Warum ich Ken Jebsen eine Vollhupe nenne und andere Antworten

Mein ZAPP-Kommentar/Rant in der Zapp-Sendung vom 14.5. hat für einigen Wirbel im Netz gesorgt. Ich erlebte meinen ersten kleinen Shitstorm und weiß jetzt, dass ich es eher amüsant als beleidigend finde, wenn mich Wildfremde im Netz als „Bastard“ oder „Deutsche Missgeburt“ beschimpfen.  Es gab neben den üblichen Entgleisungen auch jede Menge sachliche Kritik, die ich durchaus ernst nehmen und der ich mich als Journalist, der einen offenen Journalismusansatz lebt, gern gestellt habe und weiterhin stellen will.

Menschen fühlten sich falsch dargestellt

Interessanterweise ging es in den wenigsten Wortmeldungen um das Thema des Kommentars: Intransparent arbeitende Journalisten, die Mitglieder in Interessengruppen wie der Atlantik-Brücke sind – teilweise sogar in verantwortungsvollen Positionen – und die so ihre journalistische Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzen.

Stattdessen regten sich viele Sprecher über meine Befürchtung auf, dass der so ausgelöste Vertrauensverlust dazu führen kann, dass Demagogen, Polemiker und Menschen mit einfachen Welterklärungsmustern Zulauf bekommen. Dazu zeigte ich einen sehr kurzen Ausschnitt aus einer Berliner „Montagsdemonstration für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit“, was mir letztendlich die große Netz-Aufmerksamkeit bescherte, da sich viele Teilnehmer und Sympathisanten falsch dargestellt fühlten.

Mit Verallgemeinerungen macht man es sich zu leicht

Ich hab damit ehrlich gesagt nicht gerechnet, muss aber zugeben, dass ich wohl etwas naiv gewesen bin. Mit Menschen, die sich von den sogenannten „etablierten Medien“ ohnehin nicht ernst genommen bis diffamiert fühlen, hätte ich sorgsamer umgehen können. Die Verallgemeinerung „Montagsdemos = Verschwörungsheinis“ wird einer so stark heterogenen Gruppe wie den Montags-Mahnwachen nicht gerecht.

Auf der anderen Seite ist der Rant (die Wutrede) eine stark emotionale und sehr subjektive Kunstform und sollte daher auch bewusst polemisch verfasst sein. Aber: ohne diese Verallgemeinerungen hätte es letztendlich nicht die Aufmerksamkeit und damit auch nicht den Austausch der letzten Tage gegeben, der mich auch bereichert hat.

Und jetzt: das Zapp-transatlantische-Journalisten-Rant-FAQ!

Im Folgenden hab ich die am häufigsten gestellten Fragen an mich und meine Antworten darauf zusammen gestellt. Quasi das Zapp-transatlantische-Journalisten-Rant-FAQ (der besseren Lesbarkeit halber habe ich nicht gegendert, mit „Journalist“ und „Leser / Zuschauer“ sind immer Männer und Frauen gemeint):

Was wollten Sie uns eigentlich mit diesem Beitrag sagen?

Journalisten – auch solche in Führungspositionen – haben meiner Meinung nach in keinem Verein, keiner Interessensgruppe und in keiner Partei zu sein, die in irgendeiner Form politischen Einfluss ausüben will. Erst Recht nicht, wenn sich diese Institutionen mit Themen befassen, über die die Journalisten beruflich berichten und auf gar keinen Fall dürfen sie dort verantwortungsvolle Positionen übernehmen.

Ich habe mich im Film als Kompromiss darauf eingelassen, dass die Kollegen, die sich diesen strengen Richtlinien nicht beugen wollen zumindest transparent machen müssen, in welchen Gruppen sie Mitglied sind. So wird wenigstens nachvollziehbar, aus welchen Quellen sie sich bedienen und aus welcher ideologischen Richtung sie möglicherweise argumentieren. Trotzdem hab ich ein großes Problem, wenn ich das Gefühl habe, dass Journalisten zu Aktivisten werden (nicht zu verwechseln mit Akteuren, das sind sie immer).

