Mai 22 2012

Klub Konkret 2 – Wo ist die Krise eigentlich?

Krise, Krise und kein Ende. Aber wie schlimm ist es eigentlich? Und wie sieht das aus, wenn die Krise zuschlägt? Für diese Folge war ich unter anderem in Madrid und hab mich mit Krisen-Opfern getroffen:

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Aug 19 2011

Liveblog-Experiment:
Die Entstehung eines 30-Minüters Tag 5

Zur Erklärung erstmal das hier lesen. Hier geht es zu Tag 1, Tag 2, Tag 3 und Tag 4. Ich blogge live von oben nach unten, weil ich die Marotte, das Neueste oben haben zu wollen hasse. So ist der Einstieg leichter und das Neueste steht ganz unten.

Freitag, 19.8.2011

7:32 In 90 Minuten geht die Abnahme los. Ich bin relativ entspannt, weil ich von dem, was Renate und ich in den letzten 4 Tagen produziert haben, überzeugt bin. Der Film funktioniert, hat unterhaltsame Passagen, der Protagonist hat eine Herausforderung und es gibt sogar einen kleinen roten Faden.

Die Abnahme mit dem Produzenten hat mir zudem Mut gemacht. Er ist in der Regel nicht gerade leicht zu begeistern und sehr kritisch – ein guter Maßstab also. Trotzdem ist die Abnahme mit einem mir noch unbekannten Redakteur immer noch etwas anderes. Ich hatte bislang noch überhaupt keine Berührungspunkte mit ihm, die Vorbesprechung haben wir in Kiel letzten Herbst mit seiner Kollegin gemacht. Keine Ahnung also, was für ein Typ er ist, wie seine Vorstellungen sind etc.

Hier irgendwo sind die Vorgaben drin versteckt... Ich kann sie nur noch nicht finden.

Hier irgendwo sind die Vorgaben drin versteckt... Ich kann sie nur noch nicht finden.

Wenn die Abnahme gut läuft und durch ist, müssen wir noch die Änderungswünsche des Redakteurs umsetzen und die Regularien in den Film einbauen – Titel, Abspann und NDR-Copyright. Ich hoffe, dass wir dann um 18 Uhr durch sind mit allem.

Die nächsten Arbeitsschritte, die ich dann aber nicht mehr bloggen werden, sind die Abnahme des Textes und die Vertonung mit einem professionellen Sprecher. Dann geht der Film in eine Postproduktion-Firma und wird dort auf ein Sendeband ausgespielt, das per Kurier nach Kiel geschickt wird. Ist dann alles fein kann ich endlich eine Rechnung schreiben.

Alles in allem ist das mein bislang längstes Filmprojekt gewesen. Über ein Jahr ist vergangen von der ersten Idee bis zur heutigen Abnahme. An dieser Stelle möchte ich besonders meinen Eltern danken, die Boy Jöns letztes Jahr aufgespürt haben und mich davon überzeugten, dass er ein Portrait wert ist.

Da ich während der Abnahme nicht schreiben kann und will, kommt der nächste Eintrag erst nach gelaufener Abnahme. Und dann hoffentlich mit positivem Feedback. Daumen drücken!

9:32 Es geht los. Nach einer halben Stunde Small-Talk mit Produzent und (sehr sympathischem) Redakteur, etwas Gutenmorgen-Kaffee und einem kleinen Bagel-Frühstück (Hallo! Unser Büro ist schließlich in der Schanze!) wird der Film angeschmissen. Und es läuft…

 

Der Rest des Abnahme-Frühstücks. Traditionelle Maßnahme zur Besänftigung des abnehmenden Redakteurs.

Der Rest des Abnahme-Frühstücks. Traditionelle Maßnahme zur Besänftigung des abnehmenden Redakteurs.

10:00 …sehr gut! Der Redakteur ist zufrieden, findet den Protagonisten stark und die Geschichte gut, schmunzelt über einzelne Szenen und schreibt sich relativ wenig auf. Ich selber schlage einen Tausch von zwei Szenen vor, den er sehr gut findet. Außerdem wünscht er sich an der ein oder anderen Stelle Kürzungen, den O-Ton von Peter-Harry Carstensen soll aus Wahlkampfgründen raus und außerdem möchte er ein bißchen mehr Schmuck sehen. Kein Problem, wird gemacht!

Gemeinsam fangen wir an, die Änderungen vorzunehmen. Produzent Michael verabschiedet sich, als er merkt, dass er nicht zwischen einem störrischem Autor und eine unzufriedenem Kunden vermitteln muss und nach zwei Stunden sind wir durch. Freude auf allen Seiten, Schulterklopfen, Dankeschöns und mir fällt ein Bernstein vom Herzen (Sorry, der musste jetzt sein).

12:49 Renate macht die vorerst letzten Arbeitsschritte: Ton und Texttafeln. Wir müssen etwas rätseln, wie das jetzt bei dem Format gemacht werden muss. Wo kommt der Titel hin? Wie wird die Rubrik “Typisch!” geschrieben? In Kursivbuchstaben? Oder normal? Und wo ist das Logo der Produktionsfirma für den Abspann?

 

Abspann basteln. I like.

Abspann basteln. I like.

Nach einigem Suchen findet sich dann doch noch alles. I LIKE!

