hat, lesen dürfen? Und die Polizei? Der Staatsschutz? Ach, die interessieren sich nicht für euch? Na, dann ist ja gut. Oder?

Bloggen? Meh.

Bloggen? Meh.

Bloggen? Anstrengend.

Die Gründe, warum wir es trotzdem tun (auch ich) liegen auf der Hand. Ein Blog, der auf gemietetem Webspace oder sogar einem eigenen Server liegt macht: Arbeit.

Man muss sich mit Datenbanken beschäftigen, mit FTP-Programmen und Zugangsdaten. Man muss ein CMS aufspielen, ein Design aussuchen, anpassen oder gleich selbst entwerfen, Plugins installieren und dann läuft trotzdem immer irgendwas schief. Spätestens seitdem ich vorgestern einen Abend gebraucht habe, um diesen Artikel in eine lesbare Form zu bringen weiß ich wieder: Bloggen? Anstrengend.

Tumblr, Twitter, Facebook, Instagramm und wie sie alle heißen machen alles von selbst. Einfach zu pflegen. Einfach zu checken. Schön bequem. Und: Vermeintlich kostenlos.

Und: Für vermeintlich vertrauliche digitale Kommunikation gibt es überhaupt keine Alternativen, wenn man mal von Geek-Chat-Protokollen wie Jabber und verschlüsselten Emails absieht. Massentauglich ist das alles nicht.

Interaktion wird zum Inter-Akt

Wer in sozialen Netzen interagieren will, muss sich nur einloggen, seine Freunde suchen und loslegen. Wenn man passiert kriegt man Bescheid.

Auf Blogs muss man sich u.U.  für jeden Kommentar anmelden. Wenn man dann Bescheid wissen will, ob noch jemand was zu sagen hat,  eine Email-Benachrichtigung einrichten, die dann auch noch per Double-Opt-In bestätigt werden muss (Datenschutz!). Wie nervig ist das bitte? Und wie 2002?

Ich gestehe: Ich diskutiere und interagiere auch lieber auf Facebook oder Twitter als auf Blogs. Ganz einfach, weil es eine zentrale Anlaufstelle für alle Inhalte ist, die mich interessieren. Würde ich das für meine Lieblingsblogs ähnlich halten, müsste ich dutzende von Seiten ständig auf haben und die Kommentare überwachen oder alternativ mein eh schon gestresstes Postfach mit Benachrichtigungsmails zubomben lassen.

Und die einzigen Menschen, mit denen ich über Jabber kommuniziere sind der eine oder andere Hacker. Alle anderen kennen das nicht.

Was ist die Lösung? Keine Ahnung

Was ist jetzt die Lösung? Ich gestehe: Ich weiß es nicht. Es gibt Ideen von Open Source-Entwicklern, die meinen, wir alle sollten unseren Server zuhause stehen haben, wo unsere Daten und unsere Kommunikation draufliegt. Und nur wer von uns autorisiert wird, darf darauf zugreifen.

Eine Utopie? Vielleicht. Aber die meisten Menschen haben mindestens einen Rechner zuhause, der ständig am Netz hängt. Der ließe sich relativ einfach zum Server machen. Aber massentauglich? Nee. Noch nicht.

Dann gibt es noch Versuche wie Diaspora, das auf eine Entwicklercommunity hofft, die das unkommerzielle soziale Netzwerk aus Spaß an der Freude weiterentwickeln. Ich war dort mal eingeloggt. Vor Ewigkeiten. War nichts los.2013-01-16 app.netUnd dann gibt es Firmen wie App.net. Eine Art Twitterklon, der 5$/Monat oder 35$/Jahr kostet und im Gegenzug verspricht, dass es keine Werbung gibt und die User ihre Daten kontrollieren können. Einen Account? Hab ich noch nicht. Und außer Dennis Horn von WDR kenne ich auch keinen, der dort ist.

Für den Elektrischen Reporter hab ich letztes Jahr mal einen Beitrag gemacht, der sich mit diesem Problem beschäftigt:

Ich hab mir trotzdem vorgenommen, 2013 zum Return-of-the-Blog-year zu machen. Nur weil uns gerade keine andere Alternative einfällt, heißt das nicht, dass wir aufgeben müssen.

tldr

Das neue Myspace ist alter Scheiß in neuen Tüten. Wir brauchen dringend nichtkommerzielle Alternativen zu den sozialen Netzwerken, die uns abhängig machen und unsere Daten verwursten. Wie die aussehen weiß ich aber auch noch nicht.

Interessant? Sag es weiter! Facebook ist aus Datenschutzgründen vorerst nicht mehr verfügbar.

Jan 27 2012

#TwitterCensored: My mails to Rachel Bremer (Twitter)

As the interwebs are full of rumors, saying Twitter will be filtering its content based on in which country its users live in (as described in this blogpost), I wrote an email to Rachel Bremer, Spokesperson for Twitter in Europe.

This is what I asked her:

Dear Mrs Bremer,

(…unimportant jibberjabber…)

Concerning the Twitter-Blogpost “Tweets still must flow” I would like to know how Twitter has been handling the problem of country limits. The post says: “Until now, the only way we could take account of those countries’ limits was to remove content globally.”