(Update, 29.5.2014, 23.14h: Ich habe den letzten Satz gestrichen, weil ich ihn nach einer nochmaligen Auseinandersetzung mit dem Aktivismus-Verständnis von Glenn Greenwald nicht mehr so stehen lassen kann. Folgt man Greenwald, so ist nicht das Problem, dass hier eine Grenze überschritten werden könnte, sondern dass Journalisten mit intransparenten Mitgliedschaften in solchen Gruppen zum einen der Gefahr aussetzen, eine zu hohe Loyalität ihnen gegenüber zu entwickeln und dass sie ihrem Publikum wichtige Informationen vorenthalten.)

Natürlich gibt es Ausnahmen. Gruppen wie „Reporter ohne Grenzen“, der „DJV“ oder „Netzwerk Recherche“, die sich mit Journalismus als Branche auseinandersetzen und sich für Journalisten einsetzen, müssen von Journalisten organisiert und mitgetragen werden.

Als Medienjournalist habe ich mich aber auch hier dagegen entschlossen Mitglied bei einem Verein zu werden, weil ich im Zweifel über diese Gruppen berichten können muss, ohne in einen Interessenskonflikt zu geraten. Abgesehen von diesen Spezialfällen ist es mir immer wichtig, dass Journalisten so transparent und offen arbeiten wie möglich.

Warum erfahren wir erst aus einer Satire-Sendung davon, dass führende Journalisten in transatlantischen Netzwerken aktiv sind?

Die Studie von Uwe Krüger, aus der sich auch „Die Anstalt“ bedient hat ist keinesfalls brandneu und unbekannt. ZAPP hat Herrn Krüger schon Anfang März 2014 für einen Beitrag über genau die Problematik interviewt, mit der er sich in seiner Studie beschäftigt hat.

Die sehr unterhaltsame und etwas vereinfachte Darstellung der „Anstalt“-Kollegen ist natürlich besser geeignet, die Erkenntnisse der Studie einem breiten Publikum zu vermitteln. Auch mir ist die Studie in diesem Zusammenhang erst wirklich aufgefallen, meiner Empörung hab ich in einem Blogeintrag Ausdruck verschafft. Die große Resonanz darauf hat schließlich dazu geführt, das Thema noch einmal für Zapp aufzubereiten.

Wieso bezeichnen Sie Ken Jebsen als „Vollhupe“?

Weil er laut hupt. Ich beobachte seine Arbeit schon seit langem und hatte das Gefühl, dass er im Laufe der Jahre immer lauter wurde; in Wortwahl, Begrifflichkeiten, in Thesen, aber auch ganz profan im Auftreten. Insbesondere seine Reden rund um Medienkritik und die Montagsdemos haben bei mir einen negativen Eindruck erzeugt.

Ein Beispiel: Der Beginn einer Rede von Jebsen im Rahmen einer Montagsdemo im März 2014. Jebsen beklagt sich darin über die geringe Teilnehmerzahl, obwohl er der Meinung ist, dass die Demo jeden angehe. Schließlich würden von ihm nicht näher benannten Akteure „aus Übersee“ nicht wollen, dass sich Europa und Russland „zu gut“ verstehen und daher „muss ein Krieg her“: „Denn nur am Krieg, am Auseinanderdividieren kann man Macht… kann man Geld machen“. Wer „man“ ist, welche Akteure hier angeblich kriegstreiberisch tätig werden, welche Belege er für diese Vorwürfe hat – alles unklar.

Der Grund, warum nicht mehr Berliner zu der Demonstration kommen liegt für Jebsen jedoch sehr klar auf der Hand:

Es sind nur ein paar hundert hier. Warum? Weil unsere Medien nicht darüber informieren. Und warum informieren unsere Medien nicht darüber? Weil unsere Medien schon lange nicht mehr unsere Medien sind, oder anders, sie waren es auch nie: unsere Medien. Diese Medien sind Propagandainstrumente, um uns das Gehirn zu waschen.

Als Beleg verweist er auf die Studie von Herrn Krüger:

Es gibt den Alphajournalismus, der direkt aus dem Nato-affinen Milieu gespeist wird in der FAZ, in der Zeit, in der Welt und in der Süddeutschen Zeitung und diese Leute geben in den Zeitungen die Kernthesen vor. Es gibt keine innere Pressefreiheit.

