Klub Konkret: Bio oder böse? Können wir uns eine bessere Welt kaufen?

Bio boomt. Lapidares, ausgelutschtes Statement. Stimmt aber. An jeder zweiten Ecke in deutschen Großstädten machen Bio-Ketten wie Alnatura oder Denn’s auf und versprechen das gute Gewissen beim Konsumieren. Ich gestehe: Ich gehe da auch einkaufen. Aber bringt’s was?

Biomärkte waren früher kleine Oasen des Anti-Konsums. Winzige Läden, in denen es eine kleine Auswahl von teuren, aber hochwertigen Produkten gab.

Das war einmal. Der Bioladen meiner Studentenzeit im Hamburger Schanzenviertel ist schon seit zwei Jahren dicht. Denn Bio ist Mainstream und gibt’s heute sogar bei Aldi.

Die EU-Bio-Richtlinie? Ein Witz.

Dass das nicht das Gelbe vom Ei sein kann, kann sich jeder selber an zwei Fingern ausrechnen. Die EU-Bio-Richtlinie, an der sich große Zulieferer oft orientieren ist ein Witz gegen „echte“ Bio-Label wie Demeter oder Bioland.

Trotzdem glauben viele, dass Bio = besser ist. Soll anders schmecken. Gesünder sein. Und auch irgendwie gut für die Umwelt.

Im Klub wollten wir es genauer wissen. Können wir mit unserem Konsum wirklich eine bessere Welt kaufen? Und was treibt Menschen an, die versuchen ethisch korrekt zu leben oder Produkte herzustellen? Unser Thema in Folge 30 vom Klub:

Das Eis. Punkt.

Die Eismanufaktur von „Das Eis“ war Ziel meiner ersten Reportage-Reise. Flo, einer der vier Inhaber, führte mich durch die handmade-Produktion am Rande von Frankfurt und zeigte mir, wie man mit Ananas-Petersilie-Eis macht.

Nämlich so:

Und dann so:

Er und seine drei Mitinhaber gründeten die Firma nicht aus Bio-Überzeungung, sondern weil sie einfach den geilsten Shice machen wollte. „Da landest Du dann zwangsläufig bei Bio.“

Weil sie das beste Eis machen wollten, sind Sie keine Kompromisse eingegangen und haben sogar ein Angebot einer Biomarkt-Kette ausgeschlagen, im großen Stil zu liefern. „Die wollten uns für einen Becher das zahlen, was wir heute allein an Materialkosten haben. Da hatten wir keinen Bock drauf“, erzählt mir Flo.

Ist lecker, ganz okay für's Gewissen - und leicht kostspielig: Das Eis.

Ist lecker, ganz okay für’s Gewissen – und leicht kostspielig: Das Eis.

Dass „Das Eis“ wirklich gut schmeckt, kann ich an dieser Stelle verkündigen, ohne dafür bezahlt worden zu sein. Mit 2€/Becher UnvPE ist es sogar noch ganz günstig – im hippen Szene-Café in Hamburg wollen sie allerdings fast das Doppelte. Da muss man sich schon wirklich was gönnen wollen.

Nächste Station: Berlin. Veggielove.

Und es gibt diese Leute, die sich sowas gönnen. Weil es gut schmeckt. Und weil es besser für alle ist. Bloggerin Franziska von veggie-love.de ist so eine. Konsequent bis zur Fußsohle und dabei ohne diesen missionarischen Miesepeter-Gestus, der vielen Veganer ja oft nachgesagt wird. Auf ihrem Blog schreibt sie ausschließlich über das Leben als Veganerin – mit großem Erfolg.

Sie führte mich durch einen Laden der Supermarkt-Kette „Veganz“, wo es nur veganes Nahrungsmittel gibt. Das nimmt teilweise skurrile Züge in Form von Trocken-Schnitzeln aus Soja an, überzeugt aber durch eine Produktpalette, die fast keine Wünsche offen lässt.

Franzi von veggie-love.de zeigt uns die "Berlin Vegan"-App

Franzi von veggie-love.de zeigt uns die „Berlin Vegan“-App

Vegan-leben ist für Franzi mittlerweile so selbstverständlich, dass es ihr gar nicht mehr auffällt. „Ich mach das schon so lange und viele meiner Freunde auch – das ist echt nix Besonderes mehr.“

Franzi ging mit mir dann noch durch einen Klamottenladen mit fairer Bekleidung, wo ich mich mal kurz mit hochwertiger und gar nicht so teurer Ware eindeckte:

Das Team und ich nach unserer Veggie-Einkaufstour: Um geile Klamotten und leckeres Essen reicher, um einige Euros ärmer.

Das Team und ich nach unserer Veggie-Einkaufstour: Um geile Klamotten und leckeres Essen reicher, um einige Euros ärmer.

Im Bewegtbild sieht das dann so aus:

 

Die Reportagen und die Diskussion im Klub haben mir gezeigt, mein Konsumverhalten nochmals (schon wieder?!) zu überdenken. Weniger Fertigprodukte, mehr regionales Essen, lieber wenige hochwertige Waren als Billig-Klamotten von den üblichen Ketten. Und immer schön fragen: Brauch ich das wirklich?




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