So has been Twitter removing content globally? If yes, which kind of content has this been and how often did this happen? Who has been deciding what to delete and who has been typically the appellant?

Thanks for you help,

Yours sincerly

This is what Rachel Bremer replied (rather quickly):

Hi Daniel- thanks for getting in touch.

When Twitter is forced to remove content from the platform in response to a valid legal request, we will do so and report it to the site Chilling Effects- to provide transparency to our users about what we are being required to do. This announcement is not a change in our philosophy or policy around protecting people’s right to free expression, but a way to be more granular on a per country basis when tweets must be withheld, instead of roving them for users worldwide. We as a company, and as indivisible employees, feel extremely passionate about people’s right to free expression- which has been demonstrated in our actions since the company was founded. I want to stress that that is not changing. Please let me know if you have other questions.

rachel bremer, twitter

As far as I understand her response, Twitter will only be taking action, when forced to do so by a legal request. But unlike in the past, the content will not be deleted worldwide, but filtered locally in the country the request came from.

The local filter will not be implemented using geoblocking (source), but it will be left on the user to decide in which country he “officially” lives in.

I wanted to know more, so I wrote another mail to Mrs. Bremer:

Hi Rachel,

thanks for your quick response. I have indeed some questions left as the discussion on the interwebs is still going on and there seems to be quite a lot of confusion on how twitter is going to implement the new feature.

Will Twitter decide on its own, which tweets to filter in which country and select/filter them without any other party forcing you to do so? Or will you ONLY block content in response to a valid legal request in the country the legal request came from? In clear words: Will Twitter be censoring its content on its own aka self-censorship? If not, why didn’t you say so clearly in your blogpost?

As I read on netzwertig.com, Twitter will not be implementing geoblocking but will be giving the user the ability to choose in which country he lives in. Is that correct? If yes, why didn’t you say so clearly in your blogpost?

Thanks a lot for your help,

Daniel Bröckerhoff, NDR Zapp

As soon as she replies I will be posting her response here.

//UPDATE 17:07//

Rachel has replied:

Hi Daniel – we always have, and will continue to evaluate each complaint on a case by case basis. We will make a determination based on the information we have at our disposal, which may include legal confirmation of a law being broken. There are so many different hypothetical situations, which we won’t comment on, that’s it’s hard to get any more specific than this.

We outline the country setting process very clearly on our help pages, but I understand that there’s been some confusion about that online. Because we understand that geo-location by IP address is an imperfect science, we give our users the control to manually change their setting if they’ve been misidentified.

https://support.twitter.com/articles/20169220

Best,
Rachel

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Nov 13 2011

#Pilotsendung: Warum Journalisten öffentlich arbeiten müssen

Seit fast drei Wochen arbeiten wir an unserer Pilotsendung. Eins meiner Vorhaben war: Bei meiner Recherche eng mit dem Netz zusammen arbeiten. Der Plan war ambitioniert, erfolgreich, hat aber auch nur halb geklappt. Welche positiven und negativen Auswirkungen soziale Medien auf das journalistische Arbeiten haben können – mein Fazit in losen Stichpunkten. Die Cons zuerst.

CON: Man muss es wollen

Der wahrscheinlich wichtigste Punkt zuerst. Wer sich nicht für Kommunikation begeistern kann, wer Hemmungen vor sozialen Medien, dem Internet und viel Tippen hat, wer es nicht schätzt sich mit Wildfremden auszutauschen oder sich öffentlich mit seinem Halbwissen “nackig” zu machen, der kann hier aufhören zu lesen. Wer all das ablehnt, ist aber wahrscheinlich im Journalis eh falsch aufgehoben.

Denn Recherche ist immer Arbeit, sie auch noch (halb-)öffentlich zu betreiben eröffnet viele neue Chancen, ist aber auch nicht einfach. Vor allem für die Journalisten der “alten Schule”, die es gewohnt sind, im stillen Stübchen zu arbeiten, stets in der Angst, jemand anders könnte schneller sein oder mitbekommen, woran gerade gearbeitet wird ist der Paradgimenwechsel enorm.

Crowdsourcing - it works!

Crowdsourcing - it works!

CON: Langer Atem und Nachhaltigkeit

Vor allem weil sich die Erfolge nicht über Nacht einstellen. Meine 1400 Follower bei Twitter sind aus 2 Jahren kontinuierlicher Aktivität erwachsen. Ständige Kommunikation, Feedback, Austausch sind Garant dafür, auch wahrgenommen zu werden.

Das dauert zwar, ist aber auf die Dauer nachhaltiger. Dass ich so aktiv im Netz bin, hat mir bei diesem Projekt enorm geholfen. Aber ohne mein vorheriges “Investement” wäre es mir nicht gelungen.

CON: Ablenkung

Wer twittert schweift schnell ab. Sich zu fokussieren, sich nicht ablenken zu lassen ist die größte Herausforderung im Zeitalter der Timelines und Newsströme.

Ich bin darin nicht immer so gut, wie ich es gern wäre. Doch letztendlich ist das einer der Bestandteil der oft beschworenen Medienkompetenz, die wir alle lernen müssen.

