#storywars oder Das Problem mit dem Journalismus auf den Punkt gebracht

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Die mediale Konstruktion von Wirklichkeit bei der Arbeit.

In einer Facebook-Diskussion über die Ankündigung der Huffington Post, mehr positive Nachrichten zu bringen, um „das ganze Bild zu zeigen“ fasste Patrick Breitenbach von der Karlshochschule das derzeitige Problem des Journalismus zusammen:

Journalismus wird niemals auch nur annähernd das „korrekte“ Abbild der Welt liefern können. Journalismus ist immer Wirklichkeitskonstruktion. Journalismus transportiert und konstruiert Emotionen. Journalismus transportiert immer bestimmte subjektive und suprasubjektive Interessen. Es gibt keine „richtigen“ Nachrichten. Alles was wir tun können ist die Interessen und die Wirkungsweise von Nachrichten möglichst transparent zu machen. Und da gibt es ganz viele verschiedene Interessen die greifen: Ökonomische, persönliche, gesellschaftliche, kulturelle, historische usw.

Und natürlich denken die meisten Tagesschau-Zuschauer dass die Nachrichten meistens „richtig“ sind und das Weltgeschehen objektiv abbilden. Das ist ja das Tragische. Ebenso tragisch ist der Begriff „Lügenpresse“, denn er geht davon aus, dass es irgendwie möglich wäre die Wahrheit zu transportieren.

Wir leben im #storywar. Gewöhnt euch dran. Hier entscheidet am Ende nur noch Ethik und Vertrauen und das Bemühen eine Sachlage aus möglichst vielen verschiedenen Perspektiven zu betrachten. „Just good news“ wäre also einfach nur das Gegenteil vom Falschen und damit aber nicht automatisch richtig.

Wir Journalisten haben ein massives Problem.

Ich werde diesen Kommentar von Patrick Breitenbach hundertfach ausdrucken und Redaktionen damit tapezieren. Und ihn jedem „Lügenpresse“-Mailschreiber / -kommentator per Fax, Brieftaube oder Postkarte nach Hause schicken.

Journalismus scheint etwas zu versprechen, was er nicht halten kann. Und Rezipienten erwarten etwas, das es so nicht gibt: Die reine, objektive, universell gültige Wahrheit. Das kombiniert führt zu Lügenpresse-Vorwürfen und dem Abschalten von Kommentarfunktionen.

Journalisten müssen begreifen, dass nur transparentes und offenes Arbeiten Vertrauen herstellen kann. Und Rezipienten müssen verstehen, dass es „Die Wahrheit“ nicht gibt, dass Journalismus Wirklichkeitskonstruktion ist, weil wir immer verdichten, filtern, zuspitzen müssen, um eine Geschichte zu erzählen.

Jeder Mensch hat seine eigene Wahrheit, seine eigene Wirklichkeit, seine eigene Wahrnehmung, sein eigenes „richtig“ und „falsch“, seine individuelle Auffassung von „gut“ und „böse“.

Journalisten sind auch nur Menschen. Wir können uns bemühen, sorgfältig zu arbeiten. Wir können uns anstrengen, alle Fakten zu sammeln und zu analysieren. Wir können so viele Blickpunkte sammeln, wie wir schaffen. Aber es wird immer etwas fehlen. Es wird immer jemanden geben, der seine Standpunkt nicht wiederfindet. Es wird immer jemanden geben, der widerspricht.

Alles ist im Fluss. Auch Journalismus.

Alles ist im Fluss. Auch Journalismus. (Quelle: Jussie D. Britto / Flickr, CC-BY-2.0)

Journalismus im Fluß

Wir müssen Journalismus noch mehr als fließenden Zustand begreifen lernen. Gerade durch die „neuen Medien“, durch soziale Netzwerke und Informationen im Überfluss wird immer deutlicher: Ein „So ist es richtig und so wird es immer sein“ wird es nicht mehr geben, hat es vielleicht auch nie. Ein reines Aufzählen von Fakten reicht nicht mehr.

Es braucht noch mehr Deutungsangebote, Analyseversuche und Erklärungsansätze – aber immer unter der Prämisse, dass diese falsch sein könnten. Dass auch andere, konträre Sichtweisen richtig sein könnten und zugelassen werden dürfen. Dass es „gut“ und „böse“ so nicht gibt, sondern nur Interessen. Und dass Wahrheit immer konstruiert wird.

