Penisdialoge
- wie alles anfing

Seit Jahren rede, twittere, chatte, blogge und diskutiere ich über die Veränderung der Medienwelt und was das für Journalisten und Medienmacher bedeuten wird. Allein: Viel ausprobiert und einfach mal gemacht hab ich bislang wenig. Mit den Penisdialogen hat sich das geändert.

Als Journalist haben viele – auch ich – so eine Art Barriere im Kopf: Publiziert wird nur, was fertig ist. Und mit “fertig” meinen wir “durchrecherchiert, redigiert, korrigiert, von einem Kollegen/Chef/Redakteur abgenommen, nochmal geändert etc”.

Medien machen ist zuweilen ein ziemlicher langwieriger Schaffensprozess, das fertige Produkt hat manchmal mit der ursprünglichen Idee fast gar nichts mehr zu tun.

2013-01-16 penisdialoge 2

Experiment “Penisdialoge”: Dürfen die das?

Das Internet funktioniert in weiten Teilen anders. Hier wird rausgerotzt, ausprobiert, behauptet, dann berichtigt, wieder geändert, das nächste Mal anders gemacht, wieder sein gelassen und vor allem: experimentiert.

Viele dieser Experimente sind gar nicht von professionellen Medienmachern, sondern von sogenannten “Amateuren”, die sich oft gar nicht bewusst sind, dass sie gerade was Neues schaffen. Kreative Prozesse müssen nicht immer bewusst sein. Manchmal entsteht allein durch die Abwesenheit von professionellen Produktionsmitteln etwas Neues.

Amateure schaffen Neues. Weil es geht.

Der größte Ausprobierkanal für Bewegtbildinhalte heißt Youtube und fand lange Zeit ohne Beachtung von professionellen Bewegtbildmachern statt. Das hatte Vorteile: So konnte sich eine ganz eigene Bewegtbildkultur entwickeln, die mit Film und Fernsehen, wie wir es kennen, oft gar nichts mehr zu tun hat.

Viele dieser Formate würden es so niemals in ein etabliertes Medium schaffen. Menschen wie Gronkh, Y-Titty, Charlie oder wie sie alle heißen brechen häufig mit allen Regeln des Spiels (wobei Y-Titty noch die regelkonformsten sind). Charlie sitzt oft einfach nur frontal vor der Kamera und erzählt etwas aus seinem Leben, macht sich über Dinge lustig oder singt ein Lied.

Schnittbilder und Blenden braucht er nicht, seine Monologe schneidet er einfach hart aneinander, wie es viele YoutubeVideos heute tun. Dieser Stil hat sich vermutlich einfach deswegen herausgebildet, weil die meisten Youtuber nur eine Webcam haben, in die sie frontal reden können und kein Wissen über Schnitttechnik haben oder wie man eine Blende setzt.

Aus nichts entsteht ein neuer Stil

In Fällen wie dem von Charlie ist das egal oder sogar charmant. Der Mann ist ein Entertainment-Talent, er könnte auch im Schlafanzug Kekse essen und man würde ihm gern zusehen.

“Let’s play”-Formate wie bei Gronkh sind dem konservativen Mediennutzer eher schwer zu vermitteln. Aber der Erfolg gibt ihm Recht: Fast eine Million Abonnenten freuen sich, wenn Gronkh und Konsorten durch Spielewelten tapsen und das flappsig kommentieren. Von soviel Zuspruch kann der mit Gebührengeldern finanzierte Kanal von Einsplus nur von träumen.

Ich wollte wissen, wie das geht mit diesem Webvideo und diesem Youtube und in einer ruhigen Stunde auf dem Klo im Sommer 2012 hab ich mir ein Format ausgedacht: Zwei Typen unterhalten sich über Männerthemen. Also meistens über Frauen. Also eigentlich nur.

Zwei Typen: Ein Thema

Der andere Typ war schnell gefunden: mit Netzkollege Tilo Jung redete ich seit unserem Kennenlernen auf der re:publica 12 eh nur noch über ein Thema. Er war sofort dabei.

