Was käufliche Kinder-Nacktfotos mit der NPD zu tun haben

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Beide legal, beide lehne ich ab: kommerzielle Nacktfotos von Kindern & die NPD (Collage: Google-Suche / NPD-Logo, (c) D. Bröckerhoff)

Mit acht Jahren begann ich mit dem Kanufahren. Der Verein in Duisburg wurde von einem Lehrer Mitte 50 geleitet; im Keller seines Hauses, das gleichzeitig als Vereinsheim diente, bewahrte er die Boote auf – und jede Menge Nacktfotos von Jungen, geschossen bei diversen Vereinsfahrten.

Sie hingen offen an den Wänden, zeigten Jungen in meinem Alter und älter beim Spielen, Kanufahren, Schwimmen – immer nackt. Sie waren mir unangenehm. Ich hatte Angst, eines Tages auch auf so eine Fahrt zu gehen und mich dann nackt fotografieren lassen zu müssen.

Ich ging auf Kanufahrten – meine Eltern waren jedoch so verantwortungsbewusst und fuhren stets mit. Auch sie hatten glaube ich ein merkwürdiges Gefühl. Angesprochen haben sie die Fotos meines Wissens jedoch nie. Vermutlich wäre es ihnen unangenehm gewesen. Die Fotos waren schließlich legal.

„Nur“ eine Frage der Moral?

So legal, wie es das Material sein soll, das sich Ex-MdB Sebastian Edathy bei einem kanadischen Anbieter bestellt hat, wie er mittlerweile offen zugibt. Auch wenn bislang nur die Ermittler diese Bilder gesehen haben, also auch so gut wie keiner sagen kann, ob es sich um eindeutig legales oder illegales Material handelt. Und selbst dann ist dieser Bereich mehr grau als schwarz oder weiß.

Die Diskussion dreht sich daher mittlerweile vor allem darum, welcher Politiker, Staatsanwalt, Ermittler wem was gesteckt haben soll, ob es sich dabei um Strafvereitelung oder Verletzung des Amtsgeheimnis gehandelt hat und ob Edathys Privatsphäre nicht völlig zu Unrecht öffentlich hingerichtet wurde.

Heribert Prantl schreibt dazu:

Solches Verhalten ist, siehe oben, womöglich keine Strafvereitelung – aber Verletzung eines Dienstgeheimnisses; um ein solches handelt es sich nämlich auch dann, wenn sich herausstellt, dass die strafrechtlichen Vorwürfe gegen Edathy keine Substanz haben.

Es geht womöglich (nur?) um Moral – und dann um die Frage, mit welcher Moral Justiz, Politik und Öffentlichkeit darüber berichten und richten.

„Nur“ eine moralische Frage, ob ein MdB derartiges Material besitzen darf? Weit gefehlt. Denn Strafrecht orientiert sich vor allem an Moral, auch und gerade wenn es um Sexualität handelt. Homosexuelle Handlungen zwischen Männern waren in der BRD bis 1973 verboten, bis 1994 durfte man sich nur unter Erwachsenen homosexuell vergnügen, erst dann wurde der  §175 aufgehoben.

Das Vorgehen von Staatsanwaltschaft war falsch

Richtig ist: Das Vorgehen der Staatsanwaltschaft und des Gerichtes, das den Durchsuchungsbeschluss durchwinkte, war nach Meinung von vielen Experten falsch, weil auf Spekulationen gestützt. Dazu lohnt es sich, das Interview des Deutschlandfunks mit Monika Frommel, emeritierte Professorin für Strafrecht zu lesen.

Alternativ kann man sich auch diese Folge „Jung und naiv“ ansehen:

Wie mit Edathy verfahren wurde ist in meinen Augen jedoch nicht so, als ob man bei Alkoholabhängigen zuhause nach illegalen Drogen suchen würde, wie Tilo im Video meint. Denn Abhängige schaden sich vor allem selber. Konsumenten von Nacktfotos Minderjähriger schaden jedoch den Abgebildeten.

Es ist eher so, als ob jemand, der im Netz NPD-Aufkleber bestellt auf einmal die Polizei im Schlafzimmer stehen hätte. Schließlich kann es ja sein, dass NPD-Anhänger auch Rechtsextrem oder -radikal sind. So ein Vorgehen wäre ohne konkrete Straftat in Deutschland illegal, denn die NPD ist legal – genau wie Bilder dieser Art. Aber genauso lehne ich sie ab. Und ebenso wäre jede öffentliche Person in Deutschland in Erklärungsnot, wenn sie mit NPD-Material erwischt würde. Das rechtfertigt aber keine Hausdurchsuchung.

Aber während es bei der NPD seit Jahren Bemühungen gibt, die Partei zu verbieten, ist bei kommerziell hergestellten Nacktfotos von Minderjährigen diese Diskussion nicht in Sicht. Und genau das sollte in meinen Augen der Fall Edathy ändern, wenn er denn überhaupt für irgendwas taugen soll.

Ein schwieriger Bereich

Mir ist klar: Es ist ein schwieriger Bereich. Wann werden Fotos kommerziell hergestellt, wann handelt es sich um Kunst, wann um ein Privatvergnügen fürs Familienalbum? Nacktheit sollte auch in meinen Augen nicht mehr tabuisiert werden als notwendig, aber trotzdem müssen Minderjährige immer vor Mißbrauch geschützt werden – und sei es nur der Mißbrauch durch Fotos, die ihre Privatsphäre und ihre Würde verletzen können. Dafür müssen die Betroffenen nicht mal ihre Genitalien in die Kamera halten.