Dies wird die Herausforderung der nächsten Jahre sein: Neue Wege zu finden, all das zu kombinieren. Ohne den Rezipienten komplett zu verwirren, ihn orientierunglos in den „alles ist relativ“-Nebel zu schicken, aber auch ohne ihn zu bevormunden.

Einer der Ansätze könnte das „Constructive News“-Konzept des Dänen Ulrik Haagerup sein. Ich lese gerade die ersten Seiten seines Buches (hier eine Preview) und kann noch nicht so viel dazu sagen. Aber alles was er schreibt, scheint mir sehr sinnvoll zu sein und genau zu dem zu passen, was Patrick Breitenbach schrieb.

Update zur Diskussion

Peter Monnerjahn ergänzte per Twitter diesen Artikel auf The Open Society:

A rationalist is simply someone for whom it is more important to learn than to be proved right; someone who is willing to learn from others – not by simply taking over another’s opinions, but by gladly allowing others to criticize his ideas and by gladly criticizing the ideas of others.

Die Diskussion zum Posting geht auf Facebook weiter, darf aber auch hier auf meiner Seite geführt werden:

Und auch auf Twitter gibt es lesenswerte Reaktionen auf meinen Ursprungs-Post:

Julius Reimer, Mitarbeiter des Hans-Bredow-Instituts, lieferte dann noch akademisches Material zur Vertrauensfrage im Journalismus:

Links



  1. Remo Maßat

    Zitat: „… dass es “Die Wahrheit” nicht gibt, dass Journalismus Wirklichkeitskonstruktion ist, weil wir immer verdichten, filtern, zuspitzen müssen, um eine Geschichte zu erzählen.“

    Genau aus diesem Grunde ist Meinungsvielfalt so wichtig. Daß nicht nur einer berichtet oder alles von einer großen Presseagentur (wie in der Schweiz der Fall mit der SDA) übernommen wird.

    Denn der Autor des Blogbeitrags hat absolut recht:

    Natürlich gibt es NIE die absolute Wahrheit. Jeder, der berichtet, läßt bewußt oder unbewußt irgendwie seine Meinung einfließen. Zum Beispiel, weil er es nicht besser weiß. Oder absichtlich, was ich für verwerflich halte, denn sowas gehört in die Kommentarspalten der Zeitungen, nicht in einen Bericht.

