Liveblog-Experiment:
Die Entstehung eines 30-Minüters Tag 4
Zur Erklärung erstmal das hier lesen. Hier geht es zu Tag 1, hier zu Tag 2 und hier zu Tag 3. Ich blogge live von oben nach unten, weil ich die Marotte, das Neueste oben haben zu wollen hasse. So ist der Einstieg leichter und das Neueste steht ganz unten.
Donnerstag, 18.8.2011
10:00 Renate ist seit einer Stunde dabei die Teile zusammen zu fügen und fein zu tunen. Und dann müssen wir mal sehen, wie es sich im Gesamten anschaut und dass wir das Ding auf eine vorläufige Länge von 34 Minuten kriegen, damit ich die die gute Laune von Produzent Michael nicht gefährde. Mehr will er nämlich auf keinen Fall sehen. Verständlicherweise.
11:48 Wir haben uns den kompletten Film angesehen und sind zuversichtlich. Läuft ganz gut durch, leider ist der erste Part zu lang und zu langweilig. Der Mittelpart läuft dafür ganz gut.
Wir entschließen uns, nochmal an der Struktur zu arbeiten. Szenen fliegen hin und her. Die mit dem Schleifen weiter nach vorne, die mit dem Kettenbasteln weiter nach hinten, das sollte vielleicht besser nach da und jenes nach dort. Dieser O-Ton auf jeden Fall noch kürzer, der ganz raus. Wir arbeiten hochkonzentriert.
11:52 F***! Der Klassiker! COMPUTERABSTURZ!
(( Wieviel von unseren gerade gemachten Änderungen weg sind wissen wir noch nicht… Und gleich kommt Michael und will was sehen…
11:55 Puh. Scheint alles da zu sein. Aber wir wollen noch schnell eine 20-Sekunden-Strecke basteln, um den Jubiläumstag zusammen zu fassen. Es wird etwas hektisch. Denn die Bilder dazu fehlen irgendwie. Dabei war ich mir so sicher, alles gedreht zu haben…
12:16 So, Michael ist da. Die Jubiläums-Strecke noch nicht. Ich hab ihn nochmal telefonieren geschickt. <ironie> Das macht er eh am liebsten. </ironie>
12:23 So, geht los.
12:46 Er lacht zwischendurch. Und schreibt sich was auf. Bin gespannt.
14:06 So, Abnahme ist durch und kann als “harmonisch” bezeichnet werden. Der Produzent hat viel gelacht und fühlte sich insgesamt wohl gut unterhalten, will den Film aber vom Rhythmus her noch etwas gestrafft haben. Ich bin da seiner Meinung. An der ein oder anderen Stelle holpert es noch oder ist definitiv zu lang(weilig).
Wir haben jetzt eine laaaaange List mit Kleinigkeiten, Frickelkram und Kürzer-Machens. Hier noch Musik und da übertexten. Aber der widmen wir uns erst nach der Mittagspause.
15:48 Während des Mittagessen haben Renate und ich uns über das Livebloggen unterhalten. Sie ist insgesamt mit dem Experiment unzufrieden. Hier in Stichworten ihr Feedback
- Das Bloggen verändert die Schnittsituation, weil es potentiell immer einen Beobachter gibt. Allein schon die Möglichkeit, dass da jemand anders drauf guckt verändert das Ganze schon.
- Sie spricht nicht mehr frei, überlegt, was sie äußert und ob dies eventuell im Netz landen könnte
- Es nervt sie, weil meine Aufmerksamkeit teilweise woanders liegt
- Sie findet, dass es Bereiche und Prozesse gibt, die einen Reifungsprozess brauchen, bevor sie der Öffentlichkeit präsentiert werden
Ich kann ihre Meinung durchaus nachvollziehen und finde diese Einwände unter anderem sehr wertvoll für die Post-Privacy-Debatte.
15:52 Wir sind jetzt übrigens dabei das Best-of für den Anfang zu basteln. Das Format “Typisch” hat vorne immer ein 30-40 Sekunden Potpourri aus O-Tönen und Stimmungsbildern. Wir finden: Könnte man sich auch schenken, der Film ist so ja schon halb erzählt. Aber gut, wat mutt, dat mutt.
16:08 Oh, ein ARGH!-Moment. Das Schnittprogramm ist uns schon wieder abgeraucht. Die Hälfte unseres Vorspanns ist dahin. Danke, Apple!
16:33 Ist gottseidank nicht soviel weg gewesen. Aber gar nicht so einfach einen guten Vorspann zu bauen. Und gute Musik fehlt auch noch…
17:02 Einigermaßen gute Musik gefunden. “NDR-Gitarre” hat der Produzent dieses Genre genannt. Vorspann ist ganz okay geworden, den lassen wir jetzt so. Schließlich haben wir noch einen ganzen Film zu polieren und viel Zeit ist nicht mehr.

Zu der Schokolade und den Reiswaffeln gesellen sich jetzt noch Honigwaffeln dazu. Hilft nicht, aber schmeckt.
Also das Prozedere wieder von vorne: Film von Anfang zum Ende durchgehen, O-Töne kürzen, Szenen raffen, Bilder austauschen. Schneiden ist Sisyphos-Arbeit. “Wer schneidet, leidet.” Noch so ne Cutter-Weisheit (aber nicht von Renate).
18:06 Verflucht. Durch die Umstellerei ist der Winter-Teil zwar besser geworden. Aber jetzt haben wir kein Bild, um aus der Oma-Situation zu kommen.
18:41 Wir haben die Oma-Situation erstmal übersprungen. Dafür widmen wir uns dem Rest des Films und setzten die Änderungswünsche vom Produzenten um. Leider wird der Film nicht wirklich kürzer. Statt bei 28:30 landen wir am Ende immer noch bei 32:00. Suboptimal.
18:50 Jetzt werden wir rabiat. Erste Szene gekillt. Bamm! Eine Minute weg. Next!
18:57 Der nächste O-Ton wird amputiert. Beim Kürzen stöhnt er leise. Wir ignorieren das Gejammer. Next!
19:14 Sie sterben wie die Fliegen, die O-Töne und Szenen. Schnittgemetzel. Noch 2 Minuten zuviel. Stirb, Gelaber!
19:26 Wir sind eine Minute über der Sendelänge. Das lassen wir jetzt so. Der Redakteur wird morgen sowieso noch das ein oder andere anders haben wollen, da macht es wenig Sinn jetzt eine Punktlandung hinzulegen. Jetzt nur noch die Musikbetten an der ein oder anderen Stellen korregieren bzw hinzufügen, wo noch Musik hin soll – DANN FERTIG! Vorerst…


























