Feb 10 2011

Warum wir „Inside Wikileaks“ brauchen

Es war abzusehen: Kaum werden Einzelheiten aus Daniel Domscheit-Bergs Buch „Inside Wikileaks“ bekannt, bricht ein Shitstorm Loboschem Ausmaßes auf den Wikileaks-Aussteiger herein. Teilweise ist selber schuld daran.

Die Meinungen sind immer die selben. Domscheit-Berg ist ein Egomane, beleidigt wirft er mit Schmutz nach dem sauberen Assange:

There was a problem connecting to Twitter.
The wannabee Master of the Internet Herr Domscheit-Berg should take his hyphenated stupid name and shove it sidewides #Wikileaks
@MrParsifal
Parsifal
Daniel Domscheit-Berg aka Daniel Schmitt seems 2b a petulant vexatious geek in the mould of that which he despises. #FAIL #irony #wikileaks
@awbMaven
A.W.B.Maven

Solches Feedback kann nicht mal mehr mit gutem Willen unter „konstruktive Kritik“ abgehakt werden. Domscheit-Berg muss geahnt haben, was da auf ihn zukommen würde. Zum Ende seines Enthüllungsbuches schreibt er:

„Im Nachhinein hatte meine Suspendierung für ihn [Assange, d. Autor] den Vorteil, dass er mich wie einen frustrierten Mitarbeiter aussehen lassen konnte, der das Projekt aus Rache kritisierte. Natürlich war ich frustriert. Natürlich war der Konflikt zwischen uns hochgekocht. Aber der Frust über meine Beurlaubung war nicht der Ursprung meiner Kritik, und inzwischen begriffen auch die anderen, dass bei Wikileaks etwas in die Schieflage geraten war.“

Trotzdem hält ihn das nicht davon ab, mit Hilfe seiner Ghostwriterin Tina Klopp jede Menge Annekdötchen und kleine Gemeinheiten aus dem Leben mit Assange zu erzählen. Diese sind ohne Zweifel unterhaltsam, doch überdecken sie jetzt in der Berichterstattung die wirklichen Enthüllungen, die im Buch enthalten sind.

  • Dass Assange einem Holocaust-Leugner vorgeschlagen haben soll, unter einem Pseudonym bei Wikileaks mitzuarbeiten, damit er bei den anderen Aktivisten kein Aufsehen errege – geschenkt.
  • Dass Wikileaks sich über einen langen Zeitraum größer gemacht hat als sie waren und ihre Infrastruktur marode und angreifbar gewesen sein soll – unbeachtet. (Domscheit-Berg schreibt dazu: „„Wir waren fahrlässig, und wir spielten mit dem Vertrauen unserer Quellen und dem Geld der Spender.“)
  • Dass Assange entgegen interner Absprache die Insurance-Datei und die US-Depeschen veröffentlich hat und Domscheit-Berg mit dem Tode bedroht haben soll – Randaspekte.
  • Dass ausgerechnet Assange von Domscheit-Berg angeblich eine Verschwiegenheitserklärung (!) haben wollte hat ebenfalls bislang noch niemanden interessiert. Dabei wäre das eine geradezu absurde Forderung für einen Informationsfreiheitskämpfer.

Dafür ist sich die AFP nicht zu schade, aus der Zwei-Zeilen-Anekdote, dass Assange seine Spielchen mit Domscheit-Bergs Kater trieb, eine eigene Meldung zu machen:

Und sogar die taz spielt Boulevard-Blatt und twittert:

Daniel Domscheit-Berg präsentiert sein Buch "Inside Wikileaks" und was kommt heraus: #Assange quält Katzen - http://bit.ly/ftcyL0

Dementsprechend sieht die Reaktion auf Twitter aus:

leak des tages: assange hat domscheit-berg den leberkäse weggenomt. http://dpaq.de/d786c (via: @fasel) #wikileaks #leberkaesegate
@muschileaks
muschileaks
Latest newsflash from Domscheit-Berg book: Assange abused my cat! http://bit.ly/hxundt
@GregMitch
Greg Mitchell
Oh, Domscheit-Berg ist auch Katzenpsychologe.
@Schmidtlepp
Christopher Lauer

Medien sind halt Medien. Schmutzgeschichten ziehen mehr Leser als komplizierte finanzielle Sachverhalten. Fiese Anekdoten sind für den Durchschnitts-Leser vermeintlich interessanter als die Frage, wie die Infrastruktur von Wikileaks wirklich ausgesehen haben mag. Und die Twitteria ist leider keinen Deut besser.

Wer von dem Buch eine Meta-Analyse über die Auswirkungen von Wikileaks erwartet hat, wird zwar enttäuscht. Doch war dies wohl nie die Intention Domscheit-Bergs. Ihm ging es vermutlich vor allem darum, mit seiner Vergangenheit aufzuräumen, sich einige Ärgernisse von der Seele zu schreiben (oder schreiben zu lassen) und einige Lügen zu entlarven.

