ZDF.kulturpalast verkauft EPK als Exklusiv-Interview // UPDATE: Achso, Satire
Im ZDF.kulturpalast lief am 16.06.2011 ein vermeinliches Exklusiv-Interview mit dem HipHop-Star “Tyler The Creator” (Link). Ein amüsantes Stückchen mit einem launigen Musiker, der keine Lust hat, immer dieselben nervigen Fragen zu beantworten. Einziges Manko: Das Interview wurde von einer Promotion-Agentur erstellt, der Interviewer hat den Künstler vermutlich nie selbst getroffen.
Der Interviewer wird im Beitrag als “Praktikant Johannes” vorgestellt, der für die Sendung die HipHop-Größe treffen darf. Schon das ist ungewöhnlich: Normalerweise werden Stars von Redakteuren interviewt, nicht von Praktikanten.
Johannes inszeniert sich in der Folge als On-Air-Reporter, der vor und nach dem Treffen ein Statement vor der Kamera gibt:
Jedoch gibt es keine Bilder vom Zusammentreffen der beiden. Johannes setzt sich in den Interview-Raum, vermutlich ein Keller in der Berliner Kulturbrauerei, sammelt sich kurz und beginnt das Interview, in dem er sich als erstes dafür bedankt, dass er das Interview führen darf (“Thanks for having me.”)
Auffällig: Während des gesamten Interviews gibt es keine einzige Totale der Situation. Das mag dem Unvermögen des Praktikanten geschuldet sein, der sich mit Fernsehgepflogenheiten noch nicht auskennt. Aber ein guter Kameramann hätte daran gedacht. Denn schließlich möchte man doch zeigen, dass man den Künstler wirklich getroffen hat.
Doch die fehlende Totale hat wahrscheinlich einen anderen Grund: Das Interviewmaterial ist von der Promotion-Agentur “Beggars Group“, die “Tyler The Creator” betreut. Dies bestätigte man mir telefonisch auf Anfrage.
Das “EPK” (“Electronic Press Kit“) wird an alle interessierten Medien verteilt, die daraus dann ihre Beiträge stricken und findet sich auch auf youtube.
Dort ist auch die Szene zu sehen, in der Tyler dem Interviewer die Fragen abnimmt, um sich eine interessante herauszusuchen:
Im ZDF.kulturpalast wird diese Szene ebenfalls gezeigt. Jedoch ist es hier “Praktikant Johannes”, der die Papiere überreicht:
Mysteriöserweise fehlt die Szene im EPK. Die anschließende Schimpftirade des Musikers über schlechte Interview-Fragen lässt “Praktikant Johannes” zähneknirschend über sich ergehen. Sein Leiden sieht echt aus. “Praktikant Johannes” scheint ein besserer Schauspieler als Journalist zu sein.
Nach dem “Interview” stellt sich “Praktikant Johannes” noch einmal vor die Kamera und spricht folgenden Text:
“Ich glaub, das Interview lief ganz gut. Zwischendurch hab ich das Gefühl gehabt, er war ein bißchen genervt. Es war auch sehr heiß da drin, vielleicht lag’s daran. Und so ganz, mit dem Ghetto-Slang, ich hab nicht alles verstanden. Aber ich glaub, für die Sendung reicht’s. Zurück ins Studio.”
Ob in der laufenden Sendung darauf hingewiesen wurde, dass Interviewer Johannes den Künstler wohl nie in Persona getroffen hat, ist leider nicht nachzuvollziehen. Im Netz konnte ich die Gesamt-Sendung nicht finden.
Aber auch wenn das der Fall gewesen sein sollte: Derzeit steht das angebliche Exklusiv-Interview kontextlos im Internet. Ich bin dem ZDF wirklich dankbar, dass es seine Beiträge ins Netz stellt. Factchecking Galore!
Ich hatte leider noch keine Zeit, die Redaktion ZDF.kulturpalast um Stellungnahme zu bitten. Meine Vermutung: Der Beitrag ist von einer Produktionsfirma, die sich sehr clever vorkam, ein EPK als Exklusiv-Interview zu verkaufen.
