Guttenberg-Star-Trek-Zitat: Die Entstehung eines Hoax
Seit gestern nachmittag macht auf Twitter das Gerücht die Runde, Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hätte sich auch bei seiner Abschiedsrede bei anderen bedient, ohne die Quelle kenntlich zu machen.Die Behauptung entbehrt jeglicher Grundlage, wird leider trotzdem weiter verbreitet. Hier kurz die Entstehung des Hoax.
Konkret geht es um den letzten Satz seiner Rede, der vermeintlich aus dem Star Trek-Film “Der Zorn des Khan” stammen soll:
Dieses Gerücht wurde massenweise geretweetet, anders formuliert verbreitet, weiter kolportiert. Immer ohne Beleg oder Quelle.
Ich wollte dieses – zugegeben sehr hübsche – Gerücht nicht so recht glauben und hab versucht, im Skript des Films durch Stichwortsuche eine entsprechende Stelle zu finden. Erfolglos.
Durch einen Hinweis von @Zivilschein bin ich auf den vermeintlichen Ursprung des Hoaxes gekommen:
Ein Blick in die Timeline von @johl zeigt jedoch: Der Tweet war geklaut. Absichtlich:
Die Quelle des Gerüchts scheint also der Fake-Account @KaTzuGuttenberg zu sein:
Dieser scheint relativ schnell gemerkt zu haben, was er mit diesem Tweet angerichtet hat, denn kurz nach der Nachricht folgte die Aufklärung:
Und auch @johl bemühte sich, zurück zu rudern:
Doch zu spät. Aus dem Ursprungs-Tweet, der selber noch gar keinen Vorwurf enthält, wurde schnell ein Selbstläufer. Mit einem ganz konkreten Vorwurf: Alles nur geklaut:
In der Zwischenzeit erreichte das Gerücht auch Facebook und wurde dort belustigt kommentiert und verbreitet.
Nur wenige User äußerten Bedenken:
Leider ohne spürbaren Effekt. Schließlich sprang heute nachmittag auch noch ein Twitter-Account der taz auf und sorgte dafür, dass der Hoax bis in die letzten Ecken des Netzes weitergereicht wurde:
Dass ein Zeitungsaccount ein solches Gerücht verbreitet, ist nicht nur erstaunlich, nein, es ist unverantwortlich. Auch wenn es “nur lustig” gemeint war. Ich bin da ganz bei @carsten_erdmann:
..und wie peinlich für andere, die es besser wissen sollten.
PS: Das @tazgezwitscher hat den Tweet bislang noch nicht als Hoax enttarnt.
//UPDATE 3.3.11, 18:39//
Die taz bat mich soeben freundlich darum, doch darauf hinzuweisen, dass sie ihren Fehler eingesehen und korrigiert haben. Ich war leider den ganzen Tag unterwegs und komme erst jetzt dazu, aber das mach ich natürlich gerne:
Leider fehlt auch in diesem Tweet wieder etwas Wichtiges: Die Quelle. Aber man soll ja nicht zuviel verlangen.










