Okt 29 2011

Das Thema: “Versaut uns der Kapitalismus die Zukunft?”

Jede Sendung braucht Themen. Unser Pilotprojekt zum Glück nur eins. Wir haben uns nach einer kleinen Diskussionsphase schnell einigen können, denn das Thema brennt. Meine Damen und Herren, bitteschön: Eine Sendung über den Kapitalismus.

Das Konzept der Sendung stand schon länger fest, eine Themenliste gab es auch, aber richtig geschockt hat uns nichts davon. Die erste Idee “Danke fürs Verbauen der Zukunft, liebe Eltern” haben wir wieder verworfen, weil das Thema irgendwie zu schwammig war und uns kein guter Talkgast eingefallen ist.

Nun werden wir uns also mit dem allgegenwärtigem Krisen-Thema auseinander setzen und ich muss innerhalb kurzer Zeit meinen Wirtschaftswissenschafts-Hass überwinden. Ein bißchen Kapitalismuskritik hab ich durch meine Sozialisierung mitbekommen, auch meine Jahre bei der Naturschutzjugend haben ihre Spuren hinterlassen. Aber so richtig verstanden, was da gerade eigentlich passiert, wie wir da hingekommen sind und wie wir da wieder rauskommen – ähm…

Ich lese also derzeit, was ich zum Thema finden kann und werde die Links hier auch teilen. Wer Input für mich hat: Her damit! In die Kommentare, per Twitter oder per Mail.

Hier die erste kleine Linkliste:


Morgen geht’s auf zum ersten Dreh: Ich werde mir das OccupyFrankfurt-Camp anschauen und eine Nacht dort im Zelt bleiben. Ich bin gespannt. Und werde berichten.

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Aug 25 2011

Die Politik und die Angst vor dem Internet

Meine Kollegin Tina Schober und ich haben für das NDR-Medienmagazin Zapp die Sommerthemen #modegeworden und #iminternetgeboren aufgedröselt und die Angst der (konservativen) Politiker vor diesem Internet analysiert. Und Bitte:

Das komplette Interview mit Stefan Plöchinger, Chefredakteur von sueddeutsche.de gibt es übrigens hier.

Das komplette Interview mit Geradline de Bastion von Digitale Gesellschaft e.V. gibt es hier zu sehen

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Aug 8 2011

Interview bei Trackback (Fritz/RBB)

Zu meinem “Reisst euch endlich zusammen“-Aufruf von letzter Woche habe ich am Samstag der Fritz-Sendung Trackback ein kurzes Interview gegeben.

Die Sendung gibt es hier mit Playlist oder hier als Download. Mein Interview startet bei Minute 40:00.

Nach der Schalte meinte Moderator Marcus zu mir, ich hätte die höchste Wortdichte/Minute-Rate des Jahres gehabt. Ich bin mir nicht sicher, ob das gut ist und hab mich daher nicht getraut, nochmal reinzuhören, um mein fragiles Selbstbild nicht zu gefährden. Ich hoffe, ihr versteht, was ich der Welt mitteilen wollte.

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Jun 3 2011

Ein Abend mit unbekannten @-Freunden

Folgender Artikel erschien im Oktober 2009 exklusiv auf der mittlerweile verstorbenen Website blogjournalisten.com. Ich hatte damals noch keinen eigenen Blog und war froh, mein Geschreibsel irgendwo veröffentlichen zu können. Aus dem “Abend unter @Freunden” ist mittlerweile eine feste Veranstaltungsreihe der Berliner Musik- und Netzszene geworden: Die #tassebier. Damals war das alles noch nicht abzusehen…

Immer häufiger rufen Twitterer in ihrer Timeline zu spontanen Treffen auf. Getroffen wird sich im ICE nach Berlin, bei Messen oder Barcamps oder einfach nur spontan zum Feierabendbier in der nächsten Kneipe. Ein Erlebnisbericht.

“Du triffst Dich mit ein paar Kerlen, die Du im Internet kennengelernt hast? Doch wohl hoffentlich nicht auf gayromeo oder sowas?!” Wer twitterfremden Real-Life-Freunden versucht zu erklären, warum es sich lohnen könnte, Menschen, deren echten Namen man nicht mal kennt, zum Bier zu treffen, kann mit heftigem Unverständnis rechnen. Ein Date mit Unbekannten – das kann nur schlüpfrig sein.

Das einzige Foto von der ersten #tassebier

Das einzige Foto von der ersten #tassebier

Zum Glück weiss ich, dass zumindest @withoutfield nicht in die Liga sexsüchtiger Schnellfick-Dater fällt. Durch regen Nachrichtenaustausch auf Twitter und Facebook haben wir rausbekommen: Beide liiert, beide Vater, beide Nerds, beide Bossafans und beide im Newsbusiness. Passt.