Den Head of Promotion der “Beggars Group” Sven Herwig habe ich noch nicht persönlich für eine Stellungnahme erreichen können. Über ihn kam allerdings der Hinweis auf den ZDF-Schmu:
//Screenshot nach Beschwerde von Sven Herwig gelöscht//
Disclaimer: Ich habe für das ZDF über die Firma “Elbmotion Pictures” in der Reihe “ZDF.reporter.unterwegs” Regie geführt und arbeite derzeit über die Produktionsfirma für die ZDF.info-Sendung “Elektrischer Reporter” als Autor.
///
Danke an meinen Mann John G. für den Hinweis!
//UPDATE, 28.6.2011, 16:20 Uhr//
Auch wenn der Beitrag als Satire gemeint war, wie einige Kommentare nahe legen, so muss sich die Redaktion trotzdem den Vorwurf gefallen lassen, dass das Stück im Internet völlig kontextlos (sprich: ohne einordnende Moderation) gezeigt wurde. Als Metatext steht in der Mediathek:
Selbes gilt für die Homepage des ZDF.Kulturpalastes. Auch dort fehlt jegliche Einordnung, das Interview mit Tyler wird als tatsächlich stattgefunden geteast:
Folgende Fragen habe ich jetzt an Sven Herwig, Head of Promotion der “Beggars Group” gestellt:
- Wie ist das EPK zustande gekommen? So, wie in den Kommentaren unter meinem Blogpost geschildert wird?
- Hat der Interviewer, der im Bild zu sehen ist, Tyler getroffen?
- Sind ihres Wissens nach noch andere Kollegen ähnlich vorgegangen wie die Sendung ZDF.Kulturpalast?
- Wie werten Sie die Aufarbeitung durch die Sendung ZDF.Kulturpalast?
- Ist dieses Vorgehen usus in der Musikjournalismus-Branche?
Die Redaktion ZDF.Kulturpalast hat eine schriftliche Stellungnahme zugesagt.
//UPDATE 28.6.2011, 23:50//
Sven Herwig hat mir geantwortet:
Hi,
bei dem Material handelt es sich um ein EPK, das von uns in Auftrag geben wurde. Das EPK stellen wir jedem Medienpartner zur freien Verfügung, der gerne in Bild oder Ton etwas mit Tyler, the Creator machen will und kein eigenes Interview hatte, da der Künstler leider nur sehr wenige Interviews gibt. Was die jeweiligen Medienpartner daraus machen ist ihnen letztendlich selber überlassen. ZDF Kultur hat es eher satirisch aufgearbeitet. Exklusiv war das Interview allerdings nicht (ich weiß nicht, ob der Kulturpalast das überhaupt behauptet hat), da sich nicht wie wie Eingangs erwähnt um syndicated Material handelt.
Kurze Gegenfrage: Gelten private Facebookeinträge jetzt schon als seriöse journalistische Quelle? Ich hoffe doch nicht. Wie konnten sie die Sachlage eigentlich zusammentragen, ohne vorher mit mir gesprochen zu haben? Nur anhand von 3 Sätzen bei Facebook? Interessant….
Schöne Grüße
Sven Herwig
//UPDATE 29.6.2011, 12:45//
Ich selber habe die Stellungnahme des ZDF bislang leider nicht erhalten. Doch die Kollegen von Meedia und DWDL haben die Geschichte aufgegriffen und dort weiß man, dass der ZDF.kulturpalast den Beitrag als Satire verstanden haben möchte.
Die gute Intention in Ehren, bin ich nach wie vor der Meinung, dass das aus oben genannten Gründen gründlich schief gegangen ist. Das ZDF scheint das eingesehen zu haben. Immerhin hat man den Header des Beitrags in der Mediathek um das Wörtchen “Fake” ergänzt.
Die Kollegen von DWDL und Meedia sind übrigens ähnlicher Meinung wie ich.