Trotzdem oder gerade deswegen ist „Inside Wikileaks“ ein wichtiges Buch. Es gibt dem wirklich Interessierten die Möglichkeit zu verstehen, was in den letzten Jahren in und um Wikileaks geschah. Gemeinsam mit den Büchern des Spiegels, des Guardian, der NYT und bald auch von Assange selber, kann es helfen, sich in diesem Irrgarten der subjektiven Wahrheiten zurecht zu finden. 

Meine Rezension des Buches findet ihr bei meedia.de oder morgen hier im Blog.

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Feb 10 2011

Domscheit-Berg im Video-Interview: “Wikileaks ist dysfunktional”

Das Interview, das ich mit Daniel Domscheit-Berg in Davos für das ARD-Feature gedreht habe, gibt es leider nicht im Netz zu sehen. Dafür aber diese 11 Minuten bei Zeit Online:

Video via Zeit Online.

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Feb 10 2011

Wikileaks: Wer hat wem das Förmchen geklaut?

So kann man es natürlich auch sehen:

"Wer hat wem das Förmchen geklaut?"

"Wer hat wem das Förmchen geklaut?"

entwirrt heute die Schlammschlacht um @wikileaks und #domsche... on Twitpic

//via on3_de

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Feb 10 2011

Domscheit-Berg-Buch: Was am Wikileaks-Statement merkwürdig ist

Das Buch von Domscheit-Berg ist noch nicht mal erschienen, da kündigt Wikileaks schon rechtliche Schritte an.

In einer Stellungnahme wird verlautbart:

“WikiLeaks has been taking legal action against former employee, Daniel Domscheit-Berg who was suspended from the organization in September. In the book Domscheit-Berg confesses to various acts of sabotage against the organization. The former WikiLeaks staffer admits to having damaged the sites primary submission system and stolen material.”

Ohne mich auf eine Seite stellen zu wollen, sind allein in diesem Absatz schon einige interessante Formulierungen. Domscheit-Berg als “Employee” zu bezeichnen impliziert, dass er nicht gleichberechtiger Mitstreiter, sondern Angestellter der Organisation gewesen sei.

Mir gegenüber sagte Domscheit-Berg im Interview für die ARD-Dokumentation “Weltmacht Wikileaks?”, dass er niemals Geld von Wikileaks für seine Arbeit erhalten habe und sich selber auch nicht als Angestellter verstanden habe. Hier offenbart sich eine gewaltige Dissonanz in der gegenseitigen Wahrnehmung von Assange und Domscheit-Berg.

Die Behauptung, Domscheit-Berg habe das Submission-System sabotiert ist aus zweierlei Gründen auffällig: Zum einen, weil Assange bislang immer angegeben hatte, der sichere Upload sei deaktiviert, weil man vorerst kein neues Material mehr annehmen wolle. Jetzt endlich gibt er zu, dass das System nicht mehr funktionabel sei:

“The sabotage and concern over motives led to an overhaul of the entire submission system, an ongoing project that is not being expedited due to its complex nature and the organization´s need to focus its resources on publication and defense.”

Zum anderen ist dies interessant, weil Domscheit-Berg in seinem Buch “Inside Wikileaks” (und im Stern-Interview) behauptet, nicht er, sondern der Top-Programmierer der Plattform – genannt “Der Architekt” – habe die von ihm selbst geschriebene Software mitgenommen.

Das Statement fährt damit fort zu festzustellen, dass Domscheit-Bergs Rolle bei Wikileaks limitiert gewesen sei, er habe nur zeitweise als Deutschland-Sprecher der Organisation fungiert  und sei weder Programmierer der Plattform gewesen, noch IT-Sicherheitsexperte.

Daraus ergibt sich zwangsläufig die Frage, warum ein vermeintlich derart limitiert Befugter gemeinsam mit Assange ständig auf internationalen Kongressen auftauchte und sprach und im Namen von Wikileaks internationalen Medien Interviews gab. Domscheit-Berg hat auf die Behauptung, er sei kein IT-Fachmann gegenüber Forbes angeboten, Kopien seiner Zeugnisse einzureichen.

Domscheit-Berg gibt gegenüber Forbes übrigens auch an, Wikileaks hätte bislang noch keine “legal actions” gegen ihn in Gang gebracht:

I have received a letter from German attorney Johannes Eisenberg representing Julian that does not mention any law or regulation I have implicated, violated or whatever. It is a mere statement, written in the worst German I ever read, and it is not even spelling my name correctly.

Auf die Frage, ob er Code für Wikileaks programmiert habe, sagte Domscheit-Berg mir im Interview, dass er dies tatsächlich niemals getan habe. Seine Rolle sei vielmehr administrativ und repräsentativ gewesen. Zudem gibt er in seinem Buch an, eine Vielzahl von Dokumenten gemeinsam mit Assange auf Authentizität geprüft zu haben.

