Was der Journalismus von Kevin Spacey lernen kann

Der Roman hat die Literatur verändert. Das Foto die Malerei. Das Kino das Theater und der Fernseher das Kino. Und das Internet verändert gerade alles auf einmal. Besonders den Journalismus.

Ohne es zu wollen hat Kevin Spacey mit seiner Rede auf dem Edinburgh International Television Festival nicht nur über das Fernsehen geredet. Sondern auch über den Journalismus und die Zukunft aller Medien überhaupt.

Zum Beispiel zum Thema „Verfügbarkeit / Kundenwunsch vs Verleger/Verleiher/Manager-Wille“:

„Gib den Menschen was sie wollen, wann sie es wollen, in der Form in der sie es wollen – zu einem vernünftigen Preis. Und sie werden eher bereit sein dafür zu zahlen als es zu stehlen.“

Wahre Worte, die nicht nur für den von der Onlinepiraterie ach so zerstörten Kinofilm betreffen. Sondern auch journalistische Produkte.

Und er sagte noch etwas, was mich an die derzeitigen Entwicklungen erinnert, wie die Kollegen von Meedia DWDL!!! berichten:

„Spacey wollte nun wissen, ob das einfach reine Nostalgie war oder Fernsehen früher einfach etwas anders war. Lemmon habe ihm geantwortet: „Junge, Du musst verstehen: Fernsehen war damals brandneu. Es war ein neues Medium und niemand wusste, ob es sich durchsetzen würde. Also wurde alles ausprobiert. Es war noch nicht kommerzialisiert. Das war ein Gefühl von totaler Unbekümmertheit.““

Aus genau dieser Unbekümmertheit sind all die YouTube-Formate und journalistischen Pioniere entstanden, die heute teilweise mehr Klicks holen als die Angebot der öffentlich-rechtlichen zusammen.

Die Kommerzialisierung ist auf dem Vormarsch. Aber noch ist Zeit und Unbekümmertheit für Experimente.

Nächster Punkt, an dem man Spaceys Rede 1:1 auf den Journalismus übertragen kann: Der Unterschied zwischen Online und Print, zwischen Bloggern und Journalisten:

„Ein Punkt, bei dem unsere Industrie zu scheitern droht, ist die dogmatische Unterscheidung zwischen Film, Serie, Miniserie, Webisodes oder wie auch immer sie fiktionale Formate noch benennen wollen. Sehen Sie, wenn ich als Schauspieler vor einer Kamera stehe, dann weiß diese Kamera auch nicht ob sie eine Filmkamera, eine Fernsehkamera oder eine Streaming-Kamera ist. Das ist einfach eine Kamera. Ich sage voraus, dass in den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten diese Unterscheidungen vergessen sind. Es geht am Ende nur um eins: Geschichten.“

Punkt. Bamm. Seh ich für den Journalismus genauso. Diese Unterschiede gibt es in absehbarer Zeit nicht mehr.

Und es geht munter weiter. Statt zu jammern und zu klagen und bescheuerte Leistungsschutzgesetze zu erlassen: Beobachten, lernen, reagieren!

„Wir sollten keine Annahmen treffen, was Zuschauer wohl in der Zukunft wollen. Wir sollten es einfach beobachten, uns schnell anpassen und neue Dinge ausprobieren, um einen Appetit des Publikums zu stillen, von dem wir bisher vielleicht gar nicht wussten, dass es ihn gibt. Je mehr Neues wir probieren, desto mehr lernen wir über unsere Zuschauerschaft und umso mehr Türen öffnen sich – für Kreativität und das Geschäft.“

Kevins Worte in Verlegers, Chefredakteurs und Journalistens Ohr!

Ein weitgehende Transkription der inspirierenden Rede gibt es bei Meedia DWDL. (Meedia und DWDL verwechselt. Peinlich.)




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