Warum ich Ken Jebsen eine Vollhupe nenne und andere Antworten

Mein ZAPP-Kommentar/Rant in der Zapp-Sendung vom 14.5. hat für einigen Wirbel im Netz gesorgt. Ich erlebte meinen ersten kleinen Shitstorm und weiß jetzt, dass ich es eher amüsant als beleidigend finde, wenn mich Wildfremde im Netz als „Bastard“ oder „Deutsche Missgeburt“ beschimpfen.  Es gab neben den üblichen Entgleisungen auch jede Menge sachliche Kritik, die ich durchaus ernst nehmen und der ich mich als Journalist, der einen offenen Journalismusansatz lebt, gern gestellt habe und weiterhin stellen will.

Menschen fühlten sich falsch dargestellt

Interessanterweise ging es in den wenigsten Wortmeldungen um das Thema des Kommentars: Intransparent arbeitende Journalisten, die Mitglieder in Interessengruppen wie der Atlantik-Brücke sind – teilweise sogar in verantwortungsvollen Positionen – und die so ihre journalistische Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzen.

Stattdessen regten sich viele Sprecher über meine Befürchtung auf, dass der so ausgelöste Vertrauensverlust dazu führen kann, dass Demagogen, Polemiker und Menschen mit einfachen Welterklärungsmustern Zulauf bekommen. Dazu zeigte ich einen sehr kurzen Ausschnitt aus einer Berliner „Montagsdemonstration für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit“, was mir letztendlich die große Netz-Aufmerksamkeit bescherte, da sich viele Teilnehmer und Sympathisanten falsch dargestellt fühlten.

Mit Verallgemeinerungen macht man es sich zu leicht

Ich hab damit ehrlich gesagt nicht gerechnet, muss aber zugeben, dass ich wohl etwas naiv gewesen bin. Mit Menschen, die sich von den sogenannten „etablierten Medien“ ohnehin nicht ernst genommen bis diffamiert fühlen, hätte ich sorgsamer umgehen können. Die Verallgemeinerung „Montagsdemos = Verschwörungsheinis“ wird einer so stark heterogenen Gruppe wie den Montags-Mahnwachen nicht gerecht.

Auf der anderen Seite ist der Rant (die Wutrede) eine stark emotionale und sehr subjektive Kunstform und sollte daher auch bewusst polemisch verfasst sein. Aber: ohne diese Verallgemeinerungen hätte es letztendlich nicht die Aufmerksamkeit und damit auch nicht den Austausch der letzten Tage gegeben, der mich auch bereichert hat.

Und jetzt: das Zapp-transatlantische-Journalisten-Rant-FAQ!

Im Folgenden hab ich die am häufigsten gestellten Fragen an mich und meine Antworten darauf zusammen gestellt. Quasi das Zapp-transatlantische-Journalisten-Rant-FAQ (der besseren Lesbarkeit halber habe ich nicht gegendert, mit „Journalist“ und „Leser / Zuschauer“ sind immer Männer und Frauen gemeint):

Was wollten Sie uns eigentlich mit diesem Beitrag sagen?

Journalisten – auch solche in Führungspositionen – haben meiner Meinung nach in keinem Verein, keiner Interessensgruppe und in keiner Partei zu sein, die in irgendeiner Form politischen Einfluss ausüben will. Erst Recht nicht, wenn sich diese Institutionen mit Themen befassen, über die die Journalisten beruflich berichten und auf gar keinen Fall dürfen sie dort verantwortungsvolle Positionen übernehmen.

Ich habe mich im Film als Kompromiss darauf eingelassen, dass die Kollegen, die sich diesen strengen Richtlinien nicht beugen wollen zumindest transparent machen müssen, in welchen Gruppen sie Mitglied sind. So wird wenigstens nachvollziehbar, aus welchen Quellen sie sich bedienen und aus welcher ideologischen Richtung sie möglicherweise argumentieren. Trotzdem hab ich ein großes Problem, wenn ich das Gefühl habe, dass Journalisten zu Aktivisten werden (nicht zu verwechseln mit Akteuren, das sind sie immer).

(Update, 29.5.2014, 23.14h: Ich habe den letzten Satz gestrichen, weil ich ihn nach einer nochmaligen Auseinandersetzung mit dem Aktivismus-Verständnis von Glenn Greenwald nicht mehr so stehen lassen kann. Folgt man Greenwald, so ist nicht das Problem, dass hier eine Grenze überschritten werden könnte, sondern dass Journalisten mit intransparenten Mitgliedschaften in solchen Gruppen zum einen der Gefahr aussetzen, eine zu hohe Loyalität ihnen gegenüber zu entwickeln und dass sie ihrem Publikum wichtige Informationen vorenthalten.)

Natürlich gibt es Ausnahmen. Gruppen wie „Reporter ohne Grenzen“, der „DJV“ oder „Netzwerk Recherche“, die sich mit Journalismus als Branche auseinandersetzen und sich für Journalisten einsetzen, müssen von Journalisten organisiert und mitgetragen werden.

Als Medienjournalist habe ich mich aber auch hier dagegen entschlossen Mitglied bei einem Verein zu werden, weil ich im Zweifel über diese Gruppen berichten können muss, ohne in einen Interessenskonflikt zu geraten. Abgesehen von diesen Spezialfällen ist es mir immer wichtig, dass Journalisten so transparent und offen arbeiten wie möglich.

Warum erfahren wir erst aus einer Satire-Sendung davon, dass führende Journalisten in transatlantischen Netzwerken aktiv sind?

Die Studie von Uwe Krüger, aus der sich auch „Die Anstalt“ bedient hat ist keinesfalls brandneu und unbekannt. ZAPP hat Herrn Krüger schon Anfang März 2014 für einen Beitrag über genau die Problematik interviewt, mit der er sich in seiner Studie beschäftigt hat.

