Mai 15 2013

st_ry: It’s all about the money, isn’t it?

st_ry mache ich nicht allein, st_ry ist ein Team aus mittlerweile ungefähr 14 Leuten. Eine davon ist Mareike Müller, die ihr vocer.org-Stipendium bei uns absolviert und tolle Arbeit leistet.

Für den vocer-Blog hat Mareike aufgeschrieben, wie die ersten Wochen bei st_ry waren. Was ihr vor allem aufgefallen ist: Vor unserem Projekt kommt das Geldbeschaffen (wir haben es uns extra-schwer gemacht).

“Wir sind Journalisten und Dokumentarfilmer, kreative Köpfe. Auf einmal werden wir zu PR-Strategen und müssen uns und unser Projekt verkaufen. Das ist nicht unbedingt das, was wir am liebsten machen. Türklinken putzen, reden, reden und noch mal reden. Aber es gehört dazu, auch wenn wir uns viel lieber schon in die Recherche stürzen würden.”

Hier der ganze Artikel.

Werbung? Muss sein.

Mareike trifft mit diesem Absatz den Kern unserer derzeitigen Beschäftigung: Werbung machen, Geld sammeln, die PR-Trommel rühren, Kollegen um mediale Aufmerksamkeit anbetteln. Da das richtige Maß zu finden ist schwierig. Die ersten Follower beschweren sich bereits bei mir:

@MartinTriker findet: st_ry-Werbung nervt!

@MartinTriker findet: st_ry-Werbung nervt!

Spaß macht uns das selber nicht. Aber es muss sein, weil wir es mit dem Unabhängigkeits-Gedanken ernst meinen.

Und die Funding-Phase läuft schwerläufiger an, als wir gedacht haben. Gut 3.200€ stehen auf der Haben-Seite bei startnext.de. Damit können wir nicht mal eine Folge st_ry produzieren, geschweige denn den Recherche-Prozess dokumentieren und die Zeit aufbringen, mit euch zu diskutieren.

Wie finanzieren wir unabhängigen Journalismus im Netz?

Mareike trifft mit ihrem Artikel aber auch das Kernproblem des Netzjournalismus derzeit: Who pays? Derzeit findet im Netz eine Debatte über werbefinanzierten Journalismus, Adblocker und alternative Bezahlmöglichkeiten statt. Werbung finden viele doof. Wir auch. Und haben uns daher dagegen entschieden, st_ry von Google, Microsoft oder HTC bezahlen zu lassen.

Aber wenn Werbung doof ist, Paywalls keiner will und Crowdfunding nur funktioniert, wenn man es schafft ganz viele Leute von seiner Idee zu überzeugen – wie wollen wir dann Journalismus bezahlen?

Klar ist: Journalismus muss sich ändern. Die Verlage und Redaktionen müssen sich ändern. Gebündelte Zeitungen sind keine Lösung. Aber die Leser, Zuschauer, Konsumenten müssen ihre Einstellung auch überdenken. Umsonst ist nur der Tod.

Ich hab da ne Idee…

Meine Idee: Eine Art verlagsübergreifende Micropayment-Plattform, die automatisch registriert, welchen Artikel ich wo gelesen habe (gelesen, nicht nur angeklickt!) und dafür einen Kleinstbetrag verrechnet, die sie der Redaktion dann überweist. So ähnlich wie Flattr, nur überall und ohne, dass ich noch klicken muss.

Überschreite ich durch meine Leserei eine höhere Summe pro Monat (sagen wir: 75€), bekomme ich eine Flatrate und kann alles lesen. Eine Art Kosten-Airbag sozusagen. Was meint ihr?

//NACHTRAG 15.5.13, 12:08//

Ich bin scheinbar nicht der Einzige mit dieser Idee. Hier ein Storify von @teraeuroUnd hier die Suche nach dem Hashtag #ichwillzahlen, den Frank Rieger vom CCC heute vorschlug.

//WERBUNG//

//Weitere st_ry-Posts//

Interessant? Sag es weiter! Facebook ist aus Datenschutzgründen vorerst nicht mehr verfügbar.