Den Namen “Penisdialoge” haben wir dann im Crowdsourcing-Verfahren über Twitter gefunden: @anmedja hatte die Idee, das Format zu einer Hommage an die Vaginamonologe zu machen. Herzlichen Dank nochmal dafür!

Herausgekommen ist damals das hier: Unsere erste Folge zum Thema “Disneyfizierung von Frauen”:

Job & Experiment vereinen: Nicht leicht

Dass sich unbezahlte Medien-Experimente und Job nicht so leicht vereinen lassen, habe ich schnell gemerkt. Als haupt- und freiberuflicher Fernsehmacher arbeite ich soviel es geht, oft auch zu komischen Tages- oder Nachtzeiten und bin viel in der Republik unterwegs. Unter solchen Bedingungen eine Aufzeichnung mit Tilo zu koordinieren: Nicht leicht.

Und dann muss das Ding ja auch noch geschnitten, hochgeladen und beworben werden. Schnitt und Aufzeichnung mach ich übrigens mit dem tollen Screencast-Programm Screenflow  (KEIN Affiliate-Link), das kinderleicht zu bedienen ist. Aber auch ein DAU-Programm will immer noch bedient werden. In arbeitsintensiven Zeiten bleibt dafür wenig Energie und Luft.

So erklärt sich, warum das Projekt immer noch nicht so regelmäßig erscheint, wie ich es gern hätte. Aber wir bleiben dran und probieren aus. Hier die neue Folge: Eine Art Listingformat. “Gründe, warum ER keinen Sex will.”

Das Feedback ist gemischt. Einige Fragen sich: Was machen die da? Andere finden es unterhaltsam. Und andere fragen uns Fragen und wollen wissen, wie wir und andere Männer über Themen denken.

Warum machen die das?

Von Fernsehmacherkollegen werde ich vor allem gefragt, warum ich das mache. Gerade, wo ich doch für halbwegs seriöse Formate wie Zapp (NDR) arbeite. Ich rede mich mit “Medienexperiment” raus, verschweige aber auch nicht, dass mir das Spaß macht und ich nicht einsehe, warum ich nicht seriös und albern bis peinlich gleichzeitig machen kann.

Gerade die Diskussionen, die sich vor allem auf Facebook nach einer Folge einstellen sind häufig interessant, erhellend und manchmal einfach witzig.

Wer mehr sehen und wissen will: Die Penisdialoge gibt es natürlich als Youtube-Kanal, außerdem auf Facebook und Twitter. Über Feedback freuen wir uns!




17 Kommentare

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  1. Maike von Wegen

    Ich finde ganz traurig, wie oberflächlich und uninformiert das ist. Insofern sehe ich in diesem Experiment auch schlicht und ergreifend keinen Sinn. Ein Experiment verfügt über einen Aufbau, gern auch eine Annahme und ein Ergebnis. Dies hier ist doch in Wahrheit nichts als ein smalltalk, den Ihr ziellos und ohne Recherche in die Welt posaunt.
    Sich herauszureden auf ein “So reden Männer eben privat!”, funktioniert auch so gar nicht, da alle meine männlichen Freunde sich damit z.B. so gar nicht identifizieren können. Es dreht sich außerdem ja immer um ungefähr das selbe Thema und man spürt Eure Ressentiments gegen FeministInnen, ohne dass es dazu irgendeinen Anlass geben dürfte.

    Zur Erklärung: Wenn eine Frau dir irgendwas über Deine Oberlippe erzählt, darfst Du nicht dieses Kackscheißeplakat auspacken, weil es beim Sexismus eben nicht um Sex geht, sondern um Machtverhältnisse.
    Sexismus ist es dann, wenn ein höher positionierter einen niedrig positionierten durch eindeutige Anmerkungen oder Berührungen in seine Schranken weist. Das heißt, wenn Du z.B. ein Transsexueller wärst und eine Frau würde Dich angrabschen und sagen:”Geile Titten, Süße!”, dann wäre das Sexismus, weil die Frau Dir dann gesellschaftlich überlegen wäre. Wenn Du es als der durchschnittlich attraktive Typ, der Du bist tust, dann ist es schlicht und ergreifend ein sexueller Übergriff, aber kein Sexismus.

