Wegwerfgesellschaft – ich find dich Scheisse!

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Lief ein Jahr gut, dann ging er auf einmal kaputt: Mein Spießerwerkzeug.

Ich konsumiere gerne. Es macht Spaß, es befriedigt zumindest kurzzeitig und wenn ich etwas gefunden habe, das alle meine Bedürfnisse erfüllt ist das toll und ich freue mich daran.

Deswegen kaufe ich auch lieber hochwertige Sachen als billigen Plunder. „Wer billig kauft, kauft zweimal“ sagt das kluge Oma-Sprüchlein.

Aber selbst hochwertige Sachen sind heute kein Garant mehr für Langlebigkeit: Mir sind aktuell ein 60-Euro-Regenschirm und ein ebenso teuerer Handstaubsauger kaputt gegangen.

Eine der Regenschirm-Speichen knickte einfach weg, der Handstaubsauger (ja, ich bin ein Spießer) ging eines Abends nicht mehr aus und saugte so lange vor sich hin, bis der Akku alle war. Danach war er mausetot.

 

Heute hatte ich etwas Zeit und ging reklamieren. Der Schirm wurde anstandslos entgegen genommen: „Schicken wir zur Reparatur.“ Ich freute mich. Kaputte Dinge reparieren ist nachhaltig und ressourcenschonend.

Anders beim Handstaubsauger. „Philips repariert in dieser Preisklasse nicht“, teilt mir der Elektromarkt-Mann mit. „Aber Sie können sich in der Abteilung oben einen Neuen holen.“

Das Gerät ist aufschraubbar, sicher nicht unreparierbar, aber es lohnt sich für den Konzern wohl einfach nicht. Stattdessen kriege ich einen Neuen.

Ich könnte mich freuen. Tu ich aber nicht.

Ich könnte mich eigentlich freuen. Keine Reparatur-Wartezeiten, stattdessen bekam ich sofort ein nagelneues Gerät. Tu ich aber nicht.

Denn ich frage mich, was mit dem kaputten Gerät passiert? Wieso unsere Ökonomie so funktioniert, dass es für einen Hersteller billiger ist, etwas Kaputtes erst ab einer bestimmten Preisklasse zu reparieren und alles darunter einfach zu ersetzen und das kaputte Gerät wegzuwerfen?

Klar, das ist Marktlogik. Aber was ist das für ein Markt, dem Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung egal sind? Für den Konzern ist es am Ende billiger, aber ist es das auch für unsere Gesellschaft und (Verzeihung, Polemik) für unseren Planeten? Ich glaube kaum.

Das ist nur ein kleines Beispiel, in seiner Einzelheit vielleicht nicht weiter schlimm. Aber es ein Beispiel von vielen. Und es ärgert mich. Denn es ist die Summe der kleinen Teile, die die Gesamtheit ausmacht.

Eine Insel aus zwei Müllbergen treibt im tiefen, weiten Meer

Auf den Weltmeeren haben wir es mittlerweile mit riesigen Müll-Inseln zu tun:

„Ähnlich wie der riesige „Mahlstrom“ aus Müll, der sich nördlich der Sandwich-Inseln (Hawaii) auf einer Fläche von der Größe Europas dreht, haben sich im Laufe der letzten Jahre auch gigantische Müllteppiche im westlichen Pazifik gebildet, die zwar mit der Tsunami-Katstrophe in Japan erstmals der Weltöffentlichkeit bekannt wurden, aber schon seit vielen Jahren von einem eher laxen Umgang mit Zivilisationsabfällen in populationsstarken Länder wie China, den Phillipinen, Vietnam und Indonesien genährt werden.“

„Geplante Obsoleszenz“ gehört auch zu diesem Problem. Konsumgüter werden absichtlich so gebaut, dass sie irgendwann kaputt gehen. Doktor Allwissend hat das uralte Phänomen sehr schön und unterhaltsam erklärt:

Mir fällt dazu echt nur noch ein: Wegwerfgesellschaft, ich find Dich Scheisse! Ja, wir Deutschen sind Weltmeister im Mülltrennen. Aber besser wäre es doch, Müll würde gar nicht erst entstehen.