Neugier auf den Menschen, mit dem ich soviel gemeinsam habe

Ich bin zum Arbeiten in Berlin, wo Peter @withoutfield wohnt und neugierig auf den Menschen, mit dem ich soviel gemeinsam zu haben scheine. Per Twitter wird ein gemeinsamer Abend gefunden und – the more, the merrier – Peter lädt zum spontanen Twitter-Treffen ein: “Nachher noch auf ne Tasse #Bier mit @doktordab & @legastiger am Senefelder Platz // BLN – anyone else?”

Diese Art des spontanen Get-together ist eine neue Qualität des Webzwonull. Verabredeten sich bislang höchstens notgeile One-Night-Stand-Liebhaber oder verzweifelte Singles auf der Suche nach Mr. oder Mrs. Right zum Blind Date im Internet, treffen sich nun ganz normale Menschen, ganz ohne Hintergedanken. Einziges Interesse: ein gutes Gespräch mit Gleichgesinnten und ein netter Abend im echten Leben, mit Leuten, denen man eh jeden Tag in der virtuellen Welt über den Server läuft.

Als ich in der MS Völkerfreundschaft ankomme, muss ich mich erstmal orientieren. Sitzt hier vielleicht schon irgendwo meine Verabredung? Ein Abgleich der anwesenden Gesichter mit den Twitter-Nutzerbildern per iPhone – nein, ich bin der Erste.

Spontan kommen Leute dazu

Ich reserviere das große Sofa am Fenster; eine gute Wahl, wie sich später herausstellen wird. Mein erstes Bier ist kaum angekommen, da stolpert ein Baseballcap-Träger in den Laden. Zielstrebig kommt er auf mich zu und stellt sich als Lukas aka @legastiger vor. Alles klar, das ist der arme Kerl, der wegen eines Mixtapes ein anwaltliches Schreiben im Snailmail-Briefkasten hatte. Er hatte Peters Tweet gelesen und sich spontan angeschlossen.

Kurz danach kommt Peter (@withoutfield) in den Laden, im Schlepptau einen bärigen Typen mit gutmütigen Gesicht und dicker Brille. Hristo aka @mitovson hat wie ich Peter irgendwo bei Twitter kennen- und schätzen gelernt und schließt sich dem Twitter-Gangbang an.

Das sich nun entwickelnde Gespräch hat nichts mit einem klassischen Blind Date gemein. Wo sonst ungelenkes Gestammel und sich-selbst-am-besten-darstellen vorherrscht, gibt es heute abend muntere Plaudereien. Statt quälendem Und-was-machst-du-so-Smalltalk wird zuerst nach der jeweiligen Blogadresse gefragt und die Frage erörtert, wie man ein Mixtape verlinken muss, damit kein Rechtsanwalt der Welt eine Chance auf Klagen hat.

Wie verlinkt man Mixtapes?

Die Vorschläge reichen vom Ausschreiben des Links a lá wehwehwehpunktmixtapespunktorg über das Verlinken auf txt-Files, in denen die Links drinstehen, bis hin zur wahnwitzigen Idee von Hristo, “Let me google that for you” (http://lmgtfy.com/) für eine Rapidshare-Suchmaschinenanfrage zu benutzen, um restlos alle Spuren zu verwischen.

Als eine Stunde später auch noch Daniel aka @hirngulasch dazu stößt und kurz bevor ich gehe @ecoluddit mit den Worten auftaucht “Eine Männerrunde, alle die Finger am iPhone, das kann nur ein Twittertreffen sein” ist klar: Hier haben sich Kerle gefunden, die sich im wahren Leben nie gesucht hätten. Vor der Kneipe rauchen wir gemeinsam die Friedenspfeife.

Denn anders als im wirklichwahren Leben kennt man sich irgendwie, verfolgt das Leben und Denken des Anderen teilweise seit Monaten in 140 Zeichen und teilt das Interesse an Themen, die sonst kein Schwein interessieren. So easy wie mit @hirngulasch hab ich noch nie mit jemandem über OS-Customizing geplaudert.

Angenehm betüdelt verlasse ich die Runde leider viel zu früh und freue mich aufs nächste Spontantreffen mit Menschen, die wie ich, manchmal ein @ vor dem Namen tragen.

Nachtrag: Mittlerweile gab es einige #tassebier, zu fast allen konnte ich aus Zeit- und Raumgründen nicht kommen. Danke, Peter, dass Du die Fahne weiter hochhälst! Und ich werde dabei sein, so oft und lange ich kann!

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Mai 27 2011

“Akte 2011″ fällt auf falschen iSharegossip-Betreiber herein

Ganz schön ernüchternd: Tagelang war ein “Akte 2011″-Reporter auf der Suche nach dem Betreiber der Pöbel-Webseite iSharegossip.com. Nach zahllosem Klingeln an verschlossenen Haustüren, Trips in die gefährliche Boxwelt und endlosen Sendeminuten findet er ihn in Lübeck und kriegt sogar ein Interview. Dumm nur: Der Mann scheint ein Hochstapler zu sein.

Die Nachrichten waren heute morgen voll davon, sogar Deutschlandradio Kultur berichtete (zu meinem Erstaunen) darüber: In Lübeck sei ein 25jähriger festgenommen worden, der einer der Betreiber der Pöbel-Website iShareGossip.com sein soll. Die Polizei hätte ihn nach dem Sat.1-Interview festgenommen.

