Mai 8 2013

Was meine Mutter und offener Journalismus miteinander zu tun haben

“Offener Journalismus” nennt sich das journalistische Prinzip, über das ich heute auf der re:publica13 einen Vortrag gehalten habe. Eine kleine Review, inklusive Quellen.

Was genau offener Journalismus ist, welchen Nutzen er dem Journalismus bringen kann, aber auch welche Risiken und Probleme er mit sich bringt – das hab ich versucht in einer halben Stunde zu erklären.

"Schattenspiele" hat @christianmutter sein Foto von meinem Vortrag genannt

“Schattenspiele” hat @christianmutter sein Foto von meinem Vortrag genannt (Quelle: instagram.com/aufgetaucht )

Der Vortrag war überraschend gut besucht, am Ende war die Halle mehr als voll und ich habe mich sehr über das positive Feedback gefreut, das ich nach dem Vortrag erhalten habe. Leider hat die halbe Stunde nicht gereicht, um noch eine offene Diskussion anzustoßen – ich hab mal wieder zu viel erzählt.

 Hier der Vortrag in ganzer Länge:

 

Und wer keine Lust auf 30 Minuten Vortrag hat: Hier meine Folien bei Slide Share zum Nachlesen:


(Die Slides stehen unter der Lizenz CC-BY-NC-ND.)

Für besondere Erheiterung sorgte Slide 20: Dort ist ein Facebook-Kommentar meiner Mutter unter einem openjournalism-Posting von mir zu lesen. Jetzt ist es raus: Meine Mutter folgt mir auf Facebook! Und sie macht mit beim offenen Journalismus! Hallo, Mami! :-)

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Mai 7 2013

str_ry auf der #rp13: Was Algorithmen mit Benehmen zu tun haben

Seit gestern tobt sich die Digitale Bohéme auf der Internetkonferenz re:publica aus und das st_ry-Thema “Datenschutz” wird in zahlreichen Panels behandelt.

Meinen gestern angekündigten Fahrplan konnte ich nur halb einhalten und auch sonst stelle ich mal wieder fest, dass es eine ganz schöne Herausforderung ist, offenen Journalismus zu betreiben. Zuhören, twittern, reden, Interviews machen und schneiden und hochladen – ein sportliches Programm. #mimimi

Ethische Algorithmen

Ethische Algorithmen auf der re:publica

Als erstes Panel habe ich mir gestern den Talk “Algorithmen-Ethik” von Joerg Blumtritt, Mercedes Bunz und Stephan Noller angeschaut. Hängen geblieben ist: Algorithmen bestimmen das Netz und sind überall am Werk, wo es darum geht Daten auszuliefern.

Das beste Beispiel für einen Algorithmus sind die Google-Suchergebnisse, die für jeden Menschen leicht anders aussehen. Google muss irgendwie entscheiden, nach welchen Kriterien welche Webseiten als Suchergebnis angezeigt werden. Und das ist eine Algorithmus festgelegt.

Algorithmen – toll und bedenklich

Algorithmen können tolle Sachen, aber sind auch nicht kritiklos zu bejubeln. Denn wenn ein Algorithmus die Macht darüber hat, was ich sehe, wie ich es sehe und was ich vor allem _nicht_ zu sehen bekomme, muss die Frage gestellt werden, _wie_ dieser Algorithmus das entscheidet.

Die meisten Firmen halten sich dazu mehr als bedeckt, was unter anderem daran liegt, dass sie nicht wollen, dass andere Leute ihren Algorithmus klauen. Führt aber auch dazu, dass wir manchmal nur rätseln können, warum uns Facebook jetzt genau den einen Post eben nicht angezeigt hat.
Das Nachdenken darüber, wie ein Algorithmus ethisch programmiert werden kann, wie er sich also benimmt und wieviel Einblick wir User darin haben, kann man unter dem schön krypitschen Schlagwort “Algorithmen-Ethik” ablegen.