Feb 19 2013

Warum ein Film über ein YouTube-Netzwerk nicht auf YouTube zu sehen ist

Vergangene Woche machte ich für das NDR Medienmagazin ZAPP einen Film darüber, wie die Macher der YouTube-Netzwerke die Werbetreibenden ins Neuland der fast unbegrenzten (Werbe-) Möglichkeiten einladen und dabei völlig unbegrenzt und unbeaufsichtigt sind. Product Placement, gesponserte Clips, minutenlange Produktrezensionen, die unklar lassen, ob dafür Geld geflossen ist oder nicht  – alles geht und keiner überwacht es. 

Zwar existiert im Rundfunkstaatsvertrag ein Passus für “fernsehähnliche Telemedien”, die den gleichen Regeln für Werbung und Produktplatzierung unterworfen sind wie der “alte” Rundfunk. Doch wann genau ein YouTube-Kanal zum “fernsehähnlichen Telemedium” wird: unklar. Und: Die Zuständigkeiten zur Überwachung sind je nach Bundesland unterschiedlich geregelt. Ein einziges Behörden-Chaos.

Für den Beitrag interviewten wir unter anderem Christoph Krachten, einer der Geschäftsführer des größten deutschen YouTube-Netzwerkes “Mediakraft“. Das Interview gab er ZAPP gern und ohne Nachfragen auf dem Produzententag in Berlin.

Eigentlich hätte ich gern das volle Interview mit Christoph Krachten online gestellt – er wollte das jedoch nicht.

Eigentlich hätte ich gern das Comedy-Trio Y-Titty, Teil des Mediakraft-Netzwerks, bei einem Dreh begleitet. Der sicher geglaubte Termin wurde nach dem Interview vom Management des Trios abgesagt. Ohne Angabe von Gründen.

Eigentlich hätte ich dann ersatzweise im Büro von “Mediakraft” drehen wollen. Auch das wurde uns verweigert – mit Verweis auf eine angeblich zu spontane Anfrage und dass man die Firma nicht zu sehr in den Mittelpunkt stellen wolle.

Als der Beitrag wie immer einen Tag nach der Sendung auf dem ARD-YouTube-Kanal hochgeladen wurde, meldete sich Krachten dafür in der Redaktion und bat darum, das Video so schnell wie möglich wieder zu löschen.

Seine Begründung: Er und Y-Titty hätten ZAPP nicht erlaubt, die zuvor per Mail freigegebenen Clip-Ausschnitte nochmals auf YouTube zu verwenden. Dies würde man generell nicht erlauben.

Eine Prüfung des NDR Justitiariats ergab, dass Herr Krachten in der Tat das Recht dazu hat, den Beitrag von YouTube entfernen zu lassen, da die nötige Rechtefreigabe für die verwendeten Ausschnitte nicht vorliegt.

Im Mailverkehr zwischen dem Mediakraft-Pressesprecher und dem Autor war dies zwar nicht ausdrücklich untersagt, aber auch nicht explizit erlaubt worden. Es wurde schlicht nicht angesprochen.

Somit darf der NDR den Film nur auf seinen eigenen Ausspielwegen zeigen: in der Mediathek und auf der ZAPP Seite. Dort ist er auch weiterhin abrufbar und wird es bleiben.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf dem Zapp-Blog.

Interessant? Sag es weiter! Facebook ist aus Datenschutzgründen vorerst nicht mehr verfügbar.

Jan 16 2013

new.myspace.com – schon wieder ne Gated Community? Lame.

2013-01-16 facebook

…postete Kollege Markus “@videopunk“ gerade aus der gated community Facebook über das wiederauferstandene Myspace. Das jetzt “New Myspace” heißt. Erwartungsfroh klickte ich auf den Link und sah: Nichts.

Das Myspace, was ich noch in meinen Erinnerungshirnwindungen abgelegt hatte, war eine Plattform, auf der man sich ein Profil einrichten und damit allerlei Schabernack treiben konnte. Zum Beispiel mit animated Hintergrund-Gifs für Augenkrebs sorgen.

Sehen konnte das jeder, der es sich antun wollte. Ein Login war nur nötig, wollte man sich verbinden, “Freunde werden”, sich in den Kommentaren für das Ani-Gif bedanken oder seinen eigenen Myspace-Hintergrund häßlich machen.

Timberlake statt Videopunk

Und jetzt? Seh ich Herrn Timberlake im Anzug, der ernst guckt und die Haare schön hat, wenn ich die Myspace-Seite von Markus sehen will.

