An meine längste Beziehung

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Das mit uns fing vor 20 Jahren an. Ich war zum Zivildienst in Wetzlar, wir sahen uns fast jedes Wochenende, wenn ich zu meinen Eltern fuhr. Es war aufregend, ich fühlte mich erwachsen mit Dir, auch wenn die Begegnungen immer relativ kurz waren. Damals hätte ich nie gedacht, dass das so lange halten sollte.

Als ich zum Studium nach Hamburg ging dachte ich: Das war’s. Ich brauche Dich nicht mehr, hier hab ich ja alles. Und tatsächlich sahen wir uns dann ein paar Jahre nicht mehr so häufig. Vier, fünf Mal im Jahr, für ein paar Stunden. Aber das machte mir nichts aus: ich hatte andere in Hamburg, die öfter kamen als Du, das hat mir gefallen.

So richtig intensiv wurde es als ich anfing zu arbeiten. Wir sahen uns immer öfter, manchmal vier Mal die Woche und dann auch echt lange – und wie das so ist, wenn man sich öfter sieht: Du fingst an mich zu nerven. Ich sah Dich mit anderen Augen: Ständig kommst Du zu spät, Du siehst manchmal echt schlampig aus und am Wochenende bist Du regelmäßig so voll, dass es keinen Spaß mehr macht. Mich nervte damals besonders, dass Du immer für jeden da bist, der sich Dich leisten kann. Und das sind nicht wenige.

Unser Verhältnis wurde erst besser als unsere Beziehung exklusiver wurde. Seitdem fühle ich mich privilegiert, wenn wir zusammen unterwegs sind. Du gibst Dir auch mehr Mühe, fragst mich ob ich noch einen Wunsch habe, hast immer was zu lesen dabei. Und ich muss Dich auch nicht mehr mit so vielen anderen teilen. Trotzdem: Manchmal wünsche ich mir, dass wir uns weniger sehen. Dann würde ich mich auch wieder mehr auf Dich freuen.

Du bist meine längste Beziehung, On-/Off zwar, irgendwie Hassliebe, aber ich kann nicht ohne Dich. Schön, dass es Dich gibt, Deutsche Bahn. Und jetzt bring mich bitte ohne verdammte Verspätung nach Köln!