Dass es auch anders geht, hat Annika schon mal aufgeschrieben: Als DDR-Kind war sie Tauschen und Reparieren gewöhnt. Ständig neue Sachen zu kaufen (und alte dann wegzuschmeissen) musste sie erst lernen. Mit dem Wegschmeissen hat sie bis heute Probleme.

Upcycling – aus alten Dingen bessere Neue machen

Natürlich gibt es schon Ansätze, die das Wegwerfen verworfen haben. „Upcycling“ heißt die Idee, aus alten Dingen Neue zu machen. Allerdings nicht solche, die dann minderwertiger sind (Druckerpapier zu grauem Reyclingpapier), sondern höherwertigere Produkte, denen man den Müllcharakter nicht ansieht.

Was da möglich ist, präsentiert die Upcycling-Bewegung auf diversen Netz-Orten. weupcycle.com zeigt jeden Tag ein neues Upcyling-Produkt, im upcyclingblog.de finden sich News zum Thema und auf planet-upcycling.de kann man Produkte kaufen, die mal was anderes waren.

Doch bislang ist Upcycling ein Nischentrend. Bis Philips meinen defekten Handstaubsauger zu einer Küchenmaschine umbaut, können noch einige Müllinseln den Ozean herunter treiben.

Im Klub haben wir uns übrigens letztens noch Gedanken darüber gemacht, wie das mit dem Konsum, der Nachhaltigkeit und der Ethik so läuft:

Und ihr? Wann ist euch das letzte Mal etwas fast noch Neues oder sonstwie Funktionstüchtiges kaputt gegangen? Habt ihr schon mal was Altes zu etwas Neuem gemacht?



  1. Annette

    @Foodfreak: Es soll auch Leute geben, die gerne mehr für Qualität ausgeben möchten – inklusive ordentlichem Service (der m. E. durch den höheren Preis generell mit eingerechnet sein sollte) und der Hoffnung, dass man endlich versteht, diesen Planeten und das Wachstum als „endlich“ zu betrachten. Wir können es uns schlicht nicht leisten, nur noch Müll und Schrott zu produzieren.

    @Daniel
    https://www.facebook.com/Murks.Nein.danke?fref=ts

    Trifft’s genau 😉

  2. Dietmar

    Foodfreak liegt ja nicht falsch, aber…

    Es liegt ja nicht daran, dass sich eine Reparatur lohnen muss, sondern daran, dass die Hersteller gleich bei der Produktion in der Pflicht stehen sollte, qualitativ hochwertiger und langlebiger zu bauen. Das steht der Gewinnoptimierung der Hersteller freilich im Weg. Ich glaube nicht, dass so ein Handstaubsauger dann 2000 Euro kosten würde. Wen ich wüsste, dass dieser 10 Jahre hält, würd eich gerne richtig viel dafür ausgeben. Made in Germany ist eh Geschichte, willkommen im Oneway-Use der Amerikaner.

    Jedenfalls schöner Blogpost! Danke!

  3. Foodfreak

    Ich gebe dir hinsichtlich der Nachhaltigkeit durchaus recht. Ich bitte aber auch drum, mal kurz zu rechnen.. der Versand des Staubsaugers kostet eine Summe X. Leute die ihn verpacken und versenden auch, Eine Techniker-Arbeitsstunde kostet sicher 60 Euro, Wenn der Staubsauger für unter 60 Euro produziert werden kann (hier liegt das Problem der industriellen Fertigung( bedeutet dass, das eine Reparatur nicht wirtschaftlich ist, da shat nichts mit Ressourcen, sondern mit den Kosten der Arbeit zu tun, Will ich das? Nein, aber will ich Staubsauger die 2000 Euro kosten, oder Arbeiter die nichts verdienen? Auch nein. Und jetzt?


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