Klub Konkret 03:
Wie werde ich Nazi?

Es ist soweit. Unser kleines Pilotprojekt vom Herbst 2011 geht in Serie. Die SWR-Jury konnte sich für unser Talk/Reportage-Konzept erwärmen und hat ein väterliches GO! geben.

Ab Mai werden wir also alle zwei Wochen auf EinsPlus senden, das mit Formaten wie unserem einen jugendlichen Taint bekommen soll. Die Idee bleibt gleich: Ein Thema, ein Reporter (meine Wenigkeit in Abwechslung mit der großartigen Eva Schulz), ein, maximal zwei Talkgäste und die wunderbare Franzi Storz als Moderatorin.

Der/Die ReporterIn macht sich im Vorlauf der Sendung ein Bild, eine Meinung,  trifft Menschen, besucht Orte, kurz: Macht, was Reporter so machen. Mit dem Gesammelten geht’s dann in die kleine, aber flauschige Talkrunde, wo es gilt, in 30 Minuten das Thema möglichst ergiebig zu erötern. Eine Herausforderung, der wir uns gerne stellen. Wir werden bestmöglich in die Tiefe gehen.

Das erste Thema ist nicht das Erste

Das erste Thema, das wir angehen werden ist nicht das erste, was ausgestrahlt wird (wir brauchen ein Backup für den Schrank), aber nichtsdestotrotz nicht unspannend und zeitlos-aktuell: Warum werden junge Leute eigentlich zu Rassisten, Rechten, Neo-Nazis, Autonomen Nationalisten?

Eigentlich waren wir von der Frage ¨Kann man im Osten nur rechts werden?¨ ausgegangen. Schnell sind wir aber von dieser reichlich platten These wieder abgekommen als wir feststellten, dass es auch einen Haufen Rechte in Westdeutschland gibt und dass ihre Beweggründe längst nicht nur ¨Hier ist es so langweilig, da kann man nur rechts werden¨ sind. Deshalb jetzt, ne Spur provokanter: “Wie wird man eigentlich Nazi?”

Abgrenzung von den Eltern, Perspektivlosigkeit, die Suche nach Schuldigen und einfachen Antworten und Lösungen für offensichtliche Probleme, die Sehnsucht nach Bedeutung und Gruppenzugehörigkeit, Mitläufertum – die Gründe, so fanden wir heraus, scheinen sehr vielfältig zu sein.

Ich, der Systemjournalist

Wir haben daher versucht, Kontakte zu Rechten zu bekommen, um uns das mal erklären zu lassen. Über persönliche Kontakte konnte ich auch mal mit einem telefonieren und seine Beweggründe ausloten. Aber generell ist es schwierig in diese hermetisch abgeschlossene Welt einzudringen. Das Mißtrauen ist riesengroß. Gerade als ¨Systemjournalist¨ hat man fast keine Chance ohne einen persönlichen Kontakt mal die ¨Betroffenen¨ selber zu fragen. Dabei geschieht das viel zu selten.

Wir haben uns daher die Frage gestellt, ob man mit Rechten überhaupt reden darf, gerade als Presse. Oder gibt man ihnen damit zuviel Raum?

Auch wollten wir unbedingt versuchen, mit Rechten zu reden und sind daher gestern nach Frankfurt/Oder gefahren. Dort fand unter dem Motto ¨Raus aus der EU¨ eine Demonstration verschiedener Kameradschaften und der NDP statt, auch die Autonomen Nationalisten waren irgendwie beteiligt. Doch gerade diese neue Gruppierung ist sehr schwierig zu greifen, wobei sie sehr erfolgreich besonders bei Jüngeren zu sein scheint.

Was wir in Frankfurt/Oder erlebt haben, was der Tenor auf die Frage ¨Darf man mit Rechten reden¨ war und wie das Video der Autonomen Nationalisten, das wir Gegendemonstranten gezeigt haben so angekommen ist: Demnächst auf EinsPlus. Oder auf diesem Blog. Oder beim @klubkonkret-Twitter (da hab ich während der Demo schon viel geschrieben). Oder auch auf Facebook (wollen wir Freunde werden?)