  2. Thankmar

    Veieln Dank für Ihre ausführliche Antwort.
    Vielleicht sollte ich erwähnen, dass ich Sie und Ihre Arbeit nicht kenne (was nichts heißen soll). Mit der Verlinkung ihres Beitrags im Bildblog sind sie in meiner Wahrnehmung aufgetaucht und haben einen Nerv getroffen, weil ich daran schon länger rumüberlege. Letztes Frühjahr habe ich nach vielen Jahren mein Spiegel-Abo gekündigt. Neben vielen anderen Sachen war es auch der Ärger über die immer stärkere Verschiebung von Berichterstattung hin zu „erzählten Geschichten“. Damit will ich sagen: alles, was ich bereits geschrieben habe und jetzt schreiben werde, hat mit Ihnen insofern nichts zu tun, weil ich, wie gesagt, Ihre Arbeit nicht kenne.
    Natürlich sollen Artikel keine reine Aufzählung von Fakten sein. Dramaturgie und Lesbarkeit sind hinreichende Merkmale eines guten Artikels. Notwendig ist doch aber vor allem, dass die verarbeiteten Fakten zutreffen und begleitende Fakten wie andere Perspektiven, Widersprüchlichkeiten, Kontexte, die den reinen Tatsachengehalt verändern usw. usf. auch erwähnt werden. Das kann nicht dadurch ersetzt werden, dass der Artikel eine gute Geschichte erzählt. Am gleichen Tag wie Ihr Artikel war im Bildblog eine Kolumne von Georg Seesslen verlinkt, der dies in den Figuren vom ehrenwerten, nicht so ehrenwerten und ehrlosen Journalisten sehr viel besser auf den Punkt bringt (ich verstehe Seesslens „(gut) erzählte Welt“ als von „ehrenwerten Journalisten“ nach besten Wissen und Gewissen (wie Sie und Sesslen das beschreiben) „öffentlich gemachte Welt“ und nicht als Geschichte).
    Auf mich hat es den Eindruck, dass auf breiter Ebene die Verdichtungen, Zuspitzungen und das Filtern für eine runde Geschichte inzwischen wichtiger genommen wird als Ausgewogenheit, die ja immer noch durch eine persönliche Sichtweise ergänzt werden kann. Wenn in diesem Zusammenhang dann darauf verwiesen wird, dass „Geschichten zu erzählen“ schließlich die Aufgabe des Journalisten sei, ärgere ich mich, denn ich will die Widersprüche aufgezeigt bekommen, um mir selber eine Meinung zu bilden. Was nicht geht, wenn für die Geschichte durch Zuspitzungen und Filtern Details weggelassen werden. Anders gesagt: Was als notwendige Zuspitzungung und was als boulevardeske Aufbauschung wahrgenommen wird, unterscheidet sich bei Produzenten und Konsumenten immer stärker
    Man erkennt dies gut an der Aberkennung des Nannenpreises für den Stellpult-Artikel von René Pfister: Gewunden erkennt die Jury die journalistische Qualität an, muss aber wegen den erhöhten Sorgfaltskriterien für den Preis die Auszeichnung zurückziehen. Journalistische Qualität, erzeugt auf der Basis von Hörensagen, was nicht erwähnt wird. Ist Pfister noch ein nicht so ehrenwerter oder schon ein ehrloser Journalist? (Mal abgesehen davon, dass die „Reportage“ oder das „Porträt“ für mich wegen des viel zu starken persönlich-privaten Bezuges reichlich gehaltlos und die Modelleisenbahnanalogie plump küchenpsychologisch und vor allem endlos überstrapaziert ist. Warum gerade eine solche Reportage ausgezeichnet wird, lässt sich in einem heute im Bildblog verlinkten Artikel nachlesen.)

  3. Daniel Bröckerhoff

    Liebe Kommentatoren,

    Danke für die Einwände, den Widerspruch und die Anmerkungen. Gerade die Vorbehalte gegen das „Geschichten erzählen“ waren für mich sehr interessant, das hab ich aus diesem Blickwinkel so noch nicht betrachtet, wurde auch zum ersten Mal an mich heran getragen.

    Ich denke, da besteht wirklich noch Diskussionsbedarf. Denn für mich bedeutet ein Ereignis, ein Problem oder ein Vorkommnis in einer Geschichte zu erzählen nicht, dass ich märchenhaft etwas dahin schwadroniere. Sondern, dass ich mir überlege, wie ich die Fakten, die ich habe, die Standpunkte, die ich kenne und die Summe der Ereignisse so zusammenfasse, dass sie stringent nachzuvollziehen sind.

    Um es konsumierbar zu machen braucht es dazu in der Regel eine Dramaturgie: ich muss mir überlegen, wie ich einen Beitrag oder Film aufbaue, wann ich welche Fakt nenne, wann welche Stimme zu Wort kommt, welche Argumente wie und an welche Stelle präsentiert werden. Das alles ist auch das Handwerk eines Geschichtenerzählers, der Beruf des Journalisten ist mit aus dieser Tradition hervorgegangen und hat einen Teil seiner Wurzeln dort.

    Ich lese hier bei Martin und Thankmar den Wunsch heraus, dass der Journalist nicht mehr sichtbar ist, dass es nur noch Wahrheit und Fakten geht. Aber wie sähe ein journalistisches Stück aus, das keine Erzählung ist? Ist es eine pure Aufzählung von Fakten? Eine reine Nennung von Zahlen, Daten, eine Aneinanderreihung von O-Tönen? Wann fängt etwas an, eine Erzählung zu werden? Schon in dem Moment, wo ich eine Reihenfolge der Fakten, Daten, Töne, Bilder festlege? Oder erst, wenn ich anfange, sie zu deuten, zu interpretieren, zu analysieren?

    Ich kann diesen Wunsch nachvollziehen, aber ich glaube nicht, dass Journalisten das leisten können, weil Journalismus auch immer Auswahl, Reduktion und dadurch Wirklichkeitskonstruktion sein muss. Auch Wissenschaft ist niemals objektiv, weil sie (be)werten muss. Selbst eine Maschine könnte das so wie gewünscht nicht, weil sie dazu einen Algorhythmus braucht, der ihr sagt, wie sie sortieren, werten, gewichten soll. Und da fängt schon eine Priorisierung an, die nicht mehr objektiv sein kann.

