Die Verdauung der anderen

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Man wird ganz schön komisch angesehen, wenn man eine Fliughafentoilette fotografiert

Es stöhnt, es quillt; dann platscht es. Luft entweicht erleichtert. Plätschern. Ein Enddarm presst angestrengt, eine Lunge atmet schwer.

Wasserhähne krähen. Handtrockner brummen ihr Lied. Sie sind die Türwächter, an ihnen muss jeder vorbei. Wer von Ihnen seine Sünden abwaschen ließ, darf eine Tür fallen lassen. Pforten zu einer anderen Welt. Mit anderen Regeln, anderen Geräuschen.

Die andere Welt glitzert, ruhige Eleganz strahlt. Der Fußboden möchte, dass man von ihm isst. Akkurat gefaltete Pullover, Parfumangebote, Edelschokolade stellen sich aus. Daneben ein Souvenir mit dem Namen der Stadt, aus der heraus die Stahlhülle sich bald in die Höhe schwingen will. Latte Macchiato: 3,90€.

Das Gate ruft

Die Anzüge tragen Herren, High Heels tippseln geschäftig ihre Damen durch die Gegend, rollende Koffer schubsen ihren Besitzer vor sich her. Das Gate ruft. Alles pünktlich. Alles in Ordnung. Alles zivilisiert.

Man möchte sich selbst mit Sagrotan einreiben, um die sterile Oberfläche nicht mit seinem Mensch-Sein zu beflecken.

Dieser Ort ist das Refugium. Ein paralleles Universum auf einem Quadratmeter, umhüllt von weißem Pressspan. Hier bricht die fragile zivilisatorische Hülle, hier wird blank gezogen, ausgeschieden, geräuscht, gestöhnt, gelitten.

Zerstör nicht den Zauber

Nur eines wird hier nicht: Geredet. Das würde den verschämten Zauber zerstören. Zeigen: Du bist nicht allein, auch wenn Du Dich hinter Kabinenwänden versteckst.

Nur in der Kabineneinsamkeit kannst Du loswerden, was Dich bedrückt. Öffnet sich die Tür, vergiss Deine Maske nicht. Und das Händewaschen.




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