Die sehr unterhaltsame und etwas vereinfachte Darstellung der „Anstalt“-Kollegen ist natürlich besser geeignet, die Erkenntnisse der Studie einem breiten Publikum zu vermitteln. Auch mir ist die Studie in diesem Zusammenhang erst wirklich aufgefallen, meiner Empörung hab ich in einem Blogeintrag Ausdruck verschafft. Die große Resonanz darauf hat schließlich dazu geführt, das Thema noch einmal für Zapp aufzubereiten.

Wieso bezeichnen Sie Ken Jebsen als „Vollhupe“?

Weil er laut hupt. Ich beobachte seine Arbeit schon seit langem und hatte das Gefühl, dass er im Laufe der Jahre immer lauter wurde; in Wortwahl, Begrifflichkeiten, in Thesen, aber auch ganz profan im Auftreten. Insbesondere seine Reden rund um Medienkritik und die Montagsdemos haben bei mir einen negativen Eindruck erzeugt.

Ein Beispiel: Der Beginn einer Rede von Jebsen im Rahmen einer Montagsdemo im März 2014. Jebsen beklagt sich darin über die geringe Teilnehmerzahl, obwohl er der Meinung ist, dass die Demo jeden angehe. Schließlich würden von ihm nicht näher benannten Akteure „aus Übersee“ nicht wollen, dass sich Europa und Russland „zu gut“ verstehen und daher „muss ein Krieg her“: „Denn nur am Krieg, am Auseinanderdividieren kann man Macht… kann man Geld machen“. Wer „man“ ist, welche Akteure hier angeblich kriegstreiberisch tätig werden, welche Belege er für diese Vorwürfe hat – alles unklar.

Der Grund, warum nicht mehr Berliner zu der Demonstration kommen liegt für Jebsen jedoch sehr klar auf der Hand:

Es sind nur ein paar hundert hier. Warum? Weil unsere Medien nicht darüber informieren. Und warum informieren unsere Medien nicht darüber? Weil unsere Medien schon lange nicht mehr unsere Medien sind, oder anders, sie waren es auch nie: unsere Medien. Diese Medien sind Propagandainstrumente, um uns das Gehirn zu waschen.

Als Beleg verweist er auf die Studie von Herrn Krüger:

Es gibt den Alphajournalismus, der direkt aus dem Nato-affinen Milieu gespeist wird in der FAZ, in der Zeit, in der Welt und in der Süddeutschen Zeitung und diese Leute geben in den Zeitungen die Kernthesen vor. Es gibt keine innere Pressefreiheit.

Was Jebsen hier verschweigt: Krüger kommt in der Studie zu dem Schluss, dass bei den untersuchten Journalisten zwischen der Mitgliedschaft in transatlantischen Vereinigungen und den vertretenen Meinungen kein einfacher Zusammenhang nachgewiesen werden kann:

Wenn Kommentare und Leitartikel den Elitendiskurs fortschreiben und dessen Prämissen nicht kritisch hinterfragen, muss das nicht heißen, dass sie von unsichtbaren Händen mitgeschrieben wurden bzw. dass eine kognitive Vereinnahmung durch ein Milieu vorliegt; es kann genauso gut heißen (…), dass die Netzwerke aufgrund einer bereits vorhandenen geistigen Nähe zwischen Journalisten und Eliten erst entstanden sind. (In: Meinungsmacht. Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten – eine kritische Netzwerkanalyse, Uwe Krüger, Halem Verlag 2013, S. 258)

Der Kollege Paul Schreyer (Telepolis) versuchte mich davon zu überzeugen, dass die Fakten, die Jebsen und andere ansprechen, sich nicht mit einem persönlichen Angriff auf seine Glaubwürdigkeit oder seine Rhetorik wegwischen lassen. Das ist auch nicht meine Absicht gewesen. Aber ich muss einem Sprecher vertrauen, dass er Fakten korrekt auswählt, fair gewichtet und einigermaßen ausgewogen bewertet. Dass er dialogbereit ist, bereit ist, Fehler einzuräumen und eher zu gemäßigten, denn zu extremen Tönen greift, um die von ihm genannten Fakten in meine Überlegungen mit einzubeziehen.

Dieses Vertrauen habe ich zu Herrn Jebsen nicht. Noch weniger, seitdem er sich in meinen Augen aktivistisch im Umfeld der Montagsdemos betätigt, in dem online zur Teilnahme auffordert und dort Reden wie die gerade zitierte hält. Für mich ein journalistisches NoGo ist (siehe erste Antwort).  (Update, 29.5.2014, 23.23h: Auch hier muss ich noch einmal korrigieren. Das Problem ist – folgt man Greenwalds Aktivismus-Ansichten – nicht so sehr der Aktivismus von Jebsen, sondern vielmehr die Art und Weise, wie er sich betätigt und äußert: In teilweise radikaler, stark vereinfachter, unkonkreter Weise, die wenig mit nachprüfbarem Journalismus und Fakten, sondern mehr mit Polemik  zu tun hat.)

Warum haben Sie Herrn Jebsen nicht angefragt und zu Wort kommen lassen?

Herr Jebsen war nur eine Randfigur in diesem Beitrag, von daher hielt und halte ich es nicht für geboten, ihn hier anzufragen. Die Kernfrage dreht sich um die Journalisten in (transatlantischen) Interessensgruppen, nicht um Herrn Jebsen.

Warum diffamieren Sie die Montagsmahnwachen als „Verschwörungsheinis“?

Wie in der Einführung schon geschrieben ist das eine Verallgemeinerung, die mir mittlerweile etwas leid tut und die mich selber leicht ärgert, auch wenn Sie für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Es ist allerdings nicht zu bestreiten, dass sich auf den Montagsdemos Menschen aller möglichen Couleur und Weltanschauungen versammeln.

