Künstler beobachten AfD-Höcke: Eine grenzwertige Idee

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Die Künstler vom „Zentrum für politische Schönheit“ sind für ihre provokanten Aktionen bekannt – aber diesmal bin ich nicht sicher, ob sie ihr Ziel erreichen werden.

Die Idee, eine Replik des Holocaust-Mahnmals neben Höckes Haus zu bauen war ohne Frage kreativ. Den „Zivilgesellschaftlichen Verfassungsschutz“ zu gründen, der das Haus angeblich seit mehreren Monaten überwacht, weil der echte Verfassungsschutz das nicht tut, halte ich dagegen für eine mehr als grenzwertige Idee.

Klar: gezielte Grenzüberschritte – auch unter Inkaufnahme von Rechtsbrüchen – sind immer Teil von Aktionskunst gewesen, das sagen wir auch im Beitrag. Aber mit dieser Aktion machen sie es den Höcke-Sympathisanten möglich sich genau in der Rolle zu inszenieren, die sie am besten beherrschen: Die der Opfer.

In allen Diskussionen mit AfD-Sympathisanten oder -Anhängern geht es niemals um das Denkmal, sondern nur um die Beobachtungs-Aktion und deren (Il-)legalität, über die kann man sich hervorragend empören kann. Schließlich liegen hier gleich mehrere mögliche Rechtsbrüche vor.

Normalweise ist das Wechseln des Themas ein beliebter rhetorischer Kniff, um von einer möglichen offenen Flanke abzulenken. Aber hier hat das ZfpS die Ablenkungsmöglichkeit gleich mit eingebaut. (Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob die vermeintliche Beobachtung nicht am Ende eine reine Inszenierung war und Höckes Haus niemals wirklich observiert wurde. Es geht hier schließlich um performative Kunst.)

Außerdem vermischen sie so zwei Themen miteinander: Die Frage, ob Höcke und Umfeld vom Verfassungsschutz beobachtet werden müssten. Und die Diskussion um die Holocaust-Erinnerungskultur. Eine zielgerichtete Debatte ist so nicht mehr möglich.

Hier heuteplus-Beitrag dazu von Claudia Weiler und Christian Ruffus. Oder hier in der Mediathek gucken.