Das ist alles nicht neu, eigentlich nicht der Rede wert, müssten wir nicht mal darüber reden, was gerade mit “unserem” Netz passiert. Angestoßen hat die Diskussion Ende 2012 Johnny “Spreeblick” Häusler, der meinte, wir müssten 2013 das Web zurückerobern. Und seitdem in gut zwei Wochen drei Artikel produziert hat. Naja.

Wellen hat er mit seinem Aufruf trotzdem gemacht und die Kollegen von Breitband haben sich dann auch dankenswerterweise damit ausgiebig beschäftigt.

Abhängig von Facebook & Co

Mit Johnnys These bin ich auch mehr als d’accord: Mittlerweile wird lieber getumblert, getwittert, gefacebookt, gepinterested und geinstergramt als gebloggt.

Das macht uns abhängig von diesen Firmen, weil die Daten nicht mehr in unserer Hand liegen und wir keine Ahnung haben, was damit so passiert. Was, wenn eine der Firmen auf einmal dicht macht? Geht nicht? Das hat Kim Dotcom auch geglaubt. Bis sie ihm Megaupload schlossen.

Und: Das macht uns durchleuchtbar. Jaja, Datenschutzparanoia my ass. Aber wer einmal kurz nachdenkt, was er über diese Firmen so von sich preisgibt, vor allem in Chats und Direktnachrichten, kommt vielleicht ins Grübeln. Soll das wirklich jeder Mitarbeiter der Firma, der potentiell Zugriff auf diese Daten hat, lesen dürfen? Und die Polizei? Der Staatsschutz? Ach, die interessieren sich nicht für euch? Na, dann ist ja gut. Oder?

Bloggen? Meh.

Bloggen? Meh.

Bloggen? Anstrengend.

Die Gründe, warum wir es trotzdem tun (auch ich) liegen auf der Hand. Ein Blog, der auf gemietetem Webspace oder sogar einem eigenen Server liegt macht: Arbeit.

Man muss sich mit Datenbanken beschäftigen, mit FTP-Programmen und Zugangsdaten. Man muss ein CMS aufspielen, ein Design aussuchen, anpassen oder gleich selbst entwerfen, Plugins installieren und dann läuft trotzdem immer irgendwas schief. Spätestens seitdem ich vorgestern einen Abend gebraucht habe, um diesen Artikel in eine lesbare Form zu bringen weiß ich wieder: Bloggen? Anstrengend.

Tumblr, Twitter, Facebook, Instagramm und wie sie alle heißen machen alles von selbst. Einfach zu pflegen. Einfach zu checken. Schön bequem. Und: Vermeintlich kostenlos.

Und: Für vermeintlich vertrauliche digitale Kommunikation gibt es überhaupt keine Alternativen, wenn man mal von Geek-Chat-Protokollen wie Jabber und verschlüsselten Emails absieht. Massentauglich ist das alles nicht.

Interaktion wird zum Inter-Akt

Wer in sozialen Netzen interagieren will, muss sich nur einloggen, seine Freunde suchen und loslegen. Wenn man passiert kriegt man Bescheid.

Auf Blogs muss man sich u.U.  für jeden Kommentar anmelden. Wenn man dann Bescheid wissen will, ob noch jemand was zu sagen hat,  eine Email-Benachrichtigung einrichten, die dann auch noch per Double-Opt-In bestätigt werden muss (Datenschutz!). Wie nervig ist das bitte? Und wie 2002?

Ich gestehe: Ich diskutiere und interagiere auch lieber auf Facebook oder Twitter als auf Blogs. Ganz einfach, weil es eine zentrale Anlaufstelle für alle Inhalte ist, die mich interessieren. Würde ich das für meine Lieblingsblogs ähnlich halten, müsste ich dutzende von Seiten ständig auf haben und die Kommentare überwachen oder alternativ mein eh schon gestresstes Postfach mit Benachrichtigungsmails zubomben lassen.

Und die einzigen Menschen, mit denen ich über Jabber kommuniziere sind der eine oder andere Hacker. Alle anderen kennen das nicht.