@fdisselhoff schreibt bei Meedia:
“Der aufmerksame Zuschauer dürfte sich gewundert haben, warum ein Musiker plötzlich von einem Praktikanten interviewt wird. Doch wundert die Haltung der Redaktion schon sehr, das Stück im Nachhinein als Satire zu verkaufen. Denn wer soll in dem Stück derjenige sein, der den Spott abgekommt?”
Und Alexander Krei von DWDL meint:
“Letztlich ist der offenkundig als Satire gemeinte Beitrag mit all seinem Promo-Material wohl schlicht ein wenig unglücklich geraten.”
//UPDATE 30.06.2011, 6:13h//
Gerade erst gesehen: turi2.de berichtete gestern nachmittag auch über das Fake-Interview:
Als Bröckerhoff den Fake in seinem Blog enttarnte, redete sich der Sender damit heraus, den Beitrag als “Ausdruck eines satirischen Umgangs mit der Attitüde eines Sängers” gebracht zu haben. (…) Jetzt muss sich der Sender dem Vorwurf stellen, statt gelungener Satire eine Zuschauertäuschung produziert zu haben.
//UPDATE 30.06.2011 20:31//
Die Story zieht weitere Kreise, mittlerweile werde ich aber nicht mehr als Quelle genannt, nur satundkabel.de referiert auf diesen Blog:
Bild.de – Wirbel um ZDF-Interview mit US-Rapper
B.Z. – ZDF fälscht sich Rapper-Interview zusammen
rap.de – ZDF sendet Fake-Interview mit Tyler
In den Kommentaren ist man sich auch hier (wie bei mir) einig, dass der Beitrag klar als Satire / Ironie zu erkennen gewesen sei.
satundkabel.de – Redaktion von “zdf.kulturpalast” verteidigt sich für Fake-Interview








Juni 28th, 2011 at 12:17
Noch keine Zeit gehabt, um Stellungnahmen einzuholen? Dafür aber diesen ganzen Text formuliert und mit Video- und Fotobeispielen zusammengestellt? Wohl eher keine Lust gehabt, Stellungnahmen einzuholen. Vielleicht wäre der ganze schöne Text dann ja auch hinfällig gewesen. Wie auch immer: Veröffentlichen ohne vorherige vernünftige Recherche ist einfach schlecht.
Juni 28th, 2011 at 13:19
Nein. Ein Blog ist für mich “work in Progress”, daher finde ich es völlig okay, wenn man mit noch unvollständigen Geschichten raus geht. Es geht hier um schnelligkeit, das ist IMHO das wichtigste.
Ich habe schon zweimal versucht sven Herwig zu erreichen, das ZDF wird auch noch seine Anfrage bekommen. Aber da ich dies kenntlich mache, haltenuxh dieses Vorgehen für journalistisch sauber.
Juni 28th, 2011 at 12:44
ich finde den “gag” vom zdf ganz witzig. ich denke anders ist dieses ITV auch nicht zu werten. ich fühle mich jedenfalls nicht hinters licht geführt.
Juni 28th, 2011 at 13:20
Der “gag” ist wie gesagt im Netz kontextlos, daher zündet er nicht, sondern führt zu Verwirrung.
Juni 28th, 2011 at 13:00
Das nennt man Satire. Und dafür ist es gut gemacht vom ZDF.
Was nerviger ist/war sind die Hintergründe die zu dem EPK führten.
Eine ganze Reihe von HipHop Journalisten wurde angefragt für ein Interview mit Tylor. Dann wurden plötzlich alle einzelslots abgesagt da Tylor keine einzelnen Interviews geben sollte.
Daraufhin wurde die Bitte formuliert Fragen zu schicken, da man dann Tylor die Fragen stellvertrettend stellen würde und die Antworten dann zurück erhalten würde.
Das haben viele HipHop Journalisten gemacht.