CON: Hoher Zeitaufwand

Hinzu kommt ein relativ hoher Zeitaufwand. Ich hatte eigentlich vor, die Pilotphase viel intensiver zu bloggen. Doch mit dem Einarbeiten in ein mir fremdes Themenfeld, dem Suchen nach Drehorten und Gesprächspartner, der Orga und den Drehs selber ist ein Reportertag mehr als gut ausgefüllt.

Abends den Stand der Recherchen fü den interessieren Leser zusammen zu fassen hätte locker ein bis zwei Stunden länger gedauert. Ich habe mich daher aufs Twittern “beschränkt”, was sich aber für die (Recherche-)Arbeit als sehr tauglich dargestellt hat. Und vielleicht ist soviel Transparenz und up-to-date-sein gar nicht notwendig?

CON: Schwäche zugeben

Dem journalistischen Stand haftet oft der Ruf der Arroganz an. Häufig zu Recht. “Ich will gar nicht wissen, was die Leute über meine Artikel denken”, sagte mir kürzlich ein Freund. Für mich ein nicht nachzuvollziehender Standpunkt, schließlich mache ich meine Berichte und Filme für die Menschen da draussen.

Jedes Feedback ist daher wichtig, ob positiv (Ermutigung) oder negativ (potentielle Verbesserung). Doch wer zugibt, dass er sich verbessern kann, zeigt vermeintlich Schwäche. Das ist nicht jedes Menschen Sache.

Gerade gelernt, dass Ratings von Ratingagenturen in ihren Augen nur "Meinungen" sind, auf die man sich nicht verlassen sollte. #Pilotsendung
@doktordab
Daniel Bröckerhoff

PRO: Experten treffen, gemeinsam recherchieren

Dass viele Journalisten lediglich ein gesundes Halbwissen haben, möchten sie daher auch ungern zugeben – eines der größten Probleme des Journalismus derzeit. Ihr Unwissen öffentlich kund zu tun, scheint vielen daher eine Deligitimation ihres Berufes gleich zu kommen.

Dabei sehe ich gerade in sozialen Medien die Chance, auf Experten zu treffen oder gemeinsam zum Experten zu werden. Dass wir nicht alles wissen können, sollte mittlerweile gesunder Common Sense sein. Und selbst wenn es nicht um Expertenwissen geht: Es gibt viele Menschen da draussen, die gute Tipps haben.

#Folloerpower: Suche nette Kneipe in Berlin, die gern bei sich drehen lassen für eine kleine Saufrunde mit Politiker-Kindern. #Pilotsendung
@doktordab
Daniel Bröckerhoff

Einer der wichtigsten Hinweise für meine Recherchen kam zum Beispiel über die Twitter: Der Verweis auf den hervorragenden Dokumentarfilm “Inside Job”, der mir die US-Finanzkrise 2008 anschaulich und ausführlich erklärt hat.

Auch ein vermeintlicher WLAN-Störsender, den mir ein “Occupy Frankfurt”-Aktivist beim Dreh präsentierte, konnte mittels Crowsourcing und Hive-Mind als “wahrscheinlich irgendwas anderes” identifiziert werden. Die zwei Stunden, in denen wildfremde Menschen mir halfen, das Bauteil zu identifizieren waren für mich ein Schlüsselmoment: Es funktioniert!

Das soll ein WLAN-Störsender sein, gefunden in einem Busch am #occupyfrankfurt-Camp. Wer das verifizieren? http://t.co/bck2DqqJ
@doktordab
Daniel Bröckerhoff
@ Spannungswandler/Netzteil scheint mir eher plausibel,aber für mehr bräuchte man ein höher auflösendes Bild. Störsender-Netzteil?
@ scheint ein mini Netzteil zu sein. grün und braun sehen zwar aus wie eine Antenne - glaub ich aber nicht.
@grillenverboten
Peter Grillen

Den Drehort für einen meiner Reporter-Beiträge haben wir ebenfalls per Followerpower gefunden – allein hätte ich mich totgesucht bei der Recherche nach kamerafreundlichen Bars in Berlin.

PRO: Man lernt andere Perspektiven kennen

Ich glaube nicht an objektiven Journalismus und auch nicht an “Wahrheit”. Ich glaube an Perspektiven, Diskurse und Subjektivität – aber auch an die Fähigkeit des Menschen, sich Meinungen zu bilden und diese ändern zu können (und zu dürfen).

An jede Geschichte und Recherche gehe ich mit meinem eigenen persönlichen Zugang und meiner kulturell geformten Prädisposition. Ich kann nicht aus meiner Haut und auch nicht aus meinen Denkmustern – aber ich kann mich bemühen für andere Argumente oder Sichtweisen offen zu sein.

Hierbei hilft das Netz ungeheuerlich. Hier finden sich alle Arten von Meinungen, Denk- und Sichtweisen, alle möglichen Menschen, mit denen man sich austauschen und an denen man sich reiben kann. Um zu einer eigenen Meinung zu kommen, kann ich mir keinen geeigneteren Ort vorstellen.