Die mit den einfachen Erklärungen, wer „Schuld“ am Zustand unserer Welt ist und den Beschuldigten dann auch noch (oft ohne Belege) eine Absicht beziehungsweise einen Plan unterstellen habe ich unter dem Sammelbegriff „Verschwörungsheinis“ zusammen gefasst. Dass sich davon auch die mit den komplexen Erklärungsversuchen, den offenen Lösungsansätzen und mit dem einfachen Wunsch nach „Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit“ diffamiert fühlen, war nicht beabsichtigt.

Warum ist der Beitrag so subjektiv und nicht objektiv, wie es sich für Journalismus gehört?

Die kurze Antwort: Es ist ein Rant, ein Kommentar, meine subjektive Sicht der Dinge und als solcher auch klar zu erkennen. Objektiven Journalismus gibt es nicht.

Die lange Antwort hier: Es ist mir (und auch dem Journalismusforscher Uwe Krüger, mit dem ich noch einmal ein längeres Gespräch geführt habe, siehe unten) aufgefallen, dass einige Sprecher einen Journalismus gefordert haben, der objektiv und unparteiisch ist und dem Leser / Zuschauer nicht vorschreibt, was er wie zu denken oder zu interpretieren hat.

Es ist für mich als Journalist aber völlig unmöglich, ein objektiver Beobachter zu sein. Die Masse an verfügbaren Fakten, Perspektiven, Meinungen und Deutung ist schlichtweg zu groß. Um ein angenehm zu konsumierendes Stück Journalismus zu schaffen, muss ich filtern. Wie ich die Informationen filtere ist schon sehr subjektiv und wird von meiner Sozialisation, meinen Einstellungen und meinen Erfahrungen mitbestimmt.

Ich muss als Journalist natürlich auch Sichtweisen gleichberechtigt behandeln, die überhaupt nicht meinen eigenen entsprechen. Doch letzten Endes haben Journalisten auch immer ein Mitteilungsbedürfnis und wollen die Sicht vermitteln, die sie für die „richtige“ halten.

Redaktionen sind hier ein wichtiges Instrument, um gegenzusteuern, denn sie bieten im besten Falle schon die erste Instanz, um den Infofilter nicht zu einseitig werden zu lassen. Bei Zapp streiten und diskutieren wir zum Beispiel oft heftig über Themen und mögliche Sichtweisen – für mich ein Ausdruck von innerer Pressefreiheit und einer „gesunden“ Redaktion.

Ich stelle mich aber unter anderem mittlerweile deswegen lieber selbst vor die Kamera, um dem Gesagten ein Gesicht zu geben, um klar zu machen, dass hier ein Mensch spricht und keine abstrakte Institution. Als Reporter für die EinsPlus-Sendung „Klub Konkret“ ist es sogar meine Aufgabe, subjektiv zu erleben und wahrzunehmen und darüber zu berichten.

Interessanterweise kommen die Vorwürfe an „parteiischen Journalismus“ immer von denjenigen, die in dem Film, Beitrag oder Artikel nicht ihre Sicht auf die Welt wiederfinden. Anstatt die vermittelte Perspektive als „mögliche Deutung“ in ihre Geisteshaltung mit aufzunehmen, wird die verursachte „kognitive Dissonanz“ lieber damit bekämpft, dass man dem Journalisten mitteilt, er habe wohl nicht mehr alle Latten am Zaun.

Haben Sie als Vertreter der etablierten Medien Angst vorm Verlust Ihrer Deutungshoheit?

Klare Antwort: Nein. Ich habe nicht das Gefühl, über ausgesprochen viel „Deutungshoheit“ zu verfügen. Von daher habe ich auch nicht viel zu verlieren.

Wieso haben Sie Herrn Krüger als Autoren der Studie nicht selber befragt?

Uwe Krüger hat durch seine Studie die Debatte mit ausgelöst, aber genau wie Ken Jebsen ist er keine Hauptfigur. Deshalb habe ich davon abgesehen, ihn zu interviewen. Ich habe mich trotzdem länger mit Herrn Krüger unterhalten, weil ich wissen wollte, wie er über die Debatte und den Film denkt.

Er teilte mir erfreulicherweise mit, dass er für den Rant und die daraus folgende Diskussion sehr dankbar ist. Besonders mein Interview mit Herrn Kornelius habe ihm sehr geholfen, seine Position nochmal zu überdenken:

„Ich finde es wichtig, die Verbindungen zu den Organisationen einzeln zu diskutieren und jeweils zu differenzieren – auch wenn ich weiterhin meine, dass zum Beispiel ein Engagement in der Bundesakademie für Sicherheitspolitik sehr problematisch ist. Es ist ja sehr erfreulich, dass Herr Kornelius sich jetzt äußert, davor habe ich Hochachtung. Ich würde mich freuen, wenn sich auch die Kollegen von ‚Faz‘, ‚Zeit‘, ‚Welt‘ oder ‚Bild‘ öffentlich positionieren.“

Krügers Forschung zu den Netzwerken habe ihm auch die Augen geöffnet, was die Frage nach neutralen Journalismus angeht:

„Ich habe auch immer an den Journalisten als neutralen Beobachter geglaubt, und es war ein Schock für mich, als ich feststellte, dass zum Beispiel Journalisten der Zeit bei den Bilderberg-Konferenzen saßen, dort sogar über Themen und Teilnehmer mitentschieden und in vertrauliche Politikplanungsprozesse eingebunden waren. Das widerspricht ihrer Rolle als Anwalt der Öffentlichkeit, und da werden sie von Beobachtern zu Akteuren, das geht nicht.“

Ist die Studie von Herrn Krüger jetzt glaubwürdig oder nicht?