Was ist die Lösung? Keine Ahnung

Was ist jetzt die Lösung? Ich gestehe: Ich weiß es nicht. Es gibt Ideen von Open Source-Entwicklern, die meinen, wir alle sollten unseren Server zuhause stehen haben, wo unsere Daten und unsere Kommunikation draufliegt. Und nur wer von uns autorisiert wird, darf darauf zugreifen.

Eine Utopie? Vielleicht. Aber die meisten Menschen haben mindestens einen Rechner zuhause, der ständig am Netz hängt. Der ließe sich relativ einfach zum Server machen. Aber massentauglich? Nee. Noch nicht.

Dann gibt es noch Versuche wie Diaspora, das auf eine Entwicklercommunity hofft, die das unkommerzielle soziale Netzwerk aus Spaß an der Freude weiterentwickeln. Ich war dort mal eingeloggt. Vor Ewigkeiten. War nichts los.2013-01-16 app.netUnd dann gibt es Firmen wie App.net. Eine Art Twitterklon, der 5$/Monat oder 35$/Jahr kostet und im Gegenzug verspricht, dass es keine Werbung gibt und die User ihre Daten kontrollieren können. Einen Account? Hab ich noch nicht. Und außer Dennis Horn von WDR kenne ich auch keinen, der dort ist.

Für den Elektrischen Reporter hab ich letztes Jahr mal einen Beitrag gemacht, der sich mit diesem Problem beschäftigt:

Ich hab mir trotzdem vorgenommen, 2013 zum Return-of-the-Blog-year zu machen. Nur weil uns gerade keine andere Alternative einfällt, heißt das nicht, dass wir aufgeben müssen.

tldr

Das neue Myspace ist alter Scheiß in neuen Tüten. Wir brauchen dringend nichtkommerzielle Alternativen zu den sozialen Netzwerken, die uns abhängig machen und unsere Daten verwursten. Wie die aussehen weiß ich aber auch noch nicht.

Interessant? Sag es weiter! Facebook ist aus Datenschutzgründen vorerst nicht mehr verfügbar.

Jan 11 2013

Steinbrück sieht keinen Mehrwert bei abgeordnetenwatch.de

Peer Steinbrück ist schon ‘ne Granate. Wie ein Eichhörnchen auf Speed hüpft er von Fettnapf zu Fettnapf und scheint das auch noch zu genießen. Nächster Klopper: Er hält nichts von abgeordnetenwatch.de. Die Begründung macht sprachlos.

Zur Erinnerung: abgeordnetenwatch.de ist eine Plattform, auf der man unseren MdBs ein bißchen bei der Arbeit zusehen und sie mit Fragen löchern können soll. Jeder MdB hat eine eigene Seite, die gut übersichtlich Informationen über sie zusammenfasst: Wahlkreis, Geburtstag, Abstimmungverhalten und einiges mehr.

abgeordnetenwatch.de-Seite von Peer Steinbrück

abgeordnetenwatch.de-Seite von Peer Steinbrück

Das wirklich Tolle aber: Man kann den MdBs dort Fragen stellen, die sie dann – hoffentlich – beantworten, so dass jede/r Interessierte sehen kann, wo er/sie steht.

Eine Frage – eine Standardantwort

Auch Peer Steinbrück hat so eine Seite. Dort fragte ein Herr Beyer am 5.1.2013 Peer Steinbrück, warum er auf seine Frage vom 11.11.2012 nur eine Standartantwort bekommt und aufgefordert wurde, sich stattdessen an das Abgeordnetenbüro Steinbrück zu wenden:

“Sie wollen also allen an Ihrer Antwort interessierten Bürgern Ihre Entgegnungen auf meine doch für “jeden” Wähler so wichtigen Fragen vorenthalten und nur mir antworten?Soll etwa ich – nachdem Sie nur mir privat meine Fragen beantworteten bzw. beantworten ließen (was auch noch fraglich ist) – dann Ihren Wahlkampf übernehmen?”

Die Antwort des Büros Steinbrück muss man sich Wort für Wort auf der Zunge zergehen lassen (Hervorhebungen von mir):

“Herr Steinbrück hat sich dagegen entschieden das Portal abgeordnetenwatch.de zu nutzen, da er der Überzeugung ist, dass es keinen Mehrwert für die Wählerinnen und Wähler schafft.