PRO: Themen & Zugänge sondieren

Ebenso gibt es keinen besseren Ort, um Stimmungen und Zugänge abzuklopfen. Als ich ankündigte, dass wir mit den Söhnen von Ralf Stegner und Winfried Kretschmann einen alkoholgeschwängerten Abend verbringen würden, war die Begeisterung groß.

@ Yay! Wenn du die wirklich abfüllst und das drehst... Ich lach mich jetzt schon weg xD
@benbfranklin
Anonymous

Auch dass das Krisen-Thema interessieren würde war schnell klar, als ich ständig und stetig Feedback über Twitter und Facebook bekam. Für Journalisten, die allzu oft im elfenbeintürmigen Nebel stochern das ideale Tool zum Sondieren von Themen.

PRO: Es macht Spaß

Der beste Grund: Es macht Spaß. Punkt.

Fernsehen und web2.0 geht nich? oh doch und wie! @ #ff
@anmedja
AnjaTV

Genau.

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Jul 30 2011

Mein SocialMedia-Mix
– wie ich Facebook, Twitter und GooglePlus nutze

Seit ein paar Wochen haben wir also nicht nur Facebook und Twitter als digitale Spielzimmer, sondern auch noch GooglePlus. Da man die anderen kleinen Spielwiesen getrost vernachlässigen kann, konzentriert sich das digitale Leben auf diese drei Player. Doch welches Netzwerk wie nutzen? Hier meine vorläufige Lösung.

Facebook – Meine digitale Lounge-Area

Meine 460 Facebook-Kontakte kenne ich fast alle persönlich oder ich habe (bis auf ganz wenige Ausnahmen) wenigstens schon mal ein paar mehr Worte über die üblichen Kanäle mit Ihnen ausgetauscht.

Inhaltlich dümpelt Facebook daher sehr an der Oberfläche. Die meisten meiner Kontakte posten persönliches Zeug oder Dinge, die sie mögen, um inhaltliche Auseinandersetzungen geht es fast nie.

 

Meine Facebook-Seite

Meine Facebook-Seite: Unwichtiges mit Niveau

Aber genau deswegen erfüllt Facebook sehr gut seinen Zweck mit Menschen in Kontakt zu bleiben, die ich nicht unbedingt jeden Tag sehe. Manche lerne ich so erst richtig gut kennen – mit positiven und negativen Resultaten.

Meinen Facebook-Kanal füttere ich daher auch mit Nichtigkeiten und Small-Talk-Themen. Beschwerden über’s Wetter, schöne Musik, lustige Begebenheiten und Links, ab und zu mal einen interessanten Artikel, den ich lesenswert fand. Harmlos, amüsant, unterhaltsam.

Dabei halte ich mich an die goldene Regel: Nicht mehr als 5 Posts pro Tag. Sonst droht der Overkill und die Spam-Keule wird geschwungen. Facebook – ein guter Platz zum Entspannen und Abhängen.

Ich bei Facebook: facebook.com/doktordab

Twitter – mein persönlicher Newsroom

“Entspannen und Abhängen” kann ich auf Twitter dagegen nicht. Hier rauscht das digitale Leben nur so an mir vorbei. Ich folge hier 626 Twitterern, die fast alle viel bis sehr viel zwitschern.

Ausgewählt habe ich sie nach dem Content, die sie posten, nicht nach persönlichem Kennen. Hier zählen für mich vor allem interessante Links zu den Themen, die mich interessieren sowie Kommentare dazu oder Einschätzungen zur Welt- und politischen Lage.

Twitter ist so für mich zu meinem persönlichen Newsroom geworden, aus dem ich für mich relevante Inhalte ziehe und in den ich für mich relevanten Inhalt wieder einspeise. Finde ich einen Link interessant, einen Artikel lesenwert poste ich ihn bei Twitter.

 

Mein Twitter-Stream

Mein Twitter-Stream: Links und Meinungen

Der Dienst packrati hebt die Links dann auf den Bookmarking-Dienst delicious, wo sie noch einmal gespeichert und vor allem durchsuchbar werden. So kann ich noch Monate später einen Artikel wiederfinden, in dem es z.B. um “Anonymous” und “LulzSec” geht.

Da ich berufsbedingt viel lese und teilweise über Twitter auch mit anderen Interessierten diskutiere, können da am Tag schon mal +50 Tweets bei rumkommen.

Trotzdem heisst das nicht, dass Twitter für mich völlig anonym ist. Über die letzten drei Jahre habe ich dort einige interessante und sympathischen Menschen kennengelernt, mit denen ich mich heute freundschaftlich verbunden fühle.

Trotzdem bleibt Twitter – auch durch die Zeichenbegrenzung – für mich der ideale Dienst um schnelle und kompakte Meldungen zu erhalten oder zu versenden. Nichts im Netz ist derzeit schneller als Twitter. Aber dadurch mitunter auch enorm anstrengend.

Ich bei Twitter: @doktordab

GooglePlus – der Debattierclub für Strebernerds

Ich hab lange nicht gewusst, was ich mit G+ anfangen soll. Irgendwie ist das Netzwerk aufgrund der Circle-Logik wie Twitter, aber auch irgendwie wie Facebook. Also was tun? Welchen Content posten? Den irrelevanten von Facebook? Oder den inhaltlich spannenden von Twitter?