13:06 Ich kann gehen. Ich kann gehen? Ich kann gehen. Renate macht den Rest (Ton und Ausspielen als Quicktime-Movie für mich zum Texten) allein fertig. Das Ding ist fast durch. Bißchen komisches Gefühl. Da sitzt man stundenlang, tagelang zusammen. Und auf einmal isses fertig. Das Film.

Fein. Ick freu mir.

Und Danke fürs Lesen. Und Danke an Renate fürs Mich-Aushalten und tolle-Vorschläge-machen und Bloggen-ertragen und überhaupt.

Und nochmal Danke an meine Eltern. Und an die Produktionsfirma. Und den netten Redakteur. Und überhaupt an alle.

Ich geh jetzt meine Tochter von der Kita abholen. Auf bald!

13:11 Hmpf. Zu früh gefreut. Das Schnittprogramm kann die Grafikdatei von dem Produktionsfirmenlogo nicht öffnen. Zum Glück war ich mal Grafiker und weiß, was zu tun ist: Datei wandeln. Grmpf. Kind muss noch 10 Minuten länger warten. Aber es wäre auch zu schön gewesen.

13:34 Nächster Dämpfer. Wir haben die 2:30-Auskopplung fürs Schleswig-Holstein-Magazin vergessen. Und zwar alle. Produzent rief gerade an und erinnerte uns daran. Das ist ein schönes Beispiel dafür, dass man eigentlich einen Auftrag für eine Sache bekommt und dann noch obendrauf ein paar Sachen machen muss, von denen eigentlich nie die Rede war. Meine Laune sinkt gerade rapide.

15:05 Back to business. Renate und ich haben einen groben Schlachtplan gemacht, wie der 2:30er aussehen könnte. Viel passt da nicht rein. Aber es soll die ganze Jubiläumsgeschichte erzählt werden. Eine ganz schöne Umstellung gerade.

Ich fühle mich wie zu meinen Punkt12-Zeiten. Ärmel hochkrempeln und runterrotzen.

15:28 HAHA! Ich kann es noch! Mal eben schnell aus 28:30 einen 2:30er machen verlernt man doch nicht so schnell! Die ganzen Punkt6-Schichten haben sich gelohnt. Danke RTL! Trotzdem..

Ich bin irgendwie müde...

Ich bin irgendwie müde...

16:45 Fertig sind wir immer noch nicht… Auch 2:30 dauern ihre Zeit…

 

Wir sind bestimmt bald fertig... Oder..?

Wir sind bestimmt bald fertig... Oder..?

17:20 Hurra! Die letzte Musik wird unter die letzte Sequenz des Kurzstücks gelegt. Wir werden langsam etwas irre und singen die Musik lauthals mit. “Schnittkoller” nennt der Experte dieses Phänomen. Dagegen hilft nur lautes Schrein mit Hin-und-Her-Rennen bei gleichzeitigem Wedeln mit den Armen. Oder Schokolade. Hier muss doch noch irgendwo…

17:23 FERTIG! FERTIG! FERTIG! AAAAH! (Ich kann es nicht glauben. Ich glaub das erst, wenn ich hier raus bin.)

PS: Die Ausstrahlung ist für den 1.3.2012 vorgesehen. Könnt ihr euch schon mal vormerken…

17:30 GESCHAFFT!!!

GESCHAFFT!

GESCHAFFT!

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Aug 18 2011

Liveblog-Experiment:
Die Entstehung eines 30-Minüters Tag 4

Zur Erklärung erstmal das hier lesen. Hier geht es zu Tag 1, hier zu Tag 2 und hier zu Tag 3. Ich blogge live von oben nach unten, weil ich die Marotte, das Neueste oben haben zu wollen hasse. So ist der Einstieg leichter und das Neueste steht ganz unten.

Donnerstag, 18.8.2011

10:00 Renate ist seit einer Stunde dabei die Teile zusammen zu fügen und fein zu tunen. Und dann müssen wir mal sehen, wie es sich im Gesamten anschaut und dass wir das Ding auf eine vorläufige Länge von 34 Minuten kriegen, damit ich die die gute Laune von Produzent Michael nicht gefährde. Mehr will er nämlich auf keinen Fall sehen. Verständlicherweise.

11:48 Wir haben uns den kompletten Film angesehen und sind zuversichtlich. Läuft ganz gut durch, leider ist der erste Part zu lang und zu langweilig. Der Mittelpart läuft dafür ganz gut.

So, mal wieder alles anders.

Neuer Ablauf. Mal wieder alles anders.

Wir entschließen uns, nochmal an der Struktur zu arbeiten. Szenen fliegen hin und her. Die mit dem Schleifen weiter nach vorne, die mit dem Kettenbasteln weiter nach hinten, das sollte vielleicht besser nach da und jenes nach dort. Dieser O-Ton auf jeden Fall noch kürzer, der ganz raus. Wir arbeiten hochkonzentriert.

 

11:52 F***! Der Klassiker! COMPUTERABSTURZ! :-( (( Wieviel von unseren gerade gemachten Änderungen weg sind wissen wir noch nicht… Und gleich kommt Michael und will was sehen…

11:55 Puh. Scheint alles da zu sein. Aber wir wollen noch schnell eine 20-Sekunden-Strecke basteln, um den Jubiläumstag zusammen zu fassen. Es wird etwas hektisch. Denn die Bilder dazu fehlen irgendwie. Dabei war ich mir so sicher, alles gedreht zu haben…

12:16 So, Michael ist da. Die Jubiläums-Strecke noch nicht. Ich hab ihn nochmal telefonieren geschickt. <ironie> Das macht er eh am liebsten. </ironie>

12:23 So, geht los.

