8 Thesen zum Umgang mit Überwachung und Datenschutz

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Im Klub Konkret reden wir heute ab 21:45 live auf Einsplus über das Leben nach dem Überwachungsskandal. Edward Snowden hat enthüllt, was besonders Paranoiker immer geahnt haben: Die amerikanischen Geheimdienste schnorcheln an Daten aus dem Netz ab, was sie nur in die Finger kriegen können. Doch auch viele Unternehmen sammeln an Daten über uns, was sie in die Finger kriegen können.

Für die Sendung bin ich gestern in eigenwilliger Kostümierung als neugieriger, aber ahnungsloser Intellektueller über die Bloggerkonferenz re:publica gestreift und hab Vordenker, Mitdenker und Lautsprecher gefragt: Wie gehen wir jetzt mit diesem Wissen um?

Kurz zusammengefasst:

► Klub Konkret zur re:publica 2014, HEUTE live aus Berlin.
Location: „Große Schwester“, Mehringdamm 61
► Ab 21:45 Uhr live auf EinsPlus und www.einsplus.de
Mehr Infos gibt es auf der Seite von Klub Konkret

 

1.) Jan Albrecht (Grüner Europapolitiker):

Müssen Politiker für besseren Datenschutz in die Pflicht nehmen!

Davon nimmt er sich selber nicht aus. Also Druck machen auf Politiker, dass sie sich für besseren Datenschutz einsetzen. Denn da passiert noch viel zu wenig, sagt er.

 

2.) BILD-Chef Kai Diekmann:

Wir müssen Bewusstsein schaffen, was mit Daten passiert.

Klingt ein bißchen nach Binsenweisheit, ist aber tatsächlich für den Chef der meistgelesenen Tageszeitung Deutschlands eine Ansage. Denn wenn Diekmann sagt, dass über Datenschutz berichtet wird, dann lesen das ein paar Millionen. Auch wenn das nicht alle verstehen oder gut finden. Bleibt zu hoffen, dass die BILD ihre Marktmacht nicht nur für „Schlümm schlümm schlümmes Internet“ nutzt. Sondern tatsächlich für Aufklärung. Träumen darf man ja mal.

 

3.) Stephan Urbach, Hacker und Aktivist:

Wir müssen die Bevölkerung aufklären und ihnen klar machen, dass nur sie was ändern können.

Stephan ist gerade in die USA gereist, um dort aufzuklären, was die US-Regierung und die Geheimdienste dort alles veranstalten. Die Ressonanz war sehr positiv. Es ist aber ein Langzeitprojekt, das gibt er zu.

 

4.) Daniel Decker (www.kotzendes-einhorn.de):

Wenn wir keine Angst mehr haben müssen, müssten wir uns nicht schützen.

Die Post-Privacy-Debatte hat sich damit schon lange auseinandergesetzt. Und auch wenn er es für eine Utopie hält, findet er den Gedanken, dass wir keine Angst mehr haben müssen und uns daher so zeigen können wie wir sind trotzdem schön und erstrebenswert.

5.) Anke Domscheit-Berg:

Brauchen internationales #Überwachung-Abrüstungsankommen!

Sie vergleicht diese Idee mit den atomaren Abrüstungseinkommen zwischen den ehemaligen Blockstaaten im Westen und Osten. Alle Seiten sollen die Überwachung runterschrauben – zum Wohle der Bürger.

6.) Sascha Pallenberg, Tech-Blogger:

Mir muss klar sein: Wenn ein Produkt umsonst ist, werde ich selbst zum Produkt.

Sascha meint, dass wir als Konsumenten viel zu leichtsinnig sind, wenn wir kostenlose Produkte nutzen. Was nichts kostet, ist nicht kostenlos. Stattdessen zahlen wir mit unseren Daten. Alte Regel, gilt immer noch.

7.) Markus Beckedahl, Blogger & Aktivist:

Wir brauchen einfacherere Verschlüsselung, denn Verschlüsselung ist Schutz gegen Überwachung!

Von Markus hab ich leider kein Bild gemacht, weil er so gestresst war. Er wünscht sich eine Aufklärungskampagne ähnlich der AIDS-Aufklärung in den 90ern. Verschlüsselung ist für ihn wie Kondome nutzen. Etwas aufwändiger, aber sicherer.

8.) Friedemann Karig, Journalist & Blogger

Wir brauchen neue Erzählungen, um das Problem allen bewusst zu machen!

Noch konkreter als Kai Diekmann und Stephan Urbach ist Friedemann Karig, der meint, dass vielen nicht klar ist, was passieren kann, wenn jeder Winkel unseres Lebens ausgeleuchtet und überwacht wird. „Neue Narrative“ nennt er das und seine Lieblingsthese lautet: „Überwachung macht impotent!“. Von ihm konnte ich leider auch aus Zeitmangel kein Bild machen.

Was ist eure These?

Was sind eure Thesen zu Überwachung und Datenschutz? Ab in die Kommentare damit!



  1. Mirko Lange

    Ich denke wir brauchen mindestens zwei Debatten, beide aber ganz sachlich.

    Die eine ist, was dem einzelnen Bürger durch Überwachung droht. Und zwar ganz realistisch. Nicht „Drama, Baby“. Warum sollte denn der Einzelne „verschlüsseln“? Ist das wirklich wie „Aids“? Welche Gefahren drohen denn? Also ganz konkret? Auch über das „Wer überwacht wird, ist nicht frei“ hinaus. Denn wenn die Leute keine Angst haben, dann ist auch ihre Freiheit nicht eingeschränkt. Da macht es keinen Sinn, ihnen Angst zu machen. Und vielleicht macht es auch Sinn zuzugestehen, dass dem „normalen Bürger“ vielleicht wirklich keine Gefahr droht. Schon lange keine solche Gefahr, wie bei Aids.

    Und die zweite Debatte ist, was Überwachung für eine Auswirkung auf das „System“ hat. Wenn z.B. Künstler oder Aktivisten oder Journalisten überwacht werden. Welche Rolle spielen Menschen, die sich „am Rande der Legalität“ bewegen? Wie wichtig sind die für die Demokratie? Was würde passieren, wenn man bei deren Freiheit einschränken würde. Denn diese sind tatsächlich gefährdet. Ganz konkret. Das versteht auch jeder. Aber man muss dem einzelnen wohl erklären, warum es sich lohnt, sich für diese einzusetzen.


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