Liveblog-Experiment:
Die Entstehung eines 30-Minüters Tag 5
Zur Erklärung erstmal das hier lesen. Hier geht es zu Tag 1, Tag 2, Tag 3 und Tag 4. Ich blogge live von oben nach unten, weil ich die Marotte, das Neueste oben haben zu wollen hasse. So ist der Einstieg leichter und das Neueste steht ganz unten.
Freitag, 19.8.2011
7:32 In 90 Minuten geht die Abnahme los. Ich bin relativ entspannt, weil ich von dem, was Renate und ich in den letzten 4 Tagen produziert haben, überzeugt bin. Der Film funktioniert, hat unterhaltsame Passagen, der Protagonist hat eine Herausforderung und es gibt sogar einen kleinen roten Faden.
Die Abnahme mit dem Produzenten hat mir zudem Mut gemacht. Er ist in der Regel nicht gerade leicht zu begeistern und sehr kritisch – ein guter Maßstab also. Trotzdem ist die Abnahme mit einem mir noch unbekannten Redakteur immer noch etwas anderes. Ich hatte bislang noch überhaupt keine Berührungspunkte mit ihm, die Vorbesprechung haben wir in Kiel letzten Herbst mit seiner Kollegin gemacht. Keine Ahnung also, was für ein Typ er ist, wie seine Vorstellungen sind etc.
Wenn die Abnahme gut läuft und durch ist, müssen wir noch die Änderungswünsche des Redakteurs umsetzen und die Regularien in den Film einbauen – Titel, Abspann und NDR-Copyright. Ich hoffe, dass wir dann um 18 Uhr durch sind mit allem.
Die nächsten Arbeitsschritte, die ich dann aber nicht mehr bloggen werden, sind die Abnahme des Textes und die Vertonung mit einem professionellen Sprecher. Dann geht der Film in eine Postproduktion-Firma und wird dort auf ein Sendeband ausgespielt, das per Kurier nach Kiel geschickt wird. Ist dann alles fein kann ich endlich eine Rechnung schreiben.
Alles in allem ist das mein bislang längstes Filmprojekt gewesen. Über ein Jahr ist vergangen von der ersten Idee bis zur heutigen Abnahme. An dieser Stelle möchte ich besonders meinen Eltern danken, die Boy Jöns letztes Jahr aufgespürt haben und mich davon überzeugten, dass er ein Portrait wert ist.
Da ich während der Abnahme nicht schreiben kann und will, kommt der nächste Eintrag erst nach gelaufener Abnahme. Und dann hoffentlich mit positivem Feedback. Daumen drücken!
9:32 Es geht los. Nach einer halben Stunde Small-Talk mit Produzent und (sehr sympathischem) Redakteur, etwas Gutenmorgen-Kaffee und einem kleinen Bagel-Frühstück (Hallo! Unser Büro ist schließlich in der Schanze!) wird der Film angeschmissen. Und es läuft…

Der Rest des Abnahme-Frühstücks. Traditionelle Maßnahme zur Besänftigung des abnehmenden Redakteurs.
10:00 …sehr gut! Der Redakteur ist zufrieden, findet den Protagonisten stark und die Geschichte gut, schmunzelt über einzelne Szenen und schreibt sich relativ wenig auf. Ich selber schlage einen Tausch von zwei Szenen vor, den er sehr gut findet. Außerdem wünscht er sich an der ein oder anderen Stelle Kürzungen, den O-Ton von Peter-Harry Carstensen soll aus Wahlkampfgründen raus und außerdem möchte er ein bißchen mehr Schmuck sehen. Kein Problem, wird gemacht!
Gemeinsam fangen wir an, die Änderungen vorzunehmen. Produzent Michael verabschiedet sich, als er merkt, dass er nicht zwischen einem störrischem Autor und eine unzufriedenem Kunden vermitteln muss und nach zwei Stunden sind wir durch. Freude auf allen Seiten, Schulterklopfen, Dankeschöns und mir fällt ein Bernstein vom Herzen (Sorry, der musste jetzt sein).
12:49 Renate macht die vorerst letzten Arbeitsschritte: Ton und Texttafeln. Wir müssen etwas rätseln, wie das jetzt bei dem Format gemacht werden muss. Wo kommt der Titel hin? Wie wird die Rubrik “Typisch!” geschrieben? In Kursivbuchstaben? Oder normal? Und wo ist das Logo der Produktionsfirma für den Abspann?
Nach einigem Suchen findet sich dann doch noch alles. I LIKE!
13:06 Ich kann gehen. Ich kann gehen? Ich kann gehen. Renate macht den Rest (Ton und Ausspielen als Quicktime-Movie für mich zum Texten) allein fertig. Das Ding ist fast durch. Bißchen komisches Gefühl. Da sitzt man stundenlang, tagelang zusammen. Und auf einmal isses fertig. Das Film.
Fein. Ick freu mir.
Und Danke fürs Lesen. Und Danke an Renate fürs Mich-Aushalten und tolle-Vorschläge-machen und Bloggen-ertragen und überhaupt.
Und nochmal Danke an meine Eltern. Und an die Produktionsfirma. Und den netten Redakteur. Und überhaupt an alle.
Ich geh jetzt meine Tochter von der Kita abholen. Auf bald!
13:11 Hmpf. Zu früh gefreut. Das Schnittprogramm kann die Grafikdatei von dem Produktionsfirmenlogo nicht öffnen. Zum Glück war ich mal Grafiker und weiß, was zu tun ist: Datei wandeln. Grmpf. Kind muss noch 10 Minuten länger warten. Aber es wäre auch zu schön gewesen.
13:34 Nächster Dämpfer. Wir haben die 2:30-Auskopplung fürs Schleswig-Holstein-Magazin vergessen. Und zwar alle. Produzent rief gerade an und erinnerte uns daran. Das ist ein schönes Beispiel dafür, dass man eigentlich einen Auftrag für eine Sache bekommt und dann noch obendrauf ein paar Sachen machen muss, von denen eigentlich nie die Rede war. Meine Laune sinkt gerade rapide.
15:05 Back to business. Renate und ich haben einen groben Schlachtplan gemacht, wie der 2:30er aussehen könnte. Viel passt da nicht rein. Aber es soll die ganze Jubiläumsgeschichte erzählt werden. Eine ganz schöne Umstellung gerade.
Ich fühle mich wie zu meinen Punkt12-Zeiten. Ärmel hochkrempeln und runterrotzen.
15:28 HAHA! Ich kann es noch! Mal eben schnell aus 28:30 einen 2:30er machen verlernt man doch nicht so schnell! Die ganzen Punkt6-Schichten haben sich gelohnt. Danke RTL! Trotzdem..
16:45 Fertig sind wir immer noch nicht… Auch 2:30 dauern ihre Zeit…
17:20 Hurra! Die letzte Musik wird unter die letzte Sequenz des Kurzstücks gelegt. Wir werden langsam etwas irre und singen die Musik lauthals mit. “Schnittkoller” nennt der Experte dieses Phänomen. Dagegen hilft nur lautes Schrein mit Hin-und-Her-Rennen bei gleichzeitigem Wedeln mit den Armen. Oder Schokolade. Hier muss doch noch irgendwo…
17:23 FERTIG! FERTIG! FERTIG! AAAAH! (Ich kann es nicht glauben. Ich glaub das erst, wenn ich hier raus bin.)
PS: Die Ausstrahlung ist für den 1.3.2012 vorgesehen. Könnt ihr euch schon mal vormerken…
17:30 GESCHAFFT!!!






