12:46 Er lacht zwischendurch. Und schreibt sich was auf. Bin gespannt.

14:06 So, Abnahme ist durch und kann als “harmonisch” bezeichnet werden. Der Produzent hat viel gelacht und fühlte sich insgesamt wohl gut unterhalten, will den Film aber vom Rhythmus her noch etwas gestrafft haben. Ich bin da seiner Meinung. An der ein oder anderen Stelle holpert es noch oder ist definitiv zu lang(weilig).

Wir haben jetzt eine laaaaange List mit Kleinigkeiten, Frickelkram und Kürzer-Machens. Hier noch Musik und da übertexten. Aber der widmen wir uns erst nach der Mittagspause.

 

Auf diesen Festplatten ist übrigens unser Material. Wehe einer zieht den Stecker!

Auf diesen Festplatten ist übrigens unser Material. Wehe einer zieht den Stecker!

15:48 Während des Mittagessen haben Renate und ich uns über das Livebloggen unterhalten. Sie ist insgesamt mit dem Experiment unzufrieden. Hier in Stichworten ihr Feedback

  • Das Bloggen verändert die Schnittsituation, weil es potentiell immer einen Beobachter gibt. Allein schon die Möglichkeit, dass da jemand anders drauf guckt verändert das Ganze schon.
  • Sie spricht nicht mehr frei, überlegt, was sie äußert und ob dies eventuell im Netz landen könnte
  • Es nervt sie, weil meine Aufmerksamkeit teilweise woanders liegt
  • Sie findet, dass es Bereiche und Prozesse gibt, die einen Reifungsprozess brauchen, bevor sie der Öffentlichkeit präsentiert werden

Ich kann ihre Meinung durchaus nachvollziehen und finde diese Einwände unter anderem sehr wertvoll für die Post-Privacy-Debatte.

15:52 Wir sind jetzt übrigens dabei das Best-of für den Anfang zu basteln. Das Format “Typisch” hat vorne immer ein 30-40 Sekunden Potpourri aus O-Tönen und Stimmungsbildern. Wir finden: Könnte man sich auch schenken, der Film ist so ja schon halb erzählt. Aber gut, wat mutt, dat mutt.

16:08 Oh, ein ARGH!-Moment. Das Schnittprogramm ist uns schon wieder abgeraucht. Die Hälfte unseres Vorspanns ist dahin. Danke, Apple! :-(

16:33 Ist gottseidank nicht soviel weg gewesen. Aber gar nicht so einfach einen guten Vorspann zu bauen. Und gute Musik fehlt auch noch…

17:02 Einigermaßen gute Musik gefunden. “NDR-Gitarre” hat der Produzent dieses Genre genannt. Vorspann ist ganz okay geworden, den lassen wir jetzt so. Schließlich haben wir noch einen ganzen Film zu polieren und viel Zeit ist nicht mehr.

 

Zu der Schokolade und den Reiswaffeln gesellen sich jetzt noch Honigwaffeln dazu.

Zu der Schokolade und den Reiswaffeln gesellen sich jetzt noch Honigwaffeln dazu. Hilft nicht, aber schmeckt.

Also das Prozedere wieder von vorne: Film von Anfang zum Ende durchgehen, O-Töne kürzen, Szenen raffen, Bilder austauschen. Schneiden ist Sisyphos-Arbeit. “Wer schneidet, leidet.” Noch so ne Cutter-Weisheit (aber nicht von Renate).

18:06 Verflucht. Durch die Umstellerei ist der Winter-Teil zwar besser geworden. Aber jetzt haben wir kein Bild, um aus der Oma-Situation zu kommen.

18:41 Wir haben die Oma-Situation erstmal übersprungen. Dafür widmen wir uns dem Rest des Films und setzten die Änderungswünsche vom Produzenten um. Leider wird der Film nicht wirklich kürzer. Statt bei 28:30 landen wir am Ende immer noch bei 32:00. Suboptimal.

18:50 Jetzt werden wir rabiat. Erste Szene gekillt. Bamm! Eine Minute weg. Next!

18:57 Der nächste O-Ton wird amputiert. Beim Kürzen stöhnt er leise. Wir ignorieren das Gejammer. Next!

19:14 Sie sterben wie die Fliegen, die O-Töne und Szenen. Schnittgemetzel. Noch 2 Minuten zuviel. Stirb, Gelaber!

19:26 Wir sind eine Minute über der Sendelänge. Das lassen wir jetzt so. Der Redakteur wird morgen sowieso noch das ein oder andere anders haben wollen, da macht es wenig Sinn jetzt eine Punktlandung hinzulegen. Jetzt nur noch die Musikbetten an der ein oder anderen Stellen korregieren bzw hinzufügen, wo noch Musik hin soll – DANN FERTIG! Vorerst…

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Aug 17 2011

Liveblog-Experiment:
Die Entstehung eines 30-Minüters Tag 3

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Mittwoch, 17.8.2011

10:00 Ich sitze etwas müde im Schnitt. Walisischer Tee und Schokoreiswaffeln sind meine Geheimdrogen und sollen mich aufpushen. Klappt bedingt.