Mangelhafter Informatenschutz

Es spricht nicht wirklich für die Redaktion, dass es der Polizei so leicht gemacht wird, anhand eines Interviews den (eigentlich verpixelten) Verdächtigen zu finden. Aber man hat sich auch nicht wirklich Mühe gegeben, z.B. den Wohnort des jungen Mannes unkenntlich zu machen. Ein blaues Haus in einer kleinen Lübecker Strasse – das ist leichtes Spiel für die Polizei. Informantenschutz sieht anders aus.  // BITTE UPDATE 17:15h BEACHTEN!

Im Verhör mit der Polizei ist der Mann dann eingebrochen: Laut Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ist er nicht Betreiber, sondern ein “Trittbrettfahrer”. Eine irreführende Information, die im isharegossip-Blog konkretisiert wird: “Manuel T.” sei Mitarbeiter aus dem engeren Kreis gewesen, der aber weder Betreiber noch verantwortlich für die Seite ist. Damit steht “Akte 2011″ doppelt dumm da.

Beitrag offline

Bei Sat1 hat man den Beitrag schon kommentarlos offline genommen. Aber youtube ist ja eine unerschöpfliche Quelle des Hochladens:

//UPDATE 16:36//

Das ging schnell: Die Beiträge sind mittlerweile auch auf youtube nicht mehr zu finden. Sie werden hier zwar noch angezeigt, aber abgespielt werden können sie nicht mehr.

 

Der betreffende “Manuel T.” tritt im zweiten Teil bei Minute 5:22 auf und darf vollmundig behaupten, er sei Betreiber der Seite und würde unanständig viel Geld mit ihr verdienen. Die von ihm genannte Summe wird im Sprecher-Text journalistisch sauber angezweifelt. Einen Beleg dafür, dass er tatsächlich die Seite betreibt muss der junge Mann indes nicht liefern.

Da erinnere ich mich doch gern an das alte Recherchesprichwort: If your mother says she loves you – check it out!

//UPDATE 17:15h//

Gerade rief mich Margit Ricarda-Rolf von der Mobbing-Zentrale – einem privaten Unternehmen, das Mobbing-Opfer hilft – an. (Einige Infos dazu hier.) Sie wies mich darauf hin, dass nicht der Akte-Bericht ausschlaggebend für die Verhaftung Manuel T.s gewesen sei.

Vielmehr habe sie Hinweise aus dem Freundeskreis des Mannes bekommen, die ihn beim Dreh mit “Akte 2011″ beobachtet hätten und sich darüber empörten, dass er sich als Betreiber der Webseite ausgegeben habe.

“Ich habe die Polizei informiert”

Frau Ricarda-Rolf hat sich dann nach eigenen Angaben an die Kriminalpolizei Frankfurt a.M. gewendet. “Noch bevor die Sendung ausgestrahlt wurde, hatte die Polizei von mir die Daten, hatte konkret einen Namen und eine Adresse von Manuel T.”, sagte sie mir am Telefon.

In Frankfurt kümmert man sich zentral um alle Belange rund um iSharegossip, weshalb sich auch heute der Frankfurter Generalstaatsanwalt Alexander Badle im Laufe des Tages zu dem Falle äußerte.

Manuel T. soll demnach ein Arbeitsloser sein, der erhofft haben soll, mit der Gründer-Geschichte etwas Geld machen zu können. Interessant ist jedoch nach wie vor der Blogpost im iSharegossip-Blog, in dem behauptet wird, Manuel T. sei zumindest im Team tätig gewesen.

“Manuel T. hat mit der Seite nichts zu tun”

Nach Aussage von Frau Ricarda-Rolf sei auch dies unrichtig. “Die haben die Polizei an der Nase herumgeführt”, sagte sie mir gegenüber. “Manuel T. hat mit der Seite nichts zu tun. Sonst hätten die ihn doch auch gar nicht wieder frei gelassen.”

Sie vermutet, dass Manuel T. die “Akte 2011″-Redaktion selber auf sich aufmerksam gemacht hat, um sich dann gewinnbringend als Gründer der Seite verkaufen zu können. (Was ihm wohl nicht gelungen ist.)

Ich halte diese Theorie für eher unwahrscheinlich. Woher soll der Mann gewusst haben, dass die Redaktion “Akte 2011″ nach dem Gründer der Seite sucht? (Es sei denn, sie haben in Internetforen oder Online um Hilfe gebeten, das machen Redakteure ganz gerne mal…)

Ob die Angaben von Frau Ricarda-Rolf stimmen kann ich leider derzeit nicht nachprüfen. Bei der Generaltstaatsanwaltschaft in Frankfurt geht Freitag abends keiner mehr ans Telefon. Sollte sie mir ihrer Version Recht haben, so haben heute einige Medien noch mehr Falschmeldungen verbreitet als sie meldeten, die Polizei sei erst durch den “Akte 2011″-Bericht auf Manuel T. aufmerksam geworden.

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