Gedanken nach dem erfundenen Lageso-Toten und dem Fall Lisa…

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Diese Woche war auf eine Weise unglaublich nerviganstrengend und auf eine andere Weise unglaublich interessantspannend. Ich hab wieder gemerkt, warum ich Journalist geworden bin: Um Herauszufinden, was hinter den Dingen steckt, was passiert ist, was passiert sein könnte und was nicht. 

Aber diese Woche war auch unglaublich ernüchternd. Das von mir heiß geliebte Internet hat wieder mal gezeigt, dass es die hässlichsten Seite von Menschen besser hervor bringen kann als jedes andere Medium vor ihm. Beschimpfungen, Verleumdungen, Propaganda, Viertelwahrheiten, Hysterie. Alles war dabei. 

Zwischendurch hatte ich den Wunsch, dass das Netz bitte temporär zusammenbrechen würde, damit alle mal runter kommen können. Dann hat mir ein Blick aus dem Fenster geholfen. Nein, die Welt ist immer noch nicht untergegangen. 

Was wir trotzdem nicht vergessen dürfen: Hinter den beiden Geschichten des erfundenen Toten und der verschwundenen Lisa stecken menschliche Dramen. Ein wohl psychisch überlasteter Flüchtlingshelfer. Eine sexuell missbrauchte Pubertierende, die sich anscheinend aus Angst vor ihren Eltern bei einem Bekannten versteckte. Dass diese beiden so in Fokus der Öffentlichkeit gerückt sind hat ihnen weder geholfen, noch hat es die Öffentlichkeit weiter gebracht. 
Meine Bitte: Wenn ihr das nächste Mal eine schlimme Geschichte hört, lest oder erzählt bekommt – bleibt ruhig. Fragt nach Belegen. Wartet ab, was die Menschen darüber rausfinden, die dafür bezahlt werden: Ermittlungsbehörden, Journalisten. 

Ja, auch die machen Fehler, haben schlechte Tage, vergessen Dinge, vernachlässigen manchmal die Sorgfalt, geben ihren Impulsen nach. Dafür dürft und müsst ihr sie hart kritisieren. Aber erst, wenn klar ist, was passiert ist und wo sie Mist gebaut haben.

Und auch erst dann solltet ihr euch aufregen. Nein, die Welt ist nicht immer schön. Aber machen wir sie nicht schlimmer als sie ist.