Durch Lernen und Beobachten bin ich zu dem Schluss gekommen: Weder das eine, noch das andere. Wer Links von mir haben will, sollte zu Twitter gehen. Wer mich belangloses quatschen hören möchte zu Facebook.

GooglePlus entwickelt sich in meinen Augen in eine ganze andere Richtung: Die internationale Geekschaft trifft sich dort wie in einem altenglischen Gentleman’s Club und redettippt sich die Köpfe (bzw. Finger) heiss.

 

Mein GooglePlus-Stream

GooglePlus: Gentlemen's und -women's Debattierclub

Das liegt an zwei Dingen: Zum einen hat G+ keine Zeichenbegrenzung, weder für Posts, noch für Kommentare. Jeder kann so lange seinen Senf ablassen und Dampf dazugeben wie er mag. Das führt dazu, dass Leute wie Markus “Videopunk” Hündgen schon laut darüber nachdenken das Bloggen einzustellen, weil das Zentralisierte ja eh mehr Sinn macht.

Teilweise muss ich ihm Recht geben. Statt sich die Meinungen zum aktuellen netzpolitischen Thema auf netzpolitik.org, beim RA Stadler und beim AK Zensur zusammen zu suchen ist bei GooglePlus alles zusammen geführt, weil dort kommentiert wird als ob es kein Morgen gäbe.

Auf der anderen Seite hat das den Effekt, dass G+ fast nicht mehr konsumierbar ist. Das liegt vor allem daran, dass das Design nicht die Kommentare standardmäßig einfach einklappt, sondern die ersten 20 Posts (oder so) anzeigt. Ein halbe Stunde GooglePlus kann dann schon mal drei Bildschirme lang sein. Scroll-Terror vom Feinsten.

Auch hab ich nicht immer Lust mir die ellenlangen Ausführungen durchzulesen. In diesen Momenten vermisse ich Twitter, wo die User gezwungen werden, die Quintessenz ihres Denkes zu formulieren. Nicht immer leicht, hilft aber oft beim eigenen Argumentieren.

Trotzdem wird sich G+ auf die Dauer etablieren. Da bin ich fest von überzeugt. Ob es das Bloggen ablöst? Ich hoffe nicht.

Ich bei G+: www.gplus.to/doktordab

Ausblick

Meine Ausarbeitung zeigt: Noch erfüllen die unterschiedlichen Dienste unterschiedliche Aufgaben. Zuweilen ist das lästig: So muss ich nicht nur einen Twitterclient laufen haben, sondern auch bei Facebook und GooglePlus angemeldet sein, wenn ich die volle Dröhnung haben möchte.

Zusammen mit FeedReader und den üblichen Internetseiten, die offen bleiben “müssen” ergibt sich ein ganz schöner Information-Overload. Allein das Hin- und Herschalten frisst Zeit und Nerven.

Das wird sicher nicht ewig so bleiben. Die Anbieter werden versuchen ihren Dienst so attraktiv zu machen, dass man dort sich sowohl informiert, als auch abhängt oder unterhalten lässt. Das wird für mich irgendwann problematisch, wenn nicht mehr klar zu trennen ist, was ich wo machen kann oder möchte.

Die Unternehmen wünschen sich indes nichts mehr, als die User nur an sich zu binden und die Konkurrenz im eigenen Stream ersticken zu lassen. Ob das so gut ist, wenn EIN Dienst marktführend ist, ist eine andere, aber leicht zu beantwortende Frage. Ob es überhaupt dazu kommen wird? Ich glaube vorerst nicht.

Interessant? Sag es weiter! Facebook ist aus Datenschutzgründen vorerst nicht mehr verfügbar.

Jul 9 2011

Netzwerk-Terror: G+, FB, Twitter – Ich bin genervt!

Seit gestern Abend habe ich jetzt also auch einen GooglePlus-Account. Mein erster Eindruck: Check ich nicht. Achso, doch. Mein zweiter: Oh, sind ja alle relevanten Geeks und Nerds schon da. Mein dritter: Noch ein Netzwerk bespielen? Das nervt!

Mein Kommunikationsdrang hat also noch einen Spielplatz mehr. Als ob ich nicht schon genug Möglichkeiten hätte, mich zu vernetzen und auszutauschen will jetzt auch noch ein Google-Netzwerk gefüttert werden (das zugegeben ganz ordentlich und brauchbar aussieht).

Mein Problem: Schon jetzt verbringe ich teilweise (zu)viel Zeit damit, alle möglichen Contentschleudern zu überwachen und die Diskussionen und Postings dort zu verfolgen und mitzumischen.

Twitter allein würde ausreichen, um mich den ganzen Tag lesend und postend zu halten. Plus RSS-Feeds, plus Mails, Chat-Providern und Facebook und vielleicht noch das eine oder andere Special-Interest-Netzwerk = Adé Arbeitszeit.

Zeitfresser Netzwerk

Allein das Hin- und Herschalten zwischen Facebook, Twitter und G+ verschlingt Zeit, noch dazu, wenn alle möglichen Bekannten auf einmal anfangen das eine hier, das andere dort zu posten und irgendwann das große Durcheinander beginnt.

