Feb 22 2011

Liebe Titanic-Redaktion…

…Satire ist schwer. Sich jeden Tag lustige Sachen aus den Fingern zu saugen, kann ganz schön unlustig sein. Aber nur weil sich unser Vereidigungsminister zum Sport gemacht hat uns alle an der Nase herumzuführen, heißt das noch lange nicht, dass ihr auch so schamlos kopieren dürft!

Oder wie erklärt ihr euch die verblüffende Ähnlichkeit dieses Kalauers, den ihr gerade anläßlich von Gaddafis “Rede an die Nation” zur Goutierung freigegeben habt, mit meinem diesem gestrigen Tweet?!

Zum Vergleich: Das Original:

So, Gutti gibt seine Doktortitel zurück, Gadhafi seinen Despotentitel und dann gucken wir alle zusammen "Forsthaus Falkenau". Deal?
@doktordab
Daniel Bröckerhoff

Und die abgeschmackte Kopie:

Titanic-Plagiat

Titanic-Plagiat

Und jetzt jammert mir nicht in die Kamera, dass das “ein dummer Zufall” ist und dass “sowas doch mal vorkommen kann” und dass ihr die Idee “schon lang vorher” hattet. Am Ende werdet ihr eh zugeben müssen, dass ihr “den Überblick verloren” habt in der Masse eurer Gags und dass ihr euch bei genauerem Hinsehen für den von euch verfasstem “Blödsinn” schämt.

Das nimmt euch doch keiner ab. Ich fordere den sofortigen Rücktritt vom Amt des Satireministers und den Verzicht auf die Führung des Titel des “endgültigen Satiremagazins”! Und zwar plötzlich!

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Feb 3 2011

Indira-Video: Medienkritik oder… was anderes?

Die DWDL-Redaktion ist fassungslos und ich bin es auch. Was will uns dieses Musikvideo sagen?

Medienkritik mit dem Holzhammer? Versuch der Selbstironisierung, um endlich in den Feuilletons anzukommen? Volksmusik-Stefan-Raab-Mash-Up? Und: Ist das WIRKLICH ihre Mutter?

Das Werk wirft Fragen auf, hinterlässt verwirrte Zuschauer. Echte Kunst, also. Ohne Zweifel.

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Jan 21 2011

Liebe Bionade-Werbeabteilung…

…ihr habt euch gerade euer erstes Shitstürmchen eingehandelt. Denn eure bislang mittelständische Firma ist von Dr. Oetker aufgekauft worden.

Und hat dann beschlossen: Diese Öko-Gentechnik-Events -  das “Rock for Nature”-Konzert und die “Wir haben es satt”-Demonstration in Berlin – unterstützen wir nicht mehr. Weil ihr euch angeblich “inhaltlich” von dieser Demo “distanziert”.

Leider hat die taz das mitbekommen und heute einen Artikel darüber geschrieben. Den haben viele Leute im Internet gelesen. Und ihn dann weiterverteilt. Ich auch:

Tschüß #Bionade! Getränk "für eine bessere Welt" stellt Bio- und Umweltsponsoring ein. Grund: Aufkauf von Dr. Oetker >> http://is.gd/VAg8N3
@doktordab
Daniel Bröckerhoff

Aber ihr wart clever. Ihr habt das mit dem Internet nämlich verstanden. Dialog und so. Und habt mir geantwortet:

@doktordab Ihre Verärgerung verstehen wir, bitten Sie aber, sich auch unsere Sicht der Situation kurz anzusehen http://on.fb.me/f2tH0T
@BIONADE_GmbH
BIONADE GmbH

Toll. Eine verständnisvolle Brausefirma. Klasse das. Ich hab das dann auch gleich mal genutzt, mit dem Kundendialog. Und geschrieben:

“Nette Idee, das mit dem Kundendialog. Hätten Sie vielleicht mal tun sollen, bevor Sie so eine Entscheidung treffen, die für mich das (bislang sehr gute) Image von Bionade ruiniert.

Bin mit allen hier geposteten Kommentaren 100% einverstanden. Sportsponsoring? Machen McDonalds, DaimlerCrysler und Nestlé auch.

Sie haben sich erfolgreich ihre Nische zerschossen. Herzlichen Glückwunsch und schönen Gruß an ihre strategische Planung. Wir im Internet haben dafür ein schönes Wort: FAIL.”

Zugegeben: Ich weiß gar nicht, ob die drei Firmen Sportevents sponsoren. Klingt aber gut und halte ich für wahrscheinlich. Und ich weiß auch, dass die “Wir machen die Welt besser”-Botschaften von Bionade ziemlicher Mumpitz gewesen sind.

Aber sie haben mir ein gutes Gefühl gegeben. Und darum geht es doch, oder? Gute Gefühle… Hmmmm… Kuschelig und so. Dafür geb ich dann gern mal ein paar Cent mehr aus und würge mir Litschi rein.

Und das habt ihr mir jetzt kaputt gemacht, das gute Gefühl. Jetzt muss ich wieder mit der Realität klarkommen. Große Firmen kaufen kleine auf. Brausefirmen wollen Geld verdienen. Werbung ist Quatsch.