    Das ist schlicht eine Definitionsfrage und ich hoffe wirklich, dass diese Definition bei Euch ankommt. Wir FeministInnen wollen Euch nämlich gar nichts. Wir wollen einfach nur Gleichberechtigung und ich persönlich finde es auch eher unschön, mir Videos anzusehen, in dem ich mit allen Frauen gemeinsam zu einer disneyfizierten naiven Romantikerin verklärt werde.
    Das nennt man dann Chauvinismus.

    Und mein attraktiver Freund, der auch ein Feminist ist, hat dazu gerade heftig genickt. Freundliche Grüße und gute Besserung,
    Maike von Wegen

    • Daniel Bröckerhoff

      Liebe Maike,

      Du hast gerade bewiesen, wofür das Experiment, das Deinem naturwissenschaftlichem Ansprüchen natürlich nicht statt hält, taugt: Zum Austausch, zum Diskutieren und zum gegenseitigen Lernen.

      Wir haben keinen Recherche-Anspruch. Wir haben einen Authentizitäts-Anspruch. Und wenn wir dabei mal unreflektiert sind: Hey, passiert. So ist das im Leben halt.

      Wir reden uns nicht mit “So reden eben Männer privat” raus. Sondern mit “So reden WIR eben privat.” So vermessen sind selbst wir nicht, dass wir meinen für alle Männer reden zu können.

      Wenn Du meinst, bei uns Ressentiments gegen FeministInnen rauszuhören: Okay. Wo genau? Lass uns drüber reden. Mir wäre neu, dass ich was gegen Feminismus und Gleichberechtigung habe.

      Und an welcher Stelle haben wir alle Frauen über einen Kamm geschert und zu disneyfizierten naiven Romantikerin verklärt? War auch nicht unsere Absicht.

      Gegenfrage: Hörst Du vielleicht nur, was Du raushören willst?

      Liebe Grüße,

      Daniel

  2. Kathrin

    Als ich “Penis-Dialoge” entdeckt habe, dachte ich nur “Was zum Teufel soll das jetzt wieder sein? Wieder mal irgend so ein pseudo Schrott wo einer mit seinem Pimmel redet oder von ihm beraten und gelenkt wird oder mal wieder die Bestätigung das der sogenannte “Penisneid” eigentlich nur unter Männern existiert und nur von Männern geglaubt wird?”. DOCH: Es war anders als erwartet und einfach klasse! Unterhaltssam, ehrlich, frisch und gerade raus. Es ist schön mal eine Abwechslung von dem derzeit überall auftretenden Frauengeschnatter zu haben und auch mal die andere Seite ehrlich und nicht diskriminierend präsentiert zu bekommen! Vielleicht stehe ich hier als Frau mit meiner Meinung alleine, da ich mich mit Männern immer schon besser verstand als mit Frauen, aber das ist mir ziemlich egal. ;) Ich hoffe jedenfalls ihr macht weiter mit dem “gerade raus” und der Ehrlichkeit und versucht nicht zu viel zu planen! Werdet nicht zu mainstream, dann wirds nur abgedroschen und Frauenfeindlich. Weiter so!!!
    Liebe Grüße aus Österreich

  3. Tobias

    “Penisdialoge”? Rly? Voellig unabhaengig davon, was ihr wirklich zu sagen habt, wertet ihr damit euer Konzept unmittelbar auf ein trotziges “Wir Maenner wollen jetzt auch mal was sagen” ab. Schade. Klingt leider nach maskulinem pseudo-emazipatorischem Getue a la “Wenn die Frauen Vagina sagen duerfen, duerfen wir auch Penis sagen”.

