Uni Kassel verbietet Forschung für’s Militär – fast

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Jaaaa, mir san mi’m Panzer da…

„Zivilklausel“ ist eines jener Wortmonster, die man sich nur in Deutschland ausdenken kann. Dahinter steckt die Selbst-Verpflichtung von Universitäten, nicht für militärische Zwecke, sondern nur für zivile Zwecke zu forschen.

Klingt nach ner tollen Sache. Wer will schon dafür verantwortlich sein, dass seine Diplom- oder Forschungsarbeit dafür benutzt wird, Menschen zu töten? Keiner. Denk ich.

Denkste. Denn an vielen deutschen Unis gibt es seit langem Streit um diese Selbstverpflichtungen. Für Klub Konkret war ich im September in Kassel, der deutschen Rüstungshochburg. (Hier der ausführliche Artikel zur Sendung „Was hab ich mit Krieg zu tun?“ mit vielen Links zum Thema.)

Dort sind nicht nur große Waffenfirmen zuhause, auch die Uni hat irgendwie ihre Finger im schmutzigen Geschäft mit dem Tod. Angeblich. Vermutlich. Munkelt man.

Forscht die Uni militärisch oder nicht?

Denn so genau weiß das niemand. An der Uni hat sich daher ein Arbeitskreis von Studenten gebildet, die ihre Uni dazu bringen möchten, nur noch zivil zu forschen:

Im September war noch unklar, ob der Arbeitskreis Erfolg haben würde. Heute fand nun die entscheidende Sitzung der Universtitätsleitung statt und das Ergebnis war für die Studenten ernüchternd: Die Uni Kassel gibt sich eine Zivilklausel, aber es wird niemanden geben, der kontrolliert, ob sie auch eingehalten wird.

Zivilklausel? Ja, aber nur auf dem Papier!

Oben drauf kommt, dass die Uni nicht sagen möchte, welche Forschungsaufträge es gibt und wer sie in Auftrag gegeben hat. Man müsse die Auftraggeber schützen. So, so.

Ich habe mit Julian vom AK Zivilklausel heute nochmal für unseren Jahresrückblick gesprochen. Hier das ganze Interview*:

Besondere Brisanz bekommt das Thema durch die Enthüllungen der letzten Woche: Nicht nur deutsche, auch amerikanische Firmen haben an unseren Hochschulen forschen lassen, wie Recherchen vom NDR und der SZ aufdeckten:

„Seit dem Jahr 2000 hat das US-Verteidigungsministerium nach Recherchen des Norddeutschen Rundfunks (NDR) und der Süddeutschen Zeitung Projekte an mindestens 22 deutschen Hochschulen und Forschungsinstituten unterstützt. Darunter sind auch Universitäten, die sich eigentlich zu ausschließlich friedlicher Forschung verpflichtet haben.“

Frage ans geschätzte Publikum:

Kriegt ihr an eurer Uni mit (oder habt ihr mitgekriegt), dass militärisch geforscht wird/wurde? Und wenn ja: Wie findet ihr das?

*Das kleine Problem mit der Ratio des Videos bitte ich zu entschuldigen. In Wirklichkeit sind Julian und ich nicht so fett im Gesicht.