Soweit ich die Studie in Auszügen gelesen habe, hat Herr Krüger allgemein gültige wissenschaftliche Methoden verwendet und kommt zu Schlussfolgerungen, die ich aus meiner Erfahrung so teilen würde. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang das bereits zitierte Fazit, in dem Herr Krüger  ganz klar die Grenzen von Journalismusforschung aufzeigt.

Mir persönlich scheint das untersuchte Sample, mit dessen Hilfe Herr Krüger die Einstellungen der untersuchten Journalisten nachweisen möchte etwas dünn. Eine gründliche Diskursanalyse würde hier sicher zu noch differenzierteren Ergebnissen kommen.

Wieso haben Sie Herrn Kornelius seine Aussage, er würde sich von den Netzwerken, in denen er Mitglied ist nicht beeinflussen lassen unwidersprochen durchgehen lassen?

Wie von Herrn Krüger in seiner Studie aufgezeigt, ist es fast unmöglich nachzuweisen, ob Journalisten wie Herr Kornelius sich von diesen Mitgliedschaften beeinflussen lassen oder nicht.

„Es wird völlig übersehen, das im Vordergrund ein Unbehagen über eine tendenziöse Berichterstattung steht und die Vernetzung in Lobbys eine Erklärung dafür liefert.“

Das stimmt so nicht. Im Film weise ich klar darauf hin, dass es schwierig scheint, neutral über ein Thema zu berichten, wenn man Mitglied in einer Interessensgruppe ist, die mit dem Thema zu tun hat. Die Vernetzung in diesen Vereinigungen liefert eine Erklärung, mit denen sich „Verschwörungsheinis“ vermeintliche Zusammenhänge erklären. Auch darauf weise ich klar hin.

Glauben Sie denn ernsthaft alles worüber die etablierten Medien berichten oder was bei uns im Fernsehen gezeigt wird?

Nein. Aber ich glaube nicht an ein umspannendes Netzwerk von etablierten Leitmedien, die sich in ihrer Berichterstattung absprechen, Fakten unterschlagen und die öffentliche Meinung klar steuern, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Die Medien aus dem Hause Axel-Springer nehme ich hiervon allerdings klar aus.

Würden Sie den Beitrag so noch einmal machen?

Jein. Ich würde die Montagsdemos nicht so allgemein abfrühstücken. Und ich würde das Ende weniger versöhnlich halten. Heute würde ich das Versprechen von Herrn Kornelius, künftig transparenter zu arbeiten, mit den Worten: „Ich werde das im Auge behalten“ abmoderieren.

Hier wurde der Film diskutiert / kritisiert:

 

Dieser Artikel erschien zuerst im ZAPP-Blog Zappenduster.

 

//Update, 24.5.2014, 18:33//

Dieser Artikel von Kollege Markus Klöckner zum Gesamtkomplex „Machteliten und Leitartikler“ ist überaus lesenswert und sehr differenziert. Ausdrückliche Leseempfehlung!

//Update, 27.5.2014, 11:35//

Telepolis-Kollege Paul Schreyer zitiert aus dem Brief des Zeit-Herausgeber Joffes Brief an den ZDF-Chefredakteur Peter Frey wegen des Ausschnitts in „Die Anstalt“, den ich auch in meinem Kommentar verwendet habe. Und der Leipziger Journalismusforscher Uwe Krüger, dessen Studie der Streit zugrunde liegt wehrt sich im Interview mit Telepolis-Kollege  gegen die Vorwürfe von Kornelius, er wolle in die Hirne der Journalisten schauen.

//Update, 27.05.2014 11:56//

– wichtige Befunde ausblenden, verkürzen und durch die Präsentationsform vom eigentlichen Thema ablenken

– manipulativ und arbeitsteilig mit Kornelius zusammen wirken

– Herr Kornelius Raum bieten, eine „falsche Behauptung über den Urheber der Studie Uwe Krüger“ aufzustellen und diese „dank Widerspruchslosigkeit quasi als angemessen“ darstellen (es geht um das Zitat von Kornelius, Krüger wolle „in die Hirne der Journalisten kriechen“)

– kritikbetäubende Zerrdarstellungen publizieren und diese als Meinungsäußerung verschleiern

– suggerieren, dass Kritik und Hinterfragen grundsätzlicher Art des Mediensystems von vornherein in die Ecke von “Verschwörungstheorien”  gehört

– mich inkonsistent verhalten, weil ich im Film Krügers Fazit ausgelassen, im Artikel aber aufgeführt habe, aus dem hervorgeht, dass Krüger also offenbar tatsächlich nicht so schlicht argumentiert, „wie es im ZAPP-Beitrag durch Herrn Kornelius behauptet und von Herrn Bröckerhoff selbst (u.a. durch Widerspruchslosigkeit) transportiert wird“

Hier meine Antwort an ihn:

Hallo Herr Jaworski,

vielen Dank für die dezidierte Ausführung. Den Großteil Ihrer Anschuldigungen weise ich entschieden zurück (bewusste Manipulation, Herunterspielen von Kritik, Ablenkung vom Thema, Zerrdarstellungen, Inkonsistenz). Ich habe leider keine Zeit, jetzt im Einzelnen darauf einzugehen. In meinen Augen führt das hier auch zu nichts, da ich nicht den Eindruck habe, dass ich Sie vom Gegenteil überzeugen könne.

Was ich jedoch nach wie vor hoch interessant finde: Meine Kernaussage, dass Journalisten in solchen Gruppen nicht Mitglied sein sollten und wenn sie meinen, sie müssten das tun, das so transparent wie möglich zu machen haben („tätowiert es euch auf die Stirn!“), damit sie ihre beschädigte Glaubwürdigkeit retten können, führen Sie hier weder auf noch gehen Sie darauf ein. Stattdessen konzentrieren Sie sich hier auf Dinge, die in meinen Augen eher Nebenschauplätze und Detailfragen sind. Ich frage mich, wieso Sie das tun?