Renate ist schon dabei den Rest des Frühling-Teils schick zu machen. Musik drunter legen, den Rhythmus schon mal etwas anpassen. Ich merke wieder mal, wie wichtig ein/ gute/r Cutter/Cutterin ist, gerade bei längeren Reportagen. Sie bestimmen maßgeblich den Film mit, weil sie den richtigen Rhythmus reinbringen, die Bilder komponieren. Als Autor hat man natürlich das letzte Wort, aber man sollte sich auf eine/n erfahrene/n Cutter/in immer verlassen. Sie haben fast immer Recht.

So sieht übrigens meine Shotliste aus. Das rote sind die Stellen, die für den Film in Fragen kommen würden

So sieht übrigens meine Shotliste aus. Das rote sind die Stellen, die für den Film in Fragen kommen würden

Diskutieren ist erlaubt, aber ich als Autor bin nicht der “Das ist mein Film und ich muss mich darin verwirklichen”-Typ. Die soll es ja auch geben und ich glaube, das ist sehr anstrengend für alle Beteiligten und kontraproduktiv für den Film. Das Produkt steht im Vordergrund und für mich ist ein Film immer eine Gemeinschaftsarbeit von vielen Leuten. Als Autor ist man der zentrale Punkt, wo alles zusammenläuft. Aber man sollte nicht den Fehler machen, alles an sich reissen zu wollen.

Wir werden nachher drei Timelines haben, die wie Rohdiamanten geschliffen werden und in die richtige Form und Reihenfolge gebracht werden wollen. Ich bin sehr gespannt, wie das alles zusammen wirkt. Gerade kann ich mir es noch nicht so recht vorstellen.

Zu besseren Orientierung hab ich die Grobstruktur aufgeschrieben. Für die, die mich besser kennen (Hallo Tina!): JA! AUF PAPIER!

 

Die Grobstruktur des Filmes. AUF PAPIER!

Die Grobstruktur des Filmes. AUF PAPIER!

11:01 Renate macht wieder “Betriebsgeräusche”. Ich würd das ja gern mal aufnehmen. Aber das lass ich lieber.

11:30 Der Frühling ist soweit fertig. Auch noch gut 3 Minuten zu lang. Aber passt schon. Mich von O-Tönen zu trennen fällt mir mit jedem Projekt leichter. Am Anfang ist das unheimlich schwer, weil man immer denkt “Aber den brauch ich doch, das ist doch wichtig und interessant.” Irgendwann lernt man dann, sich zu reduzieren. Der Zuschauer ist nur begrenzt aufnahmefähig. Und das Format so lang, wie das Format eben ist.

12:01 Frustrierend ist es, wenn man so viel gedreht hat, wie ich für dieses Projekt (21 Tapes á 40 Minunten, das ist schon Oberkante) und dann trotzdem nach guten Bildern suchen muss, weil immer irgendwas fehlt. Hinterher fragt man sich dann oft “Warum hab ich denn das jetzt nicht mehr gedreht?!”.

Grund dafür ist häufig, dass schlicht die Zeit fehlt. Drehen dauert. Oft länger, als man plant und vor allem länger, als Nicht-Fernsehmacher sich vorstellen können. Die Zeit jedoch ist begrenzt. Sender bezahlen nicht unendlich viel Drehzeit, nur damit man das perfekte Bild hinbekommt. Selbst öffentlich-rechtliche nicht (mehr). Oft muss man beim Dreh Kompromisse machen oder schnelle Entscheidungen treffen. “Das Motiv oder das? Fahren wir jetzt noch an den Strand oder drehen wir den Besuch bei Oma?” Hinterher ist man dann immer schlauer. Und ärgert sich manchmal.

13:26 So, gleich Mittag. Aber vorher für euch die mit witzigste Szene im Film:

13:42 Ach, Mist. Wir haben ne Materialsammlung von 30 Minunten im Sommer. Das ist VIEL zu viel. Wir müssen uns von ganzen Szenen verabschieden und ich kann mich nicht entscheiden. Renate möchte eine Szene los werden, die mir am Herzen liegt. Ich wehre mich. Noch.

14:31 Wir fangen dann mal an, den Sommer in Form zu bringen. Das heisst: Rausschmeissen. Renate zu mir: “Jetzt sei stark. Jetzt heisst es, 20 Minuten tapfer durchhalten.” Ich glaub, ich hab zuviel gejammert.

15:26 Renate bemerkt zu Recht, dass der letzte Tag im FIlm zu voll ist und unübersichtlich zu werden droht. Nach eineigem Hin und Herüberlegen entscheiden wir uns, die Szene, in der Boy Jöns eine Kette für seine Mutter macht, weiter nach vorne in den Film zu ziehen. Soviel zur Authentizitätsdebatte im Fernsehen. Ohne Inszenierung funktionierts halt leider nicht.

Diese Bilder dürfen natürlich nicht fehlen. Das Ding ist übrigens ein Klohaus.

Diese Bilder dürfen natürlich nicht fehlen. Das Ding ist übrigens ein Klohaus. Aber ein schönes.

