Das Problem mit Pegida, der AfD und anderen nationalen Bewegungen in einem einzigen Absatz.

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Vielen Menschen scheint es an einer eigenen Identität zu mangeln. Ihnen fehlt das Gefühl, irgendwo dazu zu gehören. Angenommen und angekommen zu sein. Zu wissen, wer man ist. Und warum man hier auf diesen Planeten zu dieser Zeit geschickt wurde. 

Ich kenne das Problem selber zu gut. Als Sohn eines Paraguayos und einer Deutschen ist ein Teil meiner Geschichte tausende Kilometer weit weg – und ich habe davon noch viel zu wenig mitbekommen. 

Ich kenne aber auch unabhängig davon das Gefühl des Schwebezustandes. Der Ungewissheit. Der Vereinsamung inmitten der Vernetzung. 

Die globalisierte, neoliberale Welt des kalten Kapitalismus, der Dir zuruft „Du kannst sein was Du willst! Du musst nur hart genug arbeiten“ überfordert. Und irgendwann merkt man, dass der Zuruf eine Lüge ist. Dass andere noch bessere Chancen hatten. Andere gar keine. Und dass man verdammte Scheisse eigentlich gar keine Ahnung hat, wer man eigentlich sein will. Und was das alles hier soll. 
Dass man nur weiß, dass man geliebt werden will. Einen Sinn im Leben und Lieben finden. Und irgendwo dazu gehören. Das wäre schön. Ein Licht, das im Fenster für einen brennt, wenn man müde nach Hause kommt. Und Freunde, die für einen da sind. Trink doch einen mit.

Die Krisenopfer der Welt, die auf einmal vor unserer Tür stehen, weil sie hier das Paradies vermuten, treiben die Überforderung auf die Zugspitze. Jetzt kommen die auch noch und wollen was. Dabei haben wir haben doch selber nichts und keine Ahnung. In der Krise ist sich jeder selbst der nächste. Auch das kenne ich zu gut.

Man könnte die Fremden zu den neuen Freunden machen, die man so vermisst hat. Mit ihnen gemeinsam eine neue Identität suchen. Aber das macht Angst, verunsichert, ist unbekannt und fremd. Und von diesem Gefühl hatten wir doch vorher schon zuviel. Bitte gehen Sie weiter. Hier gibt es nichts zu holen.

Also sucht man sich die Identität in der Abgrenzung zu den anderen. Auf einmal ist man wer, kann was verteidigen, gegen etwas oder jemanden sein. Das tut gut, das gibt Sinn und stopft das Loch, das man so lange in sich gefühlt hat. 

Das Tragische ist nur, dass dieses Placebo irgendwann nicht mehr hilft. Aber bis es aufhört zu wirken hat es viel kaputt gemacht, hat Grenzen geschlossen und Menschen ausgegrenzt, statt ihnen zu helfen. Nein, wir können nicht die ganze Welt retten. Aber wir können auch nicht die ganze Welt aussperren und dann denken, dass damit irgendwas besser wird. 

Die Energie, die jetzt darein gesteckt wird, sich über eine abstrakte und willkürlich absteckte Größe wie „Nation“ zu definieren, könnte soviel positiver verwendet werden. Und mancher wäre sicher erstaunt, wie viel besser es sich anfühlt, etwas Neues zu schaffen, statt gegen jemandem zu sein. 

Das gilt im Übrigen auch für alle, die in ein neues Land kommen und dort verunsichert nach einem neuen Zuhause suchen. Das Zurückziehen in die eigenen Community ist der einfachere Weg. Aber aus Abschottung ist noch nie etwas positives entstanden. Nicht in Beziehungen. Und erst Recht nicht unter größeren Gruppen von Menschen.



  1. Sandy cheeks

    Die antwort auf ihren artikel in einem einzigen absatz: ich bin das ergebnis einer kurzen affaire meiner deutschen mutter mit einem griechen. Ich bin deutsche durch und durch,kokettiere aber genauso gerne wie sie mit meinen deutlich sichtbaren südländischen reizen. Im übrigen nette bilder. Investigativ und sexy. Ich mag mein land,ich mag die menschen und ich fühle mich ihnen zugehörig. Was ich nicht mag ist intoleranz, frauenfeindlichkeit,konsumhörigkeit und kritiklosigkeit. Egal,ob einwanderer oder nachbar,wer gegen diese meine ideale verstösst,ist in meinen augen kein mensch mit dem ich gerne leben will. Ist das jetzt schon pegida?


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