Entweder muss ich mir das selber vorwerfen und meine Kernaussage wird im Film nicht deutlich genug. Oder sie wollen hier einen künstlichen Graben schaffen, was ich mir nicht erklären kann. Denn im Grunde sind wir uns glaube ich sehr einig.

Ich frage mich auch, warum Sie hier Herrn Krüger so glühend verteidigen, wenn er mir persönlich am Telefon gesagt hat, dass ihm der Film gut gefallen habe, er dankbar sei, dass die Debatte jetzt fortgeführt wird und das Interview mit Kornelius ihn sehr weitergebracht habe. Herr Krüger – so meine Schlußfolgerung – muss gar nicht verteidigt werden. Ich werde ihm mal ihre Vorwürfe zukommen lassen und bin gespannt, was er dazu sagt.

Was mir allerdings nicht gefällt ist Ihre Gnadenlosigkeit den sogenannten „Eliten-Journalisten“ gegenüber, die hier von Herrn Kornelius vertreten werden. Er hat den Dialog selber gesucht, er gesteht Fehler ein und vielleicht ist der Weg der Selbsterkenntnis, der von ihnen hier (und auch im Interview von Greenwald) gefordert wurde ja jetzt bereitet. Aber dafür muss man sich auch gegenseitig die Hand reichen, sonst verhärten sich die Fronten nur. (Mir ist übrigens bewusst, dass ich das im Falle der Montagsdemos im Film selber falsch gemacht habe. Ich nenne es Selbsterkenntnis.)

Mit freundlichen Grüßen,

Daniel Bröckerhoff



26 Kommentare

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  1. Sybille

    Also den Ken hast du in deiner SEndung voll blöd gezeigt. Ich find den jetzt auch echt nicht mehr so toll wie vorher. Der sagt immer alles so laut. Und hat so ne komische Mütze auf. Ohne Mütze fand ich den besser. Mir gefällt dein Bart . Damit siehst du echt süß aus. Und du bist dann so männlich wenn du was sagst. Toll.

    Eure Sybille

  2. VanHoe

    Hallo,

    Bei mir hinterlässt dieser Beitrag ebenfalls ein komisches Gefühl.
    Am Anfang wird behauptet, dass Journalismus „objektiv“ gehalten werden muss, später schreibt der Autor, dass es gar nicht möglich sei, Journalismus objektiv zu handhaben…
    Was Herrn Jebsen angeht, er ist in der Wortwahl durchaus sehr heftig aber dennoch halte ich seine Beiträge als DENKANSTOß für nicht unwichtig. Gegen Ihn zu hetzen ist wirklich unprofessionell, aber Jebsen sollte man trotzdem mit Vorsicht genießen.

  3. Christine Leiser

    Ihr Artikel hinterlässt ein komisches Gefühl. Das ist sehr unprofessionel von Ihnen, gegen andere Journalisten zu hetzen; sie sind voreingenommen und das hat mit ehrlichem Journalismus nichts zu tun. Hetzen Sie weiter, als Journalist sind Sie uninteresant, da kann ich genau so gut eine Bild-Zeitung lesen. Im Unterschied zu Ihnen ist Herr Jebsen ehrlich.

  4. MeineMeinung

    Na ja, mir ist der Mench Jebsen völlig Schnuppe. Mag sein, dass das ein Spinner ist, mag sein, dass der Autor dieses Artikels ein Spinner ist. Mir egal. Was mir allerdings nicht egal ist, ist, dass zumindest via KenFM mal wieder interessante Menschen wirklich zu Wort kommen (Ich erinnere hier einfach mal an die Interviews mit z.B. Willi Wimmer). Diese Interviews sind immerhin ein Lichtblick in einer ansonsten düsteren deutschen Medienwelt, der auch der Autor angehört.

    Ein Comedy-Journalist wie Sie, der auf Gebührenzahlerkosten 4-Minuten Witz-Videos inkl. Mett-Brötchen produziert, sollte sich vielleicht einfach mal ein bisschen zurückhalten und zuallererst die eigene Arbeit und den eigenen Auftraggeber hinterfragen. Die öffentlich-rechtlichen zeichnen sich ja in den letzten Jahren nicht unbedingt durch Erfüllung des Informations-Auftrags aus. Nicht wahr!?

  5. OK

    Tut mir Leid, aber deinen Blog hier halte ich für eine Hetzjagd gegen diesen Menschen.

    Dann hast du nicht alle Videos von ihm geschaut. Wenn jeder Redner knapp 20 Minuten Zeit hat zum Reden, kann man Themenblöcke nur anreißen! Bei den Demos geht es doch nur darum Präsenz zu zeigen! Und es geht den Rednern vor allem darum, dass WIR wieder den Weg zu uns finden. Es geht darum, dass JEDER EINZELNE seine Lebensweise hinterfragt.

    Dazu gehört auch unsere Informationsbeschaffung, die mehr als fragwürdig ist. Das Geldsystem wird lediglich angeschnitten und nicht weiter vertieft. Wenn du diesbezüglich Informationen haben willst, schau dich mal im Internet um nach Autoren wie Dirk Müller (Mr.Dax), Popp, den leider verstorbenen Prof. Wilhelm Hankel….und viele mehr. Ich habe mir die Mühe gemacht BÜCHER zu lesen. Das ist doch das, was Ken Jebsen erreichen möchte.

    Finde den Weg zu dir selber, geh wieder in Büchereien, informiere dich bei mehreren Quellen und lass vor allem Augenzeugen zu Wort kommen. Mehr will Ken NICHT.