Domscheit-Berg stellt heute sein Buch in Berlin vor. Darin enthalten sind noch eine Vielzahl von weiteren Vorwürfen gegen Assange. Auf seine Antwort bin ich gespannt.

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Dez 30 2010

Openleaks: Überraschungs-Talk
beim 27C3

Daniel Domscheit-Berg, Ex-Wikileaks-Sprecher, hat heute überraschend einen Vortrag auf dem 27. Chaos Computer Congress des CCC in Berlin gehalten. Er sprach über Idee und Ziel seines neuen Projekts “Openleaks”, an dem auch andere Wikileaks-Aussteiger beteiligt sind.

Logo von openleaks.org

Logo von openleaks.org

Ich habe seinen Vortrag versucht über Twitter live zu covern. Hier die Twees in zusammengefasster und leicht redigierter Form:

  1. “Technology should be neutral”. Domscheit-Berg über Ziele von Openleaks & Kritik an Wikileaks.
  2. Domscheit-Berg fordert, dass Whistleblower-Organisationen so transparent sind, wie sie es von der Gesellschaft verlangen.
  3. Openleaks will start tests in january with 5-6 organisations, beta-phase in April, possible launch in summer.
  4. Domscheit-Berg: “You need the media!” (to raise curiosity) “If you just pump out, it will drown.”
  5. Leaker defines how long a document is exklusive for a media org. After that time, doc will be distributed to community.
  6. Openleaks will clean the documents. “Keeping documents clean from source data is a comlex issue”
  7. Openleaks will not release documents themself. Doesn’t want one entity to decide what to publish and making a fuzz about it.
  8. “We don’t want to fly high in the shortest time, we want to take it step by step.”
  9. “We are drowning in Emails from media organisations und NGOs from all over the world that want to work with us.”
  10. “We want to be neutral. We don’t want a single entity. We want to distribute our knowledge. We want to kickstart a community.”
  11. “We believe in the principle of many eyes.” Domscheit-Berg says they are open to critizism.
  12. “Someone is blocking the #openleaks-twitter-account. It’s not ours.” Domscheit-Berg asks for help to release it.
  13. “We are drowning in Emails from media organisations und NGOs from all over the world that want to work with us.”
  14. “We want to be neutral. We don’t want a single entity. We want to distribute our knowledge. We want to kickstart a community.”
  15. Cleaning the data should be automized, so you don’t have to trust someone to do it manually.
  16. Transparency will be step-by-step.
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Nov 30 2010

Ex-Wikileaks-Sprecher
kündigt Buch an
– “Inside Wikileaks”

Daniel Domscheit-Berg, der ehemalige Sprecher von Wikileaks, hat für Anfang kommenden Jahres ein Buch über seine Zeit bei Wikileaks angekündigt.

Domscheit-Berg war im September aus dem Whistleblowing-Projekt ausgeschieden, nachdem der Streit mit Julian Assange über das weitere Vorgehen der Plattform in einem Chat eskaliert war.

Domscheit-Berg und andere Aktivisten hatten auf mehr Transparenz über Entscheidungen gedrängt und wollten die Organisation zunächst weiterentwickeln und große Veröffentlichungen verschieben.

Daniel Domscheit-Berg, ehemaliger Wikileaks-Sprecher

Daniel Domscheit-Berg, ehemaliger Wikileaks-Sprecher

Assange hatte jedoch scheinbar Gefallen an seiner Rolle des USA-Bezwingers gefunden und verweigerte sich diesen Ideen. Zusammen mit Domscheit-Berg haben weitere Unterstützer, darunter wohl vor allem viele technische Entwickler, das Projekt verlassen. Seitdem funktioniert der Dokumenten-Upload von Wikileaks nicht mehr, außerdem musste die Organisation ihren Traffic wohl auf Miet-Server von Amazon umleiten.

Domscheit-Berg: “Tabula Rasa” machen

Domscheit-Berg wollte mir gegenüber keine Details zu Inhalten des Buches nennen, kündigte aber an, seine Sicht der Dinge ausführlich darzustellen und “Tabula Rasa” zu machen. Das Buch soll nach seinen Angaben ab morgen auf Amazon (welch Ironie!) vorbestellt werden können.

Hier noch mein ZAPP-Beitrag vom 1.10.2010 über den Machtkampf bei Wikileaks:

Und HIER das ganze Interview, das ich damals mit Domscheit-Berg für den NDR geführt habe.

Ein aktuelles Interview mit Domscheit-Berg folgt in Kürze gibt es morgen. wurde aus Zeitmangel verschoben.
//UDPATE 2.12.2010//

Das Buch “Inside Wikileaks: Meine Zeit bei der gefährlichsten Website der Welt” kann bei Amazon jetzt vorbestellt werden.

Vorläufiges Cover von "Inside Wikileaks"

Vorläufiges Cover von "Inside Wikileaks"

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