Lösen lässt sich das indes nur schwer. Wo die Grenze ziehen zwischen legalen Nacktfotos als Erinnerung für später und kommerzieller Ausbeutung? Vielleicht sollte geregelt werden, dass nur die Erziehungsberechtigten Kinder nackt fotografieren dürfen, diese Fotos wenn überhaupt dann nur in einem künstlerischem Rahmen veröffentlicht werden dürfen und eine kommerzielle Nutzung ausgeschlossen ist.

Ja, unter Umständen beschneidet man damit die Kunstfreiheit und ein Film wie „Pretty Baby“ mit Brooke Shields wäre so niemals gedreht worden. Wäre das vertretbar, um Mißbrauch vorzubeugen? In meinen Augen schon.

Was ich nicht will

Ich möchte jedoch kein Totalverbot von Nacktfotos Minderjähriger, keine Nacktheits-Hysterie wie in den USA. Ich will meine Tochter am FKK-Strand oder in der Badewanne fotografieren dürfen. Ich will diese Bilder auch den Leuten zeigen können, von denen ich meine, dass sie die sehen dürfen oder dass sie sie etwas angehen. Aber ich würde diese Fotos niemals öffentlich machen, geschweige denn verkaufen. Und das erwarte ich eigentlich auch von allen Eltern dieser Welt.

Ich möchte nicht, dass Menschen Kinder aus niederen Beweggründen nackt fotografieren, diese Fotos verkaufen, kaufen, sich daran aufgeilen. Es geht mir dabei weniger um Strafe. Und mir ist auch klar, dass Verbote keine Probleme lösen. Aber  dass Menschen, die sich von Kindern sexuell angezogen fühlen in meinen Augen ein Problem mit ihrer eigenen Sexualität haben. Sie brauchen Hilfe, wie es dieses Projekt der Berliner Charité anbietet. Vor allem, um Minderjährige zu schützen.

Es scheint Edathy klar gewesen, dass er etwas Grenzwertiges tut, wen man den Berichten Glauben schenken darf, dass er sich hinter diversen Mailadressen und Kreditkarten versteckt hat, um seine Identität zu verschleiern. Ich bin für eine offene Gesellschaft, in der jeder seine sexuellen Präferenzen ohne Angst vor Schikanen ausleben darf und sich zu ihnen bekennen kann – solange die Ausübung auf gegenseitige Freiwilligkeit beruht. Bei Kindern und Sexualität kann davon aber niemals die Rede sein.

tldr
Zu kommerziellen Zwecken oder aus sexuellen Motiven hergestellte Nacktfotos von Kindern sind wie die NPD: Eklig, aber leider legal. Daran muss sich etwas ändern.

Update, 13:45 Uhr:

stern.de ist meiner Meinung und schreibt zur gestrigen Diskussion bei Jauch:

Auch wenn in der Causa Edathy viele Themenkomplexe nah zusammen liegen, es hätte Not getan, die Situation von Kindern in den Fokus zu rücken, die man für den pornographischen Markt ausbeutet. Welcher Maßnahmen bedarf es, um Kinder wirksam zu schützen, wäre beispielsweise eine solche wichtige Frage gewesen.

Immerhin, CDU-Mann Wolfgang Bosbach gab zu verstehen, er interessiere sich für den Gemütszustand dieser Kinder mehr als für den von Edathy. Und Mascolo forderte eine Verschärfung der Gesetze im Bereich Kinderpornographie. Zu recht. Allein schon, dass es so genanntes „legales“ Foto- und Videomaterial von nackten Kindern und Jugendlichen überhaupt gibt, ist mehr als ein Nachdenken wert, um es mal so zu formulieren.

Update 22:13 Uhr:

Paula Honkanen-Schoberth vom Kinderschutzbund fordert im Interview mit meinem ZDF-Kollegen Dominik Rzepka:

Bilder, die massenhaft produziert, verbreitet und verkauft werden, müssen künftig strafbar sein. Im konkreten Fall Edathy wären diese Kriterien erfüllt. Ich persönlich finde, der Besitz des Materials, das Herr Edathy hatte, muss künftig unter Strafe gestellt werden.



  1. unwichtig

    Welch selten dummer Artikel…

    Schon mal darüber nachgedacht, warum die NPD nicht verboten wird / werden kann?
    Dann wären auf einen Schlag sehr viele „Verfassungsschützer“ arbeitslos…
    Verboten werden sollten andere Parteien, die Pädophilie legalisieren wollen. Darüber solltest du dir viel mehr den Kopf zerbrechen.

    Warum sollten wir eine Partei, die sich am rechten Rand bewegt verbieten und Parteien, die sich am linken Rand bewegen dulden?

    Klingt alles sehr undemokratisch auf dieser Seite.

    Und nein, ich wähle nicht rechts!

  2. Wirtschaftswurm

    Die Kinder bzw. ihre Eltern haben doch eine Handhabe: das Recht am eigenen Bild. Sie können auf Unterlassung klagen, unter Umständen auch auf Schadensersatz. Das Problem ist allerdings, dies international durchzusetzen, wenn die Kinder z.B. in Rumänien leben, die Firma in Kanada ihren Sitz hat und die Kunden Deutsche sind.

  3. Eric B.

    Komisch, dass Sie Parallelen zur NPD ziehen, aber mit keinem Wort darauf eingehen, dass Edathi bis dato ein geschätzter NSU-Ermittler war. Könnte doch sein, dass der NSU, der NPD und ihren Kumpels beim Verfassungsschutz nicht passte, was E. ans Tageslicht brachte? Auf den Gedanken scheint niemand zu kommen, stattdessen diese bizarren Vergleiche…

    • Kolja K.

      Eric: Edathy hat den Kauf der Bilder zugegeben. Keine Verschwörung, es gibt nichts zu sehen, weitergehen.


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