Zeit Online,
der Afghanistan-Krieg
und die CIA

Was haben ein Strategie-Papier der CIA, Zeit Online und ein afghanisches Frauengefängnis miteinander zu tun? Nicht viel? Vielleicht doch.

Die Kollegen von Zeit Online, für die ich mitunter auch schreibe, haben eine interessante Fotostrecke veröffentlicht. Die Fotografin Paula Bronstein von der Fotoagentur „Getty Images“ durfte das Frauengefängnis im afghanischen Masar-i-Scharif besuchen und zeigt in bedrückenden Bildern das Leben hinter Gittern.

Zeit Online-Fotostrecke (Foto aus Copyright-Gründen geschwärzt)

Zeit Online-Fotostrecke (Foto aus Copyright-Gründen geschwärzt)

Unter den Fotos stehen Erklärungen wie:

Viele der Frauen im Gefängnis sind wegen „moralischer Verbrechen“ in Haft: von zu Hause weglaufen, sich einer Ehe zu verweigern oder zu heiraten ohne Zustimmung der Familie. Auch der Versuch des Ehebruchs ist strafbar. (Link)

oder auch

Das „Verbrechen“ der 38-jährige Shafiqa: Sie ist von zu Hause weggelaufen. (Link)

Die Fotostrecke hat ihre Berechtigung, ist aufrüttelnd und emotional und zeigt, wie afghanische Frauen unter Umständen wegen moralischer Vergehen in Haft genommen werden, für die wir im Westen kein Verständnis haben. Im Klartext: Die Strecke zeigt, wie afghanische Frauen in unseren Augen unterdrückt werden und leiden.

CIA: Situation afghanischer Frauen zeigen

Das Fotostrecke gewinnt in meinen Augen aber noch eine andere Bedeutung, wenn man ein Strategiepapier des CIA betrachtet, das die Whistleblower-Plattform Wikileaks im April ins Netz stellte.  Das Papier stammt von der sogenannten „Red Cell“, einem ThinkTank des Geheimdienstes, der angehalten ist, „out of the box“ zu denken, also neue Gedankenwege zu gehen.

In einem Bericht von tagesschau.de heißt es dazu:


Jetzt müsse man deutschen Medien nur noch Interviews mit Frauen in Afghanistan ermöglichen, denn afghanische Frauen könnten so persönlich und glaubwürdig ihre Angst vor den Taliban und ihre Zukunftshoffnungen äußern.

Und wenn diese Botschaft der afghanischen Frauen die Herzen der Frauen in Deutschland erreiche, dann könne sich die Stimmung gegenüber dem Bundeswehreinsatz verändern. Denn die Frauen in der Bundesrepublik – so das CIA-Dossier- seien in Punkto Afghanistan noch kriegsmüder als die deutschen Männer.

In einem deutschen Frauengefängnis Bilder zu machen ist schon schwer genug. Wie kompliziert mag das Unterfangen dann erst in Afghanistan sein? Dass diese Bilder zustande gekommen sind, ist zwar eine journalistische Meisterleistung, die Erlaubnis dazu bekommt man vermutlich aber nur mit Genehmigung von „oben“.

Ich weiß nicht, welche Kontakte Frau Bronstein in Afghanistan hat, vielleicht überinterpretiere ich das Ganze auch, obwohl ich kein Freund von Verschwörungstheorien bin. Aber die Fotostrecke und die Gedankenspiele des (verfizierten) CIA-Papiers passen dann doch zu gut zusammen, als dass das Ganze ein bloßer ein Zufall sein kann.

Um es klar zustellen: Ich bin NICHT der Meinung, dass sich die Kollegen von Zeit Online hier als williger Erfüllungsgehilfe irgendwelche CIA-Strategien hergeben. Als Redakteur hätte ich die Fotostrecke sehr wahrscheinlich auch publiziert. Aber ein Hinweis auf das CIA-Papier würde die Fotogeschichte nochmal in ein anderes Licht rücken.

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch dieser Artikel, über das verstümmelte Mädchen vom Time-Cover. Der Beitrag ist in meinen Augen zwar sehr populistisch und reißerisch geschrieben und ich distanziere mich deutlich von dessen Kernaussage. Aber er bietet einige interessante Offenbarungen bezüglich des Zusammenspiels von Medien, Macht und öffentlicher Meinung.