    Vielleicht mißverstehe ich auch etwas und die Kritik richtet sich gegen das boulevardeske Erzählen, das Aufbauschen von Fakten und Ereignissen, das Überdramatisieren, das Herausnehmen von Einzelschicksalen, das unnötige Emotionalisieren etc.

    Ich stimme ansonsten Frank zu. Allein, was sind die Maßstäbe für einen „guten“ Journalisten? Mein Gefühl ist derzeit, dass jeder diejenigen Journalisten für „gut“ hält, die ihre Weltsicht am ehesten wiedergeben und sie so in ihrer Sicht der Dinge bestärken. Und nein, Subjektivität darf nicht zur Entschuldigung für Schlampigkeit, Ausgewogenheit und Unfairness werden. Im Gegenteil: Subjektivität muss dazu führen, dass auch die Subjektivität der Anderen anerkannt und respektiert wird. Damit Verständnis füreinander entwickelt werden kann.

    Und natürlich: Das Genannte ist EINES der Probleme, die anderen gibt es auch alle. Aber ich glaube, dass es ein sehr fundamentales Grundproblem ist. Daher die Zuspitzung. (Ts. Diese Journalisten wieder 😉 )

  4. Frank

    Ich stimme meinen Vorrednern zu: Das Grundübel des aktuellen Journalismus besteht in dem Selbstverständnis, „Geschichten“ erzählen zu wollen. Diese Herangehensweise ist es, die aus Nachrichten Märchenstunden macht – und das stößt vielen Zuschauern oder Lesern mittlerweile sauer auf.

    Ein weiterer Punkt ist das häufig gebrachte Scheinargument, es gebe keine eindeutige „Wahrheit“. Das stimmt natürlich, wird aber regelmäßig als Argument für einseitige Berichterstattung verwendet. Das ist etwa so, als würde ein Elektriker sagen: Absolute Sicherheit gibt es sowieso nicht, also lasse ich den Sicherungskasten einfach weg. Selbst ein Laie kann den Unterschied sehen, ob sich ein Handwerker (auch Journalismus ist ein Handwerk) redlich um gute Arbeit bemüht oder nicht.

    Einem guten Handwerker verzeiht man, wenn er nachbessern muss. Ein Handwerker, der Pfusch abliefert und arrogant behauptet, es gebe halt keine Perfektion, wird ähnliche Kritik hören wie die meisten Journalisten derzeit.

    Ich muss allerdings Thankmar widersprechen: Es gibt durchaus sehr viele Rezipienten, die sich mit Begeisterung Emotionen vorsetzen lassen. Das führt zu höheren Klickzahlen und das wiederum führt zur Boulevardisierung des Journalismus‘, den wir seit Jahren beobachten können. Für die Auflagen-(bzw. Klick-)zahlen ist das natürlich super, aber die Demokratie rettet man sicher nicht, wenn man Journalismus durch Emotion ersetzt.

    Man könnte noch viel schreiben, z.B. über die Nähe der Journalisten zur Politik, zu Lobby-Verbänden, über bezahlte Artikel und vorproduzierte Beiträge von Firmen, die etwas verkaufen wollen, über Sponsoring, mangelnde Repräsentativität in den Redaktionen in Bezug auf Migrationshintergrund, Geschlecht usw., Korpsgeist, Abgrenzung gegen Kritik von außen, fehlende Selbstkritik, …

    Schwer vorstellbar, wie jemand meint, das Problem mit dem Journalismus auf nur einen Punkt bringen zu vermögen.

  5. Thankmar

    Im Grunde dasselbe wie Martin. Ständig argumentieren Journalisten damit, dass es ihre Aufgabe ist, Geschichten zu erzählen. Da geht bereits das Missverständnis zwischen Journalisten und ihren Kunden/Konsumenten/Publikum los.

