Danke #FCP

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Fussball war nie mein Ding. In meiner Familie hatte es den Stellenwert von SackReisInChina, es sei denn Paraguay spielte in einem Turnier. Dann packte meinen Vater für 90 Minuten die Sehnsucht nach seiner Heimat. Einmal reparierte er deswegen sogar in Rekordzeit den Fernseher, der vorher monatelang kaputt gewesen war.

Ansonsten war Fussball das, was unseren besoffenen Nachbarn brüllen ließ, meine Mutter furchtbar fand und ich nicht kapierte. Andere Kinder gingen zum Training, ich ging zum Klavierunterricht. Andere Familien gingen ins Stadion, wir gingen ins Theater.

Im Studium versuchte ich mich dem Thema dann wissenschaftlich zu nähern. Irgendwas musste an diesem 22ManneinBall-Spiel doch dran sein, wenn es weltweit Millionen Menschen faszinierte. Zusammen mit 20 anderen Studenten begann ich unter Anleitung einer jungen Doktorantin ein Forschungs-Projekt zur Fankultur des FC St. Pauli – des selbsternannten „Underdogs der Liga“.

Eine Saison lang stand ich mit den Ultras in der Gegengerade, hüpfte, sang und interviewte zwischen den Spielen Fans wie „Don Klo“, dem Vorsitzenden des Fanclubs „Arschrockjugend St. Pauli“.

Nach monatelangem Mitmachen, Fragen und Beobachten kapierte ich langsam, dass es beim Fussball nicht um Fussball, sondern um Identität ging. Darum, Teil einer Gruppe zu sein, die es verbindet, dass 11 Kerle ein Spiel gewinnen. Dass es gut tut, einmal die Woche die Sau raus zu lassen. Und dass das alles so wichtig ist, dass manche Menschen sehr viel dafür tun – und sehr aggro werden, wenn man ihnen das wegnehmen will.

Am Ende stand die Erkenntnis, dass Pauli wie alle Fussballvereine sich für etwas Besonderes hält und daher ein ziemlich normaler Club ist – allerdings mit einem gutem Marketing, das auf seiner Kiez-Geschichte beruht. Und dass ich meine Wochenende dann doch lieber mit Musikmachen verbringe.

Heute war ich nach 15 Jahren mal wieder im Stadion. Einiges war anders, vieles war geblieben. Hells Bells, die Selbstironie, Nazis Raus, die Herzlichkeit, Song 2, die Angst vor dem Abstieg, Forza St.Pauli, die Freude, ein mittelmäßiges Spiel gewonnen zu haben, das gute Astra, die schlimmen Würstchen, über die aber nur Fans schimpfen dürfen.

Es war schön, ein bisschen wie nach Hause kommen, nur lauter. Und dieses Mal mit Frau und Kind. Das mehr als Willkommen war.

Danke #FCP. Und Glückwunsch zum Klassenerhalt <3 Wir kommen bestimmt wieder.