Was Jebsen hier verschweigt: Krüger kommt in der Studie zu dem Schluss, dass bei den untersuchten Journalisten zwischen der Mitgliedschaft in transatlantischen Vereinigungen und den vertretenen Meinungen kein einfacher Zusammenhang nachgewiesen werden kann:

Wenn Kommentare und Leitartikel den Elitendiskurs fortschreiben und dessen Prämissen nicht kritisch hinterfragen, muss das nicht heißen, dass sie von unsichtbaren Händen mitgeschrieben wurden bzw. dass eine kognitive Vereinnahmung durch ein Milieu vorliegt; es kann genauso gut heißen (…), dass die Netzwerke aufgrund einer bereits vorhandenen geistigen Nähe zwischen Journalisten und Eliten erst entstanden sind. (In: Meinungsmacht. Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten – eine kritische Netzwerkanalyse, Uwe Krüger, Halem Verlag 2013, S. 258)

Der Kollege Paul Schreyer (Telepolis) versuchte mich davon zu überzeugen, dass die Fakten, die Jebsen und andere ansprechen, sich nicht mit einem persönlichen Angriff auf seine Glaubwürdigkeit oder seine Rhetorik wegwischen lassen. Das ist auch nicht meine Absicht gewesen. Aber ich muss einem Sprecher vertrauen, dass er Fakten korrekt auswählt, fair gewichtet und einigermaßen ausgewogen bewertet. Dass er dialogbereit ist, bereit ist, Fehler einzuräumen und eher zu gemäßigten, denn zu extremen Tönen greift, um die von ihm genannten Fakten in meine Überlegungen mit einzubeziehen.

Dieses Vertrauen habe ich zu Herrn Jebsen nicht. Noch weniger, seitdem er sich in meinen Augen aktivistisch im Umfeld der Montagsdemos betätigt, in dem online zur Teilnahme auffordert und dort Reden wie die gerade zitierte hält. Für mich ein journalistisches NoGo ist (siehe erste Antwort).  (Update, 29.5.2014, 23.23h: Auch hier muss ich noch einmal korrigieren. Das Problem ist – folgt man Greenwalds Aktivismus-Ansichten – nicht so sehr der Aktivismus von Jebsen, sondern vielmehr die Art und Weise, wie er sich betätigt und äußert: In teilweise radikaler, stark vereinfachter, unkonkreter Weise, die wenig mit nachprüfbarem Journalismus und Fakten, sondern mehr mit Polemik  zu tun hat.)

Warum haben Sie Herrn Jebsen nicht angefragt und zu Wort kommen lassen?

Herr Jebsen war nur eine Randfigur in diesem Beitrag, von daher hielt und halte ich es nicht für geboten, ihn hier anzufragen. Die Kernfrage dreht sich um die Journalisten in (transatlantischen) Interessensgruppen, nicht um Herrn Jebsen.

Warum diffamieren Sie die Montagsmahnwachen als „Verschwörungsheinis“?

Wie in der Einführung schon geschrieben ist das eine Verallgemeinerung, die mir mittlerweile etwas leid tut und die mich selber leicht ärgert, auch wenn Sie für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Es ist allerdings nicht zu bestreiten, dass sich auf den Montagsdemos Menschen aller möglichen Couleur und Weltanschauungen versammeln.

Die mit den einfachen Erklärungen, wer „Schuld“ am Zustand unserer Welt ist und den Beschuldigten dann auch noch (oft ohne Belege) eine Absicht beziehungsweise einen Plan unterstellen habe ich unter dem Sammelbegriff „Verschwörungsheinis“ zusammen gefasst. Dass sich davon auch die mit den komplexen Erklärungsversuchen, den offenen Lösungsansätzen und mit dem einfachen Wunsch nach „Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit“ diffamiert fühlen, war nicht beabsichtigt.

Warum ist der Beitrag so subjektiv und nicht objektiv, wie es sich für Journalismus gehört?

Die kurze Antwort: Es ist ein Rant, ein Kommentar, meine subjektive Sicht der Dinge und als solcher auch klar zu erkennen. Objektiven Journalismus gibt es nicht.