Kam der Link jetzt von Twitter oder muss ich ihn bei G+ suchen? Fand die Diskussion bei Facebook statt oder war das in einer Mail? Und über welchen Kanal erreiche ich Freund xy jetzt am besten? Einfach mal alle ausprobieren?! Terror.

Verweigern? Keine Option.

Natürlich könnte ich mich dem Verweigern. Natürlich könnte ich auch weiter #außenvor bleiben. Allein: Es entspräche weder meinem Naturell, noch meinem Interesse, erst Recht nicht meinem beruflichen. Denn das besteht nun mal auch darin, vernetzt zu sein und zu bleiben, das Netzwerk auszubauen und aus sowie über den digitalen Lebensraum zu berichten

Das Hauptproblem sind indes nicht die vielen verschiedenen Netzwerke, sondern ihre gegenseitige Abgeschottetheit. Wie damals in den Anfangszeiten der Internet-CD-Roms kann man nicht von einem Netzwerk ins andere kommunizieren. Auch teilt mir Facebook nicht mit, dass ich in einem Tweet erwähnt wurde und die Diskussion bei G+ kann nicht auf Twitter gelesen werden.

Alles bleibt in den jeweiligen digitalen Wänden und kann auch nicht von links nach rechts umgezogen werden. Was auf Twitter passiert bleibt Twitter und kommt nicht zu Facebook, G+ oder von mir aus wer-kennt-wen. Und vice versa.

Was auf Twitter passiert, bleibt auf Twitter

Warum das die Netzwerke machen ist nachvollziehbar. Sie wollen ihre Nutzer an sich binden und hoffen darauf, das dominante Netz zu werden.

Doch die Taktik ist userunfreundlich und wird letztlich dazu führen, dass die Diversität leidet. Kein Normalsterblicher wird freiwillig 25 verschiedene Kanäle bedienen, wie es die Alphageeks derzeit tun:

@ Anekdotische Evidenz: Twitter-Traffic steigt, weil alle darüber tweeten, was sie auf Google+ machen.
@BendlerBlogger
Sascha Stoltenow

Denn die meisten User sind schon mit einem Netzwerk gut bedient. Eines wird übrig bleiben, der Rest dicht machen (vlg MySpace) oder als Nischennetzwerk sein Dasein fristen.

Dass das nicht gut ist, wissen wir seit der Vorherrschaft von Facebook: Wer dominiert bestimmt die Regeln und hat mehr Infos in der Hand, als es uns lieb sein kann.

Wo bleibt das Meta-Netzwerk?

Was es wirklich braucht ist eine Art Meta-Netzwerk, das alle möglichen Netzwerke zusammenfasst, so wie es Multi-Messenger wie Adium oder Trillian für Chat-Protokolle tun. Dafür braucht es entweder offene Schnittstellen (APIs) oder ein gemeinsames Protokoll, das den Austausch zwischen den Netzwerken möglich macht. Idealerweise liegen die Daten auf unseren eigenen Homeservern, so dass wir Kontrolle darüber haben, wer wann darauf zugreifen darf und kann.

Tweetdeck mit der Möglichkeit auch auf seinen Facebook-Feed zuzugreifen ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Doch die Facebook-Einbindung ist wirklich nur etwas für Liebhaber oder hartgesottene Design-Verachter. Übersichtlich ist etwas anderes.

Ein wirklich nutzerfreundliches und ansehnliches Meta-Netz ist daher noch lange nicht Sicht. Diaspora ist einer der ersten Versuche, ein dezentrales Netzwerk aufzubauen. Aber die Entwicklung zieht sich, wie das bei Community-Projekten ohne große Firma im Rücken halt so der Fall ist. Dementsprechend wenig ist auf Diaspora los.

Auch andere Versuche wie status.net sind noch lange nicht auf dem Weg in den Mainstream, geschweige denn dort angekommen.

Das wird auch noch dauern. Solange werde ich mit Spannung beobachten, welches Netzwerk wie benutzt wird und das Rennen macht. Und genervterweise einen Kanal mehr bedienen. Hmpf.

//UPDATE 11.07.2011, 11:01//

Zwei weitere Tage sind ins Land gegangen. Mittlerweile hab ich aus GooglePlus mittels Fluid eine eigene App gemacht, die neben meiner FB-App wohnt. Heisst: Ich gewöhne mich an G+. Schon nett da, irgendwie.

Der Konsum geht aber deutlich zu Lasten von Twitter, was ich sehr bedaure, weil Twitter für mich aufgrund der Zeichenbegrenzung immer noch der beste Content-Aggregator ist und bleibt. Nirgends kann man so schnell Content durchwühlen und Stimmungen aufnehmen.

G+ macht dagegen gerade den Eindruck einer großen Party: Alle sind da und freuen sich darüber. Aber tanzen will noch niemand so richtig. Aber wegbleiben will ich auch nicht.

Womit ich wieder beim Zeitproblem wäre: ein weiterer Kanal verlangt nach Aufmerksamkeit. Auf die Dauer wird das nicht gut gehen. Zumindest nicht für mich.