    „Wir können uns bemühen, sorgfältig zu arbeiten. Wir können uns anstrengen, alle Fakten zu sammeln und zu analysieren. Wir können so viele Blickpunkte sammeln, wie wir schaffen. Aber es wird immer etwas fehlen. Es wird immer jemanden geben, der seine Standpunkt nicht wiederfindet. Es wird immer jemanden geben, der widerspricht.“
    Dies ist der richtige Weg. Wenn Journalisten das leisten, werden ihnen die wenigsten etwas vorwerfen wollen, außer den größten Lügenpresse-Schreihälsen. Das hat nur nichts mit Geschichten zu tun. Und in dem Moment, in dem Journalisten ihren Fakten, Blickpunkten und Standpunkten einen Spin geben, etwas menschelndes, eine Geschichte, da fangen dann die Schwierigkeiten an. Da werden Dinge betont, die nicht betont werden müssen, da werden Einzelschicksale als allgemeines Symptom für eine größere Krise hergenommen usw. usf.

    „Journalismus transportiert und konstruiert Emotionen“: damit lässt sich das Missverständnis noch einmal auf den Punkt bringen. Nach meinem Eindruck möchte das Publikum lieber seine eigenen Emotionen entwickeln als welche serviert oder konstruiert bekommen. Auf Basis eines Berichts, der möglichst viele Fakten, viele Blickpunkte und viele Standpunkte enthält. Wenn Geschichten erzählt und Emotionen konstruiert werden, wird diese Basis verlassen. Das sind Dinge, die vom Journalisten kommen und nicht in der Basis enthalten sind. Fakten können Emotionen erzeugen, aber dazu muss der Journalist sie nicht konstruieren. Seine Person rückt dann stärker in den Fokus, seine Interessen, seine Sichtweise. Ich zumindest möchte das nicht, ich möchte aufbereitete, eingeordnete Fakten, möglichst viele Blickpunkte auf diese und kontextualisierte Standpunkte, um mir meine eigene Sichtweise bilden zu können. In einem idealen Bericht wären alles genannte vorhanden, aber der Journalist (und die Arbeit des Journalisten) wären unsichtbar.

  6. Wilz

    Das Problem der „Lügenpresse“ liegt ein wenig tiefer. Es liegt in der massiven Unterwanderung vieler relevanter Redaktionen durch transatlantische Lobbyisten. Es liegt in der daraus folgenden einseitigen Berichterstattung, die sich zudem noch den Mächtigen an den Hals wirft. Es liegt in dem dauerhaften massiven Propagandabeschuss durch „Kommentare“ eben dieser Lobbyisten. Es liegt in der permanenten und massiven Vermischung von Meldung und Meinung. Es liegt in der geradezu atemberaubenden Arroganz und Borniertheit vieler Journalisten, welche auf massive Kritik mit Sperrung der Kommentarspalten, Durchhalteparolen oder gar Verschwörungstheorien (Putin-Trolle) reagieren, anstatt sich selbst zu hinterfragen.

    Im Übrigen frage ich mich, ob der Hausherr bei seinem Kontostand bzw. seinem Gehalt auch davon ausgeht, dass es die eine Wahrheit nicht gibt. Da könnte der NDR möglicherweise richtig Geld sparen! Bei Beschwerden kann sich der NDR darauf berufen, dass Überweisungen und Kontostände immer konstruierte Wirklichkeiten sind, welche zudem von vielen verschiedenen Interessen betroffen sind: Ökonomische, persönliche, gesellschaftliche, kulturelle, historische usw. Und überhaupt müsse man Gehaltszahlungen mehr als fließenden Zustand, denn als die eine Wahrheit begreifen.

  7. Martin

    „um eine Geschichte zu erzählen“
    Genau hier liegt das Problem. Journalisten glauben sie müssten Geschichten erzählen. Ich halte diese Einstellung für Bescheuert und eine Wurzel des Übels.
    Und das an zwei Stellen. Zum einem wenn ich das Wort „Geschichte“ als „Erzählung“ verstehe. Dann ist es Grundsätzlich schon Falsch. Und selbst wenn ich es als Geschichte im Sinne von Vergangenes interpretiere dann interessiert mich nicht „eine Geschichte“.
    Allein in dieser Wortwahl wird doch unterbewusst schon klar, dass es gar nicht um Wahrheit oder Fakten oder Genauigkeit geht. Da ist das Selbstverständnis und der eigene Anspruch von Grund-auf kaputt.


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