Was das Wiener Burgtheater mit Abschiebegefängnissen verbindet

Er trug die Uniform des Wiener Burgtheaters, riss die Karten des Burgtheaters ab, wies die Plätze im Burgtheater an, aber angestellt war der Kunststudent Christian Diaz bei einer Sicherheitsfirma.

Soweit, so Outsourcing, so unspektakulär. Wenn es sich bei der Sicherheitsfirma nicht um die global agierende Firma G4S handeln würde, die weltweit Abschiebegefängnisse betreibt, in denen es auch zu Folter gekommen sein soll, die Abschiebungen vornimmt, die 2010 zum Tod eines Menschen geführt haben, in Lincoln, UK eine Polizeistation unterhält und sich 2012 bei den Olympischen Spielen in London durch Inkompetenz blamierte.

Als Christian seinen Job antrat, wußte er nichts über die Firma, sagt er. „Erst im Laufe des Jahres wurde mir klar, für wen ich da eigentlich offiziell arbeite und dass es eigentlich nicht sein kann, dass ein kritischer Kulturbetrieb wie das Burgtheater mit so einer Firma zusammen arbeitet.“

Raus aus der Deckung, rauf auf die Bühne

Er nutzt einen Zukunftskongress am 12.Oktober vergangenen Jahres im Burgtheater, um auf die merkwürdige Zusammenarbeit aufmerksam zu machen. In einer einer kurzen Pause springt er auf die Bühne und ergreift das Wort:

Die Auswirkungen kommen leicht verzögert, aber dann mit voller Wucht. Christian verliert seinen Job, gewinnt aber große mediale Aufmerksamkeit, als zuerst deutsche, dann österreichische Journalisten seinen Fall aufgreifen und die Kooperation von Burgtheater und G4S in Frage stellen (hier eine Chronik der Ereignisse).

Als ich ihn im Januar in Wien treffe, ist der größte Trubel vorbei, Christian aber immer noch arbeitslos. Ein Schicksal, das viele teilen, die öffentlich Mißstände bei Ihrem Arbeitgeber anprangern.

„Mut tut gut“

„Ich hatte ganz schön Schiss vor dem Auftritt, aber ich würde es trotzdem wieder machen. ‘Mut gut tut‘ ist seitdem mein Motto. Und ich hab viel Unterstützung erfahren. Da hat es sich gelohnt, auch wenn ich meinen Job los bin.“ Die Hoffnung, dass die Billeteure irgendwann wieder beim Burgtheater angestellt sind, hat er noch nicht aufgegeben.

Da mahlen die Mühlen allerdings langsam. Zwar hat die Leitung schnell eingesehen, dass es wenig Sinn macht, sich gegen die Vorwürfe zu wehren und bezeichnet Christians Aktion im Interview mit mir als „wahrscheinlich richtig“. Aber bis auf das Zugeständnis ist wenig sonst geschehen.

„Mitarbeiter nicht zum Spielball machen“ – Achja.

Dass außer Christian sonst niemanden die Zusammenarbeit aufgefallen ist, rechtfertigt Andreas Erdmann, Leiter der Dramaturgie damit, dass die Verträge mit G4S schon sehr lange bestehen, die Leitung des Hauses aber immer wieder wechselt und man bei der Einarbeitung andere Dinge im Blick habe als die Arbeitsverträge der Platzanweiser.

"Die Verträge gab es schon so lange, das ist niemanden aufgefallen."

„Die Verträge gab es schon so lange, das ist niemanden aufgefallen.“

Der Österreich-Chef von G4S Matthias Wechner hat sich trotzdem schon mal überrascht gezeigt und an „alle Verantwortungsträger“ appeliert, „diesen Menschen eine sichere berufliche Perspektive zu bieten und sie nicht zum politischen Spielball zu machen“. http://wien.orf.at/news/stories/2623011/

Ein wenig überraschender Versuch, einen vermutlich lukrativen Vertrag zu retten.

Die ganze Klub Konkret-Sendung über Whistleblower und Zivilcourage gibt es am Mittwoch, 19.2.2014 um 21:45 auf Einsplus oder hier zum Anschauen.




Schreibe einen neuen Kommentar