Ich fand es übrigens sehr schön, was Kixka über die Anfangszeit bei G+ gebloggt hat:

“In den ersten Tagen ähnelte Google+ daher gelegentlich einem sehr gut gestyltem Designer-Swingerclub, in dem sich Sexbegeisterte im Miteinander an den neuen Geräten austobten und für das Glück auf Erden hielten.”


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Mai 11 2011

“Der Twitpic-Skandal” oder Das Problem mit den AGB

Ist Twitpic böse, blöde oder wurden die neuen Nutzungsbedingungen einfach mißverstanden? Die Diskussion läuft und zeigt eine ganz andere Problematik auf: Wir haben oft keine Ahnung von den Regeln, nach denen Websites ihre Geschäfte betreiben.

Die Verwirrung um Twitpic erreicht ihren Höhepunkt. Gestern hatte Spiegel Online die Aufmerksamkeit auf die neuen Nutzungsbedingungen des Twitter-Bilderdienstes gelenkt:

“Der Twitter-Fotodienst Twitpic, über den man Fotos hochladen und über eine kurze Adresse in Twitter-Botschaften einbinden kann, hat einen exklusiven Deal mit der britischen Fotoagentur “Wenn” geschlossen. Künftig sollen Fotos, die Stars über Twitpic ins Internet stellen, weltweit vermarktet werden. Das teilten die beiden Unternehmen am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung mit.”

Selbstportrait mit iPhone

Ein klassisches Twitpic (Foto: marcof bei Flickr)

Die Empörung war groß und kochte innerhalb kurzer Zeit hoch. Auch ich änderte als Konsequenz und aus Protest in all meinen Twitterclients (Tweetdeck, Echofon und qtweeter) den Bilderdienst von Twitpic zu yfrog oder plixi.

Twitpic rudert zurück

Twitpic ruderte daraufhin in einem Blogeintrag zurück und gab bekannt, man sei mißverstanden worden:

“You the user retain all copyrights to your photos/videos and we are very sorry by the confusion our old updated terms of service caused.”

Friede, Freude, Eierkuchen? Mitnichten. Denn derzeit enbrennt eine Diskussion, ob man mit Twitpic zu hart umgegangen sei und die Geschichte nicht wasserdicht gemacht hätte.

Auslöser ist unter anderem ein Posting von Christoph Kappes in seinem posterous-Blog. In diesem kritisiert er SpOn und netzpolitik.org dafür, dass sie bestimmte Teile der neuen Nutzungsbedingungen nicht berücksichtigt hätten, zu Ungunsten von Twitpic:

“Kurz: TwitPics Anwälte wollten sagen: ‘Ihr als Urheber behaltet alle Rechte. Ihr gebt uns aber (viele) Nutzungsrechte für unseren Internetdienst und unser Geschäft (einen solchen Dienst zu entwickeln, betreiben etc.), einschliesslich der Nutzungsrechte, die wir benötigen, um unseren Internetdienst zu bewerben oder weiterzuverbreiten.’”

Der Autor des Spiegel-Artikels, Ole Reißmann, entgegnete daraufhin über Twitter:

@ @ vorsicht: der lizenz-deal mit der fotoagentur und die agb von diversen konkurrenten sprechen deutlich dagegen
@oler
Ole Reißmann

Die Verwirrung ist komplett

Bei SpOn arbeitet man derzeit wohl an einem Nachklapp mit anwaltlicher Hilfe, um die Geschichte aufzuklären. Das ist auch bitter nötig, denn ich für meinen Teil bin mittlerweile echt verwirrt.

Meine Verwirrung zeigt ein ganz anderes Problem auf, das Christoph Kappes als den eigentlichen Skandal empfindet und worin ich ihm 100%ig zustimme:

“Der eigentliche Skandal ist, dass – was wir ja alle ahnten – nicht nur Laien solche Nutzungsbestimmungen nicht interpretieren können, sondern auch Fachexperten, Journalisten und auch Juristen ohne Spezialausbildung nicht mit ausreichender Sicherheit. Es kostet mindestens 1.000 EUR, hierzu von einem Fachanwalt eine qualifizierte Auskunft zu bekommen – und nur wenige Nutzer wüssten überhaupt, wie sie mit Google den richtigen Anwalt finden.”

Viele Nutzer (und ich nehme mich da nicht aus), nehmen die seitenlangen AGBs von Softwarefirmen und Webdiensten ungelesen hin. Dass da manchmal echt merkwürdige Sachen drinstehen ist kein neues Phänomen und mir erst kürzlich bei dem Cloudservice Wuala aufgefallen.

Auch meine Lieblingsserie Southpark hat sich des Problems in einer der letzten Folgen angenommen, mit dem üblichen deftigem Analhumor.

Die Politik müsste handeln *ähäm*

Denn wir Nutzer haben meistens weder Zeit noch Lust noch Expertise dutzende Seiten mit Juristenvokabular durchzuackern, oft auch noch auf Englisch. Doch die Firmen müssen sich juristisch absichern, da sie am Ende sonst die Gelackmeierten sind.