    Mal anbei: Frau Gabriele Krone-Schmalz, die eine deutsche Fernsehjournalistin, Journalismuslehrerin und Autorin ist, hat sich über die Medienberichterstattung echauffiert. Eine Frau, die in diesem Bereich eine sehr angesehene Persönlichkeit ist, ist also auch eine Vollhupe? Informiere dich angemessen und du wirst feststellen, dass unsere Medien (leider) gleichgeschaltet sind. https://www.youtube.com/watch?v=22VfEe1RkH8

    Neben der Kritik an unserer Medienberichterstattung ist auch die Kritik an unserem Geldsystem angebracht. Ich bitte dich auch hier, deine Bildungslücke (die in diesem Bereich vorhanden zu sein scheint), aufzuarbeiten.

    Ken möchte weiterhin, dass wir unseren Konsum hinterfragen.

    Dass die NATO eine Kriegsorganisation ist, ist bereits hinlänglich bewiesen. Es gibt zahlreiche Historiker, die die Auflösung der Nato bereits gefordert haben. Hier empfehle ich Dr.Daniele Ganser, einen schweizer Historiker… https://www.youtube.com/watch?v=2YuE6U15wr8

    Bildung ist der Schlüssel zu Allem!

    Ich bitte dich darum, deine Propaganda Sprüche und Hetzjagd zu unterlassen. Deine offensichtlich gefärbte „Meinung“ und einseitige Betrachtung der Gegebenheiten ist einfach nur ekelhaft.

    Du hast nicht verstanden, was Ken Jebsen wirklich will. Schade! Derzeit sehe ich nur eine „Vollhupe“ und das bist ganz offensichtlich du. Merkst du nicht, wie viele Menschen sich über dich lustig machen?

    Und nur weil Nazis dieser Bewegung beiwohnen und Anonymous die Seite von Ken Jebsen liked, heißt das doch noch lange nicht, dass die beiden zusammenarbeiten! Fang doch bitte mal an nachzudenken! Man kann sich seine Fans leider nicht aussuchen.

    Reine Propaganda. Das brauchen wir nicht.

  6. Olav Reinisch

    Bezugnehmend auf das Video: „KenFM am Set: Montagsdemo am Brandenburger Tor, 24.3.2014“
    Und was ich nicht verstehe, warum redet der Jebsen immer von den MainstreamMedien die sooo Böse sind obwohl er doch Seine Informationen nun mal fast ausschlieslich aus eben diesen erhält und alle anderen sollen dann eben diese „bösen MainstreamMedien“ einfach wegwerfen?

    …..etwaige Rechtschreibfehler sind Spezialeffekete meiner Tastatur und Sie können sie gerne weiterverwenden!

    • Questionmark

      Die Frage ist wohl sehr einfach zu beantworten: Jebsen entnimmt die Propaganda dem Mainstream und vergleicht das Geschriebene mit eigenem Wissen (aus der Geschichte) und den Informationen aus Nischenquellen. Und hierbei ergeben sich klare Widersprüche.

      Oder hat irgendjemand Wirtschaftssanktionen gegen die USA gefordert als diese den Irak völkerrechtswidrig angegriffen haben? Irgendwie schon seltsam das das Völkerrecht damals keine Rolle gespielt hat und heute (im Fall der Ukraine usw.) auf einmal SOOO WICHTIG ist. Hier haben wir es schlicht mit Propaganda zu tun (und zwar in beiden Fällen; also der Tolerierung respektive wohlwollenden Unterstützung des Irakkriegs als auch der Eskalationshetze im Rahmen der „Ukraine-Krise“)
      Dieselbe Thematik beim Thema „Totalüberwachung durch die USA“ (wird vom Mainstream weitestgehend „sachlich neutral“ unter den Teppich gekehrt) sowie dem „Morden auf Verdacht per Drohne“ durch die USA. In letzteren Fällen spricht NIEMAND von Unrechtsstaatlichkeit. Und das obwohl diese offensichtlich vorliegt. Es spricht auch niemand davon, das man diese Sache durch Sanktionen bekämpfen müsste. Wenn ein solcher Journalismus Menschenrechte oder gar Rechtsstaatlichkeit vertritt, dann nimmt man ihn zu Recht nicht ernst.

      Tragischerweise hat das mangelnde Rechtsbewußtsein der US-Führung nicht nur Auswirkungen auf deren Bevölkerung sondern auch auf den Rest der Menschheit. Sprich: Der amerikanische Totalitarismus macht keinen Halt vor nationalen Grenzen.
      Da wäre es doch glatt an der Zeit mal das Maul aufzukriegen und etwas zu sagen. Stattdessen haben wir (nicht nur hierzulande) eine Unmenge von Arschkriechern die den „Amis“ hinten reinkriechen und zu deren Maule wieder herauskommen. Ist halt aktuell wieder mal schick: Nach unten treten und nach oben kriechen. Kennt man alles schon. Dazugelernt haben die meisten freilich nichts.

    • Daniel Bröckerhoff

      Sorry, aber da muss ich vehement widersprechen. Die Mainstream-Medien, die ich lese/schaue/höre sprechen sich allesamt gegen die amerikanische Totalüberwachung aus und den amerikanischen Drohnenkrieg hab ich auch noch niemanden verteidigen hören.

    • QuestionMark

      Ach so, wo hat man sich denn bitte gegen das „Morden per Drohne“ ausgesprochen und Sanktionen gefordert? Ich hätte gerne eine Quelle. Stattdessen toleriert man doch de facto das Morden. So sieht es aus. Und: Weiterhin scheint es doch so zu sein, das man gerne bei der Bundeswehr selbst solche Drohnen hätte. Oder etwa nicht? Und auch das wird großzügig toleriert. Lediglich der Kostenaspekt spiegelt sich in der Diskussion wieder. Motto: Morden ist gut aber bitteschön möglichst kostengünstig.
      Das anscheinend auch von deutschem Boden aus gemordet wird und damit eine Straftat vorliegt sowie Beihilfe (und dann konsequenterweise auch noch Strafvereitelung im Amt seitens der deutschen Behörden) darüber will ich erst gar nicht reden.