Wie man sieht war Tylor nicht der kooperativste an dem Tag was wohl dazu führte das alle Fragen durcheinander gestellt wurden, daraus bastelte man dieses EPK, das am Ende allen zugeschickt wurde die Fragen eingeschickt haben.
Nach der Devise wer zuerst kommt malt zuerst.
Das ZDF, das definitiv nicht eine Frage geschickt hat, hat es wenigstens noch am kreativsten gelöst und das Material gut verwertet.
Ach so, Tylor hatte dann doch noch Einzelslots, nur eben nicht mit HipHop Journalisten sondern mit Feuilletonisten, muss sicherlich daran liegen das die niemals so Dumme Fragen stellen würden wie die von Tylor zerissenen HipHop Journalisten Fragen.
Juni 28th, 2011 at 13:26
Danke für die Infos. Als Satire würde ich den Beitrag jedoch trotzdem nicht werten, da diese klar erkennbar sein muss und unter anderem mit Überspitzung arbeitet. Dies ist hier nicht der Fall. Ohne das von dir geschilderte Hintergrundwissen ist der Beitrag schlicht irreführend.
Eine gute Satire wäre gewesen: Problem aufzeigen (Künstler gibt keine ITVs), “Lösung” zeigen (sammelfragen), und dann den Beitrag machen “wie hätte ein interview mit Tyler aussehen können?”. Alternativ hätte man auch gut das Theater um das ITV thematisieren können, das hätte mehr über Tyler ausgesagt als diese verunglückte “Satire” (die für mich kein ist).
Juni 28th, 2011 at 17:10
Sehr geehrter Herr Bröckerhoff,
Es ist durchaus interessant, dass Sie Ihr Thema auf meiner Facebook-Profilseite gefunden haben, ohne dazu Zugang zu haben. Nun, die Informationswege im Netz sind gewunden, aber ergründlich. Wie dem auch sei, ich denke, Sie schätzen die Sachlage etwas falsch ein. Hier mein Blogeintrag auf ZEIT ONLINE von heute Mittag: http://bit.ly/l3oyn0
Beste Grüße
Rabea Weihser
Juni 28th, 2011 at 18:41
Hallo Frau Weihser,
Vielen Dank für ihre Antwort. Den Screenshot habe ich nach Beschwerde von Herrn Herwig wieder gelöscht. Es lag mir fern ihre Privatsphäre zu verletzen, aber in meinen Augen hatte die Konversation keinen wirklich privat-intimen Charakter. Allerdings befinden wir uns ja was Privatsphäre angeht noch mitten in der gesellschaftlichen Aushandlung, so dass solche Fehleinschätzungen passieren.
Danke auch für ihre Aufklärung. Ich bin jedoch nach wie vor der Meinung, dass der Beitrag – gerade ohne Moderation und erklärenden Kontext – nicht als Satire zu erkennen ist. Erst recht nicht, wenn man das popkulturelle Nischenwissen nicht mitbringt wie in meinem Fall. Satire lebt von Überspitzung und Übertreibung – beides ist in meinen Augen nicht gelungen.
Der Vorwurf der mutwilligen Vortäuschung eines Exklusiv-Interviews ist wohl haltlos. Das werde ich nochmal in einem gesonderten Blogbeitrag korrigieren. Aber dass der Beitrag missverständlich ist, dabei bleibe ich.
Juni 28th, 2011 at 19:15
Ich teile die Meinung, dass in diesem Beitrag keinerlei Satire erkennbar ist. Das hätte anders aufgebaut werden müssen. Somit sehr irreführend!
Juni 28th, 2011 at 19:59
Leider ein höchst peinlicher Beitrag.
Der Autor müht sich hier redlich, sich als Watchblogger in Szene zu setzen, vermutlich hätte aber das Zwischenschalten eines Ironiedetektors gereicht, um uns allen diesen ellenlangen Post zu ersparen. In den letzten Momenten des fraglichen Videos zeigt sich mAn überdeutlich, dass es sich hierbei um eine humorvolle Promoaktion handelt.