Nach dem Talk hab ich Mercedes Bunz kurz interviewt und sie gebeten, mir das mit dem Algorithmen nochmal zu erklären.

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Mai 7 2013

str_y: Wie wir besseres Fernsehen machen können

Fernsehen kann Gefühle transportieren. Also hauen wir Fernsehjournalisten gern auf die ganz große Klangschale: Wir suchen das Entsetzen, das Schlimme, Angstmachende, Besorgniserregende. Für Zwischentöne ist in unserem Medium wenig Platz.

Im Schwarz-weiß-Fernsehen zwischen knallseriös und Boulevard geht viel verloren. Positive Geschichten werden kaum erzählt, die Vielschichtigkeit der Welt wird ignoriert. “Der Zuschauer will eine klare Haltung und eine klare Botschaft”, ist das Credo vieler Redaktionen. “Wir brauchen einen Feind und eine Lösung, kein Entweder-oder.”

Ich bin mir nicht so sicher, dass das stimmt.

Wenn ich recherchiere, hadere ich manchmal damit, welche Perspektive auf ein Problem die richtige ist, welcher Gesprächspartner Recht hat – oder ob nicht alle mit ihrer eigenen Wahrheit zu verstehen sind. Ich weiß auch nicht, ob das Klischeebild vom letztlich desinteressierten oder uninformierten Publikum stimmt.

In den neunziger Jahren steckengeblieben

Meine Zweifel sind meinen Beiträgen selten anzusehen. Oft muss ich mich für eine Seite entscheiden und eine geradlinige Geschichte erzählen. Ich glaube, dass ich dadurch jene Zuschauer verliere, die ihre subjektive Sichtweise nicht im Beitrag wiederfinden, und objektiv erzähle ich eine schlechtere, weniger komplette Geschichte, als ich könnte.

stry-video
Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich glaube nicht, dass Radio- und Fernsehjournalismus in Deutschland per se schlecht ist. Verglichen mit anderen Ländern geht es uns gut. Viele Journalisten können hier von ihrem Beruf leben; gerade das öffentlich-rechtliche System leistet sich viele Sendungen, die informieren, aufklären, hinterfragen. Und trotzdem: Gerade der Fernsehjournalismus ist gefühlt in den neunziger Jahren stecken geblieben. Er ist oft staubtrocken, eindimensional, wenig interaktiv, die Möglichkeiten des Internets werden von den wenigsten Redaktionen genutzt. Warum? Die Antwort darauf berührt drei ungeschriebene Regeln:

  1. Journalismus soll keine Unterhaltung sein – und umgekehrt. Wenn’s Spaß macht, kann es gar nicht ernst gemeint sein.
  2. Journalisten lassen sich nicht in ihre Arbeit reinreden. Wir sagen, was wichtig ist, wo kämen wir sonst hin?
  3. Journalisten offenbaren möglichst wenig über ihre Recherche. Wir machen gern ein Geheimnis aus unserer Arbeit und reden nicht mit Leuten, die uns lesen, hören, sehen.

Die Regeln 1 und 2 sollen Seriosität und Unabhängigkeit garantieren. Regel 3 soll vor allem den Mythos und das Herrschaftswissen schützen. In der Praxis führt Regel 1 oft dazu, dass Fernsehjournalismus entweder so seriös ist, dass man einschläft vor lauter Finanzamtscharme. Oder er trieft vor Empörung, Hiobsbotschaften und angeblich schlimmen Enthüllungen, so dass man sich gleich vergraben lassen möchte.
Wir müssen um Glaubwürdigkeit kämpfen

Die Regeln 2 und 3 können bewirken, dass wir am Publikum vorbeirecherchieren, Chancen verpassen und außerdem nicht mitkriegen, wie wir Zuschauer enttäuschen. Oder verprellen. Das rächt sich. Wir verlieren Unterstützung und Glaubwürdigkeit, und Letzteres ist unser größtes Pfund.