    • QuestionMark

      Aber sie können anscheinend nicht ohne mich vernünftig lesen. Die Rede war von Artikeln die über die Drohnenmorde (ich rede hier bewusst nicht von Tötungen oder Totschlag) im Zusammenhang mit Sanktionsdrohungen sprechen.
      Tatsache ist doch: Die ganze Sache wird von den Mainstream-Medien bewusst auf kleiner Flamme gehalten. Der Ball wird einfach flach gehalten. Man spricht nicht von Mord. Auch nicht (wie im Fall von Deutschland) von Beihilfe zum Mord. Aber genau darum geht es. Kapiert?
      Wenn es um unsere Micro-Opposition geht, dann seid ihr doch auch gleich alle so tapfer und redet von „Vollhupen“ und von „Spinnern“ und dergleichen. Die Beleidung (immerhin Straftatbestand) fällt euch dann nicht so schwer. Der Mut verlässt euch freilich wenn es um Schwerstkriminelle geht. Vor allem wenn letztere Macht haben und in Führungspositionen sitzen und wenn euch letztere potentiell mit einem beiläufigen Fingerzeig sofort abservieren könnten. Davon reden wir, Herr Qualitätsjournalist.

    • Daniel Bröckerhoff

      Ach, auf dem Niveau macht Diskussion leider keinen Sinn. Mit Pauschalverurteilungen, Schaum vor dem Mund und unhaltbaren Vorwürfen lässt sich nicht miteinander reden. Schönen Abend noch.

  7. hiro

    Schon lustig: Ken Jebsen vorwerfen, dass er Position beziehe, und drei Absätze später stolz verkünden, dass Sie nicht mal versuchen, objektiv zu berichten, weil das ja ohnehin nicht gehe.

    Später dann der süffisante Kommentar, dass sich immer nur die beschweren, die eine andere Meinung haben. Die sagten dann, der entsprechende Journalist hätte nicht alle Latten am Zaun. Vielleicht nennen sie ihn auch einfach eine „Vollhupe“? Am besten mit der Macht eines öffentlich-rechtlichen Senders im Rücken?

    Nein, das soll keine Verteidigung von Herrn Jebsen sein, mit Sicherheit nicht. Es handelt sich nur um eine Erklärung, warum Sie aus meiner Sicht Teil des Problems sind, auch wenn Sie „auf der anderen Seite“ stehen.

    • Daniel Bröckerhoff

      Die Frage ist, was für eine Position man bezieht. Und wie man das tut. Und mit welchen Argumenten.

      Aber fair enough, dass ich mit solchen Mitteln nicht helfe Gräben zu überwinden, ist schon richtig. Manchmal ist das aber auch gar nicht Sinn und Zweck eines journalistischen Beitrags. Eine starke, pointierte Meinungsäußerung in Form eines Rants wäre verfehlt, wenn sie völlig ausgeglichen, differenziert und zurückhaltend wäre. Darin unterscheidet sich ein Rant von einer Reportage, einem Bericht oder einer Nachricht.

      Was Jebsen allerdings macht, sind nach meinem Verständnis keine Rants. Und da hinkt dann wieder ihre Argumentation.

  8. QuestionMark

    @Daniel Bröckerhoff
    Ich finde ihr Kernargument (Interessensverflechtungen transparent machen) nicht schlüssig. Schließlich lebt der Propagandaapparat von den Intransparenz. Nur solange die Menschen den etablierten Journalisten vertrauen (also nicht wissen welchen Interessen diese nachgehen), nur solange funktioniert die Propaganda. Und natürlich sind sie (dummerweise und affektiert) auch auf den Propagandazug aufgesprungen indem sie die Montagsdemos pauschal diffamiert haben. Es gibt halt auch viele Mitläufer. Zu einem Verschwörer werden sie dadurch nicht. Nur zu einem instrumentalisierten „Journalisten“. Sie wollten einfach auch „schick sein“ und „dabei sein“. So wie jeder Mitläufer das gerne möchte. Damals wie heute.

    Wenn sie wirklich mal sehen wollen, wie schlimm es um den deutschen Journalismus steht, dann rate ich ihnen dazu mal einige Tage ins FAZ-Pressearchiv zu gehen und sich die „Scheiße“ anzugucken die damals im Zusammenhang mit dem vorzubereitenden Irakkrieg (2002/2003) gelaufen ist. Da wurden in der FAZ regelmäßg kriegshetzerische Artikel abgeliefert (Tenor: „Deutschland muß den amerikanischen Freunden bei der anstehenden Irak-Invasion beistehen).
    Wenn sie sich das im Rückblick anschauen – und wir reden hier von der Planung und Durchführung eines völkerrechtswidrigen Kriegs – dann verstehen sie wie Propaganda im Westen funktioniert. Sich an der Verschleierung dieser Tatsachen zu beteiligen und gleichzeitig einen auf „BIN SERIÖSER JOURNALIST“ zu machen ist einfach erbärmlich.

    • Daniel Bröckerhoff

      Kurz kommentiert: Ich finde die Verwendung des Begriffs „Propaganda“ hier schwierig. Uwe Krüger konnte in seiner Studie bei den untersuchten Sprechern lediglich „Spuren von Propaganda“ nachweisen. Vielleicht fanden die FAZ-Journalisten damals den Krieg tatsächlich gerechtfertigt? Die Frage ist, wie transparent sie mit ihrer Haltung umgegangen sind.