Ich plädiere dennoch dafür, derartige Clips in Zukunft mit der Aufschrift “Vorsicht, Humor!” zu kennzeichnen.
Juni 28th, 2011 at 22:25
Lieber David,
es tut mir sehr leid, dass Du Deine kostbare Lebenszeit mit diesem höchst peinlichen Beitrag verschwenden musstest. Aber ich freue mich, dass Du mein redliches Bemühen erkannt hast mich als Watchblooger zu inszenieren und dies wertschätzt.
Mein Ironiedetektor muss scheinbar dringend mal in den Service, denn in den letzten Momenten des Videos findet er keinerlei Ironie, nicht mal einen Hauch Witz, keine Spur von gar nichts. Ich mache mir Sorgen. Zum Glück hab ich gerade eben den Ironie-Care-Plan verlängert. Morgen geht das Ding in den Laden.
Kann ja wohl nicht sein, dass ich der einzige bin, der keinen Spaß im Leben hat, weil er Ironie nicht versteht.
Vielen Dank auch für Deine tolle Anregung mit der Humor-Aufschrift. Das wird unlustigen Menschen wie mir sicher eine Hilfe sein.
Liebe Grüße,
Dein Daniel
Juni 28th, 2011 at 22:26
Oh, kann ganz vergessen: “Vorsicht, Humor!”
Juni 29th, 2011 at 04:19
Dafür zahlt man doch gerne Gebühren – Nicht. Guter Artikel, Daniel.
Juni 29th, 2011 at 10:03
Hallo Daniel,
wohlwahr, wenn ein soeben mehrfach als “Schwanzgesicht” beschimpfter “Praktikant Johannes”, den das ZDF natürlich ein solches Interview führen lässt, freudestrahlend resumiert, dass das Interview eigentlich ganz gut gelaufen sei und Tyler The Creator lediglich stellenweise “etwas genervt” war, dann ist hierin unter keinen Umständen Humor zu entdecken. Es muss sich echauffiert werden. Am besten ausführlich.
Auch lässt die Machart/der Schnitt des Interviews keinesfalls erkennen, dass sich die Gesprächspartner zu keiner Zeit im selben Raum befanden. Man müsste Regisseur sein, um dies zu erkennen.
Auch pflichte ich in dem Punkt bei, dass Satire immer in möglichst großen Lettern als solche gekennzeichnet werden muss. Gerade, wenn es sich um einen Viral-Spot, wie den hier diskutierten handelt.
Mit freundlichen Grüßen,
David
Juni 29th, 2011 at 10:44
Lieber David,
das ZDF hat sich sogar die Mühe gemacht, Johannes in den selben (oder einen ähnlichen) Raum zu setzen. Bitte achte mal auf den Hintergrund. Hätte der gute Mann an der Spree gehockt oder in einem Aufzug, wäre das Ganze mehr als offensichtlich gewesen. Eine kleine Totale, in der auf dem Stuhl von Tyler ein 8jähriges Mädchen gehockt hätte und zack! wäre es lustig gewesen. Naja, fast.
Dass Johannes ein “Schwanzgesicht” sein soll entzieht sich meiner Kenntnis und widerspricht sowohl meiner Intention als auch meiner Auffassung.
Ich geh jetzt meinen Ironie-Detektor wegbringen. Der qualmt schon. Magst Du mitkommen? Ich lad Dich auf ein ironiefreies Bierchen ein
Beste Grüße,
Daniel
Juni 29th, 2011 at 11:15
Eines noch: Bei dem Beitrag handelt es sich IMHO nicht um einen viralen Spot. Sowas kennt bei den Öffentlich-Rechtlichen noch nicht wirklich und würde es erst Recht nicht produzieren. Warum auch? Der Beitrag ist ganz normal innerhalb der Sendung eingebettet worden. Von “viral” keine Spur.