Ich glaube, dass wir den Zuschauern einen Teil des Kommandos geben müssen.

Wir müssen sie teilhaben lassen am Entstehen unserer Geschichten. Wir müssen sie ernst nehmen und zuhören lernen. Wir müssen ihre Anregungen prüfen, über ihre Kritik diskutieren, kurz: ernsthaft den Dialog führen. Kritische Fragen lassen sich nicht mehr abtun wie einst, als es bloß Leserbriefseiten und Zuschauertelefone gab; Chats nach der Sendung und Pseudoaktionen auf Facebook sind auch zu wenig. Journalisten müssen sich grundlegend öffnen, um besser zu werden und ihr Publikum immer neu zu werben. Sie müssen so gesprächsbereit und transparent werden, wie es nur geht.

Um auch hier nicht falsch verstanden zu werden: Natürlich muss eine Nachrichtenredaktion nicht ihre Zuschauer fragen, ob sie ein Kamerateam zu einer Pressekonferenz von Peer Steinbrück schicken soll. Natürlich muss man eine investigative Recherche im Zweifelsfall erst mal für sich behalten. Und natürlich hat der Journalist immer noch die letzte Verantwortung, daher das letzte Wort.

Wie werden wir unabhängig von Zwängen der TV-Branche?

Aber wenn eine Geschichte erzählt ist, dann ist das heute in Wahrheit nicht mehr das Ende einer Auseinandersetzung mit dem Thema – sondern ein neuer Anfangspunkt. Journalisten müssen spätestens nach einer Sendung auf die digitalen Marktplätze gehen und schauen, was geredet wird. Sie müssen mitreden, -chatten, -twittern, -kommentieren, nicht weil es die Marketingabteilung verlangt, sondern weil es in ihrem eigenen Interesse ist, mehr Geschichten, Sichtweisen und Wahrheiten kennen zu lernen.

Noch besser ist es, sie tun all das vor einer Sendung. Das ist das Experiment, das ich in diesen Wochen starten will: Fernsehen machen, das mit den Fernsehregeln bricht. Weil es ein neues Verhältnis zu den Zuschauern versucht; sie permanent bei der Recherche nach ihrer Meinung und ihren Fragen fragt; ihren Spuren nach- und in die Tiefe geht, kurz: sich unabhängig von Zwängen der TV-Branche macht.

Damit wir erst gar nicht Gefahr laufen, in die gewohnten Senderabläufe zu geraten, wollen wir das Geld per Crowdfunding zusammenkommen, und der Anfang dieses Experiments ist schon mal interessant. Das Publikum hatte vier Themen zur Auswahl, über die ich in sechs Monaten, sechs Folgen à zehn Minuten berichten würde. Es hat sich nicht für Liebe 2013 oder derlei entschieden, sondern für das vermeintlich trockene Thema: Datenschutz – wie man im Netz wieder Hoheit über seine Informationen erlangt. Die ersten Links, Tipps und Anregungen sind bereits an mich geschickt worden. Das Prinzip scheint zu funktionieren.

42.000 Euro soll die knapp kalkulierte Produktion kosten. Vielleicht kommt das Geld zusammen, vielleicht nicht, trotzdem ist jetzt Zeit für solche Experimente. Weil vermutlich das Publikum am Ende mehr Verantwortung für guten Journalismus übernehmen muss, falls es in der klassischen Fernsehwelt so weitergeht wie bisher.

Das Internet sortiert die Medienlandschaft und ihre Geschäftsmodelle neu, außerdem das Verhältnis von Journalisten und Publikum. Wenn es gut läuft, entsteht ein neuer Journalismus, an dem wir alle teilhaben. Und gerne Anteile haben.

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Mai 6 2013

stry.tv auf der re:publica: Fernsehen als wäre es 2013

In Berlin geht heute die deutschlandweite größte Internetkonferenz republica los.Eins der großen Themenkomplexe: Datenschutz. Das stry-Thema. Also nix wie hin.