Die lange Antwort hier: Es ist mir (und auch dem Journalismusforscher Uwe Krüger, mit dem ich noch einmal ein längeres Gespräch geführt habe, siehe unten) aufgefallen, dass einige Sprecher einen Journalismus gefordert haben, der objektiv und unparteiisch ist und dem Leser / Zuschauer nicht vorschreibt, was er wie zu denken oder zu interpretieren hat.

Es ist für mich als Journalist aber völlig unmöglich, ein objektiver Beobachter zu sein. Die Masse an verfügbaren Fakten, Perspektiven, Meinungen und Deutung ist schlichtweg zu groß. Um ein angenehm zu konsumierendes Stück Journalismus zu schaffen, muss ich filtern. Wie ich die Informationen filtere ist schon sehr subjektiv und wird von meiner Sozialisation, meinen Einstellungen und meinen Erfahrungen mitbestimmt.

Ich muss als Journalist natürlich auch Sichtweisen gleichberechtigt behandeln, die überhaupt nicht meinen eigenen entsprechen. Doch letzten Endes haben Journalisten auch immer ein Mitteilungsbedürfnis und wollen die Sicht vermitteln, die sie für die „richtige“ halten.

Redaktionen sind hier ein wichtiges Instrument, um gegenzusteuern, denn sie bieten im besten Falle schon die erste Instanz, um den Infofilter nicht zu einseitig werden zu lassen. Bei Zapp streiten und diskutieren wir zum Beispiel oft heftig über Themen und mögliche Sichtweisen – für mich ein Ausdruck von innerer Pressefreiheit und einer „gesunden“ Redaktion.

Ich stelle mich aber unter anderem mittlerweile deswegen lieber selbst vor die Kamera, um dem Gesagten ein Gesicht zu geben, um klar zu machen, dass hier ein Mensch spricht und keine abstrakte Institution. Als Reporter für die EinsPlus-Sendung „Klub Konkret“ ist es sogar meine Aufgabe, subjektiv zu erleben und wahrzunehmen und darüber zu berichten.

Interessanterweise kommen die Vorwürfe an „parteiischen Journalismus“ immer von denjenigen, die in dem Film, Beitrag oder Artikel nicht ihre Sicht auf die Welt wiederfinden. Anstatt die vermittelte Perspektive als „mögliche Deutung“ in ihre Geisteshaltung mit aufzunehmen, wird die verursachte „kognitive Dissonanz“ lieber damit bekämpft, dass man dem Journalisten mitteilt, er habe wohl nicht mehr alle Latten am Zaun.

Haben Sie als Vertreter der etablierten Medien Angst vorm Verlust Ihrer Deutungshoheit?

Klare Antwort: Nein. Ich habe nicht das Gefühl, über ausgesprochen viel „Deutungshoheit“ zu verfügen. Von daher habe ich auch nicht viel zu verlieren.

Wieso haben Sie Herrn Krüger als Autoren der Studie nicht selber befragt?

Uwe Krüger hat durch seine Studie die Debatte mit ausgelöst, aber genau wie Ken Jebsen ist er keine Hauptfigur. Deshalb habe ich davon abgesehen, ihn zu interviewen. Ich habe mich trotzdem länger mit Herrn Krüger unterhalten, weil ich wissen wollte, wie er über die Debatte und den Film denkt.

Er teilte mir erfreulicherweise mit, dass er für den Rant und die daraus folgende Diskussion sehr dankbar ist. Besonders mein Interview mit Herrn Kornelius habe ihm sehr geholfen, seine Position nochmal zu überdenken:

„Ich finde es wichtig, die Verbindungen zu den Organisationen einzeln zu diskutieren und jeweils zu differenzieren – auch wenn ich weiterhin meine, dass zum Beispiel ein Engagement in der Bundesakademie für Sicherheitspolitik sehr problematisch ist. Es ist ja sehr erfreulich, dass Herr Kornelius sich jetzt äußert, davor habe ich Hochachtung. Ich würde mich freuen, wenn sich auch die Kollegen von ‚Faz‘, ‚Zeit‘, ‚Welt‘ oder ‚Bild‘ öffentlich positionieren.“