Juni 29th, 2011 at 11:48
[...] Der Journalist Daniel Bröckerhoff hat in seinem Blog einen Beitrag des digitalen Spartenkanals ZDF.kultur kritisch hinterfragt, indem aus vorgefertigtem Promotionmaterial ein Interview durch einen Praktikanten geschnitten wurde. Ernst gemeinter Beitrag oder Satire? Sollte der Beitrag wirklich dem Zuschauer als Interview “verkauft” werden, so wäre das ein eklatanter Verstoß gegen den Auftrag des öffentlich-rechtlichen Auftrags. Durch die verfassungsrechtliche Grundlage sind öffentlich-rechtliche Sender gehalten Informationen fundiert und korrekt dem Bürger zu vermitteln. Natürlich gehört auch Unterhaltungsfernsehen und damit satirische Beiträge zur Grundversorgung, wie es Musikantenstadl und Neues aus der Anstalt belegen. [...]
Juni 29th, 2011 at 11:55
eines stimmt wirklich verdächtig: nämlich die bei meedia kolportierte behauptung der zdf-redaktion, tyler gebe keine interviews (“Tyler the Creator ist dafür bekannt, dass er keine Interviews gibt.”). erstens ist der künstler und seine gepflogenheiten dem normalen zuschauer beileibe nicht so bekannt, dass das reichen würde, um sich den vermerk “satire” zu schenken. und viel verdächtiger: die bauhuptung an sich ist eine glatte lüge, udn das zdf weiß das. tyler gab vor einigen wochen in berlin einer reihe von deutscher journalisten interviews, unter anderem dem rolling stone und intro.
das nur mal, falls es nicht bekannt ist.
Juni 29th, 2011 at 12:17
Hi Daniel,
“Viral” ist für mich keine Sache der Plattform. Noch nicht einmal des Mediums, was sich mAn schon aus dem Begriff “viral” ergibt, der auf eine crossmediale “Ansteckung” abzielt. In dem Moment, wo etwas gezielt als “fake” o.Ä. gekennzeichnet ist, kann es weiterhin mAn nicht mehr viral sein, da ja gerade der Prozess des Hinterfragens (“Könnte das echt sein?”) bereits optimalerweise mit der Verbreitung einhergehen soll. So waren z.B. die Viralspots zum Kinofilm “Cloverfield” in keinster Weise als fake gekennzeichnet. Dass keine Bohrinsel vor der japanischen Küste von einem “unbekannten Objekt” versenkt wurde, dürfte den meisten Usern/Zuschauern der besagten Clips dennoch recht schnell klargewesen sein.
Weiterhin spielt es doch keine Rolle, WO sich Johannes befindet. Come on! Der Kerl ist offenkundig “Praktikant” und führt ein Interview mit Tyler t. C., dem Interviewverächter? Lässt sich von diesem als “Dickface” (War meine Erinnerung da so falsch? Kann das Video gerade nicht aufrufen/NSFW) usw. bezeichnen und hakt das dann in seinem Kurzfazit als einigermaßen gelungenes Interview ab? Das soll nicht überzogen sein? (Deine Definition von “überzogen” ist wohl etwas näher an Adam Sandler-Filmen, als meine, fürchte ich.)
Aber ich sehe, hier sind wir an einem toten Punkt.
Ich sage: Wie das ZDF hier einen widerborstigen Künstler zu einem gelungenen Clip verwurstet, mit dem gezielt ein gewisser “Buzz” erzielt werden soll (den du ja nun höchstpersönlich erzeugt hast), ist aller Ehren wert. Fragwürdigen Input kreativ verarbeitet.
Du sagst, Satire müsse man deutlich kennzeichnen. Wir könnten nun das Wörtchen “deutlich” definieren, bis zum Gehtnichtmehr. Muss aber nicht sein. Ich bleibe dabei: Kann man auch mal kapieren, die Aktion.
Bierchen aber gerne, bei dem Wetter.
Gruß,
David
Juni 29th, 2011 at 12:29
ABER (und hier kommt die Quintessenz):
Die Begriffe “Satire”, “Ironie”, “deutlich überzogen” usw. usf., sind….reichlich diffus, würde ich mal sagen. Insofern: Ansichtssache!