Drei Tage geht es in Berlin um Internet und so. Ich will dies nutzen, um ein erstes Gefühl dafür zu vermitteln, wie die stry-Recherche ablaufen wird.

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Ich werde neben meiner Arbeit für Zapp möglichst viele Vorträge zum Thema Datenschutz besuchen und davon kurz und knapp berichten. Auf Twitter werde ich unter @strytv von den Vorträgen twittern und so meine Recherche möglichst offen halten.

Hier mein ungefährer Zeitplan für die Vorträge:

Montag
14:45 Algorhythmen-Ethik
15:15 Personal Data: Nothing to hide?
18:30 Data Cuisine – Getting the juice from spreadsheets
Oder
18:30 Praktische Anleitung für den fürsorglichen Überwachungsstaat

Dienstag
13:45 Browser Fingerprinting: Surfen ohne Spuren zu hinterlassen

Mittwoch
10:00 Street Fighting Data Sciene
11:15 Datenbefreiung leicht gemacht
Oder
11:15 Die Total-Überwachung des Reiseverkehrs
12:30 Überwachungssoftware
13:45 Die EU-Datenschutzreform – Ein Balanceakt

Mir ist klar, dass die re:publica ein Konferenz ist, die schon sehr tief im Thema steckt und die nicht für jeden leicht verständlich ist. Aber genau da liegt die Herausforderung.

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Mai 3 2013

Klub Konkret: Wie steht es um unsere Bildungschancen?

Neben st_ry hab ich ja noch meine anderen beiden Lieblingsredaktionen Zapp und Klub Konkret. Für letzteren habe ich mich mit der Frage beschäftigt, wie es eigentlich in Deutschland um unsere Bildungs- und Aufstiegschancen steht.

Um es kurz zu machen: Schlechter als in anderen Ländern. Wieso, weshalb, warum und was man dagegen tun kann oder muss – alles im

Klub Konkret, Folge 22:

Wie immer gibt es meine Reportagen auch noch als eigene Clips. Für die Sendung haben wir uns zwei Themenschwerpunkte rausgesucht: Wer beeinflusst eigentlich alles unseren Lebensweg? Und: Wie sieht das aus, wenn man seine Bildungskarriere  nochmal drehen möchte?

“Morgens Bagel, abends Abitur”

Das hat mir der Starnberger Abendschüler Shahaib gezeigt. Wir haben ihn einen Tag lang begleitet. Vom Bagel-Café aufsperren bis hin zur letzten Stunde Mathe um 21 Uhr.

 ”Daniels Klassentreffen: Wer stellt die Weichen fürs Leben?”

Dafür habe ich drei ehemalige Klassenkameraden mit sehr unterschiedlichen Lebenswegen getroffen. Was hat sie dazu gebracht, Punk, Hausfrau oder Restaurant-Koch zu werden?

Wer mehr zum Thema “Aufstiegschancen” wissen möchte: In diesem Google Doc haben wir unsere Recherchen zum Thema veröffentlicht.

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Mai 1 2013

stry: Geht los! Eure Unterstützung, bitte!

Es ist endlich fertig! Unser offizielles Pitching-Video für das st_ry-Crowdfunding. Oder auf deutsch: Der Film, mit dem wir euch erklären wollen, warum ihr unser interaktives Doku-Projekt unterstützen solltet. Inklusive nackter Tatsachen. Und bitte:

Feedback? Fragen? Ja, bitte!

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Apr 22 2013

Endspurt: st_ry-Voting läuft noch eine Stunde!

Noch eine Stunde könnt ihr unter www.stry.tv für eins der vorgeschlagenen Doku-Themen abstimmen, das wir dann ins Crowdfunding auf startnext.de/strytv geben werden.

Der Internet-und-so-Sendung “Trackback” von Radio Fritz hab ich am Samstag ein kleines Interview gegeben. Bei Minute 31:03 geht’s los:

Mehr Infos zu st_ry:

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