FAS macht Schlagzeilen mit dem falschen Problem

Die FAS hat mit diesem Artikel für mächtig Wind gesorgt. Viele Onlinemedien sprangen auf den Zug auf, berichteten über die „neue Datenschutzlücke bei Facebook“. Für das wirkliche Problem hat sich indes kaum einer interessiert.

Dass Facebook mit jedem Trick versucht seinen Mitgliedern (auch mir) Daten abzuluchsen, ist weder neu noch besonders verwerflich. Schließlich bietet das Netzwerk seine Dienste kostenfrei an. Im Gegenzug möchte es soviele Daten wie möglich haben, die sich gewinnbringend einsetzen lassen. Die alte Regel „there’s no free lunch“ gilt auch hier und sollte jedem Netzwerkendem mittlerweile klar sein.

Dass einige Mitglieder dem Netzwerk trotzdem bereitwillig zuviel von sich mitteilen, ist auch ein alter Hut. Bereits im Sommer sorgte das Angebot von Facebook, Handy-Telefonbücher hochzuladen, um einfacher seine Freunde zu finden, für Aufregung. (Der Link zum Löschen bereits hochgeladener Telefonbücher ist übrigens dieser.) Auch die Funktion „Email-Kontakte durchsuchen“ wurde ausreichend kritisiert.

Alte Nachrichten neu verkauft

Dass der FAS-Artikel soviel Aufmerksamkeit bekommt, zeigt zum einen, dass viele Redaktionen sich im Netz noch nicht ausreichend auskennen und alte Nachrichten als Neue verkaufen. Sie zeigt gleichzeitig, dass viele Menschen sich nicht wirklich damit beschäftigen, was sie im Netz so treiben und man sie daher scheinbar immer und immer wieder auf die Gefahren und Risiken aufmerksam machen muss.

Um es deutlich zu sagen: Das Problem (Fremde-können-herausfinden-welche-Nicht-Mitglieder-in-Email-Kontakt-mit-Mitgliedern-stehen-Problem), auf das die FAS hinweist, ist vorhanden und nicht unkritisch. Aber mit dem Wissen, wer mit wem E-Mail-Kontakt hat, lässt sich (Achtung! Hypothese!) nur in den allerwenigsten Fällen wirklicher Schaden anrichten.

Das wäre alles nicht so schlimm, wenn die Kollegen in Frankfurt nicht das wirkliche Problem übersehen hätten:

Facebook lädt zum Identitätsdiebstahl geradezu ein.

Das Unternehmen möchte die Hemmschwelle zur Nutzung so niedrig wie möglich halten. Das Klicken auf einen per E-Mail zugesandten Bestätigungslink hält man dort wohl schon für ein mögliches Hindernis, neue Mitglieder von sich zu überzeugen. Zwar kann man erst nach besagtem Klick das Profil wirklich nutzen und z. B. Statusupdates posten. Es ist aber schon möglich, virtuelle Freundschaften zu schließen und Nachrichten zu empfangen, wie techcrunch-Chef Michael Arrington herausgefunden hat.

Er war es, der sich vergangene Woche als Google-Chef Eric Schmidt bei Facebook anmeldete und so auf das Problem aufmerksam machte, an dem sich jetzt auch die FAS fett fraß. Leider mit falschem Fokus. Denn Arrington bekam auch eine „fairly private message“ für Schmidt. Das Profil war wohl für Schmidts Bekannte überzeugend genug, um gleich nach Erstellung persönliche Nachrichten zu schicken. Und das ist in meinen Augen das wirkliche Problem.

Cybermobbing wegen geklautem Facebook-Konto

Was ein böser Geist mit einem gefälschten oder geknacktem Sozialen-Netzwerk-Konten anrichten kann, ließ sich schon vor einigen Wochen nachlesen. Das Facebook-Konto eines Linzers war geknackt worden, unter seinem Namen veröffentlichte dann ein Unbekannter Statusupdates. Diese legten nahe, dass der Mann seine eigenen Töchter mißbraucht habe – eine vermeintlich schwere Selbstbezichtigung. Flugs kam es dann auch zu einem ausgeprägtem Cybermobbing

Dies ist mit einem Konto, das mit einer fremden (und wirklich existierenden) Email-Adresse eingerichtet wurde, zwar so nicht möglich. Aber es ist kein Problem, neue Email-Adressen unter fremden Namen anzulegen und mit diesen dann ein vermeintlich echtes Facebook-Konto zu eröffnen. Es ist schier unmöglich, alle möglichen Namensvariationen bei allen Free-Mail-Anbietern zu sichern, um zu verhindern, dass andere im eigenen Namen handeln.

Ich sehe ein, dass es für Facebook sehr schwer ist, verläßlich zu verfizieren, dass es sich bei einem neuen Mitglied wirklich um die Person handelt, die sie vorgibt zu sein. Derzeit macht es sich das Unternehmen allerdings viel zu einfach und die meisten Medien (und Menschen) nehmen das Problem nicht einmal wahr.




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