Jetzt wird Goethe zitiert, also: Faust hoch!

Es gibt sie noch, die Tracks zur Wut. Die Musik zu den Demonstrationen gegen Ungerechtigkeit, Willkür und Ausbeutung. Den Soundtrack für die Unzufriedenen, die Idealisten und Meinungsstarken. Und er klingt gut.

„Rage against the machine“, „Ton, Steine, Scherben“ und „Die goldenen Zitronen“ – die Standardwerke der Protestkultur. Doch in der jüngsten Zeit tat sich wenig auf dem Markt der Demo-Mucke.

Vielleicht ein bisschen „Freundeskreis“, etwas Max Herre oder lateinamerikanische Ska-Rhythmen – das war’s dann auch schon.

Protest ist nicht mehr Pop

Protest ist schon lange nicht mehr Pop, sieht man von Tocotronic mal ab, die die Verweigerungshaltung in die Feuilletons trugen und tragen.

Der Rest der Gitarrenschwinger und Mikrofonschmuser wiegt sich in schönster Larmoyanz, beweint das eigene Liebesschicksal wie schon Generationen von Barden davor, oder mach auf Gute-Laune-Kuschel-Hip-Pop á la Cro.

Doch die kommende Herbst- und Winter-Demosaison wird anders und sich durch einen ganz eigenen Sound ins kollektive Molotow-Gedächtnis einbrennen.

Klischees für den Clash

Der Track kommt von Marteria und könnte klischeehafter nicht sein – sowohl was Wortwahl als auch Bebilderung angeht. Die bösen Vorstadtjungs mit den Kapuzen zeigen dem Staat den Stinkefinger und ihre Baseballschläger und zitieren dabei Goethe: Faust hoch!

Doch bei allen bemühten Klischees: Ein Aufruf zur Sachbeschädigung und zivilem Ungehorsam klang schon lange nicht mehr so schräg-eingängig, düster und rau wie hier:

Der Track ist die erste Veröffentlichung aus dem neuen Album ‚Zum Glück in die Zukunft II“, das im Januar 2014 erscheint. Wer eine Demo plant oder im Wohnzimmer Riot spielen will, kann ihn sich auf Materias Seite oder hier gratis runterladen.



  1. JK

    Mir hat ja da NeoPunk als Album von PrinzPi sehr gut gefallen, das genau damit spielt und die Klischess ein wenig weitertreibt und um dreht:

    Zitat aus dem Song „Scädelf*cken“

    „Das is Sound, das is Sound zum Lackkratzen an Edelschlitten
    Das is Sound, das is Sound, der stampft wie ein Elefant
    Wir nennen ihn Neopunk, Sound der dein Ego tankt
    Das ist für die Jugend, ausgebildet an Killerspielen
    die Mittelstand-Kids die Crystal Meth in ihrer Villa dealen
    für die kaputten Kids, den Clips durch ihre Hirne hallen
    die sich billiges Koks möglichst oft in ihre Birne knallen
    Es ist nichts los auf dem Dorf, alles ist tote Hose
    Allein im Rentnerparadies mit einer roten Dose
    Die Leinwand sinkt, die Mittelklasse-Limousinen
    und der Soundtrack die Musik von ein paar krassen aus Berlin
    Das is Sound der Söhne Stammheims neuer Terroristen
    zum Counter Strike Amok laufen, zum Schreiben von Todeslisten
    Das is Sound, der dich umhaut wie Absinth“


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