15:59 Wieder was gelernt: Nicht einfach dem Protagonisten hinterrennen, sondern eher abgeschlossene Sequenzen drehen, in denen die Leute dann aus dem Bild gehen. Sonst wird das hart im Schnitt. Aber Renate rettet. Denn nächste Schnittregel: Irgendwie geht’s immer.

16:38 So, wir brauchen mal eben einen kleinen Break. Den gönnen wir uns hiermit:

17:26 Wir sind beide müde. Das Niveau sinkt dementsprechend. Auf dem Bildschirm sagt Jöns “Lass uns mal an die Schafe” und uns fällt nichts besseres ein als “Kennst Du Andi? Andi Schafe?”-Witze zu machen.

Der Sommer ist aus Gründen geschnitten 18 Minuten lang. Das heisst, dass wir mindestens 6 Minuten rausschmeissen müssen. Das heisst, wir müssen uns von mindestens zwei Szenen verabschieden. Renate: “Ich glaube mehr.” Und ich so: :-/

17:34 Unter das Kitsch-Bild von oben kommt jetzt noch Kitsch-Musik. Ich mag das manchmal ja. Und alle so: Hach. <3

NACHTRAG 18.8.2011, 11:30h
Gestern nachmittag wurde es dann doch noch ziemlich stressig. Als klar wurde, dass das nichts wird mit 17 Uhr präsentieren, haben wir die erste Abnahme durch den Produzenten auf 12h am Donnerstag (also heute) verschoben.

Das war auch gut so, denn wir waren erst um 19:00 so weit, dass der letzte Teil einigermaßen in Ordnung war. Aber wenigstens hat er eine Länge von 12 Minuten, was ungefähr meiner angepeilten Ziellänge entspricht. Es war aber schon ein relativ konzentrierter Kampf, so dass ich nicht mal mehr zum Mitschreiben gekommen bin. Daher jetzt dieser Nachtrag.

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Aug 16 2011

Liveblog-Experiment:
Die Entstehung eines 30-Minüters Tag 2

Zur Erklärung erstmal das hier lesen. Hier geht es zu Tag 1. Ich werde live von oben nach unten bloggen, weil ich die Marotte, das Neueste oben haben zu wollen hasse. So ist der Einstieg leichter und das Neueste steht ganz unten.

Dienstag, 16.8.2011

9:30 Moin zu Tag 2 hier im Liveblog. Ich hab nicht so richtig viel geschlafen, daher erstmal Kaffee vom Holstenbäcker und das derbste Franzbrötchen in der Schanze für den Zucker-Flash:

Kalorienbombe. Aber Hallo.

Kalorienbombe. Aber Hallo.

So. Und jetzt zur Arbeit. Nachdem wir ja gestern schon 4 Minuten über der Ziellänge des ersten Teils waren, wollten wir ja eigentlich heute morgen kürzen. Renate hat mir aber vorgeschlagen, erstmal alles “runter zu schneiden”, um dann zu gucken, wie es in der Länge wirkt, wo was redundant ist und wie der Rhythmus des Films ist. Sie hat mehr Erfahrung, also mok wi dat so.

10:44 O-Töne picken, O-Töne picken, O-Töne picken. Erstmal alles auf die Timeline. Und dann weiter gucken.

11:28 Fertig gepickt. Mal wieder ganz schöne Riemen, das wird lustig, die auf sendbare Länge zusammen zu stauchen. Vor allem das Streitgespräch zwischen Jöns und seiner Frau. Aber dafür ist das eine ganz starke Szene.

Während sich Renate daran macht, die schönsten Frühlingsbilder für den Übergang rauszusuchen, fang ich damit an, die besten Töne aus dem Sommer-Teil zusammen zu stellen. Der fehlt nämlich noch. In meinem Kopf ist er fertig, aber sich dann durch die Shotlisten zu wühlen, um die relevanten Töne zu finden ist dann doch nochmal was anderes.

Renate hat den Blogbeitrag von gestern gelesen und mir Feedback gegeben. Hier die Kurzform:

  • Das Nebenher-noch-was-anderes-arbeiten findet sie befremdlich. Sie hat das Gefühl, dass meine Konzentration darunter leidet. Also werde ich ab jetzt etwas weniger schreiben.
  • Den Schnittprozess findet sie nur mäßig gut wieder gegeben.
  • Es gibt für sie keine Schnittbilder. Alle Bilder werden geschnitten.
  • Sie hat nicht über den Kameramann geschimpft. Sowas würde sie niemals machen, da sie nicht genau weiß, wie die Situation beim Drehen war. Das Murren während des Schneidens ist für sie eher ein “Cutter-Betriebsgeräusch”.

11:37 Wir haben übrigens fast jedes Norddeutschland-Klischee im Film: Schafe, Krabbenfischer, Krabben pulen, Strand, Männer im Seemannshemd, Möwen und Plattdütsch. Nur der Shanty-Chor fehlt. Müssen wir wohl doch noch nachdrehen.

11:58 UND KÜHE! UND DÜNEN!

 

Noch so ein Klischee: Spazieren mit Hunden in den Dünen

Noch so ein Klischee: Spazieren mit Hunden in den Dünen. Aber watt mutt, dat mutt, nech? ;-)

13:00 Wir sind jetzt dabei die einzelnen O-Ton-Szenen, die später freistehen sollen sinnvoll zu kürzen. Unser Protagonist redet zum Glück gern, so dass wir tolle Töne haben, leider passt nicht alles in den Film. Also muss man sich entscheiden. Nicht immer einfach.

