Ist es lustig, wenn Schwule sich in Frauen verlieben?

Das Genre der „RomComs“ (Romantic Comedies) ist eigentlich durchgespielt. Mittlerweile wurde wohl jede erdenkliche Er-liebt-mich-sie-liebt-mich-nicht-Kombination mindestens dreimal verfilmt und durchgenudelt. Zeit für was Neues. Naja, fast.

Sowas ähnliches muss sich Regisseur und Drehbuchautor Marco Kreuzpaintner gedacht haben, als er „Coming In“ schrieb und verfilmte. In der „RomCom“ verliebt sich der eigentlich schwule Star-Frisör (klar, was sonst) Tom völlig unerwartet in die Neuköllner Kiezfriseuse Heidi, was seinen Lebenspartner mittelfroh macht. Huch!

Gif eines Homosexuellen, der Dying! sagt

Totally dying!

Frisör zieht Geschichte an den Haaren herbei

Ich bin zwar eigentlich ein Freund davon, mir selber ein Bild zu machen bevor ich urteile, aber allein der Teaser mit all seinen Schwulen-Klischees schreckt mich ab, dafür ins Kino zu gehen.  Die Story klingt dabei nicht nur unfassbar an den Haaren herbeigezogen, sie ist auch als Filmstoff nicht mal neu. Queer.de schrieb schon zu Beginn der Dreharbeiten im Oktober 2013:

Bereits 1997 drehte Thomas Bahmann u.a. mit Steffen Wink, Franka Potente und Helmut Berger einen gleichnamigen Film „Coming In“, in dem sich der schwule Werbetexter Lorenz in seine Sekretärin Nina verguckt.

Und auch in Italien und Großbritannien gab es Filme und TV-Serien mit dem selben Muster „Schwuler verliebt sich in Frau“.

Halbwegs realistisch wären solche Stoffe, wenn es sich bei dem Hauptdarsteller nicht um einen homosexuellen, sondern bisexuellen Mann handeln würde oder um einen vermeintlich Homosexuellen, der seine Bisexualität entdeckt. Das scheint jedoch in keinem der Filme auch nur halbwegs der Fall zu sein. Denn dann wäre das Drehbuch auch nur halb so lustig amüsant äh.. anders.

Das schwule Publikum: Not amused.

Die Reaktionen der Community auf queer.de waren dementsprechend begeistert als die Dreharbeiten verkündet wurden:

Jaja, die böse Homosexualität ist ja nur eine Phase der Verirrung. Und dann findet man schließlich doch noch sein gesellschaftskonformes Glück und wieder auf „den rechten Weg“ zurück…

Solche Filme braucht echt NIEMAND!

Wurde der von irgendwelchen Leuten gesponsert, die auch Konversionstherapien befürworten?!

 

Ganz davon abgesehen, daß hier ein Begriff verhohnepiepelt wird, wird wieder einmal das Klischee bedient, daß ein Schwuler eigentlich nur noch nicht die richtige Frau getroffen hat.

Der Sinn des Films wird für mich noch rätselhafter, wenn man bedenkt,  dass Kreuzpaintner selber schwul ist, mit „Sommersturm“ einen vielbeachteten Spielfilm über das Coming Out eines Jugendlichen gedreht hat und bislang eigentlich eher durch Glanzleistungen und Auszeichnungen aufgefallen ist. Ich hoffe, dass das Abtauchen ins Absurd-Seichte ein kleiner Ausflug bleibt.

Aber vielleicht brauchte Kreuzpaintner auch einfach nur einen lukrativen Auftrag für seine neu gegründete Produktionsfirma – die ironischerweise nach seinem ersten Spielfilm über das Schwulsein benannt ist: Summerstorm Entertainment. Und was Entertainment ist, bestimmt ja immer noch das Publium an der Kasse.

Aufmerksam geworden über Facebook-Post von Dennis Schulz.