      Warum mein Kernargument nicht schlüssig sein soll verstehe ich nicht. Wollen Sie keinen transparenten Journalismus, damit das, was sie „Propaganda“ nennen nicht mehr so einfach funktioniert?

    • QuestionMark

      Man wird den transparenten Journalismus einfach nicht bekommen, weil die entsprechenden Interessensgruppen daran schlicht nicht interessiert sind. Warum sollte ein Betrüger daran interessiert sein den eigenen Betrug transparent zu machen? Warum sollte ein Propagandist daran interessiert sein die publizierten Lügen (inklusive der Interessensverflechtungen) offenzulegen? Das ist doch ein Widerspruch in sich.
      Bestenfalls als Alibijournalismus findet so etwas statt (wissend das nur die wenigsten Leser überhaupt Zusammenhänge herstellen können und/oder wollen sogar wenn die entsprechenden Informationen vorliegen).

      Trotzdem gibt es Lichtblicke: Ein Anfang ist bereits mit dem enormen Auflagenrückgang bei den Printmedien gemacht. Diese Entwicklung kann man mit einem Boykott dieser Medien unterstützen und verstärken und dadurch mithelfen die entsprechenden Verlage eher in den Ruhestand zu schicken. Positiver Nebeneffekt: Auch die Propagandisten verlieren ihre Jobs und erhalten damit die wohlverdiente Quittung.
      Bei den öffenlich-rechtlichen Medien wird wohl nur eine Privatisierung fürs notwendige „Köpferollen“ sorgen können. Eine andere Möglichkeit gibt es wohl nicht mehr. Es ist wirklich ärgerlich, das der Bürger heute dazu gezwungen wird diese Shit-Propaganda mitzufinanzieren.

      Und zur FAZ und dem Irakkrieg: Jeder denkende Mensch hat damals gewusst was abgeht. Den Schwachsinn mit dem chemischen Waffen hat nur der naive Beobachter geglaubt. Eben deshalb musste man ja Propaganda machen. Motto: Die Lüge muß oft genug wiederholt werden damit sie geglaubt wird.

      Die Sache hat auf zweierlei Ebenen gestunken: 1. Warum sollte man ein Land angreifen das Massenvernichtungswaffen besitzt und diese einsetzt? (Die USA beispielsweise besitzen ABC-Waffen und haben diese wiederholt eingesetzt => Schwachsinnsargument) 2. Die ganze Geschichte mit den mobile Abschussrampen hat gestunken und deshalb gab es auch keine Rückendeckung durch die UN.
      Trotzdem hatte die FAZ weiter Propaganda betrieben und dadurch mitgeholfen einen völkerrechtswidrigen Krieg vorzubereiten.
      Dasselbe Spiel gab es übrigens bei den Angriffsvorbereitungen zu Syrien (böser Diktator, böse Chemiewaffen, „wir müssen angreifen“). Das sind alles keine Zufälle. Da wird mit System gearbeitet.
      Immerhin hat die Sache im letzteren Fall (Syrien) nicht funktioniert. Und das ist sicherlich nicht das Verdienst der Mainstream-Medien.

  9. Jan Haluszka

    Hallo,

    nehmen wir an das es so etwas wie Eliten gibt, und das sie über macht verfügen, und das sie bestrebt sind ihren Einfluss zu sichern, zu erweitern und auszuweiten. Wie kann man das als Elite bewerkstelligen?

    In einer grundsätzlich offenen Geselschaft geht dies z.B. indem man den Diskurs prägend beeinflusst, indem man wirkmächtige Ideen in den Umlauf bringt, und sie in der Öffentlichkeit hält.

    Auch elitäre Kreise sind nicht einer Meinung…, sie selbst müssen sich Organisieren, einen Konsens -basierend auf ihren Interessen- bilden. Das ist die Aufgabe von Think tanks. Ideen zu Formulieren, eine Verbindung verschiedener Gruppen herzustellen, sie zu koordinieren.
    Natürlich wird dort diskutiert…, aber es gibt auch einen Konsenss darüber das man, um an dem diskurs teilzunehmen -Zugang zu haben-, über diese Thnik Tanks nicht spricht oder schreibt. Schreibt man als Mitglied offen über sie, sinkt die wahrscheinlichkeit einer zuküftigen Einladung… Gleichzeitig ist es das ziel einer solchen Institution, das ihre Ideen über geeignete Multiplikatoren einzug in den öffentlichen Diskus finden.

    Jurnalisten die von ihrem Wertekorsett bereits eine hohe Deckung aufweisen, sind als Multiplikatoren bestens geeignet. Sie brauchen auch nicht Diktatorisch ‚auf linie gebracht‘ zu werden, da sie ja selbst zu der Elite gehören (und sich dessen bewusst sind) und an der formulierung der Ideen mitgewirkt haben….
    Macht wird somit subtiler ausgeübt als in einem Stalinsitischen system…, aber es geht um Macht!
    Das ‚Council of foreign relations‘ oder die ‚Trilateral comission‘ oder die ‚Initiative neue Marktwirtschaft‘ sind ja nicht von vertretern Mittellsoser mileus gegründet worden… Diese Institutionen werden zumeist aus verbindungen von Intellektuellen Strategen ( z.B. Zbigniew Brzeziński) und sehr reichen Persönlichkeiten (z.B. David Rockefeller) gegründet (z.B http://de.wikipedia.org/wiki/Trilaterale_Kommission ) und es ist ihre Aufgabe Politik zu beraten und zu Beeinflussen.

    Aufschlussreich sind die Beiträge von Andrew Gavin Marshall, der so weit ich es überblicke, gut recherchierte Artikel über die wirkweise dieser Machtstrukturen verfasst.
    http://www.occupy.com/article/introducing-global-power-projec

    mfg Jan Haluszka


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