Krügers Forschung zu den Netzwerken habe ihm auch die Augen geöffnet, was die Frage nach neutralen Journalismus angeht:

„Ich habe auch immer an den Journalisten als neutralen Beobachter geglaubt, und es war ein Schock für mich, als ich feststellte, dass zum Beispiel Journalisten der Zeit bei den Bilderberg-Konferenzen saßen, dort sogar über Themen und Teilnehmer mitentschieden und in vertrauliche Politikplanungsprozesse eingebunden waren. Das widerspricht ihrer Rolle als Anwalt der Öffentlichkeit, und da werden sie von Beobachtern zu Akteuren, das geht nicht.“

Ist die Studie von Herrn Krüger jetzt glaubwürdig oder nicht?

Soweit ich die Studie in Auszügen gelesen habe, hat Herr Krüger allgemein gültige wissenschaftliche Methoden verwendet und kommt zu Schlussfolgerungen, die ich aus meiner Erfahrung so teilen würde. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang das bereits zitierte Fazit, in dem Herr Krüger  ganz klar die Grenzen von Journalismusforschung aufzeigt.

Mir persönlich scheint das untersuchte Sample, mit dessen Hilfe Herr Krüger die Einstellungen der untersuchten Journalisten nachweisen möchte etwas dünn. Eine gründliche Diskursanalyse würde hier sicher zu noch differenzierteren Ergebnissen kommen.

Wieso haben Sie Herrn Kornelius seine Aussage, er würde sich von den Netzwerken, in denen er Mitglied ist nicht beeinflussen lassen unwidersprochen durchgehen lassen?

Wie von Herrn Krüger in seiner Studie aufgezeigt, ist es fast unmöglich nachzuweisen, ob Journalisten wie Herr Kornelius sich von diesen Mitgliedschaften beeinflussen lassen oder nicht.

„Es wird völlig übersehen, das im Vordergrund ein Unbehagen über eine tendenziöse Berichterstattung steht und die Vernetzung in Lobbys eine Erklärung dafür liefert.“

Das stimmt so nicht. Im Film weise ich klar darauf hin, dass es schwierig scheint, neutral über ein Thema zu berichten, wenn man Mitglied in einer Interessensgruppe ist, die mit dem Thema zu tun hat. Die Vernetzung in diesen Vereinigungen liefert eine Erklärung, mit denen sich „Verschwörungsheinis“ vermeintliche Zusammenhänge erklären. Auch darauf weise ich klar hin.

Glauben Sie denn ernsthaft alles worüber die etablierten Medien berichten oder was bei uns im Fernsehen gezeigt wird?

Nein. Aber ich glaube nicht an ein umspannendes Netzwerk von etablierten Leitmedien, die sich in ihrer Berichterstattung absprechen, Fakten unterschlagen und die öffentliche Meinung klar steuern, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Die Medien aus dem Hause Axel-Springer nehme ich hiervon allerdings klar aus.

Würden Sie den Beitrag so noch einmal machen?

Jein. Ich würde die Montagsdemos nicht so allgemein abfrühstücken. Und ich würde das Ende weniger versöhnlich halten. Heute würde ich das Versprechen von Herrn Kornelius, künftig transparenter zu arbeiten, mit den Worten: „Ich werde das im Auge behalten“ abmoderieren.

Hier wurde der Film diskutiert / kritisiert:

 

Dieser Artikel erschien zuerst im ZAPP-Blog Zappenduster.

 

//Update, 24.5.2014, 18:33//

Dieser Artikel von Kollege Markus Klöckner zum Gesamtkomplex „Machteliten und Leitartikler“ ist überaus lesenswert und sehr differenziert. Ausdrückliche Leseempfehlung!

//Update, 27.5.2014, 11:35//

Telepolis-Kollege Paul Schreyer zitiert aus dem Brief des Zeit-Herausgeber Joffes Brief an den ZDF-Chefredakteur Peter Frey wegen des Ausschnitts in „Die Anstalt“, den ich auch in meinem Kommentar verwendet habe. Und der Leipziger Journalismusforscher Uwe Krüger, dessen Studie der Streit zugrunde liegt wehrt sich im Interview mit Telepolis-Kollege  gegen die Vorwürfe von Kornelius, er wolle in die Hirne der Journalisten schauen.

