Domscheit-Berg-Buch: Was am Wikileaks-Statement merkwürdig ist

Das Buch von Domscheit-Berg ist noch nicht mal erschienen, da kündigt Wikileaks schon rechtliche Schritte an.

In einer Stellungnahme wird verlautbart:

“WikiLeaks has been taking legal action against former employee, Daniel Domscheit-Berg who was suspended from the organization in September. In the book Domscheit-Berg confesses to various acts of sabotage against the organization. The former WikiLeaks staffer admits to having damaged the sites primary submission system and stolen material.”

Ohne mich auf eine Seite stellen zu wollen, sind allein in diesem Absatz schon einige interessante Formulierungen. Domscheit-Berg als “Employee” zu bezeichnen impliziert, dass er nicht gleichberechtiger Mitstreiter, sondern Angestellter der Organisation gewesen sei.

Mir gegenüber sagte Domscheit-Berg im Interview für die ARD-Dokumentation “Weltmacht Wikileaks?”, dass er niemals Geld von Wikileaks für seine Arbeit erhalten habe und sich selber auch nicht als Angestellter verstanden habe. Hier offenbart sich eine gewaltige Dissonanz in der gegenseitigen Wahrnehmung von Assange und Domscheit-Berg.

Die Behauptung, Domscheit-Berg habe das Submission-System sabotiert ist aus zweierlei Gründen auffällig: Zum einen, weil Assange bislang immer angegeben hatte, der sichere Upload sei deaktiviert, weil man vorerst kein neues Material mehr annehmen wolle. Jetzt endlich gibt er zu, dass das System nicht mehr funktionabel sei:

“The sabotage and concern over motives led to an overhaul of the entire submission system, an ongoing project that is not being expedited due to its complex nature and the organization´s need to focus its resources on publication and defense.”

Zum anderen ist dies interessant, weil Domscheit-Berg in seinem Buch “Inside Wikileaks” (und im Stern-Interview) behauptet, nicht er, sondern der Top-Programmierer der Plattform – genannt “Der Architekt” – habe die von ihm selbst geschriebene Software mitgenommen.

Das Statement fährt damit fort zu festzustellen, dass Domscheit-Bergs Rolle bei Wikileaks limitiert gewesen sei, er habe nur zeitweise als Deutschland-Sprecher der Organisation fungiert  und sei weder Programmierer der Plattform gewesen, noch IT-Sicherheitsexperte.

Daraus ergibt sich zwangsläufig die Frage, warum ein vermeintlich derart limitiert Befugter gemeinsam mit Assange ständig auf internationalen Kongressen auftauchte und sprach und im Namen von Wikileaks internationalen Medien Interviews gab. Domscheit-Berg hat auf die Behauptung, er sei kein IT-Fachmann gegenüber Forbes angeboten, Kopien seiner Zeugnisse einzureichen.

Domscheit-Berg gibt gegenüber Forbes übrigens auch an, Wikileaks hätte bislang noch keine “legal actions” gegen ihn in Gang gebracht:

I have received a letter from German attorney Johannes Eisenberg representing Julian that does not mention any law or regulation I have implicated, violated or whatever. It is a mere statement, written in the worst German I ever read, and it is not even spelling my name correctly.

Auf die Frage, ob er Code für Wikileaks programmiert habe, sagte Domscheit-Berg mir im Interview, dass er dies tatsächlich niemals getan habe. Seine Rolle sei vielmehr administrativ und repräsentativ gewesen. Zudem gibt er in seinem Buch an, eine Vielzahl von Dokumenten gemeinsam mit Assange auf Authentizität geprüft zu haben.

Domscheit-Berg stellt heute sein Buch in Berlin vor. Darin enthalten sind noch eine Vielzahl von weiteren Vorwürfen gegen Assange. Auf seine Antwort bin ich gespannt.




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