Jede Bürgerin und jeder Bürger kann sich direkt an Bundestagsabgeordnete wenden, um Fragen zu stellen. (…)

Abgeordnete des Deutschen Bundestages werden aus Sicht Herrn Steinbrücks nicht durch eine Internetplattform kontrolliert, die ihre “Spielregeln” aufzudrängen versucht, sondern allein durch den Souverän. (…) Herr Steinbrück bevorzugt den direkten Kontakt mit Menschen statt des Umweges über einen vermeintlichen Dienstleister, der zumindest Teile seiner Einkünfte über Werbung erzielt. (…) Dass die Betreiber des Internetangebotes insbesondere jene Abgeordnete maßzuregeln versuchen, die ihrem Drängen nicht entsprechen und dort keine Fragen beantworten, ist offensichtlich.”

Großzügiger Steinbrück

Herr Steinbrück möchte also jedem die Möglichkeit geben, mit ihm persönlich zu reden oder eine persönliche Antwort zu kriegen? Wie großzügig. Und wie unrealistisch.

Herr Steinbrück möchte sich also nicht von einem “vermeintlichen Dienstleister, der zumindest Teile seiner Einkünfte über Werbung erzielt” kontrollieren und “maßregeln” lassen? Was für ein tapferer Widerstandskämpfer.

Dass öffentliche Antworten auch für sein Büro eine Arbeitsentlastung sein könnten – egal. Dass man so die Bereitschaft zu einem öffentlichen Diskurs signalisiert – nicht so wichtig.

Dass abgeordnetenwatch.de in meinen Augen als presseähnliches Angebot einer neuen Art gewertet werden könnte, das  – genau wie viele andere presseähnliche Angebote – Öffentlichkeit schafft, sich dafür aber durch Werbung finanzieren muss – Erbsenzählerei.

[Nachtrag 14:01h: Die Betreiber von abgeordnetenwatch.de machen mich gerade in den Kommentaren darauf aufmerksam, dass es keine Werbung auf dem Portal gibt. Ich hatte meine Adblocker nicht ausgeschaltet und die Behauptung des Büros Steinbrück nicht überprüft. Dafür möchte ich mich entschuldigen.

Stattdessen weise ich daraufhin, dass man abgeordnetenwatch.de mit einer Spende unterstützen kann und dass sowohl Spiegel Online, Welt.de sueddeutsche.de als auch T-Online Medienpartner sind.]

Presse ist scheinbar für ihn, was gedruckt oder gesendet wird und wo ein ordentlicher Journalist hinter steht. Nur denen scheint sich Steinbrück zur öffentlichen Auskunft verpflichtet zu fühlen.

Anachronistische Haltung – bei Steinbrück UND Merkel

abgeordnetenwatch.de-Seite von Angela Merkel

abgeordnetenwatch.de-Seite von Angela Merkel

Herr Steinbrück legt hier eine unfassbar anachronisische Haltung an den Tag, die sich mit den neuen Wünschen nach Transparenz und Offenheit nicht vereinbaren lässt – auch wenn dies teilweise aus guten Gründen nicht realisierbar sind. Eins muss man ihm zugute halten: Er hält sie zumindest nicht hinterm Berg.

Frau Merkel macht das übrigens wieder mal geschickter: Sie ignoriert das Portal scheinbar einfach. Ich konnte jedenfalls beim Durchscrollen keine Antwort finden. Mit dieser Aussitzen-und-Ignorieren-Haltung hat sie es geschafft, beliebteste Politikerin Deutschlands zu werden.

Ich weiß gerade nicht, was ich schlimmer finde.

Interessant? Sag es weiter! Facebook ist aus Datenschutzgründen vorerst nicht mehr verfügbar.

Jan 9 2013

Was sind “Native Ads”
(und retten Sie den Journalismus)?

Die Vermischung von Journalismus und Anzeigen ist eigentlich für (deutsche) Medienmacher BahPfui. Eine saubere Trennung zwischen Artikeln und bezahltem Kram – so die einhellige Meinung – sei unabdingbar für die eigene Glaubwürdigkeit. Aber Überraschung: Den neuen digitalen Medien-Unternehmen ist das zunehmend egal.

