Guttenberg-Star-Trek-Zitat: Die Entstehung eines Hoax

Seit gestern nachmittag macht auf Twitter das Gerücht die Runde, Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hätte sich auch bei seiner Abschiedsrede bei anderen bedient, ohne die Quelle kenntlich zu machen.Die Behauptung entbehrt jeglicher Grundlage, wird leider trotzdem weiter verbreitet. Hier kurz die Entstehung des Hoax.

Konkret geht es um den letzten Satz seiner Rede, der vermeintlich aus dem Star Trek-Film „Der Zorn des Khan“ stammen soll:

[blackbirdpie url=“https://twitter.com/stoltenberg/status/42985369481920512″]

Dieses Gerücht wurde massenweise geretweetet, anders formuliert verbreitet, weiter kolportiert. Immer ohne Beleg oder Quelle.

Ich wollte dieses – zugegeben sehr hübsche – Gerücht nicht so recht glauben und hab versucht, im Skript des Films durch Stichwortsuche eine entsprechende Stelle zu finden. Erfolglos.

Durch einen Hinweis von @Zivilschein bin ich auf den vermeintlichen Ursprung des Hoaxes gekommen:

[blackbirdpie url=“https://twitter.com/johl/status/42604088092925952″]

Ein Blick in die Timeline von @johl zeigt jedoch: Der Tweet war geklaut. Absichtlich:

[blackbirdpie url=“https://twitter.com/johl/statuses/42612627934945280″]

Die Quelle des Gerüchts scheint also der Fake-Account @KaTzuGuttenberg zu sein:

[blackbirdpie url=“https://twitter.com/KaTzuGuttenberg/statuses/42535357178314752″]

Dieser scheint relativ schnell gemerkt zu haben, was er mit diesem Tweet angerichtet hat, denn kurz nach der Nachricht folgte die Aufklärung:

[blackbirdpie url=“https://twitter.com/KaTzuGuttenberg/statuses/42621941353431040″]

Und auch @johl bemühte sich, zurück zu rudern:

[blackbirdpie url=“https://twitter.com/johl/statuses/42608599427579904″]

Doch zu spät. Aus dem Ursprungs-Tweet, der selber noch gar keinen Vorwurf enthält, wurde schnell ein Selbstläufer. Mit einem ganz konkreten Vorwurf: Alles nur geklaut:

[blackbirdpie url=“https://twitter.com/frankerler/statuses/42948411405770752″] [blackbirdpie url=“https://twitter.com/b4ck3/statuses/42618409971748864″]

In der Zwischenzeit erreichte das Gerücht auch Facebook und wurde dort belustigt kommentiert und verbreitet.

Nur wenige User äußerten Bedenken:

[blackbirdpie url=“https://twitter.com/_khp/statuses/43050691329142784″]

Leider ohne spürbaren Effekt. Schließlich sprang heute nachmittag auch noch ein Twitter-Account der taz auf und sorgte dafür, dass der Hoax bis in die letzten Ecken des Netzes weitergereicht wurde:

[blackbirdpie url=“https://twitter.com/tazgezwitscher/statuses/42990727625576448″]

Dass ein Zeitungsaccount ein solches Gerücht verbreitet, ist nicht nur erstaunlich, nein, es ist unverantwortlich. Auch wenn es „nur lustig“ gemeint war. Ich bin da ganz bei @carsten_erdmann:

[blackbirdpie url=“https://twitter.com/carsten_erdmann/statuses/43059403640946688″]

..und wie peinlich für andere, die es besser wissen sollten.

PS: Das @tazgezwitscher hat den Tweet bislang noch nicht als Hoax enttarnt.

//UPDATE 3.3.11, 18:39//

Die taz bat mich soeben freundlich darum, doch darauf hinzuweisen, dass sie ihren Fehler eingesehen und korrigiert haben. Ich war leider den ganzen Tag unterwegs und komme erst jetzt dazu, aber das mach ich natürlich gerne:

[blackbirdpie url=“https://twitter.com/tazgezwitscher/status/43244982034903040″]

Leider fehlt auch in diesem Tweet wieder etwas Wichtiges: Die Quelle. Aber man soll ja nicht zuviel verlangen.



73 Kommentare

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  1. Chris Wolker

    An dieser Stelle sollte eigentlich ein Kommentar von „Chris Wolker“ stehen, in dem ellenlang über das „Opfer Guttenberg“ lamentiert wird. Leider ist der Kommentar ein Plagiat von der Pro-Guttenberg-Facebook-Gruppe, siehe Kommentar von Horst: https://www.facebook.com/topic.php?uid=51323411925&topic=16157&perpage=30&post_index=1&start=-57&post_id=365550&hash=70891b3779180ad0d94531c296e8d030

    Sowas dulde ich in meinem Blog natürlich nicht.

    MfG,

    Daniel Bröckerhoff

    • abraxas

      ja was denkst du denn? Wenn Rufmord unkritisch, ungebremst und ohne Moral oder Respekt gegenüber dem Menschen an sich verbreitet wird, dann ist da kein großer Unterschied zur Kontrolle der Massen. Lies mal das Buch Die Welle, vielleicht erkennste dann die 3 Prinzipien wieder, Macht durch Gemeinschaft und Macht durch Handeln ist schon gegeben. Denn wenn du nicht sofort die neuesten Gerüchte über den gemeinsamen erklärten Feind verbreitest gehörst du ja nicht dazu. So kann man Massen kontrollieren ..

    • Daniel Bröckerhoff

      1.) Sollte klar geworden sein, dass es sich hier von der ursprünglichen Intention her nicht um Rufmord gehandelt hat, sondern um den Versuch einer Satire (nicht sehr gelungene, wie ich finde)
      2.) Vermischt Du hier zwei Sachen, die nicht zusammen gehören: „Kontrolle der Massen“ durch eine höhere Instanz, die Medien und Meinungen versucht zu manipulieren und das FREIWILLIGE Weiterverbreiten von Inhalten. Wie Du das in einen Topf bekommst, ist mir schleierhaft. Keiner war gezwungen, den Tweet weiterzureichen, es drohte weder „Ausschlus“ noch sonstige Konsequenzen. Ein hanebüchener Vorwurf.
      3.) Gibt es immer noch Leute, die versuchen solche Gerüchte aufzuklären und diese werden in diesem Land NICHT daran gehindert.
      4.) Gibt es keinen „gemeinsamen Feind“. Dass es auch viele Guttenberg-Fans gibt, sollte in den letzten Tagen klar geworden sein.

      ERGO: In diesem Fall von einer „Hexenjagd“ zu sprechen entbehrt jeglicher Grundlage. Ganz zu schweigen vom Faschismus.

    • Jens

      Deine Aussage ergibt für mich wirklich ganz wenig Sinn. Wo wird denn hier direkt von Rufmord gesprochen? Daniel hat dies bereits alles schon sehr gut dargelegt.


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