14:00 Wir haben den Frühjahrs-Teil jetzt grob vorgeschnitten. O-Töne gekürzt, die Szenen mit schönen Bildern aufgefüllt. Mal wieder alles zu lang, aber beim schnellen Durchsehen sieht das schon ganz ordentlich aus. Von der Länge her wäre der Film jetzt fertig. ;-) Aber der Sommer-Part fehlt ja noch. Dem widmen wir uns nach der Mittagspause.

16:04 ARGH. Hatten eine Traum-Szene MIT HUNDEN, die gemacht haben WAS SIE SOLLTEN und die Kamera war nicht am Start, sondern sucht viel zu lang den passenden Ausschnitt. Menno. Aber Renate meint, sie kann da was retten. Sowas passiert leider immer wieder. Beim Dreh denkt man immer “Wird schon gepasst haben” und im Schnitt schreit man “ARGH!”

16:42 *weint* Wir haben viel zu viel Sommer-Material. Da war der Dreh größer als das Format. Gut, wir machen den gröbsten Grobschnitt gerade. Wäre der Film eine Fleischware, wäre er jetzt noch grobes Mett. Aber trotzdem etwas besorgniserregend, wenn nur die Rohcuts schon 20 Minuten lang sind. Reich mir mal einer den Langhaarschneider, bitte! Aber wenigstens haben wir Peter-Hary Carstensen mit im Film. Klischees halt.

 

Da ist ein Ministerpräsident auf meinem Bildschirm!

Da ist ein Ministerpräsident auf meinem Bildschirm!

16:56 Gerade landet der letzte Schnippsel Rohmaterial auf der Timeline. Der Film wird ein schönes musikalisches Ende mit der Band von Jöns’ Sohn kriegen. Dann noch ein paar schöne Sonnuntergangsbilder und ZACK! Die Bohne. Ab jetzt heisst es grob runterraspeln.

 

Schöne Musik von Mr. Green is dancing. Hoffentlich GEMAfrei.

Schöne Musik von Mr. Green is dancing. Hoffentlich GEMAfrei.

17:00 Von wegen “fertig”. Ich hab das Abschlussinterview vergessen. *seufz*

17:27 Schnittgespräche: “Das Bild brauchen wir nicht.” “Da putzt sich aber gerade ein Schaf die Nase.” “Na gut.”

17:49 So. Das Gefeilsche um die Bilder fängt an. “Können wir das Bild nicht gegen ein anderes tauschen..?” – “Nein, das ist das Einzige, wo man ihn von vorne sieht.” -”Ich brauch aber noch Platz, um zu sagen, wo die Schulklasse herkommt.” – “Dann sag das hier und da schneid ich dir die Klasse rein, aber das Bild MUSS.” Auf seine Cutterin sollte man hören. Sie haben fast immer Recht. Außerdem macht sie das schon wirklich lange. Aber das mit Schulklasse muss irgendwo rein…

18:25 Erstes Feintuning des Frühlings-Parts. In der Schlüsselszene hat anscheinend das Mikrofon von Frau Jöns nicht funktioniert. Zwei Minuten später im Rohmaterial geht das Mikro wieder, dafür ist der Bildausschnitt suboptimal. Toll. Und jetzt?!

18:40 O-Ton-Gefrickel. Wir probieren verschiedene O-Ton-Kombinationen in der Schlüsselszene aus. So rum? Oder doch lieber so rum?

Zum ersten Mal merke ich, wie wichtig es bei einer Reportage ist, zuerst auf die Bilder und die szenischen O-Töne zu achten und zu schauen, wie sie wirken und gemeinsam funktionieren. Erst wenn das alles steht, kommt der Text als Stütze. Leider denken auch manche Redakteure diese Vorgehensweise bei Magazinstücken anwenden zu müssen, wo sie nichts macht als Ärger, graue Haare und enorm viel Stress.

18:45 Renate schiebt hier gerade die O-Töne hin und her, dass mir ganz schwindelig wird.

19:30 So. Feierabend. Die Schlüsselszene ist endlich zufriedenstellend. Ziemliches Stückwerk, aber sinnvoll zusammen geschnitten. Der Rest des Frühlings-Schnitts machen wir morgen früh, am Mittag kümmern wir uns um den Sonntag und dann wird brutal rausgeschmissen. Um 17 Uhr kommt der Produzent, ihm wollen wir ne schicke 35-Minuten-Version präsentieren.

 

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Aug 15 2011

Liveblog-Experiment:
Die Entstehung eines 30-Minüters Tag 1

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Montag, 15.08.2011

10:15 Cutterin Renate und ich treffen uns im Schnitt. Ich erkläre ihr erstmal worum es gehen soll und wie die nächsten Tage ablaufen werden. Tagesziel für heute: Den ersten Teil des 3-gliedrigen Films fertig machen. Da ich Jöns im Winter, Frühling und Sommer getroffen habe heisst das: Winterbilder schneiden.