//Update, 27.05.2014 11:56//

– wichtige Befunde ausblenden, verkürzen und durch die Präsentationsform vom eigentlichen Thema ablenken

– manipulativ und arbeitsteilig mit Kornelius zusammen wirken

– Herr Kornelius Raum bieten, eine „falsche Behauptung über den Urheber der Studie Uwe Krüger“ aufzustellen und diese „dank Widerspruchslosigkeit quasi als angemessen“ darstellen (es geht um das Zitat von Kornelius, Krüger wolle „in die Hirne der Journalisten kriechen“)

– kritikbetäubende Zerrdarstellungen publizieren und diese als Meinungsäußerung verschleiern

– suggerieren, dass Kritik und Hinterfragen grundsätzlicher Art des Mediensystems von vornherein in die Ecke von “Verschwörungstheorien”  gehört

– mich inkonsistent verhalten, weil ich im Film Krügers Fazit ausgelassen, im Artikel aber aufgeführt habe, aus dem hervorgeht, dass Krüger also offenbar tatsächlich nicht so schlicht argumentiert, „wie es im ZAPP-Beitrag durch Herrn Kornelius behauptet und von Herrn Bröckerhoff selbst (u.a. durch Widerspruchslosigkeit) transportiert wird“

Hier meine Antwort an ihn:

Hallo Herr Jaworski,

vielen Dank für die dezidierte Ausführung. Den Großteil Ihrer Anschuldigungen weise ich entschieden zurück (bewusste Manipulation, Herunterspielen von Kritik, Ablenkung vom Thema, Zerrdarstellungen, Inkonsistenz). Ich habe leider keine Zeit, jetzt im Einzelnen darauf einzugehen. In meinen Augen führt das hier auch zu nichts, da ich nicht den Eindruck habe, dass ich Sie vom Gegenteil überzeugen könne.

Was ich jedoch nach wie vor hoch interessant finde: Meine Kernaussage, dass Journalisten in solchen Gruppen nicht Mitglied sein sollten und wenn sie meinen, sie müssten das tun, das so transparent wie möglich zu machen haben („tätowiert es euch auf die Stirn!“), damit sie ihre beschädigte Glaubwürdigkeit retten können, führen Sie hier weder auf noch gehen Sie darauf ein. Stattdessen konzentrieren Sie sich hier auf Dinge, die in meinen Augen eher Nebenschauplätze und Detailfragen sind. Ich frage mich, wieso Sie das tun?

Entweder muss ich mir das selber vorwerfen und meine Kernaussage wird im Film nicht deutlich genug. Oder sie wollen hier einen künstlichen Graben schaffen, was ich mir nicht erklären kann. Denn im Grunde sind wir uns glaube ich sehr einig.

Ich frage mich auch, warum Sie hier Herrn Krüger so glühend verteidigen, wenn er mir persönlich am Telefon gesagt hat, dass ihm der Film gut gefallen habe, er dankbar sei, dass die Debatte jetzt fortgeführt wird und das Interview mit Kornelius ihn sehr weitergebracht habe. Herr Krüger – so meine Schlußfolgerung – muss gar nicht verteidigt werden. Ich werde ihm mal ihre Vorwürfe zukommen lassen und bin gespannt, was er dazu sagt.

Was mir allerdings nicht gefällt ist Ihre Gnadenlosigkeit den sogenannten „Eliten-Journalisten“ gegenüber, die hier von Herrn Kornelius vertreten werden. Er hat den Dialog selber gesucht, er gesteht Fehler ein und vielleicht ist der Weg der Selbsterkenntnis, der von ihnen hier (und auch im Interview von Greenwald) gefordert wurde ja jetzt bereitet. Aber dafür muss man sich auch gegenseitig die Hand reichen, sonst verhärten sich die Fronten nur. (Mir ist übrigens bewusst, dass ich das im Falle der Montagsdemos im Film selber falsch gemacht habe. Ich nenne es Selbsterkenntnis.)

Mit freundlichen Grüßen,

Daniel Bröckerhoff



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