Liebe Bionade GmbH, ihr seid Doofköppe.

Herzlichst,

Euer Ex-Stammkunde

PS: Die Sicht von Bionade solltet ihr ruhig mal anschauen. Die bemühen sich wirklich um ein gutes Image. Aber das mit dem Demosponsoring haben sie unterschätzt. Aber sowas von.

PPS: Der Transparenz halber: Ich hab auch schon in der und für die Werbung gearbeitet. Das hat mich aber nicht davor bewahrt, immer wieder drauf reinzufallen. Und die Geschichte von Bionade, die war echt gut. Viel zu gut, um sie sich so einfach zerschießen zu lassen.

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Jan 14 2011

10 Vorschläge
für die neue
Internetz-Partei “CSU”

Endlich! Die letzte wahre Volkspartei kümmert sich um dieses “Internetz”. Wie das Internetztagebuch “netzpolitik.org” in seiner heutigen Ausgabe berichtet, will sich die CSU künftig mit diesem neuzeitlichen Phänomen auseinandersetzen, weil es sonst ja keiner tut.

Hintergrund: Seit geraumer Zeit kursieren Gerüchte, dass dort ein rechtsfreier Raum im Entstehen ist, um den sich sonst keine Partei kümmern möchte, der aber Jugend, Demokratie, Wirtschaft und die deutsche Kultur im Allgemeinen bedroht.

Da man in Bayern ja Erfahrung mit Innovation und dreckigen Aufgaben hat, will sich die Union dem Kampf gegen diesen unerträglichen Werteverfall widmen. Danke, liebe CSU!

Dann können sich die Schmierfinken und Hobby-Politiker des Internetztagebuchs netzpolitik.org , die Terroristen vom AK Zensur und Kinderverderber wie Alvar Freude endlich richtige Jobs suchen und sind nicht mehr gezwungen die Arbeit der Profis zu erledigen, von der sie eh keine Ahnung haben.

Und weil sie als Bürgerpartei ja so offen für Innovationen sind, habe ich noch ein paar Vorschläge, wie sie dieses “Internetz” politisch in den Griff kriegen könnten:

1.) Umbenennung angelsächsischer Fremdworte

Wir sind Deutsche und leben in Deutschland! Was sollen die Anglizismen? Zum besseren Verständnis werden folgende Begriffe eingedeutscht:

  • “Internet” in “Weltnetz”
  • “Server” in “Servierer”
  • “Client” in “Kunden”
  • “Homepage” in “Heimatseite”
  • “Blogger” in “Weltnetztagebuchführer”
  • “Laptop” in “Schoßrechner” und
  • “surfen” in “gleiten”

Dann verstehen auch endlich CSU-Wähler, worum es in diesem Internetz Weltnetz geht.

2.) Einführung einer einheitlichen, lebenslang geltenden Weltnetz-Identitätsnummer (WIN)

Es kann nicht angehen, dass sich jeder anonym im Weltnetz bewegen und dort nach Lust und Laune Straftaten verüben oder sich über die CSU lustig machen kann. Mit der WIN wird diesem Treiben ein Riegel vorgeschoben, da man sich mit dieser im Weltnetz ausweisen kann und muss.

3.) Aufbau von Weltnetzverbindungen nur noch über die WIN und Gehirnscan

Kommt es beim Gehirnscan zu Fehlermeldungen, werden automatisch Beamte des BKA zu Ihnen nach Hause geschickt, die ihnen nach eingehender körperlicher und psychischer Untersuchung die Unbedenklichkeitsbescheinung ausfüllen, mit der die Verbindung dann  aufgebaut werden kann.

Sogenannte “Flatrates” (umzubennen in “Flachraten”), die eine dauerhafte Verbindung ins Weltnetz ermöglichen, werden verboten. Vor jedem Gleiten ist eine neue Weltnetzverbindung aufzubauen.

(Anmerkung: Aufgrund von Personalengpässen beim BKA und der noch nicht ausgereiften Gehirnscan-Technologie kann es zu Verzögerungen beim Besuch der BKA-Beamten kommen. Dieser sollte im Regelfall jedoch 30 Arbeitstage nicht überschreiten. Alternativ können sie sich in ihrer örtlichen Polizeitdienststelle zu einer Gleitsitzung unter polizeilicher Aufsicht anmelden. Die Plätze werden regelmäßig verlost.)

4.) Einführung eines Weltnetz-Führerscheins

Gleiter unter 21 dürfen das Weltnetz nur unter Beaufsichtigung eines Erwachsenen benutzen, der im Besitz eines Weltnetz-Führerscheins ist. Zur Bestätigung, dass ein Erwachsener zugegen ist, hat dieser während der Gleitsitzung vor einer Weltnetzkamera zu sitzen, die direkt mit dem BKA verbunden ist, so dass die Beamten die Rechtmäßigkeit prüfen können.

5.) Einführung einer Weltnetztagebuch-Prüfung

Viel zu lange konnte jeder Hans und Franz seine Absurditäten ins Weltnetz stellen. Das muss Aufhören!