11:00 Das Konzept habe ich in den letzten Tagen so gut wie fertig gemacht. Also kann ich Renate jetzt ziemlich genau sagen, welche O-Töne ich gern nehmen würde. Wir beginnen damit sie aus dem Rohmaterial zu suchen. Der erste Cut wird gesetzt!

11:30 Ich hab’s befürchtet. Alles viel zu lang. Die Winter-Sequenz soll ca 8 Minuten lang werden und wir sind allein mit O-Tönen schon bei 12 Minuten. Also erstmal O-Töne kürzen.

 

Meine Cutterin bei der Arbeit (sie ist kamerascheu).

Meine Cutterin bei der Arbeit (sie ist kamerascheu).

12:15 Renate fängt an, die erste Szene (Bernsteinsuchen am Strand im Winter) mit Schnittbildern zu füllen. Ich such dann mal Musik raus. Ich liebe es, die passende Musik zu meinen Filmen zu finden. Meistens geh ich dafür zu sonoton.de. Man muss sich über eine Redaktion o.ä. anmelden und bekommt dann kompletten Zugriff auf ihr Musik-Archiv inklusive Streaming-Vorhören. Ich hab bislang dort immer alles gefunden, was ich suchte.

13:00 Hach, Akkordeon <3

14:00 Ich liebe diesen Moment, wenn Du die Bilder, die Du schon vorm Dreh im Kopf hattest zum ersten Mal geschnitten mit Musik siehst und merkst: Es funktioniert!

 

Sieht doch schon ganz gut aus...

Sieht doch schon ganz gut aus...

14:29 Ich bemerke schon wieder Frame-Fucking-Tendenzen und will jetzt schon alles perfekt machen. In dieser Projektphase noch keine gute Idee. Da noch mindestens zwei Redakteure an dem Film rumkritteln werden, wäre das vergebene Liebesmüh. Aber Renate bremst mich zum Glück aus.

14:35 So, vorm Mittag mal eben die Strand-Szene durchgucken. Flutscht schon ganz gut, an der einen oder anderen Stelle hakt es aber noch ein wenig. Machen wir nachher schick.

15:43 Back from Mittagessen. Waren im völlig unterschätzten “Schröders Kartoffelhaus“. Einer der wenigen nicht-gentrifizierten Läden in der Schanze. Das gab’s:

 

Hmm.. lecker Kartoffelpüree mit Spiegelei

Hmm.. lecker Kartoffelpüree mit Spiegelei

16:04 Hab gerade eine neue Kamera-Weisheit erfunden (glaub ich): Wer nicht denkt, schwenkt. Oder gibt’s die schon? Renate hat einen Zoom im Material entdeckt: “Sowas hatte ich auch schon lange nicht mehr.”

16:16 Während Renate eine Totale vom Laden sucht (Für Laien: Eine Aufnahme, die möglichst viel zeigt), die wir scheinbar nicht gemacht haben, schreib ich eine Mail an die Produktionsfirma für Folgeprojekte. Wenn man als Autor vorbereitet ist und eine gute Cutterin hat, kann man im Schnitt nebenher noch viele andere Dinge erledigen. Live bloggen zum Beispiel.

16:31 @stot66 meint gerade, dass es meine Kameramann-Weisheit schon lange gibt:

@ gibts schon lange ;) "nicht denken, schwenken" ;)

Ich hab ihn aber umgedreht. Also immer noch Unikat bis Gegenbeweis erbracht wurde.

16:54 Wir sind jetzt bei Minute 2:30. Ich hab gerade leichte Zweifel, ob wir unser Tagesziel, heute den Winter runterzuschneiden, wirklich erreichen. :-/

17:57 Schöne Scheisse. Uns gehen gerade die Schnittbilder aus. Bei der Szene im Museum haben Kamera und ich irgendwie geschlampt. Er hat teilweise unscharf und uninspiriert gedreht. Und ich hab mir nicht genug Bilder ausgedacht. Jetzt stehen wir vor dem klassischen Dilemma: Wie kriegen wir die Löcher gestopft?

Besonders ärgerlich ist, dass wir die 5000 Jahre alte Bernsteinfigur nicht ordentlich abgefilmt habe. ARGH. Mal sehen, vielleicht kann man das über ein Foto davon lösen… Gleich mal Boy Jöns anrufen.

18:15 Renate stöhnt leise. Gut, ich kenne das. Cutter stöhnen fast immer über die Bilder, die sie bekommen. Und schimpfen auf den Kameramann. Ich glaub es ist gleich mal Zeit für ne Zigarettenpause. Dummerweise raucht keiner von uns. Die Bilder sind aber auch eher suboptimal gerade. Zum Glück kommen die Guten noch…

18:27 Ich merke gerade wieder, dass es nicht wirklich funktioniert, bei einer Reportage einfach “laufen zu lassen”. So fehlen einige elementare Bilder, wie z.B. Close-Einstellungen. Auf der anderen Seite bemühe ich mich immer, so wenig wie möglich zu inszenzieren. Aber für einen guten Schnitt ist das leider fast unabdingbar.

18:43 Zeit für Nervennahrung. Damit kriegt man fast jeden Cutter wieder auf gute Laune. Und das ist WICHTIG!

