Funktioniert Ökonomie mit Moral? Oder: Was ist eine Maus schon wert?

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Maus. Kann man töten, ohne schlechtes Gewissen zu haben

Caroline Schmidt beschreibt bei SpOn ein Experiment des Ökonomen Armin Falk an der Uni Bonn. Der Wissenschaftler wollte herausfinden, ob es eine Moral des Marktes gibt und wann Menschen auf diese pfeifen.

Das gesamte Experiment lest ihr besser im Originalartikel. Die Kurzform: Falk lies Studienteilnehmer entscheiden ob sie gegen Bargeld eine Maus zum qualvollen Gastod verurteilen würden.

Experimente mit Mäusen: Ein Klassiker. Aber selten so brutal wie bei Falk.

Experimente mit Mäusen: Ein Klassiker. Aber selten so brutal wie bei Falk.

Das (für mich nicht) überraschende Ergebnis: Ja, würden sie.

Falk glaubt, dass es neben dem Geldanreiz noch andere Mechanismen waren, die zum massenhaften Mäusetod führten. Die Probanden mussten das Tier nicht eigenhändig umbringen, das erleichterte die Entscheidung. Zudem bekamen sie mit, dass andere bereitwillig töten ließen – und ließen sich mitreißen.

In der Handelssituation konnten sie die Schuld zudem aufteilen; auch das erleichtert es, den Daumen zu senken. „Menschen verhalten sich meistens nur dann falsch, wenn sie es irgendwie rechtfertigen können“, sagt Falk, „wenn wir also einen Markt wollen, in dem Menschen bessere Entscheidungen treffen, müssen wir ihnen die Ausreden nehmen.

Das ist eben das Hauptproblem unseres Marktes, das ich gestern in ganz anderer Form bereits ansprach: Gewinn kommt vor ethischem Handeln. Und wir machen fast alle mit, weil wir die Konsequenzen unseres Tuns nicht direkt sehen und uns rausreden können.

Die Unternehmen, indem sie sagen: „Die Verbraucher wollen das so (billig).“

Die Konsumenten, indem sie sagen: „Die Unternehmen machen das halt so, was ich kann ich Einzelner daran ändern? Alle anderen machen das doch auch. Und außerdem: So schlimm wird es schon nicht sein.“

Ich glaube, dass jeder Einzelne etwas ändern kann. Aber wichtig ist, sich zu vernetzen, sich auszutauschen. Es versuchen vorzuleben. Was mir selten genug gelingt. Und immer wieder darauf hinzuweisen, dass es anders gehen (muss).

Herzlichst,

Euer Gutmensch