Es wäre also Zeit für die Politik, Klarheit zu schaffen. Doch bis man sich auf den beiden Seiten des Atlantiks auf einen kundenfreundlichen Umgang mit Nutzungsbedingungen einigen kann, werde wohl noch viele Updates und AGB-Änderungen über uns kommen.

 

//UPDATE 11:59h//

Hier noch ein lesenswerter Artikel von Till Kreutzer bei irights.info: “Freiwild oder Artenschutz: Ausbeutung durch AGB”

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Mrz 2 2011

Guttenberg-Star-Trek-Zitat: Die Entstehung eines Hoax

Seit gestern nachmittag macht auf Twitter das Gerücht die Runde, Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hätte sich auch bei seiner Abschiedsrede bei anderen bedient, ohne die Quelle kenntlich zu machen.Die Behauptung entbehrt jeglicher Grundlage, wird leider trotzdem weiter verbreitet. Hier kurz die Entstehung des Hoax.

Konkret geht es um den letzten Satz seiner Rede, der vermeintlich aus dem Star Trek-Film “Der Zorn des Khan” stammen soll:

Guttenberg: „Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht.”(Zitat: Captain Kirk, Star Trek II)
@stoltenberg
herr stoltenberg

Dieses Gerücht wurde massenweise geretweetet, anders formuliert verbreitet, weiter kolportiert. Immer ohne Beleg oder Quelle.

Ich wollte dieses – zugegeben sehr hübsche – Gerücht nicht so recht glauben und hab versucht, im Skript des Films durch Stichwortsuche eine entsprechende Stelle zu finden. Erfolglos.

Durch einen Hinweis von @Zivilschein bin ich auf den vermeintlichen Ursprung des Hoaxes gekommen:

"Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht." ... Star Trek II - Der Zorn des Khan”
@johl
Jens Ohlig

Ein Blick in die Timeline von @johl zeigt jedoch: Der Tweet war geklaut. Absichtlich:

Plagiatswitze plagiieren find ich ja meta-lustig. Aber das Original kam von @KaTzuGuttenberg
@johl
Jens Ohlig

Die Quelle des Gerüchts scheint also der Fake-Account @KaTzuGuttenberg zu sein:

"Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht." ... Star Trek II - Der Zorn des Khan
@KaTzuGuttenberg
K-T zu Guttenberg

Dieser scheint relativ schnell gemerkt zu haben, was er mit diesem Tweet angerichtet hat, denn kurz nach der Nachricht folgte die Aufklärung:

Es ist übrigens kein Star Trek Zitat. Aber keine Angst, wir gehen das vorm Abi noch mal durch.
@KaTzuGuttenberg
K-T zu Guttenberg

Und auch @johl bemühte sich, zurück zu rudern:

Ähm. Der Tweet vor diesem ist ein Witz...
@johl
Jens Ohlig

Doch zu spät. Aus dem Ursprungs-Tweet, der selber noch gar keinen Vorwurf enthält, wurde schnell ein Selbstläufer. Mit einem ganz konkreten Vorwurf: Alles nur geklaut:

"Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht" zu Guttenberg ähmm Star Trek. #unfassbar
@frankerler
Frank Erler
Rücktritt auch kopiert: "Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht." Star Trek II #Guttenberg
@b4ck3
backe

In der Zwischenzeit erreichte das Gerücht auch Facebook und wurde dort belustigt kommentiert und verbreitet.

Nur wenige User äußerten Bedenken:

Das Star Trek-Guttenberg-Gerücht ist ein Hoax. Ehrlich. Glaubt mir. Ohne Schmarrn jetzt. #guttbye
@_khp
Philipp

Leider ohne spürbaren Effekt. Schließlich sprang heute nachmittag auch noch ein Twitter-Account der taz auf und sorgte dafür, dass der Hoax bis in die letzten Ecken des Netzes weitergereicht wurde:

“Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht”, #Guttenberg kopiert "Star Trek II – Der Zorn des Khan".

Dass ein Zeitungsaccount ein solches Gerücht verbreitet, ist nicht nur erstaunlich, nein, es ist unverantwortlich. Auch wenn es “nur lustig” gemeint war. Ich bin da ganz bei @carsten_erdmann:

Erstaunlich, wie viele den Guttenberg/Star Trek-Hoax ungeprüft weiterverbreiten...
@carsten_erdmann
Morgenpost / Berlin

..und wie peinlich für andere, die es besser wissen sollten.

PS: Das @tazgezwitscher hat den Tweet bislang noch nicht als Hoax enttarnt.

//UPDATE 3.3.11, 18:39//

Die taz bat mich soeben freundlich darum, doch darauf hinzuweisen, dass sie ihren Fehler eingesehen und korrigiert haben. Ich war leider den ganzen Tag unterwegs und komme erst jetzt dazu, aber das mach ich natürlich gerne:

Plagiat in Guttenberg-Rede (Star Trek II): Das war ein absurder Vorwurf. Es hat uns sehr geschmerzt. Wir sind mit unseren Kräften am Ende.

Leider fehlt auch in diesem Tweet wieder etwas Wichtiges: Die Quelle. Aber man soll ja nicht zuviel verlangen.

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