    Disclaimer: Ich habe die Videos nicht gesehen ;)

  4. Meister

    Es fehlte bislang irgendwie der Spannungsbogen. Was ist die Message?

    Bislang hat man eher den Eindruck, das zwei hippe, metrosexuelle Stereotypen sich gegenseitig über den letzten missratenen One-Night-Stand hinwegtrösten.

    Vom zwei aufstrebenden (TV) Journalisten erwartet man eigentlich mehr…

    • Daniel Bröckerhoff

      Wie heißt es so schön? “The Medium is the message.” Es geht ums Testen, ums Ausprobieren, ums Ausloten. Wir machen das völlig frei, es sind Gespräche, die wir auch so führen könnten oder geführt haben. Wir haben da keine Message, außer vielleicht “so reden Männer, wenn sie unter sich sind”. Muss es denn immer eine Message geben?

      Denn: Ich würde das Ganze auf keinen Fall “Journalismus” nennen. Sondern (im besten Falle) Unterhaltung, wenn es denn unterhält. Und ganz daneben können wir nicht liegen, dafür gibt es zu wenige Flame-Kommentare auf youtube, zuwenige rote Daumen nach unten und bei fast jeder Folge eine rege Diskussion auf Facebook.

      Es ist eben ein Experiment, mit dem wir schauen, was man mit den neuen Möglichkeiten so anstellen kann. Völlig frei von irgendwelchen Ansprüchen, Erwartungen oder vorgefertigten Medienmustern. Wenn Du Dir alle 9 Videos ansiehst, wirst Du eine klare Entwicklung sehen. Wir haben Sachen ausprobiert und gemerkt: Das interessiert keinen. Nicht mal uns.

      Die letzte Folge dagegen läuft viel besser als die letzten, daraus haben wir wieder viel gelernt.

      Und das ist ja das Schöne am Netz: Wir können einfach machen. Das ist für professionelle Medienmacher total ungewohnt, fühlt sich fast falsch an, das tut man nicht, einfach mal machen und sehen was passiert!

      Aber nur so entsteht Neues. Nur so entsteht Innovation. Trial and Error. Nur wer auf die Schnauze fällt, lernt daraus.

    • Daniel Bröckerhoff

      Allein die Erwartung “Spannungsbogen” ist schon eine traditionelle Medienmachersicht. Braucht denn alles immer einen Spannungsbogen? Was passiert, wenn man ihn weglässt und die Inszenierung so weit es geht auch? Wie oben schon gesagt: Die Dialoge sind (bis auf den letzten) nicht geplant, sondern völlig frei.

    • Meister

      Darf ich dich zur Frage des Spannungsbogens aus deinen beiden Antworten zitieren:

      “Die letzte Folge läuft viel besser als die letzten…”

      “Die Dialoge sind (bis auf den letzten) nicht geplant, sondern völlig frei.”

      Ich sage nur: Hallo Spannungsbogen

  5. Richard

    Na, das ist ja wirklich ein revolutionäres Experiment auf´s Parkett gelegt. Und toll, wie ihr es nebenbei noch schafft, alle Klischees zu bedienen. Das einzige was ich in den Penisdialogen sehe ist, wie aufregend aufgeblasen ihr seid.

  6. Thorben mit h

    Weitere Gründe:

    -Ich bin zu besoffen, um einen hochzukriegen
    - Ich bin noch nicht besoffen genug, um einen hochzukriegen
    - Sorry aber wenn ich gewusst hätte, dass du einen Penis hast, hätte ich dich nicht mit nach Hause gebracht
    - Deine Schwester ist definitiv schärfer als du
    - Wenn ich gewusst hätte, welche Wunder figurformende Unterwäsche vollbringen kann, hätte ich dich nicht ausgezogen
    - Sorry meine Viagras sind alle
    - Eigentlich stehe ich mehr auf deinen Bruder


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