Netzwerk-Terror: G+, FB, Twitter – Ich bin genervt!

Seit gestern Abend habe ich jetzt also auch einen GooglePlus-Account. Mein erster Eindruck: Check ich nicht. Achso, doch. Mein zweiter: Oh, sind ja alle relevanten Geeks und Nerds schon da. Mein dritter: Noch ein Netzwerk bespielen? Das nervt!

Mein Kommunikationsdrang hat also noch einen Spielplatz mehr. Als ob ich nicht schon genug Möglichkeiten hätte, mich zu vernetzen und auszutauschen will jetzt auch noch ein Google-Netzwerk gefüttert werden (das zugegeben ganz ordentlich und brauchbar aussieht).

Mein Problem: Schon jetzt verbringe ich teilweise (zu)viel Zeit damit, alle möglichen Contentschleudern zu überwachen und die Diskussionen und Postings dort zu verfolgen und mitzumischen.

Twitter allein würde ausreichen, um mich den ganzen Tag lesend und postend zu halten. Plus RSS-Feeds, plus Mails, Chat-Providern und Facebook und vielleicht noch das eine oder andere Special-Interest-Netzwerk = Adé Arbeitszeit.

Zeitfresser Netzwerk

Allein das Hin- und Herschalten zwischen Facebook, Twitter und G+ verschlingt Zeit, noch dazu, wenn alle möglichen Bekannten auf einmal anfangen das eine hier, das andere dort zu posten und irgendwann das große Durcheinander beginnt.

Kam der Link jetzt von Twitter oder muss ich ihn bei G+ suchen? Fand die Diskussion bei Facebook statt oder war das in einer Mail? Und über welchen Kanal erreiche ich Freund xy jetzt am besten? Einfach mal alle ausprobieren?! Terror.

Verweigern? Keine Option.

Natürlich könnte ich mich dem Verweigern. Natürlich könnte ich auch weiter #außenvor bleiben. Allein: Es entspräche weder meinem Naturell, noch meinem Interesse, erst Recht nicht meinem beruflichen. Denn das besteht nun mal auch darin, vernetzt zu sein und zu bleiben, das Netzwerk auszubauen und aus sowie über den digitalen Lebensraum zu berichten

Das Hauptproblem sind indes nicht die vielen verschiedenen Netzwerke, sondern ihre gegenseitige Abgeschottetheit. Wie damals in den Anfangszeiten der Internet-CD-Roms kann man nicht von einem Netzwerk ins andere kommunizieren. Auch teilt mir Facebook nicht mit, dass ich in einem Tweet erwähnt wurde und die Diskussion bei G+ kann nicht auf Twitter gelesen werden.

Alles bleibt in den jeweiligen digitalen Wänden und kann auch nicht von links nach rechts umgezogen werden. Was auf Twitter passiert bleibt Twitter und kommt nicht zu Facebook, G+ oder von mir aus wer-kennt-wen. Und vice versa.

Was auf Twitter passiert, bleibt auf Twitter

Warum das die Netzwerke machen ist nachvollziehbar. Sie wollen ihre Nutzer an sich binden und hoffen darauf, das dominante Netz zu werden.

Doch die Taktik ist userunfreundlich und wird letztlich dazu führen, dass die Diversität leidet. Kein Normalsterblicher wird freiwillig 25 verschiedene Kanäle bedienen, wie es die Alphageeks derzeit tun:

@ Anekdotische Evidenz: Twitter-Traffic steigt, weil alle darüber tweeten, was sie auf Google+ machen.
@BendlerBlogger
Sascha Stoltenow

Denn die meisten User sind schon mit einem Netzwerk gut bedient. Eines wird übrig bleiben, der Rest dicht machen (vlg MySpace) oder als Nischennetzwerk sein Dasein fristen.

Dass das nicht gut ist, wissen wir seit der Vorherrschaft von Facebook: Wer dominiert bestimmt die Regeln und hat mehr Infos in der Hand, als es uns lieb sein kann.

Wo bleibt das Meta-Netzwerk?

Was es wirklich braucht ist eine Art Meta-Netzwerk, das alle möglichen Netzwerke zusammenfasst, so wie es Multi-Messenger wie Adium oder Trillian für Chat-Protokolle tun. Dafür braucht es entweder offene Schnittstellen (APIs) oder ein gemeinsames Protokoll, das den Austausch zwischen den Netzwerken möglich macht. Idealerweise liegen die Daten auf unseren eigenen Homeservern, so dass wir Kontrolle darüber haben, wer wann darauf zugreifen darf und kann.

Tweetdeck mit der Möglichkeit auch auf seinen Facebook-Feed zuzugreifen ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Doch die Facebook-Einbindung ist wirklich nur etwas für Liebhaber oder hartgesottene Design-Verachter. Übersichtlich ist etwas anderes.

Ein wirklich nutzerfreundliches und ansehnliches Meta-Netz ist daher noch lange nicht Sicht. Diaspora ist einer der ersten Versuche, ein dezentrales Netzwerk aufzubauen. Aber die Entwicklung zieht sich, wie das bei Community-Projekten ohne große Firma im Rücken halt so der Fall ist. Dementsprechend wenig ist auf Diaspora los.

Auch andere Versuche wie status.net sind noch lange nicht auf dem Weg in den Mainstream, geschweige denn dort angekommen.

Das wird auch noch dauern. Solange werde ich mit Spannung beobachten, welches Netzwerk wie benutzt wird und das Rennen macht. Und genervterweise einen Kanal mehr bedienen. Hmpf.

//UPDATE 11.07.2011, 11:01//

Zwei weitere Tage sind ins Land gegangen. Mittlerweile hab ich aus GooglePlus mittels Fluid eine eigene App gemacht, die neben meiner FB-App wohnt. Heisst: Ich gewöhne mich an G+. Schon nett da, irgendwie.

Der Konsum geht aber deutlich zu Lasten von Twitter, was ich sehr bedaure, weil Twitter für mich aufgrund der Zeichenbegrenzung immer noch der beste Content-Aggregator ist und bleibt. Nirgends kann man so schnell Content durchwühlen und Stimmungen aufnehmen.

G+ macht dagegen gerade den Eindruck einer großen Party: Alle sind da und freuen sich darüber. Aber tanzen will noch niemand so richtig. Aber wegbleiben will ich auch nicht.

Womit ich wieder beim Zeitproblem wäre: ein weiterer Kanal verlangt nach Aufmerksamkeit. Auf die Dauer wird das nicht gut gehen. Zumindest nicht für mich.

Ich fand es übrigens sehr schön, was Kixka über die Anfangszeit bei G+ gebloggt hat:

“In den ersten Tagen ähnelte Google+ daher gelegentlich einem sehr gut gestyltem Designer-Swingerclub, in dem sich Sexbegeisterte im Miteinander an den neuen Geräten austobten und für das Glück auf Erden hielten.”


Interessant? Sag es weiter! Facebook ist aus Datenschutzgründen vorerst nicht mehr verfügbar.

5 Responses to “Netzwerk-Terror: G+, FB, Twitter – Ich bin genervt!”

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