Deutschland braucht einen Tag am Meer

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Es ist ein heißes Wochenende – nicht nur klimatisch, sondern auch politisch.

In Berlin demonstriert heute die AfD, um „den Tag zur Abrechnung mit der verantwortungslosen Politik zu machen“. Auf der anderen Seite wollen die Gegendemonstranten die Abrechnung mit der AfD und den von ihnen transportierten (und auch geschürten) Ängsten.

Ich stehe in der Mitte und stelle fest, dass es dort am unbequemsten ist. Denn ich kann beide Seiten verstehen.

Die Sache mit der Migration in Deutschland ist nicht erst in den letzten 3 Jahren komplizierter geworden. Seit 5 Jahrzehnten kommen Menschen hierher – auf der Suche nach Schutz, Arbeit oder einem besseren Leben. Und seit 5 Jahrzehnten sagt dieses Land ihnen, dass sie aber bitte bald wieder gehen sollen. Schließlich sei Deutschland ja kein Einwanderungsland.

Der Teil der Migranten, der es trotzdem versuchte tat es über größtmögliche Assimilation: Mein Vater ist heute nur noch an seinem leichten Akzent als Zuwanderer zu erkennen. Aber ich merke, dass mir ein Teil meiner Identität damit verwehrt wurde.

Der Teil der Migranten, die eigentlich nur Mal eben kurz kommen wollten, hatte mit der Ansage auch keine Probleme – bis ihre Kinder feststellten, dass ihnen die Zugehörigkeit zu diesem Land verwehrt wurde. Dass sie heute Erdogan hinterher rennen ist die logische Konsequenz.

Die AfD-Anhänger haben die Sorge, dass sich das mit den Geflüchteten wiederholen könnte – zu Recht. Denn auch sie sollen nicht bleiben und werden es trotzdem zum Großteil tun.

Die Schlussfolgerung der AfD ist indes falsch: Was sie will ist keine bessere Zuwanderungspolitik, sondern gar keine Zuwanderungspolitik. Sie will ein Zurückdrehen in einen Zustand, den es so nie gab – was sie vor lauter Angst (schüren) vergessen (zu erwähnen). Integration kann aber nicht gelingen, wenn es sie gar nicht geben soll.

Für eine wirkliche Lösung müsste es einen Dialog geben – jenseits von Scheindebatten über die Islam in Deutschland. Es müsste über Zuwanderungskonzepte gesprochen werden – jenseits von Maximalforderungen. Und es müsste Verständnis geben – jenseits von Ideologiegrenzen.

Deutschland braucht einen Tag am Meer. Um Mal runterzukommen. Da ist es zwar auch heiß, aber man kann Eis essen ist und sich nach einer hitzigen Diskussion ins Wasser stürzen.



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    […] Es ist sehr vergnüglich und nicht weniger informativ, was beispielsweise der Journalist Daniel Bröckerhoff schreibt. Der heute+-Moderator und frühere ZAPP-Autor hat in seinem persönlichen Blog zu einer Form gefunden, die beispielhaft sein könnte, für „bloggende Journalisten“. Lesen lohnt sich. Ganz besonders der Beitrag „Deutschland braucht einen Tag am Meer„. […]

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