Deutschland, Deine V-Männer…

Zur allgemeinen Belustigung und Warnung an alle politisch aktiven Kreise kursiert gerade die Geschichte vom vermeintlichen Heidelberger Studenten Simon Brenner in den Medien. Die Geschichte zeichnet ein desaströses Bild des LKA Baden-Württemberg, unter anderem was den Umgang mit moderner Telekommunikation angeht.

Die Story, kurz erzählt: Ein V-Mann mit Decknamen „Simon Brenner“ schleicht sich in die linke studentische Szene in Heidelberg ein, legt Dossiers der Aktiven an, berichtete dem LKA – das ihn angeblich ohne dezidierten Auftrag dorthin geschickt hat – über die Aktivitäten der Szene und fliegt auf, weil er von einer Studentin auf einer Party erkannt wird.

Die hatte er nämlich im Vorjahr im Urlaub kennen gelernt und ihr erzählt, dass er bei der Polizei arbeitet.

Laut Indymedia ist das "Simon Brenner"

Laut Indymedia ist das "Simon Brenner"

Als er einen Tag später von seinen vermeintlichen Freunden zur Rede gestellt wird, leugnet er nichts, packt reumütig aus, dass er für die Abteilung „Verdeckte Ermittlungen – Staatsschutz“ arbeitet und verschwindet kurz darauf von der Bildfläche.

Amüsantes Nachspiel

Bis dahin war die Geschichte vielen längst bekannt, richtig amüsant ist jedoch das Nachspiel. Unbekannte aus der Szene haben nämlich den E-Mail-Account von besagtem Simon Brenner gehackt und auch seine Handyabrechnungen in die Finger bekommen. Darin enthalten: Die mutmaßliche Telefonnummer seines Kontaktmannes.

Die FR hat bei besagter Telefonnummer angerufen und berichtet:

„Wählt man nun die Nummer, meldet sich ein Mann, der auf die Frage, ob er Angehöriger des Landeskriminalamts sei, sofort auflegt.“

Wie die Hacker an die Handyrechnung gekommen sind, schreibt die FR nicht. Meine Vermutungen: Sie haben sich die Abrechnungen mit Hilfe der geknackten Email-Adresse über die Seite des Handy-Providers verschafft.

Vermutlich hat „Simon Brenner“ seine Tarn-Adresse auch benutzt, um sein Tarn-Handy zu verwalten – und wer einmal Zugriff auf das Email-Konto hat, bekommt leicht über die „Passwort vergessen“-Funktion Kontrolle über alle möglichen anderen Daten.

Was lehrt uns diese Geschichte?

Das LKA Baden-Württemberg hat (oder besser hatte) einen V-Mann..

  1. …der entweder vor einem Jahr noch nichts von ihrem neuen Job wußte oder trotzdem sehr redselig war
  2. …der es nicht schafft, sich aus einer „Sie sind enttarnt“-Situation herauszureden
  3. …der nicht in der Lage ist, seine Telekommunikation so zu betreiben, dass sie nicht ohne weiteres gehackt werden kann
  4. …der für Handykonten vermutlich seine (hackbare) Email-Adresse verwendet
  5. …der seine Handyabrechnung so einstellt, dass alle angerufenen Telefonnummern darauf ausgewiesen werden und damit die Telefonnummer seines Kontaktmannes preisgibt.

Mein Gefühl: Solange in den LKAs solche V-Männer unterwegs sind, müssen wir uns keine wirklichen Sorgen um die Untergrabung unserer Demokratie durch Ermittlungsbehörden machen.

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