Generell gilt, das muss ich dann trotz der Tatsache, dass ich auf meiner Meinung beharre, an dieser Stelle einräumen: Besser einmal “zu viel” (nicht zu wörtlich nehmen!) gewatchbloggt, als einmal zu wenig, lieber Daniel.
Grützi,
David
Juni 30th, 2011 at 09:43
ohje. satire und ironie sind in deutschland noch immer eine sauheikle nummer. aber immerhin eifrig investigativ gewesen und seinen namen bekannter gemacht.
Juni 30th, 2011 at 10:01
Danke für den Kommentar. Aber ich bin wie bereits mehrfach wiederholt völlig anderer Meinung. Man kann nicht einfach versuchen etwas satirisch zu meinen, aber den Stil nicht beherrschen. Satire und Ironie sind IMHO hohe Kunstformen, die viel Übung und Fingerfertigkeit erfordern. Der Beitrag hätte mit der richtigen Einordnung und der entsprechenden Überspitzung vielleicht funktioniert. Beides ist hier in meinen Augen nicht vorhanden. Kein Beinbruch, aber vielleicht eine Lektion darin, dass man sein Handwerkszeug beherrschen sollte, wenn man sich in gefährliches Fahrwasser begibt.
Zu dem (typisch deutschen) Vorwurf der Selbstinszenierung:
Natürlich geht es im Web immer um Aufmerksamkeit, willkommen in der Medienwelt! Damit verdienen wir hier Geld. Aber wenn die Geschichte nicht gut ist oder funktioniert, bekommt man auch keine Aufmerksamkeit.
Ich war zwischenzeitlich auch am Zweifeln, ob ich der Einzige bin, dessen Ironiedetektor nicht mehr läuft. Aber die Kollegen von DWDL, Meedia und turi haben mich in meiner Interpretation bestätigt.
Juni 30th, 2011 at 10:52
quantität ist immer ein tolles argument, vor allem wenn es für analyse nicht reicht und man weiter auf der falschen erkenntnis beharren möcht. übrigens auch so eine typisch deutsche sache: meine nachbarn haben ja auch nix gesagt, als sie die cohens aus dem nachbarhaus abgeholt haben, also wird es schon seine richtigkeit haben und nicht am vernunftdetektor liegen.
wobei: wenn das neben dwdl (!), meedia (!!) und turi2 (!!!) selbst die bz so sieht, dann muss es einfach so sein!
ein bißchen ist die reaktion so wie wenn sich konservative amerikaner über jon stewart, oliver john, stephen colbert aufregen, aber ich will nicht ausschließlich kritisieren, sondern auch beitragen und lösungsvorschläge liefern: vielleicht könnte man ja ein ACHTUNG SATIRE schild einführen, damit die hochkulturgeschulten rezeptionisten (ACHTUNG QUALITATIV MINDERWERTIGES WORTSPIEL UND KEINE, ICH WIEDERHOLE KEINE FÄLSCHLICHE VERWENDUNG!) auch schlechte satire als solche direkt erkennen können!
Juni 30th, 2011 at 11:26
“..für eine Analyse nicht reicht”? Ich denke, ich habe hier genug Analyse geliefert.
“..falsche Erkenntnis beharren”? Keine Erkenntnis, eine Meinung, und auch genauso gekennzeichnet. Bitte Unterschied beachten. Und mir das Recht auf meine Meinung lassen. Lass ich Dir ja auch. Danke.
Juni 30th, 2011 at 13:12
abyssus abyssum invocat
Juni 30th, 2011 at 14:52
so alt sehen sie doch gar nicht aus..dass ein rentner da evtl ein bisschen verwirrt ist, geschenkt..aber ein (selbsternannter( “journalist”
lol
Juni 30th, 2011 at 15:41
Der selbsternannte “Journalist” (ist ja nicht geschützt der Begriff) hat sein Portrait natürlich Hardcore photoshoppen lassen, um bei den Damen besser anzukommen. Ich habe mich aber auf jeden Fall besser gehalten als mein ehemaliger Mitschüler Jopi Heesters. Der sieht ja ganz schön alt aus.