“Native Ads” heißt das Buzzword der Medien-Monetarisierung, das ein Funkeln in die Augen der Buchmacher und Werbetreibenden zaubern dürfte. Gemeint sind gesponsorte Artikel, Tweets, Posts oder Bildstrecken, die erst auf den zweiten Blick als Werbung zu erkennen sind.

Wo der Trend herkommt, wo er heute schon eingesetzt wird und warum das Ganze einem Sorgen machen darf, sollte es in Deutschland um sich greifen, hat ZDF-Kollegen Martin Giesler sehr schön aufgeschrieben: KLICK!

Die Diskussion geht los…

Dass es jedoch auch Mediennutzer der neuen Art gibt, die diese Entwicklung unproblematisch finden, zeigt folgende Reaktion von @notwendig auf Martins Artikel:

@ Ich find das schon kurrios den Konsumenten zu unterstellen er würde nichts merken. Er weiß sich schlicht nicht zu wehren oder...
@ ... weiß dass, würde er es endlich tun, es kein zurück, bis zur bitteren Neige gehen müsste. Und da bietest Du weiteren Strohhalm

So richtig verstehe ich seinen Einwand nicht, aber er scheint auf die Medienkompetenz der Konsumenten abzuzielen, die das schon merken werden, was bezahlt ist und was nicht. Ich hab da allerdings so meine Zweifel.

Interessant? Sag es weiter! Facebook ist aus Datenschutzgründen vorerst nicht mehr verfügbar.

Jan 6 2013

Mediathek-App stellt Betrieb ein

Es war nur ein kleines Programm, benutzt von einer kleinen Schar Nischennerds. Doch die Mediathk-App bewerkstelligte, was keine Software vorher konnte: Einfach und bequem alle öffentlich-rechtlichen Mediatheken an einem Ort durchsuchbar machen und zusammenfassen.

Seit wenigen Tagen ist die App nun nicht mehr funktionabel. Der Entwickler stellte den Betrieb ein, zunächst nur mit einer sehr vagen Begründung. Viele Nutzer wunderten sich. Und verdächtigen die Öffentlich-Rechtlichen, hier interveniert zu haben. Schließlich konnte man mit der App sogar die Filme auf seiner Festplatte speichern.

Ich und andere fragten, was da los sei:

Der Entwickler schob dann noch folgenden Tweet hinterher:

@ @ @ @ @ ... Die Urheberrechtssituation ist das Problem. ARD/ZDF haben nicht akut interveniert.
@MediathekApp
Mediathek für Mac

In der Tat hat sich die App immer in einem Graubereich bewegt und vermutlich auch Urheberrechte verletzt, in dem sie die Streams als downloadbare Dateien anbot. Produzenten von Fernsehserien werden das sicher nicht gern gesehen haben (falls sie das überhaupt bemerkten).

Falsch ist jedoch, die Schuld bei ARD und ZDF zu suchen. Die Situation ist komplexer, eine Mischung aus Verbindlichkeiten aufgrund der Rundfunkstaatsverträge und Urheberrechten, die je nach Sendung oder Beitrag unterschiedlich gelagert sind.

Trotzdem wäre es schön, wenn eine App wie diese in absehbarer Zukunft legal auf dem Markt sein könnte. Sie hat das Leben vieler Nutzer einfacher und bequemer gemacht.

Oder wie es @textkoch twitterte:

RT @: Die Mediathek-App für OS-X war DER Kanal, über den ich öffentlich-rechtliches Programm regelmäßig geguckt hab. #einzuschau ...
@doktordab
Daniel Bröckerhoff
Interessant? Sag es weiter! Facebook ist aus Datenschutzgründen vorerst nicht mehr verfügbar.

Mrz 22 2012

Zapp: Urheberrecht – Selbstbedienung der Verlage

Der Madsack-Verlag zwingt Autoren ohne Zusatzvergütung, die Internet-Rechte an ihren Texten abzutreten. Viele Verlage wollen sich diese selbst sichern – und bezahlen lassen. Und das in Zeiten, wo Verlage sich über den “Diebstahl” ihrer Inhalte im Netz beklagen.

Mein Film über den Streit für das NDR Medienmagazin ZAPP:
 

Den Text und die vollen Interviews mit meinen Gesprächspartner gibt es hier beim NDR.

Interessant? Sag es weiter! Facebook ist aus Datenschutzgründen vorerst nicht mehr verfügbar.