 

Schokolade - Cutter's Delight

So, wird Zeit für Schokolade - Cutter's Delight

18:47 F***. Wir sind JETZT schon bei 9 Minuten, obwohl der Winter-Teil eigentlich nur 8-9 Minuten werden soll. Und wir haben noch einige O-Töne auf der Timeline, die verwurstet werden wollen. Wir beraten uns gerade, was wir von dem Geschnittenen rausschmeissen. “Kill your Darlings” ist auch so ne Cutter-Weisheit, die man immer zu hören bekommt. Und die stimmt.

18:54 Quote of the day: “Jetzt werd ich nicht nur unglücklich, sondern auch noch fett.” Merke: Bei Cutterinnen vorsichtig mit der Schokolade sein.

18:57 Puh. Wir haben die nachgedrehte Begrüßung von Oma Jöns gefunden. Renate ist wieder glücklich. Ich kann die Schoki wegstecken. Werden wir sicher nochmal brauchen…

19:17 Positiv: Wir werden auf jeden Fall heute unsere Winter-Etappe zu Ende schneiden. Negativ: Wir sind ca 3 Minuten zu lang. Aber rausschmeissen ist immer einfacher, als nicht hinterher kommen. Das kenn ich auch. Vor allem von festangestellten Cutterinnen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

19:32 Suchen krampfhaft nach Bildern für den Übergang von Oma Jöns zum Biekefeuer am Strand. Das Gedrehte taugt nicht:

 

Wegen solcher Bilder hat Renate schlechte Laune. Ich auch.

Wegen solcher Bilder hat Renate schlechte Laune. Ich auch.

Und dann macht noch eine Dame im Hinterhof Gesangsübungen. Wie erhebend. Renate: “Hat ihr denn noch keiner gesagt, dass das nichts bringt?”.

19:42 Wir sind jetzt bei geschnittenen 13 Minuten. Aber bevor wir uns jetzt quälen, wollen wir lieber morgen früh mit einem frischen Blick ganze Blöcke rauszuschmeissen. Das ist immer einfacher, wenn man etwas Abstand hat. Für heute also erstmal Schicht. Vielen Dank fürs Lesen und Stay tuned!

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Aug 15 2011

Mein erster 30-Minüter

Fernseh-Reportagen und Dokumentationen werden im Allgemeinen als Königsdiziplin angesehen. Jeder Fernsehmacher träumt davon, irgendwann mal Langstücke machen zu dürfen. Auch wenn es viel Arbeit, Nervkram und Durchhaltevermögen braucht – seinen Namen unter einen 30-, 45- oder 60-Minüter zu sehen, ist etwas ganz Besonderes. Vielleicht vergleichbar mit dem Veröfentlichen eines Buches. Ich bin in diesem Moment dabei, meinen ersten eigenen 30-Minüter zu schneiden (keine Co-Autorenschaft wie sonst) und werde hier die nächsten 5 Tage live davon berichten.

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Das Thema

Hauptdarsteller des Films ist Boy Jöns, ein echtes nordfriesisches Original. Er ist Inhaber zweier Bernsteinschmuckläden in St. Peter Ording und betreibt in der Hauptfiliale nebenbei noch das Nordsee-Bernsteinmuseum.

 

Boy Jöns in seiner Werkstatt

Boy Jöns in seiner Werkstatt

Außerdem ist er Bürgervorsteher des Ortes, also quasi der “Gruß-Onkel” des Dorfes. Wenn es eine Rede zu halten gibt oder Honorationen begrüßt werden müssen, ist Boy Jöns gefragt. Außerdem ist er ein echter friesischer Schnacker und Hans-Dampf-in-allen-Gassen. Eine echter Macher also.

Das Ziel

Ein 30-Minuten-Porträt für den täglichen 18:15-Reportage-Sendeplatz des NDR. Der NDR Kiel wollte, dass wir ihn übers Jahr begleiten und so auch zeigen, wie sich St. Peter Ording in dieser Zeit verändert. Außerdem soll Boy Jöns in seinem Alltag gezeigt werden, seine Familie, sein Beruf, sein Ehrenamt und wie er das Jahr verbringt.

Der Zeitplan

Ich habe Jöns seit Februar drei Mal getroffen, an insgesamt vier Drehtagen habe ich ihn mit der Kamera begleitet. Die Vorbereitungen begannen schon im Sommer 2010, als ich Boy Jöns im Urlaub kennenlernte und ihn spontan fragte, ob er sich eine Reportag über ihn vorstellen könne.

Das Stück soll Anfang nächsten Jahres ausgestrahlt werden. Ab heute (Montag, 15.8.2011) schneide ich insgesamt fünf Tage mit meiner Cutterin Renate. Die erste Abnahme durch die Produktionsfirma Elbmotion Pictures (EMP) soll am Mittwoch um 17 Uhr sein.

Am Donnerstag oder Freitag kommt der Redakteur aus Kiel zur Abnahme, danach ist noch Luft für den Umschnitt. Anschließend wird das Stück in der Endfertigung von einem professionellen Sprecher vertont.

Der Liveblog

Gerade kam mir die Idee, die Entstehung des Film als eine Art Werkstattbericht 2.0 zu livebloggen. Da mindestens drei Follower die Idee gut fanden, werde ich also in regelmäßigen Abständen das Fortschreiten der Arbeit und unsere Stimmung hier festhalten. Über RTs, Kommentare, Feedback und Aufmunterungen freue ich mich sehr. :-)

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