Juli 3rd, 2011 at 18:32
[...] Commons, ZDF.kulturpalast verkauft EPK als Exklusiv-Interview, Greenpeace Star Wars-Campaign strikes back, Kind of Bloop / Kind of Screwed, Vortrag/Video: [...]
September 9th, 2011 at 07:51
Alle sind eingeladen die Schriften von Mutter Gertrude, dem erwachten Seelgeistmenschen der Neuzeit, zu lesen und ins Fernsehen zu stellen, indem sie persönlich eingeladen und jede Frage, die an sie gerichtet wird, beantworet.
“Es ist die stumme Zeit des Fischweges und gebildeten Illusionsvorhanges vorbei!”
Der Mensch erwacht aus der Ganzheitserkenntnis in die lichterfüllte Weisung und lebt aus der veranlagten Individualität sein mitgeborenes Potential, welches in der Kunst und der friedlichen Kultur ihren Ausdruck findet, wenn aus Freiheit und Entwicklungsmöglichkeit dieser Raum dem einzelnen Menschen geschaffen im Alltag Realisierung erfährt..
Mutter Gertrude
September 9th, 2011 at 07:53
Alle sind eingeladen die Schriften von Mutter Gertrude, dem erwachten Seelgeistmenschen der Neuzeit, zu lesen und ins Fernsehen zu stellen, indem sie persönlich eingeladen und jede Frage, die an sie gerichtet wird, beantwortet.
“Es ist die stumme Zeit des Fischweges und gebildeten Illusionsvorhanges vorbei!”
Der Mensch erwacht aus der Ganzheitserkenntnis in die lichterfüllte Weisung und lebt aus der veranlagten Individualität sein mitgeborenes Potential, welches in der Kunst und der friedlichen Kultur ihren Ausdruck findet, wenn aus Freiheit und Entwicklungsmöglichkeit dieser Raum dem einzelnen Menschen geschaffen im Alltag Realisierung erfährt..
Mutter Gertrude
September 9th, 2011 at 07:57
Der Mensch trägt in der Wassermannzeit die Verantwortung für das Gelingen seines mitgeborenen Lichtplanes, welches ihn durch das ÖR direkt hindurchführt und die Geisterweckung gibt,
Die Fischzeit geht zu Ende!
Die Wassermannzeit hat im Widder die neu zu realisierende Kraft der Wurzel und dem eigenen Haupt die Mitte zu bilden, daraus der Friede, die Freiheit und Freude hervorgeht, ganz in der Schöpfung das geliebte Geschöpf zu sein und Kultur des Friedens zu stiften, wie die Meister im Beispiel und Weg zeigten, ohne einen Anhängerkult zu schaffen die an der Außenwelt hängen und die inwendig mitgeborene Lichtwelt vergessen.
September 9th, 2011 at 08:09
Jede freie Entwicklung weist auf das inwendig mitgeborene Schöpferpotential und wird aus dem herrschenden Zeitgeist ernährt.
Geht eine vertrocknete Kultur zu Ende, ist die neue bereits im Keimling ein sich aufzeigendes Wachstum und kommt durch die Schöpferkraft ins Kulturleben realisiert.
Siehe Homepage
http://www.seedcamp.at
September 26th, 2011 at 02:04
Alles zu Goethes Iphigenie auf Tauris wie Analyse,Inhaltsangabe und vieles mehr….
[...]ZDF.kulturpalast verkauft EPK als Exklusiv-Interview // UPDATE: Achso, Satire | Daniel Bröckerhoff[...]…
Dezember 12th, 2011 at 03:40
faustus eberle…
[...]ZDF.kulturpalast verkauft EPK als Exklusiv-Interview // UPDATE: Achso, Satire | Daniel Bröckerhoff[...]…