Will ein Weltnetz-Gleiter daher nicht nur passiv Inhalte konsumieren, sondern selber aktiv solche ins Weltnetz stellen, kann er dies nach einer 6-monatigen Intensiv-Schulung (ganztags) und dem Ablegen der sogenannten “Weltnetz-Tagebuch”-Prüfung tun.

In dieser werden Systemtreue, politische Gesinnung, schriftliches Ausdrucksvermögen und Aussehen beurteilt. Bei Nicht-Gefallen seitens der von der CSU bestimmten Prüfer, kann die Weltnetztagebuch-Zulassung verweigert werden.

6.) Löschen (NICHT SPERREN!) von Seiten mit jugendgefährdenden Inhalten

Die Seiteninhalte sind zwischen 4 Uhr morgens und 1 Uhr nachts vom Servierer zu löschen und nach Ablauf der Jugendschutzsperre wieder neu aufzuspielen.

Als jugendgefährdend gelten Inhalte, die sich mit Pornografie, Gewalt, Wirtschaft, Satire, Computerspielen jeglicher Art, Wikileaks und Politik beschäftigen. Ausgenommen sind die Weltnetz-Seiten der Bild-Zeitung.

7.) Behördliche Prüfung von Weltnetzseiten

Vor Veröffentlichung von Inhalten auf Weltnetzseiten sind diese beim BKA oder beim Verfassungsschutz zur Prüfung vorzulegen. Dies gilt auch für Seiten des sogenannten “Netz 2.0″, wie Zwitscher, Gesichtsbuch, StudiVZ und Kommentare in Weltnetztagebüchern.

8.) Behördliche Genehmigung des Anschauens von ausländischen Weltnetzseiten

Das Anschauen von Weltnetzseiten, die sich auf Servierern außerhalb Deutschlands befinden und sich somit der deutschen Justiz entziehen, ist selbstverständlich möglich. Sie können das Anschauen beim BKA oder beim Verfassungsschutz schriftlich beantragen.

Nach Prüfung der Weltnetzseiten seitens der Behörden wird der Zugang für 2 Stunden freigeschaltet.

Eine Kopie der ausländischen Weltnetzseiten zu machen und in Deutschland auf einen Servierer zu laden ist verboten und wird mit Entzug des Weltnetzführerscheins für mindestens 6 Monate bestraft.

(Anmerkung: Siehe Punkt 3.)

9.) Einführung eines Wirtschaftsausgleichs für die Kreativindustrie

Da das illegale Kopieren von urheberrechtlich geschützten Inhalten und das Verteilen solcher Inhalte über sogenannte “Links” überhand genommen hat, müssen Reparaturzahlungen für die geschädigten Industrien geschaffen werden.

Weltnetzgleiter zahlen daher einen Zehnt ihres Einkommens, jedoch mindestens monatlich 150€ an eine neu zu schaffende Behörde, um diesen Ausgleich zu finanzieren.

Das Piraterie-Treiben wird zwar durch die in 6.) beschriebenen Maßnahmen unterbunden, jedoch ist durch den rechtsfreien Raum im Weltnetz in den vergangenen 20 Jahren ein massiver wirtschaftlicher Schaden entstanden, der wieder gut gemacht werden muss.

10.) Abschaffung der Netzneutralität

So wie jeder Mensch unterschiedlich ist, sind auch Bits und Bytes in ihrer Gegebenheit verschieden. Sie über einen Kamm zu scheren hieße, eine unzulässige Verallgemeinerung zu schaffen, die letztendlich im Kommunismus münden muss. Dem muss Einhalt geboten werden! Je nach Dienstleistung werden demnach die Datenpakete bevorzugt, die wirklich wichtige Daten enthalten.

So genannte “Prioritäts-Marken” sind im örtlichen Postamt zu erhalten. Mit ihnen können Dienste wie Videotelefonie und das Anschauen von Bewegtbild im Weltnetz ermöglicht werden.

Mit diesen zehn Punkten, liebe CSU, werden Sie sich von ihrem politischen Gegner absetzten, der die Dringlichkeit zum Handeln noch nicht erkannt hat und das Ungetüm “Weltnetz” endlich in den Griff kriegen!

Ich zähle auf Sie!

//UPDATE/DISCLAIMER//

Weil sich ein Leser am Begriff “Weltnetz” gestört hat (und vermutlich auch den Begriff “Heimatseite” nicht satirisch findet) hier die Klarstellung:
Es ist nicht meine Absicht, die CSU hier in eine ultrarechte, nationalistische Ecke zu rücken (in die rechte Ecke stellt sich die CSU schon von alleine und freiwillig). Die Begriffe “Weltnetz” und “Heimatseite” sind in manchen Augen Nazi-Slang und dürfen daher nicht in Satiren o.ä. benutzt werden. Ich bin da anderer Meinung, und will mir nicht vorschreiben lassen, was Satire darf oder nicht darf, bitte aber Leser, die dies anders empfinden die betreffenden Begriffe gedanklich durch “Datenautobahn” und “Elektro-Seite” zu ersetzen. Danke schön.

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